August 2010

Abschied

Der deutsche Filmemacher, Performer und Regisseur Christoph Schlingensief ist tot. Er erlag am 21. August seiner Krebserkrankung. Bereits Anfang Juli hatte Schlingensief eine Produktion für die diesjährige Ruhrtriennale kurzfristig absagen müssen, weil sich sein Zustand rapide verschlechtert hatte. Nachdem die behandelnden Ärzte neue Metastasen diagnostiziert hatten, sah sich «der Autor und Regisseur nicht in der Lage, im geplanten Zeitrahmen sein Werk zur Aufführung zu bringen», teilten die Veranstalter mit. An der Berliner Staatsoper sollte Schlingensief die Oper «Metanoia» von Jens Joneleit inszenieren, die Anfang Oktober im Schiller Theater, der Ausweichspielstätte des Hauses, unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim uraufgeführt werden soll. Wer das Projekt nun szenisch betreuen wird, ist derzeit noch offen. Schlingensief war einer der bedeutendsten und zugleich umstrittensten Theater-, Film- und Performancekünstler Deutschlands. Seine Arbeiten bezeugten mit den Mitteln dadaistischer Subversion und Provokation und unter Nutzung der Medien stets eine Suche nach Authentizität, Wahrhaftigkeit und spirituellem Sinn in einer zunehmend aus der Balance geratenen Welt. Von den frühesten Filmen bis zu seinen späten Theaterprojekten wie «Mea Culpa» an der Wiener Hofburg oder seinen Operninszenierungen in Bayreuth («Parsifal»), Manaus («Der fliegende Holländer») und an der Deutschen Oper Berlin (Walter Braunfels’ «Jeanne d’Arc») propagierte Schlingensief dabei auch immer jenen offenen, erweiterten Kunstbegriff, den Joseph Beuys einst forderte. Kunst war für den Apothekersohn aus Oberhausen vor allem politischer Kommentar zum Verhältnis von Kunst und Leben. Am 21. Oktober wäre Christoph Schlingensief 50 Jahre alt geworden. Ein ausführlicher Nachruf folgt in unserem Jahrbuch «Oper 2010».

Leonid Brumberg, ein bedeutender Vertreter und Wahrer der Moskauer Klavierschule, ist nach Angaben seiner Familie im Alter von 85 Jahren in Wien verstorben. Brumberg wurde in Rostow am Don geboren und studierte am Moskauer Konservatorium Klavier bei Heinrich Neuhaus, Instrumentation bei Dmitri Schostakowitsch und Komposition bei Nikolaj Mjaskowski. Als Assistent von Neuhaus, dem Pädagogen und Ziehvater von Swjatoslaw Richter und Emil Gilels, unterrichtete Brumberg an der Gnessin-Akademie in Moskau, der er später als ordentlicher Professor angehörte. Im Laufe der Zeit wuchs sein Repertoire auf über 30 Klavierkonzerte und 100 Soloprogramme an, darunter die 32 Klaviersonaten von Beethoven und das Gesamtwerk Chopins. Seit seiner Emigration nach Wien im Jahre 1981 gab Leonid Brumberg Konzerte in ganz Europa sowie im Nahen und Fernen Osten. Seit 1982 war Brumberg, von dem zahlreiche Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen vorliegen, Professor am Konservatorium der Stadt Wien. Er gehörte auch zu den Stammkünstlern des Rheingau Musik Festivals. Hier führte er unter anderem in den Jahren von 1991 bis 1996 das gesamte Klavierwerk Chopins auf.

 

Jubilare

Daniel Barenboim feiert sein 60-jähriges Bühnenjubiläum. Gerade sieben Jahre alt war Daniel Barenboim, als er am 19. August 1950 in Buenos Aires sein erstes Konzert als Pianist gab. Grund genug, in seiner Heimatstadt auch das jüngste Jubiläum zu begehen. Noch bis zum 31. August gastiert Barenboim in dem unlängst wiedereröffneten Teatro Colón, wo er insgesamt zehn Konzerte dirigieren wird. Mit dem West-Eastern Divan Orchestra wurden und werden in sieben der zehn Konzerte neben Werken von Pierre Boulez, Arnold Schönberg und Robert Schumann auch alle neun Sinfonien Ludwig van Beethovens aufgeführt. Mit dem Orchester und dem Chor der Mailänder Scala stehen Verdis «Aida» sowie dessen «Messa da Requiem» auf dem Programm.

Der Regisseur und Intendant Hansgünther Heyme feierte am 22. August 2010 seinen 75. Geburtstag. Heyme gilt als einer der profiliertesten Theatermacher der Nachkriegszeit. Zusammen mit Peter Stein begründete er in den sechziger Jahren das moderne Regietheater in Deutschland und war mit seinen Produktionen wiederholt beim Berliner Theatertreffen eingeladen. Nach Stationen in Köln, Stuttgart, Essen und Bremen leitete Heyme von 1990 bis 2003 die Ruhrfestspiele Recklinghausen, seit 2004 ist er Intendant des Theaters im Pfalzbau der Stadt Ludwigshafen am Rhein. In einer Gemeinschaftsproduktion mit der Oper Halle und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der musikalischen Leitung von Karl-Heinz Steffens wird er in Ludwigshafen und Halle von 2010 bis 2013 Richard Wagners «Der Ring des Nibelungen» neu inszenieren.

Wettbewerbe

Der diesjährige Hersfelder Opernpreis geht an Marlene Lichtenberg aus München. Die Mezzosopranistin habe ihrer Rolle der Fenena in der Verdi-Oper «Nabucco» mit ungewöhnlichem Stimmvolumen sowie schlackenloser Intonation und Bühnenpräsenz Gewicht verliehen, lobte Thomas Wurzel von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen bei der Preisverleihung in der Bad Hersfelder Stiftsruine. Den Orpheuspreis für Nachwuchssänger erhielt der Tenor Daniel Wagner, der die Jury musikalisch und darstellerisch in Mozarts «Zauberflöte» als Tamino überzeugte. Der Ensemble-Preis wurde an das Orchester «Virtuosi Brunensis» aus Tschechien verliehen. Träger der Hersfelder Opernfestspiele ist der «Arbeitskreis für Musik», eine Vereinigung von Bürgern aus Bad Hersfeld. Die künstlerische Leitung hat Dirigent Siegfried Heinrich. Für das Jahr 2011 kündigte Klaus Malettke, Professor an der Philipps-Universität Marburg und Sprecher des Kuratoriums «Oper in der Stiftsruine», drei Opern-Produktionen an: Smetanas «Verkaufte Braut», Rossinis «Il barbiere di Siviglia» und Monteverdis «L’incoronazione di Poppea».

Es ist vollbracht, die Gewinner des 3. Concours Ernst Haefliger sind gefunden. Der erste Preis geht an den Südkoreaner Eung Kwang Lee. Die aus Genf stammende 22-jährige Mezzo-Sopranistin Eve-Maud Hubeaux gewann ein Stipendium in Höhe von 8000 Schweizer Franken sowie eine Rolle am Stadttheater Bern. Weitere Informationen gibt es unter  www.concours-haefliger.com

Die Taschenoper Lübeck ist für ihre Verdienste um das aktuelle Musikleben mit dem Rheingau Musikpreis ausgezeichnet worden. Der durch das Festival initiierte und mit 10 000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr zum 17. Mal vergeben. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Bariton Christian Gerhaher, der Komponist, Dirigent und Oboist Heinz Holliger sowie Helmuth Rilling und die Internationale Bach-Akademie Stuttgart.

Vom 14. bis 18. September findet in Stuttgart der Internationale Wettbewerb für Liedkunst statt, einer der ältesten Lied-Wettbewerbe im deutschsprachigen Raum. Unter den knapp 60 angemeldeten Liedduos aus 33 Nationen hat die Jury 28 ausgewählt; diese streiten um einen der vier ausgelobten Preise im Gesamtwert von 40 000 Euro. Den Siegern winken ein Preisgeld von 20 000 Euro sowie Auftrittsmöglichkeiten bei verschiedenen renommierten Veranstaltern, unter anderem an der Staatsoper Stuttgart und bei der Internationalen Bach-Akademie Stuttgart. Informationen unter www.ihwa.de und www.lied-wettbewerb.de

Wie berichtet, hat der Internationale Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti in seiner fünften Auflage wieder einen neuen Bewerberrekord erreicht: Zum Anmeldeschluss im April 2010 hatten sich 576 junge Dirigentinnen und Dirigenten aus 75 Ländern weltweit beworben –  noch einmal fast 40 mehr als 2008, wo mit 540 Bewerbern schon die Rekordzahlen der Vorjahre überschritten worden waren. Nun wurden 21 Teilnehmer bekannt gegeben, die in der Woche vom 6. bis 12. September in Frankfurt am Main um die ersten drei Plätze konkurrieren werden. Die 21 jungen Dirigentinnen und Dirigenten stammen aus 15 Ländern, wobei die USA mit vier Teilnehmern am stärksten vertreten sind. Aber auch aus Aserbaidschan, Singapur, Rumänien, Japan, Usbekistan und Süd-Korea sowie einigen europäischen Ländern werden Kandidaten erwartet. Aus Deutschland kommen zwei Kandidaten: Christoph Altstaedt (30) und Johannes Zurl (30) aus Berlin. Von den 85 Frauen, die sich angemeldet hatten, haben es drei in die Vorrunden geschafft: Mihaela Cesa-Goje (31) aus Rumänien, Yuko Tanaka (31) aus Japan und Elisabeth Fuchs (34) aus Österreich. Die Frauenquote liegt in diesem Jahr damit bei gut 15 Prozent. Der jüngste der 21 Vorrundenkandidaten ist 21 Jahre alt und stammt aus Großbritannien, ältester Teilnehmer ist ein 35-jähriger US-Amerikaner. Im Schnitt sind die Kandidaten 30 Jahre alt. Der gesamte Wettbewerb wird innerhalb einer Woche in Frankfurt ausgetragen, wo den Kandidaten dank einer seit dem dritten Wettbewerb vereinbarten Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk gleich zwei internationale Spitzenorchester zur Verfügung stehen: das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester.  Die öffentliche Endausscheidung mit den drei besten Teilnehmern und dem Opern- und Museumsorchester findet am 12. September nach zwei Orchesterproben und einer Generalprobe in der Alten Oper Frankfurt statt. Dazu müssen sich die Kandidaten auf einen Ausschnitt aus Richard Strauss’«Till Eulenspiegels lustige Streiche» sowie Ouvertüren von Beethoven, Berlioz und Smetana vorbereiten, von denen ihnen jeweils eine per Los zugeteilt wird. Das Finalkonzert schließt nach der Beratung der Jury und der Siegerehrung mit Gioacchino Rossinis Ouvertüre zu «Semiramide», die vom ersten Preisträger dirigiert wird.

Das Bundesjazzorchester, ein Projekt des Deutschen Musikrates, fördert neue innovative Musik, die dem Jazz als kreativer Improvisationsmusik gerecht wird. Dies beweisen nicht nur die BuJazzO-Programme der vergangenen Jahre, sondern auch der in diesem Jahr erstmals ausgelobte «BuJazzO-Kompositionspreis». Aktuelle und ehemalige Mitglieder des Bundesjazzorchesters bis zu einem Alter von 30 Jahren waren aufgefordert, ihre Kompositionen einzureichen. Die besten drei Kompositionen werden am 11. September in der Musikakademie Rheinsberg prämiert. Hierzu stellt die «Pro Musica Viva – Maria Strecker-Daelen Stiftung» Preisgelder in Höhe von insgesamt 4000 Euro zur Verfügung. Eine Auswahl der Kompositionen wird auf einer CD dokumentiert und in dieser Saison als Konzertprogramm präsentiert.

Meldungen

Die Sanierung der Berliner Lindenoper nimmt Gestalt an. Nach dem Entwurf des Architekten HG Merz soll die Saaldecke um vier Meter angehoben werden, wodurch sich das Raumvolumen um 30 Prozent vergrößert. Durch die Änderungen sollen Klangverhältnisse wie in der Wiener Staatsoper und sogar wie im Bayreuther Festspielhaus herrschen. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf 239 Millionen Euro – nach gegenwärtigem Stand. Am 3. Oktober 2013 soll die Lindenoper wieder eröffnet werden.

Insgesamt 15 Produktionen will Opera Australia in der Spielzeit 2011 stemmen, darunter die australische Erstaufführung von Carlisle Floyd’s Opus «Of Mice and Men». Dies gaben Adrian Collette und Lyndon Terracini, die beiden Chefs der Company in Sydney bekannt. Weiterhin stehen Richard Mills’ «The Love of the Nightingale» und die Opern  «Macbeth», «Partenope», «The Merry Widow» sowie «La Bohème» auf dem Programm. Auch in die nähere Zukunft blickt man bereits: Für 2013 hat Opera Australia erstmals einen kompletten «Ring» angekündigt. Schauplatz der zyklischen Aufführungen wird das State Theatre in Melbourne sein. Kooperationspartner ist die Houston Grand Opera, unterstützt wird das Vorhaben von der Regierung des Bundesstaates Victoria und von privaten Sponsoren. Neil Armfield führt Regie, Richard Mills dirigiert.

«Aida» ist mit insgesamt 348 212 Besuchern innnerhalb von zwei Jahren die mit Abstand bestbesuchte Oper auf der Seebühne in der Geschichte der Bregenzer Festspiele. Auf die aktuelle Saison entfallen dabei knapp 147 000 Besucher, dies entspricht einer Auslastung von 86 Prozent. Mit insgesamt 197 000 Menschen ist das auch die höchste Gesamtbesucherzahl in einem zweiten Opernjahr bei einer Gesamtauslastung von 87 Prozent. In einem von sehr kühlem und nassem Wetter geprägten Sommer hatte Verdis Werk dennoch Wetterglück: Nur zwei von 26 Vorstellungen mussten im trockenen Festspielhaus stattfinden.

Der österreichische Schauspieler Otto Schenk, der als Regisseur auch die aktuelle «Don Pasquale»-Inszenierung der New Yorker Met mit Anna Netrebko verantwortet, hat sich bei einem Unfall ernsthaft verletzt. Laut österreichischen Presseberichten stürzte Schenk während einer Probefahrt mit einem Elektrofahrrad vor seiner Villa am Irrsee; dabei erlitt der 80-Jährige einen Oberschenkelhalsbruch. Der Schauspieler wurde in einem Salzburger Spital operiert. Sein «Don Pasquale» wird am 6. Okober in New York wieder aufgenommen. Schenk hofft, bis dann wieder genesen zu sein.

Auf dem Bayreuther Grünen Hügel geht man neue mediale Wege: Die sogenannte Siemens Festspielnacht im August war, wie die Veranstalter mitteilen, ein voller Erfolg. Zehntausende Besucher strömten über den Tag hinweg auf den Volksfestplatz in Bayreuth, um bei bestem Wetter die Kinderoper «Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg» und die Echtzeit-Übertragung der «Walküre» aus dem Festspielhaus zu sehen. Zugleich war diese Produktion im Internet zu verfolgen. Zahlreiche Nutzer aus u. a. den USA, Kanada, Japan, Australien, Mexiko, Brasilien oder Israel waren live dabei. Wer die Übertragung verpasst hat, kann unter www.siemens.com/festspielnacht bis zum 5. September 2010 die Inszenierung von Tankred Dorst als Webstream-on-demand ansehen. Das kostet 14,90 Euro.

Die klassische Musik in der Krise? Weit gefehlt. Anders ist der Besucherrekord bei Young Euro Classic wohl kaum zu erklären: Im elften Jahr strömten an 17 Festivaltagen gut 26 000 Besucher ins Konzerthaus Berlin. Allein das eintägige Klavier-Festival mit fünf jungen Pianisten hatte mehr als 3400 Besucher. Zu den musikalischen Höhepunkten des Jugendorchesterfestivals zählten Auftritte des Schleswig-Holstein Festivalorchesters, das Iván Fischer zusammen mit vier jungen Dirigenten leitete, sowie das Gastspiel des European Union Youth Orchestras und der Baltic Youth Philharmonic unter Kristjan Järvi. Das Eröffnungskonzert mit dem neu gegründeten Young Euro Classic Festivalorchester Südosteuropa war so gefragt, dass die Generalprobe für das Publikum geöffnet wurde. Das Orchester absolvierte anschließend die Tournee «Spiegelklänge 2010» in die Länder Ex-Jugoslawiens. Der mit 5000 Euro dotierte Europäische Komponistenpreis ging an den 27-jährigen georgischen Komponisten Archil Giorgobiani für seine neue Komposition «Azari». Die Publikumsjury unter Leitung des Dirigenten Lam Tran Dinh wählte das in Berlin erstmals gespielte Werk aus insgesamt 17 Uraufführungen und deutschen Erstaufführungen aus, die während des Festivals von den Jugendorchestern vorgestellt wurden.Young Euro Classic wird seit seinem Start im Jahr 2000 zum größten Teil von Unternehmen, Stiftungen und privaten Spendern finanziert. Der Hauptstadtkulturfonds unterstützte das Festival in diesem Jahr mit 100 000 Euro.

Der belgische Pianist, Dirigent und Musikforscher Jos van Immerseel erhält den Musikfest Preis Bremen 2010. Mit dem Preis zeichnet das Festival seit 1998 jährlich bedeutende Solisten, Ensembles, Orchester und Dirigenten aus, die durch ihr herausragendes künstlerisches Wirken in der internationalen Musikwelt eigenständige Akzente gesetzt und die programmatische Ausrichtung des Festivals maßgeblich bereichert haben. Die Auszeichnung ist mit 25 000 Euro dotiert und wird von der Commerzbank-Stiftung ausgestattet. Preisträger der vergangenen Jahre waren unter anderem Sir John Eliot Gardiner, Jessye Norman, Nikolaus Harnoncourt, Marc Minkowski, Anne Sofie von Otter und  Fazil Say.  

Wie die britische Zeitung «The Herald» schreibt, plant die Scottish Opera, ihr Orchester aus finanziellen Gründen auf ein Teilzeit-Ensemble zusammenzustreichen und die Lohnsumme damit praktisch zu halbieren. Das 54-köpfige Orchester der schottischen Oper soll bloß noch 26 Wochen im Jahr aufgeboten werden. Höchst besorgt darüber ist unter anderem Francesco Corti, der künstlerische Leiter des Ensembles. Operndirektor Alex Reedijk ist allerdings überzeugt, dass ein Vollzeitorchester für die Institution finanziell nicht mehr tragbar ist. Die Opernleitung geht davon aus, dass dank des Abbaus mehr Produktionen pro Saison realisiert werden können. Reedijk begründet den Schnitt unter anderem damit, dass das Orchester unterbeschäftigt sei. Proben und Aufführungen belegten lediglich 40 Prozent der Arbeitszeit der Musiker. Die Musiker selbst bestreiten dies. Sie gehen davon aus, dass sie mit allen Nebenverpflichtungen wie Volks- und Kinderkonzerten und Musikvermittlungs-Projekten etwas gleich ausgelastet sind wie andere britische Orchester.

Die Umsätze mit Musikdownloads sind in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um bislang 40 Prozent auf nun knapp 41,6 Millionen Euro gestiegen. Der Bundesverband der deutschen Musikindustrie (BVMI) meldete zudem, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres insgesamt rund 4,7 Millionen Alben und 29,7 Millionen einzelne Songs verkauft wurden. Der Download-Verkauf von Alben hat sich damit innerhalb von fünf Jahren verachtfacht, der Absatz einzelner Songs nahezu vervierfacht.


Eine Studie des Beratungsunternehmen A.T. Kearney zur Finanzierung von österreichischen Kulturinstitutionen legt den Schluss nahe, dass sich die europäischen Musentempel zunehmend amerikanisieren dürften.  Die Studie geht davon aus, dass bis 2020 jede zehnte Kultureinrichtung in Österreich von der Schließung bedroht ist. Der Grund: Die Kosten würden in zehn Jahren um ein Viertel steigen, die öffentlichen Zuschüsse hingegen um acht bis zehn Prozent zurückgehen, gefährdet seien vor allem kleinere Organisationen. Diese Entwicklung werde sich auch in andern zentraleuropäischen Ländern abzeichnen. Damit steige der Druck, verstärkt angelsächsische Modelle des Kulturmarketings zu übernehmen. Das Royal Opera House London etwa habe einen Eigenwirtschaftlichkeitsanteil von 72 Prozent, bei der New Yorker Met erreiche dieser 99 Prozent. Die Wiener Staatsoper finanziere sich demgegenüber zu 47 Prozent selbst (das Zürcher Opernhaus bewege sich in ähnlichen Regionen). Deutlich tiefer seien die finanziellen Eigenleistungen von städtischen Orchestern anzusetzen. Die Salzburger Festspiele seien zu 77 Prozent aus eigener Kraft finanziert, die Bregenzer Festspiele zu 72 Prozent, Bayreuth bringe es auf 68 Prozent, Avignon auf 40 Prozent. Laut A.T. Kearney werde in Österreich das Potenzial an selbst erwirtschaftetem Umsatz noch nicht ausgeschöpft.

Die Live-Übertragung der Saisoneröffnung der Berliner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle am 27. August wurde zusätzlich zu den 33 Kinos und den drei Public Viewings (in Zusammenarbeit mit der Hauptstadtkampagne «be Berlin») in Deutschland nun auch von 31 Kinos in elf europäischen Ländern übernommen. Über Satellit empfingen die Kinos das Bild-Ton-Signal der Digital Concert Hall in HD Qualität und Surround Sound, so dass eine optimale Wiedergabe garantiert ist.

Eine Art Nationalmannschaft australischer Orchestermusiker soll das Musikleben auf dem fünften Kontinent beleben. Das Projekt von Alexander Briger, eines Neffen des Dirigenten Charles Mackerras, sieht einen 90-köpfigen Klangkörper vor, der den Namen «Australian World Orchestra» tragen soll. Unter den Mitwirkenden sollen sich laut einem Bericht der Zeitung «The Australian» die Streicher Ben und Tobias Lea von den Wiener Philharmonikern, der Bassist Matthew McDonald (Berliner Philharmoniker), die Geigerin Anne Harvey-Nagl von der Wiener Volksoper sowie der Posaunist Michael Mulcahy (Chicago Symphony Orchestra) befinden. Erste Konzerte soll es im August kommenden Jahres geben –  im Opernhaus und der Stadthalle von Sydney. Als Dirigentin waltet mit Simone Young eine renommierte Australierin ihres Amtes.

Der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar will nach dem Umzug der Frankfurter Hochschule für Musik und Gestaltende Kunst auf dem frei werdenden Uni-Gelände einen Kultur-Campus realisieren. Auf dem Gelände sollen zahlreiche wichtige kulturelle Einrichtungen angesiedelt werden, unter anderem die Deutsche Ensemble Akademie (Ensemble Modern und Junge Deutsche Philharmonie), die Dokumentationseinrichtung «Motion Bank», eine Probebühne, das Musik-, Theater- und Tanzlabor «Frankfurt LAB» sowie ein mit modernster Technik ausgerüsteter Kammermusiksaal. Laut Petra Roth, der Oberbürgermeisterin der Stadt, soll die starke Konzentration von Kultureinrichtungen sowohl dem Image der Stadt als auch einer Intensivierung des internationalen Austauschs bei Kunstprojekten dienen. Aber auch städtebaulich seien die Vorstellungen des Finanzministers ein großer Wurf, zumal auf dem Areal auch urbaner Wohnungsbau vorgesehen sei. Konkrete Pläne zur Umsetzung des Projekts sollen bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres vorliegen.

Für ein Projekt der Chorforschung erhält die Universität Würzburg eine wertvolle Sammlung als Leihgabe. Originale Schriftstücke bedeutender Komponisten sind ebenso darunter wie Materialien zur Geschichte des Chorwesens in Deutschland. Die Sammlung, die der Universität Würzburg bis Ende 2012 überlassen wird, zählt rund 3000 handschriftliche und gedruckte Quellen. Darunter befinden sich Notenmanuskripte und Briefe von Robert Schumann, Franz Liszt und Johannes Brahms, aber auch eine von Franz Schubert selbst aufgeschriebene und signierte Liedkomposition.  Die Dokumente stammen unter anderem aus der Feuchtwangener Stiftung «Dokumentations- und Forschungszentrum des Deutschen Chorwesens»; ein Teil der Sammlung kommt vom Deutschen Sängermuseum, das von 1925 bis 1945 im Nürnberger Katharinenbau zu Hause war. Von den damals vorhandenen rund 30 000 Quellen sind heute nur noch zehn Prozent erhalten. Der Musikpädagogik-Professor Friedhelm Brusniak wird auf dieser Basis die Geschichte des vereinsmäßig organisierten deutschsprachigen Laienchorwesens aufarbeiten, und zwar von dessen Anfängen um 1800 bis in die Gegenwart. Für das erste Teilprojekt stellt ihm der Deutsche Chorverband Fördermittel von 20 000 Euro zur Verfügung.

Der Tenor Andrea Bocelli wird im Februar 2011 mit einem Solo-Recital sein Debüt an der Met geben. Bocelli singt Arien von Händel sowie Lieder von Beethoven, Wagner, Liszt, Strauss, Fauré und Tosti. Begleitet wird er dabei von dem Pianisten Vincenzo Scalera.

Drei Jahrzehnte ist es her, dass ein Konzert der BBC Proms in London wegen Arbeitskonflikten abgesagt werden musste. Nun könnte es wieder einmal soweit sein, nachdem Pläne der BBC, die Rentenpolitik zu ändern, auf Widerstand stoßen. Die Mitarbeiter von BBC protestieren zur Zeit gegen mögliche Kürzungen ihrer Altersbezüge und erwägen, ab dem 9. September Streiks zu organisieren. Davon wären laut «Guardian» die letzten Konzerte der BBC Proms betroffen. Letztmals ist ein BBC-Proms-Konzert 1980 ausgefallen. Damals gab es Proteste gegen die Auflösung von fünf Orchestern und den damit verbundenen Abbau von 172 Arbeitsplätzen.

Das Stadtgeschichtliche Museum und die Musik-Hochschule Leipzig haben bei Sotheby’s je ein Konvolut bislang unveröffentlichter Mendelssohn-Dokumente ersteigert. Sie werfen ein spezielles Licht auf das soziale Wirken des Komponisten.  Das Stadtgeschichtliche Museum erwarb insgesamt 17 Seiten autographe Aufzeichnungen des Komponisten von 1838/39, die sich auf seinen zentralen Leipziger Wirkungsbereich als Kapellmeister des Gewandhausorchesters beziehen. Es handelt sich dabei um drei Entwürfe von Schreiben an die damaligen Stadtoberen, in denen er auf die Umstände der Leipziger Orchestermusiker eingeht und deren finanzielle Situation schildert. Die Entwürfe sind insofern von hoher Bedeutung, als die Endfassung des Schreibens zwar den Rat der Stadt erreichte, aber mittlerweile als verschollen gilt. Die Dokumente untermauern und bekräftigen den Ruf Mendelssohns als Orchesterleiter, der sich sozial engagierte und der finanziellen Nöte und Belange seiner Orchestermusiker annahm.

Das Lob kam aus berufenem Munde. Für ihn, so Beethoven, sei Luigi Cherubini einer der bedeutendsten dramatischen Komponisten seiner Zeit. Die Musikgeschichte brauchte einige Zeit, bis sie sich, nach Jahren der Geringschätzung, dieser Sentenz wieder besann. Und vor allem einem Werk verdankt sich die Rehabilitierung des vor 250 Jahren geborenen italienischen Komponisten: der Oper «Medée» aus dem Jahr 1797. Heute findet man das Stück wieder auf den Spielplänen, während Opern wie «Lodoïska» (1791), «Les deux Journées ou Le Porteur d’eau» (1800) oder auch «Faniska» (1806) nach wie vor kaum zu finden sind. Cherubini – das ist für viele Musikfreunde der Komponist des «Requiems» in ­c-moll sowie zahlreicher Kammermusikwerke. Anlässlich seines 250. Geburtstages am 14. September gibt es indes einen Lichtblick in Sachen Musiktheater. Das Stadttheater Klagenfurt, das zufällig ebenfalls ein Jubiläum feiert (das 100-jährige Bestehen) präsentiert die (recht späte) Uraufführung seiner Komischen Oper in drei Akten «Kokourgi»: in französischer Originalsprache und mit deutschen Übertiteln.

Arthur Fagen wird ab September Musikdirektor der Atlanta Opera. Er wird ab der Spielzeit 2011/12 zwei Premieren pro Saison dirigieren. Fagen ist dem Haus schon länger eng verbunden. Er hat in Atlanta unter anderem bereits die Produktionen von «La traviata», «Turandot», «Der fliegende Holländer» und der «Zauberflöte» dirigiert. Von 2002 bis 2007 war Fagen Generalsmusikdirektor der Oper in Dortmund.


ABSCHIED

Alexander Medwedew, Librettist der Opern «Die Passagierin» und «Das Porträt», die in diesem Sommer bei den Bregenzer Festspielen mit großem Erfolg aufgeführt wurden, ist am 26. Juli im Alter von 83 Jahren in Moskau gestorben. Ursprünglich hatte Medwedew zur Premiere der «Passagierin» nach Bregenz reisen wollen.

Der österreichische Regisseur und Journalist Paul Flieder ist im Alter von 53 Jahren beim Schwimmen im Strandbad Bregenz Opfer eines Herzstillstands geworden. Laut österreichischen Presseberichten klagte Flieder beim Baden über Übelkeit und verstarb, ohne dass herbeigerufene Helfer ihn retten konnten. Der 1953 in Wien geborene Flieder arbeitete zunächst als Dramaturg und Regieassistent am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, an der Deutschen Oper Berlin und an der Komischen Oper Berlin. Später wirkte er als freischaffender Opernregisseur. 1997 inszenierte er in Tirana eine Mozart-Oper. Später machte sich Flieder auch als Dokumentarfilmer und Buchautor einen Namen.

Im Alter von 82 Jahren ist die Wiener Opernsängerin Hanny Steffek verstorben. Sie debütierte 1950 unter Wilhelm Furtwängler bei den Salzburger Festspielen, trat unter anderem mit Karl Böhm, Christoph von Dohnányi, George Solti und Joseph Keilberth auf und war an den Opernhäusern von Graz, Wiesbaden und Frankfurt engagiert. Von 1964 bis 1973 war die Sopranistin Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Danach war Hanny Steffek bis zur ihrer Pensionierung im Ensemble der Wiener Volksoper. Bekannt wurde sie vor allem für ihre Rollen in Opern von Mozart und Strauss. Eine ihrer Paradepartien war die Pamina, eine weitere die Sophie im «Rosenkavalier»; in dieser Rolle stand sie rund 300-mal auf der Bühne.

Der in Düsseldorf geborene und von den Nazis aus Deutschland vertriebene Bratschist und Komponist Otto Joachim ist in seiner Wahlheimat Kanada im Alter von 99 Jahren verstorben. Er erlag einem Herzversagen. Joachim, der die kanadische Musikszene namhaft beeinflusst hat, war unter anderem ein Pionier der elektronischen Musik, Instrumentenbauer und Maler. Unter der Leitung von Zubin Mehta wirkte er im Montreal Symphony Orchestra; sein Bruder Walter Joachim war dort Cellist. Mit ihm und Hyman Bress und Mildred Goodman an den Violinen bildete er überdies das auf zeitgenössische Musik spezialisierte Montreal String Quartet. In den 1950er Jahren gründete Joachim noch vor Aufkommen des historisch informierten Musizierens zudem den Montreal Consort of Ancient Instruments. Eines seiner bekanntesten Werke ist «Katimavik» für Vierspur-Tonband, das für den kanadischen Pavillon der Weltausstellung von 1967 entstand.

Georges Bucher, der Präsident der später in «Lucerne Festival» umgetauften Internationalen Musikfestwochen Luzern und Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland, ist im Alter von 86 Jahren verstorben.  Bucher, der nach dem Zweiten Weltkrieg eine Firma für Büroeinrichtungen gründete, war unter anderem auch Präsident des Verkehrsvereins Luzern. Das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland erhielt er 1999 für seine Förderung deutscher Musik. 1984 ehrte ihn die Stadt Luzern mit einer Ehrennadel.

JUBILARE

Seine Ehefrau kennt jeder Opernliebhaber. Dame Joan Sutherland war schon eine Berühmtheit in der internationalen Szene, als der damalige Klavierrepetitor des Sydney Conservatorium of Music, Richard Bonynge, die ersten Schritte machte: in der Rolle des Dirigenten und an ihrer Seite. Erste große Erfolge erzielte Bonynge im Rahmen einer Australien-Tournee mit seiner Frau Mitte der sechziger Jahre, an der auch ein gewisser Luciano Pavarotti teilnahm, den der junge Dirigent empfohlen hatte. Danach ging es aufwärts mit der Karriere des gelernten Pianisten. Von 1974 bis 1978 war Bonynge Künstlerischer Leiter der Oper von Vancouver, seit 1976 übte er das Amt des Musikdirektors an der Opera Australia in Sydney aus. Seine Vorliebe galt (und gilt) der Belcanto-Oper und dem französischen Repertoire; auf beiden Gebieten wirkte Bonynge auch als Entdecker bislang unbekannter Bühnenwerke. All dies ist diskografisch erfasst. Über 50 Aufnahmen produzierte der australische Dirigent, der am 29. September seinen 80. Geburtstag feiert.

José van Dam sang im Verlauf seiner langen (und immer noch andauernden) Karriere – um nur einige wenige Partien zu nennen – sowohl den Don Giovanni als auch den Wozzeck, er war Falstaff und Boris Godunow, Mephisto in Gounods «Faust» und Gianni Schicchi. Und er verkörperte die Titelrolle bei der Uraufführung von Olivier Messiaens Bühnenwerk «Saint Françoise d’Assise». Kurzum: ein wandelbarer Sängerdarsteller mit weit ausgespannter Tessitura und stets großer Bühnenpräsenz. Dementsprechend trat er an allen wichtigen Opernhäusern weltweit auf, wirkte überdies als Konzert-, Oratorien- und Liedsänger. Für seine künstlerischen Leistungen erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Die Stadt Berlin etwa verlieh ihm den Titel eines «Kammersängers», die Universität von Montréal ernannte ihn zum Doktor h. c. 1999 wurde der Bassbariton, dessen Diskografie so breit gefächert ist wie sein Repertoire, vom belgischen König Albert II. in den Adelsstand erhoben. Am 27. August feiert José van Dam seinen 70. Geburstag. Herzlichen Glückwunsch!

Seine Lehrerin war auch die Lehrerin von Alfredo Kraus. Um bei Mercedes Llopart Unterricht nehmen zu können, kam der venezolanische Tenor Rubén Dominguez, der sich schnell im lyrischen Spinto-Fach etablierte, nach Mailand. Sein Debüt gab er 1967 am Teatro de Bellas Artes in Mexiko City. Weitere Engagements führten ihn zum Puccini Festival nach Torre del Lago, nach San Francisco, Cagliari, Rio de Janeiro, an die Met und mehrere andere Opernhäuser in der ganzen Welt. Sein Repertoire umfasst vor allem Belcanto-, Verdi- und Puccini-Partien. Am 4. September feiert Rubén Dominguez seinen 70. Geburtstag.

Seine erste Liebe galt der Architektur. Doch schon bald konnte Pier Luigi Pizzi keinen Hehl mehr aus seiner Schwäche für das Theater machen. Nachdem er Giorgio Strehler begegnet war und am Teatro Tommaseo in Genua erste Eindrücke gewonnen hatte, blieb er der Bühne treu – und wurde, bevorzugt als Partner von Luca Ronconi, zunächst einer der stilprägenden italienischen Bühnen- und Kostümbildner sowohl im Bereich der Oper wie im Schauspiel, bevor er nach 1977 auch als Regisseur in Erscheinung trat. Pizzi arbeitete an allen großen (Musik-)Theatern der Welt: in Wien sowohl am Burgtheater als auch an der Staatsoper, an der Mailänder Scala, an Covent Garden, an der Bayerischen Staatsoper und an vielen Häusern seines Heimatlandes. 1990 begann der reguläre Opernbetrieb an der neue Bastille-Oper in Paris mit seiner Inszenierung von «Les Troyens». Auch zur Wiedereröffnung der Scala im Jahre 2004 wurde Pizzi gebeten, Bühne und Kostüme für Antonio Salieris «L'Europa ricono-sciuta» zu gestalten, wobei er erneut mit Luca Ronconi zusammenarbeitete. Am 15. Juni feierte Pizzi seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

Der Komponist Arvo Pärt feiert am 11. September seinen 75. Geburtstag, zu dem wir an dieser Stelle schon einmal herzlich gratulieren. Zwei Tage vor dem festlichen Tag wird sein Stück «In spe» für Bläserquintett und Streichorchester beim Vale of Glamorgan Festival in Wales aus der Taufe gehoben. Pärt hat es aus seinem Vokalwerk «An den Wassern zu Babel sangen wir und weinten» entwickelt.

MELDUNGEN

Paavo Järvi, Chefdirigent des Cincinnati Symphony Orchestra, des Rundfunksymphonieorchesters des Hessischen Rundfunks und Künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie, ist beim Echo Klassik Preis 2010 als Dirigent des Jahres ausgezeichnet worden.

Vom 7. bis 11. Mai findet in Boston im Bundesstaat Massachusetts die amerikanische Opera Conference 2011 statt. Ausrichter sind die Boston Lyric Opera und die Opera Boston. Im Rahmen der Konferenz wird nicht nur über die Lage der internationalen Opernhäuser debattiert, es werden auch Aufführungen zu sehen sein. Unter anderem zeigt die Boston Lyric Opera ihre Produktion von Brittens Oper «A Midsummer Night’s Dream», die Opera Boston ihre Version von Donizettis «Maria Padilla». Weitere Informationen gibt es im Netz unter der Adresse www.operaamerica.org/content/conference

Das Teatro Carlo Felice in Genua muss aller Wahrscheinlichkeit nach bis Dezember seine Pforten schließen. Grund sind jahrzehntelang aufgehäufte Schulden. Allein die Zinslast ist in dieser Zeit auf 14,7 Millionen Euro gestiegen. In jüngster Zeit sind zwölf Millionen Euro Schulden hinzugekommen. Die rund 300 Angestellten, die nicht mehr bezahlt werden können, sollen für die mehrmonatige Schließungszeit in die staatliche Lohnausgleichskasse überstellt werden. 

«Free Will» lautet das Thema des Opernprojekts «Opera By You» beim Internationalen Festival im finnischen Savonlinna. Ersonnen wurde das Stück von dem Italiener Graziano Gallo, dessen Idee unter mehr als 100 Entwürfen ausgewählt wurde. Die Premiere des auf Gallos Einsendung basierenden Werks ist für Sommer 2012 vorgesehen.

Seit dem 1. August übt Matthew Shilvock das Amt eines Associate General Director der San Francisco Opera aus. Shilvock arbeitet bereits seit 2005 am Haus und hat seit 2008 die Funktion eines Stellvertretenden Generaldirektors inne. Künftig soll er sich verstärkt um das Management und die Erziehungsarbeit kümmern und dabei eng mit dem Generaldirektor der Oper, David Gockley, zusammenarbeiten.

Unternehmen sehen sich nicht als Sponsoren, sondern als Förderer und Ermöglicher von Kultur. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Festival «Heidelberger Frühling» in Auftrag gegeben hatte. Untersucht wurden dabei das Selbstverständnis und die Motivation von unternehmerischem Engagements im Kultursektor. Die Ergebnisse der Studie basieren auf einer qualitativen Befragung von Wirtschaftsunternehmen vom Ende 2009.

18 000 Gäste haben die diesjährigen Tiroler Festspiele Erl besucht. Der Saal des Erler Passionsspielhauses, der 1500 Personen fasst, war bei den Vorstellungen der «Zauberflöte» und des «Fliegenden Holländer» zu gut 95 Prozent ausgelastet. Zu einem weiteren Höhepunkt geriet in Erl die Aufführung einer zeitgenössischen Tiroler Oper. Der Einakter «Die Hochzeit» des Komponisten Ernst Ludwig Leitner und Librettisten Alois Schöpf kombiniert moderne Musik mit der alten Sage des Bräutigams, der von der Hochzeit weg seinen Freund ins Jenseits begleitet.

Der Deutsche Verein der Freunde der Bregenzer Festspiele hat dem Festival 80 000 Euro gespendet. Die Summe kommt dem Programmschwerpunkt rund um den vergessenen jüdisch-polnisch-russischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg zugute, dessen Werk im Rahmen der diesjährigen Bregenzer Festspiele vorgestellt wurde.

Die Stiftung Händel-Haus in Halle hat ihr Archiv um weitere Händel-Ausgaben erweitert. Erworben wurde ein Konvolut mit Händel-Ausgaben aus New York und aus britischen Antiquariaten. Darunter befinden sich unter anderem Erstausgaben der Opern «Ezio» und «Rodelinda», des Oratoriums «Saul» sowie eine Korrespondenz des englischen Händel-Forschers Jacob Maurice Coopersmith aus den Jahren 1931 bis 1937.

Die Stadt Hamburg plant den Verkauf des an der Reeperbahn gelegenen «Operettenhauses». Das Haus hat Geschichte: In den 1980er-Jahren brachte es mit einer Produktion von «Cats» in Deutschland die Musical-Welle ins Rollen. Käufer soll laut lokalen Presseberichten der Musical-Veranstalter Stage Entertainment Germany sein. Er soll dafür 7,1 Millionen Euro aufwenden. Der Preis wurde von Verantwortlichen der Stadt zwar nicht bestätigt, wohl aber die Verkaufspläne. Das «Operettenhaus» fasst 1400 Zuschauer. Es wurde seit 2002 von Stage Entertainment mit den Musicals «Mamma Mia» und «Ich war noch niemals in New York» bespielt. Als nächste Premiere steht «Sister Act» auf dem Spielplan.

Der 1926 in Wien geborene Komponist Friedrich Cerha erhält den mit 60 000 Euro dotierten Musikpreis Salzburg, der 2011 zum dritten Mal vergeben wird. Mit der Auszeichnung, deren voller Name «Musikpreis Salzburg – Internationaler Kompositionspreis des Landes Salzburg» lautet, wird laut Jury «der Doyen der Neuen Musik in Österreich» gewürdigt. Cerha ist auch bekannt für seine Rekonstruktion des Schlussaktes der Berg-Oper «Lulu». Cerha erinnerte in einem Pressegespräch daran, dass er als «junger Mensch» mit seinen Arbeiten «auf Unverständnis, ... eisige Ablehnung, Feindschaft» gestoßen sei. «Man hat mir unterstellt, ich wollte die geheiligten Traditionen zerstören», zitieren die Salzburger Nachrichten den 84-jährigen Komponisten. «Heute, 55 Jahre später, bin ich anerkannt, bekomme Aufträge, Ehrungen, Preise, Auszeichnungen, aber eigentlich kommt das alles zu spät, zu einem Zeitpunkt, wo man das nicht mehr braucht.» Ein mit 20 000 Euro dotierter Förderpreis geht an die 1973 in Sevilla geborene Komponistin Elena Mendoza. Die bisherigen Preisträger des Musikpreises Salzburg waren Salvatore Sciarrino aus Italien (2006) und der Schweizer Klaus Huber (2009).

Keith Lockhart, der 15 Jahre als Leiter der populären US-Konzertreihe Boston Pops amtierte, wird Principal Conductor des BBC Concert Orchestra. Johannes Wildner, der frühere Chef der Prager Staatsoper, wird Principal Guest Conductor. Das BBC Concert Orchestra dient als musikalisch überaus flexibler Klangkörper, der sich auf Klassik genauso versteht wie auf Jazz und Crossover. Lockhart trat erstmals bei den diesjährigen BBC Proms im August in Erscheinung.

Der Intendant des Theaters Trier, Gerhard Weber, hat seinen Vertrag bis 2015 verlängert. Weber, der ein Faible für das zeitgenössische Musiktheater hat, leitet das Theater Trier seit der Spielzeit 2003/04. In der kommenden Saison wird es in Trier unter anderem eine Inszenierung der Oper «The Voyage» von Philip Glass geben.

Lasst Zahlen sprechen: In der Saison 2010/11 erarbeiten die 80 staatlich geförderten Theater und Musikhäuser mit eigenem Ensemble sowie weitere 20 freie Opernkompagnien mindestens 583 Premieren oder Neuproduktionen. Zu den Neuproduktionen gehören so unterschiedliche Projekte wie Ligetis «Nouvelles Aventures» an der Zeitgenössischen Oper Berlin, Ullmanns «Der Kaiser von Atlantis» am Oldenburgischen Staatstheater oder Franz Wittenbrinks «Sekretärinnen» in Dortmund. Die Staatsoper Hamburg bringt die im März 2010 am Sydney Opera House uraufgeführte Oper «Bliss» von Brett Dean nach Peter Careys Kultroman aus den achtziger Jahren nach Deutschland. Das Mittelsächsische Theater Chemnitz erweckt überdies «Das Feuerwerk», die deutsche Version des «Schwarzen Hechts» des Zürcher Komponisten Paul Burkhard, zu neuem Leben.

Der Musikdirektor des Landestheaters Salzburg, Leo Hussain, hat seinen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2011/12 verlängert. Hussain, der diese Funktion seit 2009 innehat, wird pro Spielzeit drei Opernproduktion betreuen, teilte das Landestheater mit.

Die Glimmerglass Opera präsentiert in der Sommersaison 2011, dann unter dem neuen Namen «The Glimmerglass Festival», neue Produktionen von Bizets «Carmen», des Musicals «Annie Get Your Gun» (von Irving Berlin) sowie Cherubinis «Medea» sowie – als Doppelpack – die Weltpremiere des von der Glimmerglass Opera in Auftrag gegebenen Stücks «A Blizzard in Marblehead Neck» (die Musik schrieb Jeanine Tesori, das Libretto Tony Kushner) und die sogenannte «professional premiere» des Einakters «Later the Same Evening» (John Musto und Mark Campbell). Das teilte die neue Künstlerische Leiterin der Opernkompagnie, Francesca Zambella, mit. Das Festival wird vom 2. Juli bis zum 23. August 2011 stattfinden.

Der russische Dirigent Vassily Sinaisky ist zum Künstlerischen Leiter des Moskauer Bolschoi Theaters ernannt worden. Er ersetzt den Komponisten Leonid Dessiatnikov. Laut einem Bericht der «Voice of Russia» läuft Dessiatnikovs Vertrag allerdings erst im September 2011 aus. Sinaisky wird die Aufgaben dennoch bereits ab der kommenden Saison übernehmen. Er wird auch Chefdirigent des Hauses. Sinaisky ist Absolvent des St. Petersburger Konservatoriums und amtierte schon als Musikalischer Leiter und Chefdirigent der Moskauer Philharmoniker und des Russischen Sinfonieorchesters. Im Westen machte er sich unter anderem mit Arbeiten in San Francisco, an den Berliner Opernhäusern und mit dem BBC Philharmonic Orchestra einen Namen. Dessiatnikov wird für das Bolschoi Theater wie geplant die Musik zu einem Ballett nach Balzacs Roman «Les Illusions perdues» schreiben.

Ein Symposium zu «Utopie und Freiheit in der Musik» beim Beethovenfest Bonn 2010 beschäftigt sich am 17. September mit der «Positionierung zeitgenössischer Musik und weltweit verwirklichten Visionen». Im Rahmen des Symposiums stellen der Dirigent Edilson Venturelli und Gero Schließ, Initiator des Orchestercampus bei der Deutschen Welle, das brasilianische Instituto Baccarelli und die Sinfônica Heliópolis vor. Weitere Panels beschäftigen sich mit «Utopien für Afrika» oder «Neuer Musik als Ausdruck unserer Zeit». Das Symposium richtet sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an die interessierte Öffentlichkeit. Weitere Informationen unter www.beethovenfest.de

Anlässlich ihres 90-jährigen Bestehens und des 85-jährigen Jubiläums des Litauischen Staatsballetts präsentiert die Litauische Nationaloper in der kommenden Saison unter anderem eine Ballettwoche, Ballettaufführungen wie «La Sylphide» und «La Bayadère» sowie Konzerte. Im Bereich Oper gibt es im Dezember eine Inszenierung von Verdis «La forza del destino». Als weitere Premieren sind Verdis «Otello», Bizets «Carmen» und Mozarts «Le nozze di Figaro» angekündigt.

Die diesjährige Styriarte in Graz hat rund 30 000 Besucher angelockt. Sie weist damit eine durchschnittliche Auslastung der Veranstaltungen von über neunzig Prozent aus. Schwerpunkte waren in diesem Jahr die halbszenische Inszenierung von Johann Joseph Fux’ Oper «Orfeo ed Euridice» mit Jordi Savall als Dirigenten und Haydns «Schöpfung» mit dem Arnold Schoenberg Chor und dem Chamber Orchestra of Europe unter Leitung von Nikolaus Harnoncourt. Das Budget der Styriarte belief sich auf 2,8 Millionen Euro. Es war damit geringer als im Vorjahr (3,5 Millionen Euro). 1,5 Millionen Euro steuerte die öffentliche Hand bei, der Rest wurde durch Kartenverkäufe und Sponsoren abgedeckt. Im nächsten Jahr soll Smetanas «Die verkaufte Braut» in einer Interpretation von Nikolaus Harnoncourt zu den Höhepunkten des Festivals zählen.

Markus Stenz, seit 2004 als Chefdirigent des Gürzenich-Orchesters Köln und seit 2005 als Generalmusikdirektor für das musikalische Profil der Oper Köln verantwortlich, hat seinen Vertrag bis Ende der Spielzeit 2013/14 verlängert. Der 1965 geborene Stenz absolvierte seine Ausbildung in Köln bei Volker Wangenheim und bei Leonard Bernstein und Seiji Ozawa in Tanglewood. 1989 übernahm er die musikalische Leitung des Cantiere Internazionale d’Arte in Montepulciano. Von 1994 bis 1998 leitete er als Chefdirigent die London Sinfonietta. Zwischen 1998 und 2004 war er Künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Melbourne Symphony Orchestra.

Mit insgesamt 12 000 Zuschauern und einer Auslastung von 94 Prozent feierte der Mannheimer Musiksommer einen großen Publikumserfolg. Im Mittelpunkt des Festivals standen diesmal die Produktion des Mannheimer Nationaltheaters «La clemenza di Tito» in der Inszenierung von Günter Krämer und unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Dan Ettinger.

In der zweiten Spielzeit unter der Intendanz von Nikolaus Bachler boten die Münchner Opernfestspiele 2010 nahezu 40 Opernabende, die durchschnittlich zu 97 Prozent ausgelastet waren. Insgesamt wurden rund 80 000 Karten verkauft. Viele weitere Besucher feierten den Festspielsommer bei den beiden kostenlosen Veranstaltungen von «Oper für alle» (insgesamt rund 19 000 Gäste) und der UniCredit Festspiel-Nacht. Die neue Spielstätte am Marstallplatz, der vom Architekturbüro Coop Himmelb(l)au entworfene Pavillon 21 MINI Opera Space, feierte bei den Festspielen 2010 Premiere: Mit einer Auslastung von 92,4 Prozent erlebten rund 9000 Besucher das experimentelle Programm des Pavillons.

Das Toronto Symphony Orchestra wollte nach dem Vorbild der Tanglewood-Konzerte der Boston Symphony in der Nähe der Niagarafälle ein Sommerfestival ins Leben rufen. Diese Pläne sind nun bachab gegangen. Laut kanadischen Medien ist das Projekt, das 76,5 Millionen Dollar gekostet hätte, an der Finanzierung gescheitert. Weder die Bundesregierung noch die lokalen Behörden machten verbindliche Zusagen. «Project Niagara» hätte am Rande des Ontariosees auf einem früheren Gelände des Verteidigungsministeriums realisiert werden sollen.

Der englische Musikforscher und Händel-Experte Terence Best ist zum Ehrenmitglied der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft ernannt worden. Best habe Eigenart und Erscheinung der Hallischen Händel-Ausgabe wesentlich bestimmt und ihrem weltweiten Erfolg den Weg geebnet, sagte der Präsident der Händel-Gesellschaft, Wolfgang Hirschmann, im Rahmen der Mitgliederversammlung, die während der diesjährigen Händel-Festspiele in Halle tagte. Zu den 130 Festival-Veranstaltungen kamen dieses Jahr rund 40 000 Besucher; das entspricht einer Auslastung von rund 80 Prozent.

Die vor einem Jahr in Budapest ins Leben gerufene International Liszt Association (ILA) plant eine Internetdokumentation der Konzertreisen Liszts mit allen Programmen sowie eine Datenbank mit sämtlichen Briefen Liszts. Mit dem Projekt sollen unter anderem die zahlreichen, über die ganze Welt in kleineren Bibliotheken und Archiven verstreuten Briefe erfasst werden, die bislang in der Liszt-Forschung völlig unbekannt sind. Die ersten Ergebnisse werden für das Jubiläumsjahr 2011 erwartet. An einem an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar durchgeführten Workshop ist die ILA als Dachverband nationaler Lisztgesellschaften, Lisztfestivals, Liszt-Hochschulen und namhafter Lisztinterpreten und -forscher formell eingerichtet worden. Detlef Altenburg (Weimar) wurde als Präsident, Tamás Klanjánsky (Budapest) als Vizepräsident wiedergewählt. In das Board wurden Vertreter aus Frankreich, Großbritannien, Japan, Litauen, den Niederlanden und den USA berufen. Zum 200. Geburtstag Franz Liszts im kommenden Jahr werden Wettbewerbe, Festivals, Kongresse und Filme vorbereitet.

Laut einem Bericht der «New York Times» hat der Dirigent Lorin Maazel für seine letzte Saison mit den New Yorker Philharmonikern 3,3 Millionen Dollar Lohn bezogen, 500 000 Dollar mehr als in der vorausgegangenen Saison. Maazel, der mit seinem Abgangslohn zu den bestverdienenden Dirigenten der Welt zählt, hat die Leitung des Spitzenorchesters 2009 an Alan Gilbert übergeben. Über dessen Entschädigung schweigt sich das Ensemble aus. Zarin Mehta, der Präsident und Executive Director des Orchesters, kassierte in der Saison 2008/09 eine Million Dollar. Mitinbegriffen ist dabei offenbar ein Bonus von 100 000 Dollar. In der Zeit von Maazels Spitzenlohn haben die New Yorker Philharmoniker laut «New York Times» ein Rekorddefizit von 4,6 Millionen Dollar eingefahren.

Erst gab es den Wettbewerb. Nun gibt es auch den Kongress gleichen Namens. Vom 14. bis zum 17. Oktober veranstaltet der Deutsche Musikrat gemeinsam mit Vertretern der kirchenmusikalischen Spitzenverbände in Berlin den Kongress «Einheit durch Vielfalt – Kirche macht Musik». Ziel des Kongresses ist es nach einer Mitteilung des DMR, «den Reichtum und die Fülle der Kirchenmusik in Deutschland aufzuzeigen», sowie ihre Bedeutung für Individuum und Gesellschaft.

Der französische Komponist Bruno Mantovani wird Direktor des Conservatoire Supérieur de Musique et de Danse de Paris. Der 1974 geborene Mantovani absolvierte ab 1993 selbst Studien am Pariser Conservatoire, die er mit fünf ersten Preisen abschloss. 1997 erhielt er ein Kompositionsstipendium der Académie des Beaux-Arts, 1999 ein Stipendium der Fondation Nadia et Lili Boulanger und 2000 den Prix Hervé Dugardin der Sacem (Société des Auteurs, Compositeurs et Éditeurs de Musique). 2007 wurde Mantovani mit dem Belmont-Preis für zeitgenössische Musik ausgezeichnet. Seit 2010 arbeitet er auch regelmäßig für die Opéra National de Paris. Geplant ist unter anderem eine Oper über die russische Lyrikerin Anna Achmatova, die im März 2011 Premiere feiern soll.

James Levines gesundheitliche Probleme haben dazu geführt, dass die lokale Presse in Boston seinen möglichen Abgang als Chef des Boston Symphony Orchestra (BSO) diskutiert. Riccardo Chailly könnte Nachfolger werden. Auf Basis eines Interviews, das der Musikjournalist Norman Lebrecht mit Chailly geführt hat, geistern unbestätigte Spekulationen durchs Netz, dieser könnte Levine als Chef des BSO ablösen. Levine musste wegen Rückenproblemen in den vergangenen Monaten zahlreiche Auftritte mit dem BSO absagen und steht dem Ensemble auch in seiner Sommerresidenz Tanglewood nicht zur Verfügung

Der deutsche Regisseur Peter Stein hat sich aus einer Produktion der Oper «Boris Godunow» der New Yorker Met zurückgezogen. Gründe für den Schritt gibt das Opernhaus nicht an. Stein soll durch Stephen Wadsworth ersetzt werden. Premiere der Produktion, die von Valery Gergiev dirigiert wird, ist am 11. Oktober. Der Bass René Pape wird die Titelpartie singen. Die Arbeiten an der Oper sind bereits fortgeschritten, Kostüme und Kulissen weitgehend kreiert. Steins Konzeption soll nach Angaben der Met soweit wie möglich übernommen und weitergeführt werden. Wadsworth ist Leiter des Lindemann Young Artist Development Program der Met und hat für das Haus 2004 «Rodelinda» und 2007 Glucks «Iphigénie en Tauride» inszeniert.

Klassische Musik und Oper genießen als kulturelles Erbe der Nation einen hohen Stellenwert bei den Menschen in Deutschland. Einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann Stiftung zufolge wollen fast 90 Prozent der Deutschen dieses musikalische Erbe für die kommenden Generationen gewahrt wissen. Dabei kommt nach Ansicht der Bevölkerung dem Musikunterricht in Kindergärten und Schulen eine besondere Bedeutung zu. 96 Prozent der Befragten halten den Musikunterricht für wichtig oder sehr wichtig. Dieser Ansicht ist laut Umfrage auch eine Mehrheit junger Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren, die dem musikalischen Erbe allerdings insgesamt skeptischer gegenüber stehen: Fast jeder vierte von ihnen hält es für unwichtig. Als Gründe für die Bedeutung des Musikunterrichts werden vor allem die Vermittlung einer umfassenden kulturellen Bildung (91 Prozent) und die Förderung der emotionalen und geistigen Fähigkeiten von Kindern (ebenfalls 91 Prozent) angeführt. Fast jeder Zweite gibt zudem an, selbst ein Instrument erlernt zu haben. Für nahezu ebenso geeignet wie das eigene Musizieren halten die Befragten fördernde Einrichtungen, wie zum Beispiel Kinder-Opern (81 Prozent), die jungen Menschen Oper und Klassik mit gezielten Angeboten nahe bringen. Auch unter den Jüngeren findet sich hierfür eine Mehrheit. Eine wichtige Rolle zur Bewahrung des musikalischen Erbes spielen auch der Besuch von klassischen Konzerten (72 Prozent) sowie die Nutzung neuer Medien (69 Prozent). Laut Umfrage hört immerhin rund jeder Vierte unter 30 Jahren zumindest einmal in der Woche klassische Musik – sei es im Radio, im Fernsehen oder auf CD, bei Aufführungen, in Konzerten, an öffentlichen Orten oder bei privaten Gelegenheiten.

Der Essener Opernintendant Stefan Soltesz hat eine Sorge weniger. Das geplante rigide Sparpaket des Doppelhaushaltes 2010/11 wurde im Rat der Stadt abgelehnt und so weit zurückgenommen, dass Soltesz relativ beruhigt zumindest für die nähere Zukunft planen kann. Der Zuschussbedarf der Theater und Philharmonie Essen (TuP) GmbH, unter deren organisatorischem Dach Aalto-Oper, Ballett, Schauspiel, Symphonieorchester und Philharmonie vereint sind, soll bis 2013 von derzeit 44,9 Millionen Euro auf lediglich 40,5 Millionen Euro heruntergefahren werden; angedacht war zuvor eine Einsparsumme von mehr als sechs Millionen Euro. Mit der nun wirksamen Regelung können alle Sparten erhalten werden. Erste Opernpremiere der neuen Saison in Essen ist am 10. Oktober Wagners «Götterdämmerung» in der Regie von Barrie Kosky. Damit wird zugleich der «Essener Rings» abgeschlossen, den vier Regisseure schmiedeten. Weitere Premieren sind Händels «Hercules» (Regie: Dietrich Hilsdorf), «Madama Butterfly» (Tilman Knabe) und «L’elisir d’amore» (Andreas Baesler).

Für sein Operndorf-Projekt im afrikanischen Burkina Faso fehlt Regisseur Christoph Schlingensief «noch sehr viel Geld». Das sagte er in einem Interview mit dem Magazin des Goethe Instituts. Vieles scheitere an den «unglaublichen Bedingungen» der Förderer, da die Gelder etwa nur für Gagen verwendet werden dürften, nicht aber direkt für Baumaterial oder Arbeiter. «Sie wollen europäische Maßstäbe an afrikanische Gegebenheiten anlegen», beklagte er. Der an Krebs erkrankte Schlingensief baut derzeit zusammen mit dem Berliner Architekten Francis Kéré in Burkina Faso das Operndorf. Das Projekt soll eine Theaterbühne, Werkstätten, eine Schule, ein Krankenhaus und Unterkünfte für Künstler in sich vereinen. Das Dorf solle ein Ort sein, «an dem die innersten Träume realisierbar werden», sagte Schlingensief. Als klassischer Entwicklungshelfer sieht der Regisseur sich mit diesem Projekt aber nicht. «Wir wollen dem afrikanischen Kontinent helfen und können uns selbst nicht helfen», sagte er. «Wir klagen ja schon, wenn der Zug vier Minuten Verspätung hat.» Wenn es etwas heftiger regne, rasten Politiker «noch Wochen später mit Gummistiefeln herum». Da könne man von Afrika noch einiges lernen. «Wenn in Burkina Faso die Sintflut kommt und alle Häuser wegspült, dann werden sie am nächsten Tag wieder aufgebaut», sagte Schlingensief.

Der Haushaltsausschuss des Bundes, einer von vier Gesellschaftern der Rundfunk-Orchester und Chöre GmbH (ROC), hat die Sperre von zwei Millionen Zuschuss-Euro aufgehoben. Damit ist vorerst die Zukunft der vier Klangkörper gesichert. Während der Beratungen zum Haushalt 2010 hatte die schwarz-gelbe Koalition überraschend zwei Millionen Euro der Bundeszuweisungen von insgesamt 11,8 Millionen Euro blockiert. Der Bund ist mit 35 Prozent an der ROC beteiligt, zu der die vier Klangkörper Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Rundfunkchor Berlin und der RIAS Kammerchor gehören.

Das Staatstheater am Gärtnerplatz hat die Saison 2009/10 mit der erfreulichsten Spielzeitbilanz der Intendanz Ulrich Peters und der höchsten Auslastung seit acht Jahren abgeschlossen. Insgesamt wurden bei 356 Abenden rund 172 000 Karten verkauft, davon 166 800 in der Hauptspielstätte im Großen Haus. Das entspricht einem Plus von 9000 verkauften Karten gegenüber der vergangenen Spielzeit und der zweithöchsten Rate seit sechs Jahren. Die Gesamtauslastung in den Kernsparten (Oper, Operette, Musical und Tanz, ohne Sonder- und Klein-Programme) lag  bei 78 Prozent, dem höchsten Wert seit 2000/01. Doch alle Zahlen helfen nichts: Neuer Intendant und damit Nachfolger von Peters wird ab 2012 Josef Ernst Köpplinger. Bis dahin leitet der Regisseur, der am Max-Reinhardt-Seminar, bei Ingmar Bergman und an der Lee-Strasberg-Schule ausgebildet wurde und danach unter anderem in Regensburg, Wien, Hamburg, Tokio und auch am Gärtnerplatz arbeitete, das Theater Klagenfurt.

Das Rheinufer in Basel bildet die Kulisse für die Opernproduktion «Aida am Rhein» des Schweizerischen Fernsehens. Es handelt sich dabei um eine Übernahme vom Theater Basel, die den veränderten Gegebenheiten angepasst wird. Regie führt der Intendant des Theater Basel, Georges Delnon. Die Premiere ist in einer Live-Übertragung am 1. Oktober auf SF 1 zu sehen.

Die beim Label cpo erschienene Aufnahme des Osnabrücker Symphonieorchesters (Leitung: Hermann Bäumer) von Gounods nahezu unbekannter Oper «La Nonne sanglante» ist mit dem Vierteljahrpreis der Deutschen Schallplattenkritik in der Sparte Oper ausgezeichnet worden.

Die Akademie der Künste Berlin widmet im September dem Thema Komponieren ein viertägiges Festvial. In Kooperation mit dem Elektroakustischen Studio der Akademie der Künste und dem Institut für Musik und Akustik des ZKM stellt «Zero ‚n’ One» die Konsequenzen des sogenannten «digital turn» in der Musik zur Diskussion. Im Zentrum des Festivals steht die Frage, wie sich künstlerische Prozesse, Themen und Formen in der Musik durch Digitalisierung verändert haben. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.adk.de

Kent Nagano und das Bayerische Staatsorchester eröffnen am 17. September mit einem Symphoniekonzert die Saison 2010/11 des Festspielhauses Baden-Baden. Ein Höhepunkt der bald darauf beginnenden Herbstfestspiele ist ein konzertanter «Otello» mit Ben Heppner in der Titelrolle und Anja Harteros als Desdemona sowie dem Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Daniel Harding.

Das Performing Arts Center in Mumbai/Indien bringt nach «Madama Butterfly» im letzten Jahr mit «Tosca» die zweite Puccini-Oper heraus. Regie führt Bruno Berger-Gorski. Die Hauptpartien singen Iano Tamar, Gustavo Porta und Anooshah Golesorkhi. Die Bühne entwirft Dirk Hofacker, Anne Overby dirigiert. Die Vorstellungen finden am 28. und 30. September im Performing Arts Center in Mumbai statt.

Nach dem «Licht» nun die «Nacht»: So lautet das Hauptmotto beim diesjährigen Musikfest Stuttgart 2010. Bereits im Eröffnungskonzert Ende August mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR unter Pietari Inkinen werden die drei großen Festival-Motive 2010 vorgestellt: «Träume und Märchen», «Schlafes Bruder» und «Liebe und Wahnsinn»; vertreten durch Rimsky-Korsakows «Scheherazade», Chaussons «La Mort de l’Amour» und Strauss’ «Don Juan». Ein weiterer Höhepunkt des dreiwöchigen Festivals ist die Wiederentdeckung der bislang nur einmal (1922) aufgeführten Pantomime mit Gesang «Die Zaubernacht» von Kurt Weill.

Neuer Kooperationspartner des Theaters Erfurt ist das South African State Theatre in Pretoria. Generalintendant Guy Montavon besiegelte im Sommer einen dreijährigen Kooperationsvertrag mit dem dortigen Theater. Den Auftakt bildete die Inszenierung der Verdi-Oper «La traviata» die fünf ausverkaufte Vorstellungen erlebte und jeweils 1346 Plätze füllte. Die Produktion war zuvor in den Spielzeiten 2006/07 und 2007/08 am Erfurter Haus zu sehen. Bei den Aufführungen in Pretoria traten südafrikanische und deutsche Sänger und Sängerinnen gemeinsam auf. Ihre Fortsetzung findet die Kooperation im nächsten Jahr mit Humperdincks «Hänsel und Gretel» sowie 2012 mit Mozarts «Le nozze di Figaro».

Der Voralberger Komponist Richard Dünser erhält den Ernst-Krenek-Preis 2010. Die von der Stadt Wien alle zwei Jahre vergebene und mit 8000 Euro dotierte Auszeichnung wird Dünser für eine bei den Bregenzer Festspielen 2006 uraufgeführte Oper «Radek» zuerkannt.

Der Tenor Jonas Kaufmann, Dirigent Riccardo Chailly, die Sopranistinnen Patricia Racette und Kiri Te Kanawa sowie der Bariton Bryn Terfel werden für herausragende künstlerische Leistungen mit den sechsten Opera News Awards ausgezeichnet. Die Galaveranstaltung findet im April 2011 im New Yorker Hotel La Plaza statt. Die Opera Awards wurden 2005 anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Met ins Leben gerufen und würdigt Künstler, die sich im Bereich der Oper besondere Verdienste erworben haben.


Die Jahrespreise der Deutschen Schallplattenkritik 2010 gehen an das von Masaaki Suzuki geleitete Bach Collegium Japan für die Einspielung von Johann Sebastian Bachs Motetten BWV 225-230, an Christian Gerhaher und Gerold Huber für ihre Interpretation der Mahler-Lieder,  an das Tschechische Philharmonische Orchester unter der  Leitung des kürzlich verstorbenen Charles Mackerras für ihre Deutung von Dvoráks symphonische Dichtungen, an Rafal Blechacz und das von Jerzy Semkov geleitete Concertgebouw Orkest (Chopins Klavierkonzerte) sowie an Eric Le Sage für seine Lesart sämtlicher Klavierwerke Schumanns. Mit einem Sonderpreis zeichnete der Jahresausschuss  das Album «Hommage à Steuermann» aus.

Krise oder nicht, das ist hier die Frage: Jonas Kaufmann, der es wissen muss, da er Wagner-Partien singt, ist der Meinung, es gebe keine Krise des Wagner-Gesangs. Und hat deswegen in einem Gespräch mit dpa eine Lanze für die ausgiebig gescholtenen Bayreuth-Sänger gebrochen. Es könne nicht sein, dass eine einzelne Stimme gegen die Klanggewalt eines modernen 100-Mann-Orchesters bestehen müsse, sagte der Tenor. Kaufman verkörpert seit dieser Saison in Bayreuth die Titelpartie in Wagners Oper «Lohengrin» in der Inszenierung von Hans Neuenfels (siehe auch das Editorial in OW 9-10/2010).

Neben der «Gesellschaft der Freunde von Bayreuth» hat sich ein zweiter Förderverein für die Richard-Wagner-Festspiele gegründet. Das Team aktiver Festspielförderer, kurz Taff genannt, sieht sich aber nicht als Konkurrenz zu den einflussreichen «Freunden», sondern als Ergänzung, wie Taff-Vorsitzender Peter Maisel betonte. Bis zu den 100. Festspielen im kommenden Jahr wolle man «einen signifikanten Beitrag» leisten.

Der 33 Jahre alte Hamburger Musiker Sascha Lino Lemke ist auf Schloss Reinbek bei Hamburg mit dem Paul-Hindemith-Preis geehrt worden. Mit einer Summe von 20 000 Euro ist die Auszeichnung eine der höchstdotierten für junge Komponisten. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Jan Müller-Wieland, Thomas Adès und Jörg Widmann.

Nach einer Pause von 55 Jahren reist der Leipziger Thomanerchor wieder nach Südamerika. Ab Ende Oktober geben die Musiker unter der Leitung von Thomas-Kantor Georg Christoph Biller Konzerte in Uruguay, Brasilien und Argentinien. Im März 2011 steht dann die nächste große Auslandsreise an – sie führt sie zum Hongkong Arts Festival.

Dank einer einmaligen Förderung des Landes Steiermark kann die Grazer Kunstuniversität (KUG) ab dem kommenden Studienjahr zwei renommierte Persönlichkeiten zu ihren neuen Lehrenden zählen: den US-amerikanischen Musikästhetik-Forscher Philip Alperson und die österreichische Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager. Beide werden im Rahmen einer Stiftungsprofessur in der steirischen Landeshauptstadt wirken. Philip Alperson zählt weltweit zu den führenden Forschern auf dem Gebiet der Musikästhetik/Philosophie der Musik und wird ab August 2010 für ein Jahr in Graz tätig sein. Am Institut für Musiktheater der KUG wird Kammersängerin Angelika Kirchschlager, deren Karriere an der Grazer Oper begann, für zwei Jahre als künstlerische Stiftungsprofessorin tätig sein. Ihre Arbeit beginnt die Mezzosopranistin im Sommersemester 2011 inmitten der Opernproduktion «Le nozze di Figaro»; Premiere ist am 4. Juni 2011.

Es hätte in Süd-Korea das Opern-Ereignis des Jahres werden sollen: Eine raumgreifende Inszenierung von Puccinis «Turandot» im Seoul World Cup Stadium unter der Leitung von Lorin Maazel. Vorläufig aber ist all das nurmehr Schall und Rauch. Ursprünglich waren die Aufführungen bereits für Mai angesetzt. Der Tod zahlreicher Seeleute, die sich an Bord eines vor der Küste Nordkoreas versenkten Kriegsschiffes befanden, hatte schon im Frühling zu zahlreichen Absagen von Events dieser Art geführt. Nun wurde das Opernprojekt, das für August terminiert worden war, laut einer Meldung des «Korea Herald» erneut abgeblasen –  laut offiziellen Mitteilungen wegen schleppender Ticketverkäufe und ungünstiger Wetterprognosen. Lorin Maazel hätte als Stardirigent ein lokales Orchester dirigiert. Doch wie so oft: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Zurzeit laufen Verhandlungen über eine Realisierung des Projekts im Oktober.

Sensationen, wohin das Auge blickt. So auch in Operklosterneuburg. Für das dortige Opernfestival wird ein Rekordjahr vermeldet. «Erwartungsgemäß», schreiben die Verantwortlichen, habe die diesjährige Produktion, Bizets «Carmen» alle bisherigen Rekorde gebrochen.  Noch vor «Hoffmanns Erzählungen» (2006) und der «Zauberflöte» (2003) sei die Saison 2010 die erfolgreichste in der Geschichte der Operklosterneuburg gewesen. Insgesamt 12 300 Besucher hätten die 14 Aufführungen «regelrecht gestürmt», hieß es. Das entsprach einer Auslastung von 97,5 Prozent. Ebenfalls ausverkauft war die Oper für Kinder. 2011 steht in Operklosterneuburg Mozarts Da-Ponte-Oper «Le nozze di Figaro» auf dem Spielplan.

Nach gerade sieben Minuten musste Rolando Villazón ein auf zwei Stunden angelegtes Konzert im Kopenhagener Tivoli Garden abbrechen. Die Veranstalter informierten die Besucher des Konzertes, die Preise zwischen 500 und 1250 Kronen (70 bis 170 Euro) für den Abend bezahlt hatten, dass der Mexikaner wegen einer schweren Erkältung außerstande sei, den Auftritt fortzusetzen. Laut «The Copenhagen Post» wurde das Konzert mit der Sopranistin Stéphanie Loris und der Mezzosopranistin Audry Kessedjian fortgesetzt. Ticket-Rückerstattungen gebe es nicht, hieß es zunächst. Dagegen gab es aber bald schon erfolgreiche Proteste – mit der Folge, dass die Eintrittsgelder für das abgebrochene Konzert doch noch zurückerstattet wurden. Wenige Tage später, stand Villazón, der in Dänemark noch Forfait geben musste, im Rahmen der Salzburger Festspiele einen Liederabend durch. In Presseberichten hieß es allerdings, seine Stimme habe sich «in besorgniserregendem Zustand» präsentiert, «an seinem tenoralen Wohlklang», der im Verlauf des Abends enger und enger geworden sei, habe «Rauheit genagt». Unterdessen berichten Insider, nicht Villazón werde in der laufenden Spielzeit an Covent Garden die Titelpartie in Massenets «Werther» singen, sondern der italienische Tenor Vittorio Grigolo. Grigolo glänzte dort unlängst als Des Grieux und hat soeben seine erste CD beim Label Sony veröffentlicht (Besprechung folgt in OW 11/2010). Sie trägt den schlicht-ergreifenden Titel «The Italian Tenor».

Schlimm hat es David Rendall erwischt. Und nicht zuletzt deswegen hat der 61-jährige Tenor Det Kongelige Teater von Kopenhagen auf Schadenersatz in Höhe von 300 000 Euro verklagt. Rendell macht geltend, ein Bühnenunfall im königlichen Musentempel habe seine Karriere ruiniert. Der Vorfall ereignete sich im April 2005 während einer «Aida»-Aufführung. Die Fehlsteuerung von Kulissenteilen hatten damals zu einem Sturz des Sängers geführt, der sich dabei mehrere schwere Verletzungen zuzog. Seit 2008 arbeitsunfähig, war er nach eigenen Angaben gezwungen, sein Haus zu verkaufen, um auflaufende Lebenskosten zu begleichen. Das dänische Opernhaus hat laut dem britischen «Telegraph» ein Fehlverhalten bereits eingeräumt und nach dänischem Recht Entschädigungszahlungen geleistet. Diese sind jedoch nach Ansicht Rendalls ungenügend.

Ungenügend ist nach Ansicht eines Gerichts in Cleveland auch die Arbeit von Donald Rosenberg gewesen, dem früheren Kritiker des dort ansässigen «The Plain Dealer». Rosenberg hat soeben einen Prozess wegen Diskriminierung verloren, nachdem er wegen Kritik an der Arbeit des Dirigenten Franz Welser-Möst in der Redaktion zurückgestuft worden war. Nachdem sich Rosenberg regelmäßig negativ über die Arbeit von Welser-Möst mit dem Cleveland Orchestra geäußert hatte, wurde ein jüngerer Kollege mit der kritischen Begleitung der Aktivitäten des Klangkörpers beauftragt. Rosenberg verklagte daraufhin die Zeitung und die Verwaltung des Orchesters wegen Diskriminierung respektive übler Nachrede. Vergebens.

Gute Erfahrungen macht das Wiener Anton-Proksch-Institut, ein Sonderkrankenhaus für Abhängige, mit einem «Fade into Life» genannten Musikprogramm. Im Rahmen des Programms werden Patienten nach einer Therapie zurück ins Leben geführt. Eine erste Evaluierung hat laut österreichischen Presseberichten gezeigt, dass das Programm, das Zugänge zu oft jahrelang unterdrückten und abgestumpften Emotionen öffnen soll, bloß von zwei Prozent der Beteiligten abgebrochen wird. «Fade into Life» setzt nach abgeschlossener Therapie an und hilft den Betroffenen, ihre Kreativität zu entwickeln und Sozialkontakte zu knüpfen. Bisher haben es rund 200 Patienten absolviert. Die Teilnehmer entwickeln eigene Musikprojekte. Dazu stehen ein mobiles Tonstudio und ein Profi-Musiker als Coach zur Verfügung. Auf CD geschafft haben es bisher acht Lieder.

Die Spardebatte in den USA nimmt kein Ende. Nun hat Allison B. Vulgamore, neue Präsidentin des Philadelphia Orchestra, in einem längeren Artikel des «Philadelphia Inquirer» Überlegungen zu harten Maßnahmen für die Sanierung der Finanzen des Ensembles angestellt. Das Orchester fährt erhebliche Defizite ein, seine Konzerte sind laut «Philadelphia Inquirer» lediglich zu zwei Dritteln ausgelastet. Nun werden alle Optionen, darunter auch eine radikale Verschlankung des Klangkörpers, diskutiert. Eine Neudefinition der Strategie soll bis Ende des Jahres von einer speziellen Kommission formuliert werden, unter Federführung des Bostoner Beratungsunternehmens Technical Development Corp. Laut Allison B. Vulgamore kämpft das Orchester mit strukturellen Defiziten. Dass das laufende Geschäftsjahr bei einem Gesamtbudget von 44 Millionen Dollar nicht in den roten Zahlen endete, ist vor allem einem Zuschuss von sieben Million Dollar aus einem Notfonds zu verdanken.

Ab der Saison 2012/2013 wird Markus Stenz, bis mindestens 2014 Generalmusikdirektor des Gürzenich-Orchesters in Köln, auch noch Chefdirigent des Radio Filharmonisch Orkest Hilversum. Stenz verpflichtet sich zunächst für drei Spielzeiten mit der Option, um drei weitere Jahre zu verlängern. Er folgt in dieser Position Jaap van Zweden, der dem Orchester als Ehrengastdirigent weiterhin verbunden bleibt. Das Radio Filharmonisch Orkest wurde 1945 von Albert van Raalte gegründet und seither von Dirigenten wie Bernard Haitink, Hans Vonk oder Edo de Waart geleitet. Der Hauptsitz des Holländischen Rundfunk Orchesters ist Hilversum, Konzertreihen finden auch in Amsterdam und Utrecht statt. Zudem spielt das Orchester bei einigen Opernproduktionen auch im Graben der Nederlandse Opera.

Der Dresdner Kammersänger Peter Schreier beklagt den Verlust musikalischer Traditionen in Deutschland. «Die Hausmusik und das Singen in der Familie sind ausgestorben», sagte der Tenor in einem dpa-Gespräch. «Bei uns zu Hause wurde noch zwei Mal die Woche musiziert». Dass das inzwischen kaum noch praktiziert werde, liege am Einfluss der Massenmedien, vor allem dem Fernsehen: «Superstar statt Wunderkind, ein hübsches Mädchen im Fernsehen wird gleich als Star angesehen.» Schlager, Rock und Pop dominierten statt Volksliedern und Klassik. «Tatsache ist auch, dass sich Kinder und Jugendliche nur vollrieseln lassen und dazu nur auf den Knopf drücken müssen. Das macht mich ein bisschen traurig.» Dabei seien Kinder sehr gut an klassische Musik heranzuführen. «Wenn man will, kann man ihnen die Klassik als Unterhaltung oder Pendant zur Unterhaltungsmusik nahebringen.» Leider komme es aber mehr auf das Äußerliche als die Musik an. Neben den Eltern sieht Schreier auch die Musiklehrer in der Pflicht. «Die nehmen eher Rock- und Popmusik als Unterrichtsgrundlage, deshalb können Jugendliche kaum noch Volkslieder singen», sagte er. Auch Eltern, die ihre Kinder musikalisch erziehen, gehörten inzwischen zu einer Randgruppe.

Die Peters Edition Ltd. London, die C.F. Peters Corporation New York, der C.F. Peters Musikverlag Frankfurt/Main und die Leipziger Firmen der Edition Peters haben sich zur Edition Peters Group zusammengeschlossen. Eigentümer der neuen Gruppe werden die Hinrichsen-Foundation sowie Martha und Henry Hinrichsen. Dem Management-Team wird laut einer offiziellen Mitteilung des Verlages Nicholas Riddle (Group CEO und Managing Director, Peters UK) von London aus vorstehen. Ihm zur Seite stehen Hermann Eckel (Managing Director, Peters Deutschland) und Roger McClean (Managing Director, Peters USA) sowie die beiden «nichtgeschäftsführenden» Direktoren Martin Williams (Vorsitzender) und Bernd Walbaum. Der Europa-Vertrieb wird neu strukturiert; die Verkaufs- und Marketingaktivitäten sollen künftig weltweit zentral gesteuert werden. Die Bereiche Produktion, Verwaltung von Urheber- und Nutzungsrechten sowie Verleih und Promotion zeitgenössischer Musik werden verstärkt zusammenarbeiten.

Michael Börgerding übernimmt mit Beginn der Spielzeit 2012 die Intendanz am Theater Bremen. Darauf haben sich die Mitglieder der Findungskommission einstimmig verständigt. Die entsprechenden Verträge werden jetzt unterzeichnet. Den Beschäftigten des Hauses wird sich Börgerding in der kommenden Woche auf einer Personalversammlung vorstellen.

Der Nachlass des Komponisten Hugo Distler ist jetzt im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek. Seine Erben schenkten dem Haus eine umfangreiche Sammlung von Musikhandschriften und Druckfahnen sowie eine kleinere Auswahl an Briefen und anderen biographischen Dokumenten. Der Nachlass hatte sich zuvor in der Bibliothek der Hansestadt Lübeck befunden. Distler schuf anspruchsvolle Chor- und evangelische Kirchenmusik, die von den Nazis als «entartet» gebrandmarkt wurde. 1942 nahm er sich das Leben.

Die New Yorker Met verzeichnet zum Start ihrer neuen Spielzeit einen Verkaufsrekord. An einem Tag seien rund 24 000 Tickets im Wert von 2,65 Millionen US-Dollar verkauft worden, teilte das Opernhaus mit. Allerdings stieg der Kartenpreis im Vergleich zum Vorjahr auch um elf Prozent an.

Grund zum Feiern hat der amerikanische Dirigent James Levine: Er begeht sein 40-jähriges Dirigentenjubiläum an der Metropolitan Opera. Anlässlich dieses Datums bringt das Haus unter dem Titel «James Levine: Celebrating 40 Years at the Met» zwei dicke Boxen mit 21 DVDs und 32 CDs heraus, auf denen das musikalische Wirken des derzeit erkrankten Dirigenten eindrucksvoll dokumentiert ist.

Anstelle des kürzlich verstorbenen Dirigenten Sir Charles Mackerras (siehe Nachruf in OW 9-10/2010) leitet Tomas Netopil drei Konzerte (30. September, 1. und 2. Oktober) in der Berliner Philharmoniker, bei der die Berliner Philharmoniker sowie Solisten wie Magdalena Kozená, Steve Davislim, Michéle Lagrange, Fréderic Goncalves und Réne Schirrer die kaum bekannte Oper «Juliette» von Bohuslav Martinu konzertant interpretieren. Ob sich Simon Rattle dieses Debüt anhören wird, steht dahin. Als gesichert indes gilt, glaubt man den Londoner Opernspatzen, dass Gerald Finley 2013 im «Parsifal» unter der Leitung Rattles in Berlin, Salzburg und London sein Debüt als Amfortas geben wird. Und wo wir gerade beim Buschfunk aus den so genannten gut unterrichteten Kreise sind: William Christie soll 2013 in Glyndebourne am Pult stehen, wenn Rameaus erste Oper «Hippolyte et Aricie» auf die Bühne gelangt, in der Regie von Jonathan Kent.

Die Richard-Wagner-Stadt Bayreuth will im kommenden Jahr den Komponisten Franz Liszt in den Mittelpunkt eines umfangreichen Festprogramms stellen. Grund genug gibt es: Liszts Leichnam liegt in Bayreuth begraben. Und ohne ihn gäbe es die berühmten Bayreuther Festspiele womöglich gar nicht. Dieser Ansicht ist jedenfalls der Kulturbeauftragte der Stadt für Musik und Musiktheater, Nicolaus Richter. Deswegen will er Liszt huldigen – unter anderem mit einem Festkonzert unter der Leitung von Christian Thielemann und einem Liederabend mit Thomas Hampson sowie einem großen Festakt zum 200. Geburtstages des Komponisten. Damit aber nicht genug: Auch Liszts nicht eben gelungene, aber eben auch einzige Oper «Don Sanche» soll aufgeführt werden. Regie führt hierbei sein Urururenkel Antoine Wagner-Pasquier, der wiederum der Sohn einer der beiden Festspielchefinnen, nämlich von Eva Wagner-Pasquier, ist.


WETTBEWERBE

Nach Vorrunden in aller Welt haben sich bislang 52 Sängerinnen und Sänger für das Semifinale des Internationalen Gesangwettbewerbs für die italienische Oper «Competizione dell'Opera» qualifiziert, das Ende August in Dresden und Bremen stattfindet. Ebenfalls in der sächsischen Metropole – in der Semperoper – findet am 5. September das Finale des Wettbewerbs statt.

Vom 17. bis zum 26. September findet im Theater aan de Parade zu 's-Hertogenbosch der 48. Internationale Vokalwettbewerb 's-Hertogenbosch statt. Zu gewinnen gibt es ein Preisgeld in Höhe von 45 000 Euro sowie Engagements bei Opernensembles wie De Nederlandse Opera und Opera Zuid. Des Weiteren wird eine Rollenbesetzung für das Jahr 2011 in der Verdi-Oper «Aida» vergeben, die von I Romantici produziert wird. Alle Veranstaltungen bei dem Wettbewerb sind öffentlich. Informationen zur Bewerbung und zu den Teilnahmebedingungen gibt es unter www.internationalvocalcompetition.com

Vom  6. bis zum 11. September 2010 dauert der 48. Concours International de Chant Toulouse, für den sich 130 junge Sängerinnen und Sänger, davon 78 Frauen (in der Mehrzahl Sopranistinnen) qualifiziert haben. Das Halbfinale findet am 9. September, das Finale am 11. September statt, Austragungsort ist in beiden Fällen das Théâtre du Capitole. Weitere Informationen gibt es unter www.chant. toulouse.fr

Pretty Yende und Michele Angelini sind die Sieger beim diesjährigen Internationalen Gesangswettbewerb des Savonlinna Opera Festivals, das von insgesamt 60 000 Gästen besucht wurde. Die 25-jährige südafrikanische Sopranistin und der 28-jährige amerikanische Tenor teilten sich den ersten und zweiten Preis (20 000 und 10 000 Euro), erhielten also jeder 15 000 Euro. Der dritte, mit 5000 Euro dotierte Preis ging an die 24-jährige russische Sopranistin Elena Guseva. 

Einen neuen Anmelderekord verzeichnet der Sir George-Solti-Dirigentenwettbewerb in Frankfurt, der gemeinsam von der Alten Oper Frankfurt, der Oper der Stadt, dem Hessischen Rundfunk und der Frankfurter Museumsgesellschaft ausgerichtet wird. Er findet vom 6. bis 12. September unter Schirmherrschaft von Lady Solti statt. Weitere Informationen unter www. dirigentenwettbewerb-solti.de

Bis zum 1. September können sich Sängerinnen und Sänger der Jahrgänge 1980 bis 1993 aus Deutschland in den Kategorien Oper, Operette und Konzert für den diesjährigen Bundeswettbewerb Gesang anmelden. Es locken Preise im Gesamtwert von 50 000 Euro. Informationen unter www.bundeswettbewerbgesang.de

Vom 23. bis zum 27. Februar 2011 findet in Berlin der Wettbewerb «Das Lied» für Sängerinnen und Sänger sowie Lied-Duos statt. Das Repertoire umfasst Werke der Gattung von Johannes Brahms und Hugo Wolf. Anmeldeschluss ist der 31. Oktober. Weitere Informationen unter www.das-lied.com

Das Forum Zeitgenössische Musik Leipzig schreibt einen Komponisten-Wettbewerb für Minuten-Stücke, die einen originellen, kritischen und humorvollen Bezug zu Fast-Food-Essen, dem Produktionsprozess oder der Verzehrsituation in einem Fast-Food-Restaurant nehmen. Die Stücklänge beträgt maximal zwei bis vier Minuten. Anmeldeschluss ist der 15. September. Weitere Informationen unter www.fzml.de

Komponisten im Alter bis zu 35 Jahren können sich mit einem Werk für Orchester ohne Solisten oder Elektronik noch bis zum 30. September beim Toru Takemitsu Composition Award 2011 anmelden. Ausrichter ist die Tokyo Opera City Foundation. Weitere Informationen unter www.operacity.ip

Mit einer Komposition für Symphonie-Orchester können sich bis zum 15. Oktober Komponisten bis zu 35 Jahren für den Wettbewerb Tactus 2011 anmelden, ein Workshop-Projekt der Brüsseler Philharmonie. Informationen unter www.tactus. de

Für das englische Álvarez Chamber Orchestra ist ein Kompositionspreis in Höhe von 1000 englischen Pfund ausgesetzt. Bis zum 21. September können sich junge Tonsetzerinnen und Tonsetzer mit einem Werk bewerben. Jenes, das den Zuschlag erhält, wird in der Saison 2011/12 von dem Orchester aufgeführt. Informationen unter www.freespace.virgin.net

Für die Recital Music Song Writing Competition wird ein Lied mit Klavierbegleitung zwischen drei und fünf Minuten Spieldauer gesucht. Die Textauswahl ist frei zu wählen. Anmeldeschluss ist der 30. Oktober. Wer Näheres erfahren möchte, schreibe bitte eine e-mail an die Adresse doublebass@tiscali.co.uk

Vom 14. bis zum 16. Oktober findet im italienischen Pienza der 2. Internationale Operngesangswettbewerb «Benvenuto Franci» statt. Bis zum 6. Oktober können sich Sängerinnen und Sänger, die nach dem 31. Dezember 1974 geboren wurden, bewerben. Das Preisgeld beträgt 6500 Euro. Weitere Informationen unter www.commune.pienza.si.it

Auf dem Programm der Jungen Oper Schloss Weikersheim steht 2011 Mozarts Oper «Così fan tutte». Unter der musikalischen Leitung von Mario Venzago erarbeiten die Teilnehmer dieses Projektes der Jeunesse Musicales Deutschland die verschiedenen Rollen des Werkes im Rahmen einer professionellen Opernproduktion. Informationen zur Ausschreibung unter www.oper-weikersheim.de

Vom 3. bis zum 17. November findet das Finale des Wettbewerbs Armel Opera Competition and Festival im ungarischen Szeged statt. Der Wettbewerb ist mit mit 20 000 Euro dotiert. Im Rahmen des Festivals sind unter anderem die Weltpremiere der Oper «Veslefrikk» von Knut Vaage, die ungarische Erstaufführung von Marco Tutinos Musiktheater «The Servant» sowie die europäische Erstauffüh-
rung der Oper «The Seagull»  von Thomas Pasatieri zu erleben.

Der aus Freiburg stammende, 26-jährige David Afkham hat den ersten Salzburger Dirigentenwettbewerb gewonnen. Es handelt sich um eine neue Initiative der Festspiele, der Preis ist mit 15 000 Euro do


AUGUST 2010

Abschied

Der deutsche Filmemacher, Performer und Regisseur Christoph Schlingensief ist tot. Er erlag am 21. August seiner Krebserkrankung. Bereits Anfang Juli hatte Schlingensief eine Produktion für die diesjährige Ruhrtriennale kurzfristig absagen müssen, weil sich sein Zustand rapide verschlechtert hatte. Nachdem die behandelnden Ärzte neue Metastasen diagnostiziert hatten, sah sich «der Autor und Regisseur nicht in der Lage, im geplanten Zeitrahmen sein Werk zur Aufführung zu bringen», teilten die Veranstalter mit. An der Berliner Staatsoper sollte Schlingensief die Oper «Metanoia» von Jens Joneleit inszenieren, die Anfang Oktober im Schiller Theater, der Ausweichspielstätte des Hauses, unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim uraufgeführt werden soll. Wer das Projekt nun szenisch betreuen wird, ist derzeit noch offen. Schlingensief war einer der bedeutendsten und zugleich umstrittensten Theater-, Film- und Performancekünstler Deutschlands. Seine Arbeiten bezeugten mit den Mitteln dadaistischer Subversion und Provokation und unter Nutzung der Medien stets eine Suche nach Authentizität, Wahrhaftigkeit und spirituellem Sinn in einer zunehmend aus der Balance geratenen Welt. Von den frühesten Filmen bis zu seinen späten Theaterprojekten wie «Mea Culpa» an der Wiener Hofburg oder seinen Operninszenierungen in Bayreuth («Parsifal»), Manaus («Der fliegende Holländer») und an der Deutschen Oper Berlin (Walter Braunfels’ «Jeanne d’Arc») propagierte Schlingensief dabei auch immer jenen offenen, erweiterten Kunstbegriff, den Joseph Beuys einst forderte. Kunst war für den Apothekersohn aus Oberhausen vor allem politischer Kommentar zum Verhältnis von Kunst und Leben. Am 21. Oktober wäre Christoph Schlingensief 50 Jahre alt geworden. Ein ausführlicher Nachruf folgt in unserem Jahrbuch «Oper 2010».

 

Leonid Brumberg, ein bedeutender Vertreter und Wahrer der Moskauer Klavierschule, ist nach Angaben seiner Familie im Alter von 85 Jahren in Wien verstorben. Brumberg wurde in Rostow am Don geboren und studierte am Moskauer Konservatorium Klavier bei Heinrich Neuhaus, Instrumentation bei Dmitri Schostakowitsch und Komposition bei Nikolaj Mjaskowski. Als Assistent von Neuhaus, dem Pädagogen und Ziehvater von Swjatoslaw Richter und Emil Gilels, unterrichtete Brumberg an der Gnessin-Akademie in Moskau, der er später als ordentlicher Professor angehörte. Im Laufe der Zeit wuchs sein Repertoire auf über 30 Klavierkonzerte und 100 Soloprogramme an, darunter die 32 Klaviersonaten von Beethoven und das Gesamtwerk Chopins. Seit seiner Emigration nach Wien im Jahre 1981 gab Leonid Brumberg Konzerte in ganz Europa sowie im Nahen und Fernen Osten. Seit 1982 war Brumberg, von dem zahlreiche Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen vorliegen, Professor am Konservatorium der Stadt Wien. Er gehörte auch zu den Stammkünstlern des Rheingau Musik Festivals. Hier führte er unter anderem in den Jahren von 1991 bis 1996 das gesamte Klavierwerk Chopins auf.

Der renommierte britische Tenor Anthony Rolfe Johnson ist am 20. Juli, drei Tage vor seinem 70. Geburtstag, an den Folgen einer Alzheimer-Erkrankung gestorben. Zum professionellen Gesang fand Johnson erst in seinen dreißiger Jahren. Bald wurde er zum bevorzugten Interpreten John Eliot Gardiners und anderer Dirigenten. Auch auf Tonträger ist der Tenor prominent vertreten. Für die Archiv Produktion etwa wirkte er in einer der besten «Idomeneo»-Einspielungen überhaupt mit. Später realisierte er unter Bernard Haitink für EMI eine exemplarische Produktion von Benjamin Brittens «Peter Grimes» (siehe Nachruf in OW 9-10/2010).

Der australische Dirigent Charles Mackerras, der sich unter anderem als Kenner der tschechischen Musik einen Namen gemacht hat, ist am 14. Juli im Alter von 84 Jahren in London gestorben. Der 1924 in den USA geborene Mackerras studierte in Sydney Oboe und in der Folge bei Václav Talich in Prag Dirigieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg amtierte er unter anderem als Generalmusikdirektor des Londoner Sadler’s Wells Theatre, der heutigen English National Opera. In den sechziger Jahren war Mackerras überdies häufig Gast der Berliner Staatsoper, der Hamburgischen Staatsoper und in Covent Garden. Sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera gab er 1972. Neben Rafael Kubelik gilt Mackerras als einer der bedeutendsten Vertreter der «tschechischen» Dirigentenschule und als einer der wichtigsten Musikphilologen auf dem Gebiet der tschechischen Oper. Mackerras hatte maßgeblichen Anteil an der Durchsetzung des Opernwerks von Leos Janácek. Er war Ehrenbürger Prags und regelmäßig Gast der Tschechischen Philharmonie.

Reinhart Zimmermann, langjähriger Bühnenbildner und Ausstattungsleiter der Komischen Oper Berlin, ist am 11. Juli im Alter von 74 Jahren gestorben. Zimmermann, 1936 in Erfurt geboren, begann seine Theaterlaufbahn 1954 als Bühnenbildassistent am Landestheater Halle (Saale). Von dort wechselte er als Assistent von Rudolf Heinrich an die Komische Oper Berlin, wo er seit 1961 als Bühnenbildner und ab 1963 als Ausstattungsleiter tätig war. Zu Zimmermanns bekanntesten Arbeiten zählte die Ausstattung zu Walter Felsensteins legendärer Inszenierung von Mozarts «Hochzeit des Figaro». Eine lange künstlerische Partnerschaft verband ihn überdies mit dem Regisseur Harry Kupfer, für den er unter anderem Bühnenbild und Kostüme für die Opern «Così fan tutte», «Boris Godunow» und «Judith» von Siegfried Matthus erschuf.

Im Alter von 79 Jahren ist am 15. Juni die kanadische Opern- und Konzertsängerin Maureen Foster in Toronto gestorben. Die 1930 geborene Altistin begann ihre Karriere in Kirchenchören und studierte bei Bernard Diamant. Ihr professionelles Debüt gab Big Mo, wie sie kosehalber genannt wurde, im Alter von 21 Jahren beim Montreal Elgar Choir. Bei den Montrealer Symphonikern sang sie erstmals 1953, zwei Jahre später trat sie erstmals in Europa auf. Vor allem als Mahler-Interpretin  war Maureen Foster eine der führenden Sängerinnen ihrer Zeit; dabei arbeitete sie unter anderem mit Bruno Walter, Fritz Reiner und George Szell zusammen. Wie groß ihre vokale Vielfalt war, belegen die Alt-Partien, die sie auf der Opernbühne verkörperte: den Gluck’schen «Orpheus», die Cornelia in Händels «Giulio Cesare», die Wagner-Rollen Erda, Fricka und Brangäne sowie Ulrica in «Un ballo in masche-
ra» von Verdi und die Klytmämnestra in Strauss’ «Elektra». Für ihre Verdienste als Opernsängerin erhielt Maureen Foster 2000 den Ruby Award.

Im Alter von 85 Jahren ist der Impresario Ernest Fleischmann gestorben. Das teilte die «Los Angeles Times» mit. Fleischmann, den Pierre Boulez einmal als einen «Adler, der hoch fliegt und dennoch die kleinste Maus sieht» bezeichnet hat,  prägte knapp dreißig Jahre lang das Gesicht des Los Angeles Philharmonic 
Orchestra, von 1969 bis 1998. Ferner gilt er als Erneuerer der Tradition der sommerlichen Konzerte in der Hollywood Bowl, die das Musikleben von L. A. maßgeblich mitprägen.

Im Alter von 57 Jahren ist Norbert Klein, persönlicher Referent und Stellvertreter des Intendanten des Nürnberger Staatstheaters Peter Theiler, am 11. Juni gestorben. Der gebürtige Düsseldorfer war als Dramaturg an den Theatern von Trier, 
Oldenburg und Bremen beschäftigt. Am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen begann seine langjährige Zusammenarbeit mit Theiler, die sich in Nürnberg fortsetzte. Zuletzt hatte Norbert Klein die Produktion der Auftragsoper «Das Holzschiff» von Detlev Glanert betreut. Dieser hat das Werk nun Klein gewidmet.

Der Musikwissenschaftler Dieter de la Motte ist tot. Er wurde 1928 in Bonn geboren und studierte die Fächer Komposition, Klavier und Chorleitung. Von 1962 bis 1981 unterrichtete er an der Musikhochschule Hamburg; danach lehrte de la Motte in Hannover und in Wien. Seine Bücher «Musikalische Analyse» (1968), die in zahlreiche Sprachen übersetzte «Harmonielehre» (1976) und «Kontrapunkt» (1981) gelten als Standardwerke einer musikalischen Theorie, die analytisch ausgerichtet ist und historisch differenziert. Auch als Komponist trat Dieter de la Motte in Erscheinung. Er verfasste sowohl vokale als auch instrumentale und szenische Werke. Zu seinen Kompositionsschülern zählen unter anderem Manfred Trojahn und Detlef Glanert.

Luo Pinchao, ein Vertreter der kantonesischen Oper, galt laut Guinness World Record bislang als ältester Opernsänger der Welt. Nun ist er im Alter von 98 Jahren in seinem Heim in Guangzhou verstorben. Der 1912 geborene Luo Pinchao startete seine Karriere in der chinesischen Oper 1930 als Vertreter des kantonesischen Stils, der im Dialekt des Südens des Landes gesungen wird. Der Sänger galt auch als Neuerer dieses Stils; er machte das Singen in modernem Chinesisch neben der klassischen Variante salonfähig.

Jubilare

Daniel Barenboim feiert sein 60-jähriges Bühnenjubiläum. Gerade sieben Jahre alt war Daniel Barenboim, als er am 19. August 1950 in Buenos Aires sein erstes Konzert als Pianist gab. Grund genug, in seiner Heimatstadt auch das jüngste Jubiläum zu begehen. Noch bis zum 31. August gastiert Barenboim in dem unlängst wiedereröffneten Teatro Colón, wo er insgesamt zehn Konzerte dirigieren wird. Mit dem West-Eastern Divan Orchestra wurden und werden in sieben der zehn Konzerte neben Werken von Pierre Boulez, Arnold Schönberg und Robert Schumann auch alle neun Sinfonien Ludwig van Beethovens aufgeführt. Mit dem Orchester und dem Chor der Mailänder Scala stehen Verdis «Aida» sowie dessen «Messa da Requiem» auf dem Programm.

Der Regisseur und Intendant Hansgünther Heyme feierte am 22. August 2010 seinen 75. Geburtstag. Heyme gilt als einer der profiliertesten Theatermacher der Nachkriegszeit. Zusammen mit Peter Stein begründete er in den sechziger Jahren das moderne Regietheater in Deutschland und war mit seinen Produktionen wiederholt beim Berliner Theatertreffen eingeladen. Nach Stationen in Köln, Stuttgart, Essen und Bremen leitete Heyme von 1990 bis 2003 die Ruhrfestspiele Recklinghausen, seit 2004 ist er Intendant des Theaters im Pfalzbau der Stadt Ludwigshafen am Rhein. In einer Gemeinschaftsproduktion mit der Oper Halle und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der musikalischen Leitung von Karl-Heinz Steffens wird er in Ludwigshafen und Halle von 2010 bis 2013 Richard Wagners «Der Ring des Nibelungen» neu inszenieren.

 

Sein Sängerdebüt gab er als Tenor in Beethovens Neunter. Doch danach wandte sich Franz Fehringer, der in Karlsruhe studiert hatte, vor allem den Partien in Händels und Mozarts Opern zu. Vor dem Zweiten Weltkrieg trat er vor allem in Wiesbaden und im Radio auf, nach dem Krieg führten ihn Engagements unter anderem nach Hamburg, Frankfurt und Paris. Neben der Oper wandte sich der Sänger in vielen Rollen der Operette zu. Nach der aktiven Karriere gab er sein Wissen als Lehrer an den Musikhochschulen von Mainz und Heidelberg weiter. 1988 starb Franz Fehringer. Am 7. September dieses Jahres wäre er einhundert Jahre alt geworden.

Die praktische Musik war nicht seine erste und ausschließliche Wahl. Zunächst studierte Heinrich Sutermeister in Basel und Paris Musikgeschichte und Philologie, bevor er ab 1932 Schüler von Carl Orff, Hans Pfitzner (Komposition), Walter Courvoisier (Harmonielehre und Kontrapunkt) und Hugo Röhr (Dirigieren) an der Akademie für Tonkunst in München wurde. Nach einer kurzen Zeit als Korrepetitor am Berner Theater zog sich Sutermeister als freischaffender Komponist nach Vaux-sur-Morges zurück. Sein vielfältiges Œuvre umfasst neben Opern – darunter die Literaturvertonungen «Romeo und Julia» (auf Shakespeare), «Raskolnikoff» (nach Dostojewskis Roman «Schuld und Sühne») und «Madame Bovary» (auf Flaubert) – und Ballettmusiken zahlreiche Orchesterwerke sowie Vokal- und Kammermusik. Von 1963 bis 1975 leitete Sutermeister eine Kompositionsklasse an der Musikhochschule Hannover, seit 1977 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Am 12. August gedenkt die Musikwelt des 100. Geburtstags dieses in Vergessenheit geratenen Komponisten, der am 16. März 1995 starb. 

Seine erste Liebe galt der Architektur. Doch schon bald konnte Pier Luigi Pizzi keinen Hehl mehr aus seiner Schwäche für das Theater machen. Nachdem er Giorgio Strehler begegnet war und am Teatro Tommaseo in Genua erste Eindrücke gewonnen hatte, blieb er der Bühne treu – und wurde, bevorzugt als Partner von Luca Ronconi, zunächst einer der stilprägenden italienischen Bühnen- und Kostümbildner sowohl im Bereich der Oper wie im Schauspiel, bevor er nach 1977 auch als Regisseur in Erscheinung trat. Pizzi arbeitete an allen großen (Musik-)Theatern der Welt: in Wien sowohl am Burgtheater als auch an der Staatsoper, an der Mailänder Scala, an Covent Garden, an der Bayerischen Staatsoper und an vielen Häusern seines Heimatlandes. 1990 begann der reguläre Opernbetrieb an der neue Bastille-Oper in Paris mit seiner Inszenierung von «Les Troyens». Auch zur Wiedereröffnung der Scala im Jahre 2004 wurde Pizzi gebeten, Bühne und Kostüme für Antonio Salieris «L’Europa riconosciuta» zu gestalten, wobei er erneut mit Luca Ronconi zusammenarbeitete. Am 15. Juni feierte Pizzi seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

In der Szene gilt er vielen immer noch als Geheimtipp. Dabei müsste sich längst 
herumgesprochen haben, dass Dmitri Kitajenko zu den versiertesten Vertretern der Dirigentenzunft zählt. Nach dem Studium in seiner Heimatstadt Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, und in Moskau gewann er 1969 den ersten Internationalen Herbert-von-Karajan-Wettbewerb in Berlin. Mit 29 Jahren wurde er zum Chefdirigenten der Moskauer Oper ernannt, 1976 in gleicher Position beim Philharmonischen Orchester der russischen Hauptstadt tätig, 1990 ging Kitajenko in den Westen und wurde noch im gleichen Jahr Chefdirigent des Symphonieorchesters des Hessischen Rundfunks (eine Position, die er sechs Jahre lang innehatte) sowie des Berner Symphonie-Orchesters, dem er bis 2004 vorstand. Seit 1999 ist Kitajenko, dessen Repertoireschwerpunkt die russische Musik ist, Chefdirigent beim südkoreanischen Rundfunkorchester. Am 18. August feiert er seinen 70. Geburtstag. Dazu herzlichen Glückwunsch!

Ihr Operndebüt gab sie, als Ersatz für Grace Bumbry, in Glucks «Orpheus und Eurydike», das war 1963 in Basel. Vier Jahre später stand die in Zagreb geborene Sopranistin Gertrude Jahn erstmals auf der Bühne der Wiener Staatsoper, jenem Haus, dem sie dann mehr als 25 Jahre eng verbunden blieb, dabei aber in der ganzen Welt auf den wichtigen Opernbühnen stand. Ihr Repertoire war weitgespannt, darin kam die Carmen ebenso vor wie Verdis «Don Carlo»-Eboli, der 
«Rosenkavalier»-Oktavian, die Mrs. Sedley in «Peter Grimes» ebenso wie Gräfin Geschwitz in Bergs «Lulu». Auch als Liedsängerin wusste die Sängerin zu überzeugen, zumal sie sowohl im französischen als auch im italienischen, russischen und deutschen Repertoire bewandert war. Am 13. August feiert Gertrude Jahn ihren 70. Geburtstag. Wir gratulieren.

Eingefleischte Opernfans kennen sie selbstredend. Nicht nur sang die amerikanische Sopranistin Rita Shane in fast 
allen großen US-Städten, nicht nur war sie zehn Jahre eine der wirkmächtigsten Darstellerinnen an der Met, auch in Europa machte sie sich bald nach ihrem Debüt an der Mailänder Scala einen Namen, zumal als Mozart-Interpretin. Die Königin der Nacht, Constanze, Donna Anna zählten zu ihren Paraderollen. Darüber hinaus war sie aber auch als Verdi-Sängerin gefragt: als Gilda, als Oscar und natürlich als Violetta. Nach ihrer aktiven Karriere wurde Rita Shane Professorin an der Eastman School of Music. Am 15. August feiert sie ihren 70. Geburtstag, zu dem wir an dieser Stelle herzlich gratulieren.

Eingeweihte zählen ihn zu den führenden Baritonen seiner Zeit. Als Opernsänger debütierte der gebürtige Florentiner Enzo Mascherini 1937 in der Rolle des Germont in Verdis «La traviata». Ein Jahr später trat er in der selten aufgeführten Oper «Antonio e Cleopatra» seines Landsmannes Gian Francesca Malipiero auf. Es folgten erste Auftritte am Teatro San Carlo in Neapel und an der Mailänder Scala. In der Folge feierte Mascherini an den wichtigen Opernbühnen weltweit Erfolge als Marcello in «La Bohème» (diese Rolle sang er 1949 erstmals auch an der Met), als Silvio in Leoncavallos «I pagliacci», als Rigoletto (unter anderem mit Erna Berger als Gilda), Lescaut in «Manon Lescaut» und Andrea Chénier. Nach seinem Abschied von der Bühne wirkte er als Lehrer in Florenz. Zuvor hatte er zweimal an der Seite der legendären Maria Callas, einmal beim Maggio Musicale in seiner Heimatstadt, als Montforte in «I vespri siciliani» unter Leitung von Erich Kleiber, und dann, zur Eröffnung der Scala-Saison 1952/53, als Macbeth (Victor de Sabata dirigierte). Am 6. August wäre Enzo Mascherini, der am 29. Juli 1981 in Livorno starb, einhundert Jahre alt geworden. Die Musikwelt gedenkt seiner.

Seine erste Liebe galt der Architektur. Doch schon bald konnte Pier Luigi Pizzi keinen Hehl mehr aus seiner Schwäche für das Theater machen. Nachdem er Giorgio Strehler begegnet war und am Teatro Tommaseo in Genua erste Eindrücke gewonnen hatte, blieb er der Bühne treu – und wurde, bevorzugt als Partner von Luca Ronconi, zunächst einer der stilprägenden italienischen Bühnen- und Kostümbildner sowohl im Bereich der Oper wie im Schauspiel, bevor er nach 1977 auch als Regisseur in Erscheinung trat. Pizzi arbeitete an allen großen (Musik-)Theatern der Welt: in Wien sowohl am Burgtheater als auch an der Staatsoper, an der Mailänder Scala, an Covent Garden, an der Bayerischen Staatsoper und an vielen Häusern seines Heimatlandes. 1990 begann der reguläre Opernbetrieb an der neue Bastille-Oper in Paris mit seiner Inszenierung von «Les Troyens». Auch zur Wiedereröffnung der Scala im Jahre 2004 wurde Pizzi gebeten, Bühne und Kostüme für Antonio Salieris «L'Europa riconosciuta» zu gestalten, wobei er erneut mit Luca Ronconi zusammenarbeitete. Am 15. Juni feierte Pizzi seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

Meldungen

Die Sanierung der Berliner Lindenoper nimmt Gestalt an. Nach dem Entwurf des Architekten HG Merz soll die Saaldecke um vier Meter angehoben werden, wodurch sich das Raumvolumen um 30 Prozent vergrößert. Durch die Änderungen sollen Klangverhältnisse wie in der Wiener Staatsoper und sogar wie im Bayreuther Festspielhaus herrschen. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf 239 Millionen Euro – nach gegenwärtigem Stand. Am 3. Oktober 2013 soll die Lindenoper wieder eröffnet werden.

Insgesamt 15 Produktionen will Opera Australia in der Spielzeit 2011 stemmen, darunter die australische Erstaufführung von Carlisle Floyd’s Opus «Of Mice and Men». Dies gaben Adrian Collette und Lyndon Terracini, die beiden Chefs der Company in Sydney bekannt. Weiterhin stehen Richard Mills’ «The Love of the Nightingale» und die Opern  «Macbeth», «Partenope», «The Merry Widow» sowie «La Bohème» auf dem Programm. Auch in die nähere Zukunft blickt man bereits: Für 2013 hat Opera Australia erstmals einen kompletten «Ring» angekündigt. Schauplatz der zyklischen Aufführungen wird das State Theatre in Melbourne sein. Kooperationspartner ist die Houston Grand Opera, unterstützt wird das Vorhaben von der Regierung des Bundesstaates Victoria und von privaten Sponsoren. Neil Armfield führt Regie, Richard Mills dirigiert.

 

«Aida» ist mit insgesamt 348 212 Besuchern innnerhalb von zwei Jahren die mit Abstand bestbesuchte Oper auf der Seebühne in der Geschichte der Bregenzer Festspiele. Auf die aktuelle Saison entfallen dabei knapp 147 000 Besucher, dies entspricht einer Auslastung von 86 Prozent. Mit insgesamt 197 000 Menschen ist das auch die höchste Gesamtbesucherzahl in einem zweiten Opernjahr bei einer Gesamtauslastung von 87 Prozent. In einem von sehr kühlem und nassem Wetter geprägten Sommer hatte Verdis Werk dennoch Wetterglück: Nur zwei von 26 Vorstellungen mussten im trockenen Festspielhaus stattfinden.

 

Der österreichische Schauspieler Otto Schenk, der als Regisseur auch die aktuelle «Don Pasquale»-Inszenierung der New Yorker Met mit Anna Netrebko verantwortet, hat sich bei einem Unfall ernsthaft verletzt. Laut österreichischen Presseberichten stürzte Schenk während einer Probefahrt mit einem Elektrofahrrad vor seiner Villa am Irrsee; dabei erlitt der 80-Jährige einen Oberschenkelhalsbruch. Der Schauspieler wurde in einem Salzburger Spital operiert. Sein «Don Pasquale» wird am 6. Okober in New York wieder aufgenommen. Schenk hofft, bis dann wieder genesen zu sein.

 

Auf dem Bayreuther Grünen Hügel geht man neue mediale Wege: Die sogenannte Siemens Festspielnacht im August war, wie die Veranstalter mitteilen, ein voller Erfolg. Zehntausende Besucher strömten über den Tag hinweg auf den Volksfestplatz in Bayreuth, um bei bestem Wetter die Kinderoper «Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg» und die Echtzeit-Übertragung der «Walküre» aus dem Festspielhaus zu sehen. Zugleich war diese Produktion im Internet zu verfolgen. Zahlreiche Nutzer aus u. a. den USA, Kanada, Japan, Australien, Mexiko, Brasilien oder Israel waren live dabei. Wer die Übertragung verpasst hat, kann unter www.siemens.com/festspielnacht bis zum 5. September 2010 die Inszenierung von Tankred Dorst als Webstream-on-demand ansehen. Das kostet 14,90 Euro.

Die klassische Musik in der Krise? Weit gefehlt. Anders ist der Besucherrekord bei Young Euro Classic wohl kaum zu erklären: Im elften Jahr strömten an 17 Festivaltagen gut 26 000 Besucher ins Konzerthaus Berlin. Allein das eintägige Klavier-Festival mit fünf jungen Pianisten hatte mehr als 3400 Besucher. Zu den musikalischen Höhepunkten des Jugendorchesterfestivals zählten Auftritte des Schleswig-Holstein Festivalorchesters, das Iván Fischer zusammen mit vier jungen Dirigenten leitete, sowie das Gastspiel des European Union Youth Orchestras und der Baltic Youth Philharmonic unter Kristjan Järvi. Das Eröffnungskonzert mit dem neu gegründeten Young Euro Classic Festivalorchester Südosteuropa war so gefragt, dass die Generalprobe für das Publikum geöffnet wurde. Das Orchester absolvierte anschließend die Tournee «Spiegelklänge 2010» in die Länder Ex-Jugoslawiens. Der mit 5000 Euro dotierte Europäische Komponistenpreis ging an den 27-jährigen georgischen Komponisten Archil Giorgobiani für seine neue Komposition «Azari». Die Publikumsjury unter Leitung des Dirigenten Lam Tran Dinh wählte das in Berlin erstmals gespielte Werk aus insgesamt 17 Uraufführungen und deutschen Erstaufführungen aus, die während des Festivals von den Jugendorchestern vorgestellt wurden.Young Euro Classic wird seit seinem Start im Jahr 2000 zum größten Teil von Unternehmen, Stiftungen und privaten Spendern finanziert. Der Hauptstadtkulturfonds unterstützte das Festival in diesem Jahr mit 100 000 Euro.

Der belgische Pianist, Dirigent und Musikforscher Jos van Immerseel erhält den Musikfest Preis Bremen 2010. Mit dem Preis zeichnet das Festival seit 1998 jährlich bedeutende Solisten, Ensembles, Orchester und Dirigenten aus, die durch ihr herausragendes künstlerisches Wirken in der internationalen Musikwelt eigenständige Akzente gesetzt und die programmatische Ausrichtung des Festivals maßgeblich bereichert haben. Die Auszeichnung ist mit 25 000 Euro dotiert und wird von der Commerzbank-Stiftung ausgestattet. Preisträger der vergangenen Jahre waren unter anderem Sir John Eliot Gardiner, Jessye Norman, Nikolaus Harnoncourt, Marc Minkowski, Anne Sofie von Otter und  Fazil Say.

Wie die britische Zeitung «The Herald» schreibt, plant die Scottish Opera, ihr Orchester aus finanziellen Gründen auf ein Teilzeit-Ensemble zusammenzustreichen und die Lohnsumme damit praktisch zu halbieren. Das 54-köpfige Orchester der schottischen Oper soll bloß noch 26 Wochen im Jahr aufgeboten werden. Höchst besorgt darüber ist unter anderem Francesco Corti, der künstlerische Leiter des Ensembles. Operndirektor Alex Reedijk ist allerdings überzeugt, dass ein Vollzeitorchester für die Institution finanziell nicht mehr tragbar ist. Die Opernleitung geht davon aus, dass dank des Abbaus mehr Produktionen pro Saison realisiert werden können. Reedijk begründet den Schnitt unter anderem damit, dass das Orchester unterbeschäftigt sei. Proben und Aufführungen belegten lediglich 40 Prozent der Arbeitszeit der Musiker. Die Musiker selbst bestreiten dies. Sie gehen davon aus, dass sie mit allen Nebenverpflichtungen wie Volks- und Kinderkonzerten und Musikvermittlungs-Projekten etwas gleich ausgelastet sind wie andere britische Orchester.

Die Umsätze mit Musikdownloads sind in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um bislang 40 Prozent auf nun knapp 41,6 Millionen Euro gestiegen. Der Bundesverband der deutschen Musikindustrie (BVMI) meldete zudem, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres insgesamt rund 4,7 Millionen Alben und 29,7 Millionen einzelne Songs verkauft wurden. Der Download-Verkauf von Alben hat sich damit innerhalb von fünf Jahren verachtfacht, der Absatz einzelner Songs nahezu vervierfacht.


Eine Studie des Beratungsunternehmen A.T. Kearney zur Finanzierung von österreichischen Kulturinstitutionen legt den Schluss nahe, dass sich die europäischen Musentempel zunehmend amerikanisieren dürften.  Die Studie geht davon aus, dass bis 2020 jede zehnte Kultureinrichtung in Österreich von der Schließung bedroht ist. Der Grund: Die Kosten würden in zehn Jahren um ein Viertel steigen, die öffentlichen Zuschüsse hingegen um acht bis zehn Prozent zurückgehen, gefährdet seien vor allem kleinere Organisationen. Diese Entwicklung werde sich auch in andern zentraleuropäischen Ländern abzeichnen. Damit steige der Druck, verstärkt angelsächsische Modelle des Kulturmarketings zu übernehmen. Das Royal Opera House London etwa habe einen Eigenwirtschaftlichkeitsanteil von 72 Prozent, bei der New Yorker Met erreiche dieser 99 Prozent. Die Wiener Staatsoper finanziere sich demgegenüber zu 47 Prozent selbst (das Zürcher Opernhaus bewege sich in ähnlichen Regionen). Deutlich tiefer seien die finanziellen Eigenleistungen von städtischen Orchestern anzusetzen. Die Salzburger Festspiele seien zu 77 Prozent aus eigener Kraft finanziert, die Bregenzer Festspiele zu 72 Prozent, Bayreuth bringe es auf 68 Prozent, Avignon auf 40 Prozent. Laut A.T. Kearney werde in Österreich das Potenzial an selbst erwirtschaftetem Umsatz noch nicht ausgeschöpft.

 

Die Live-Übertragung der Saisoneröffnung der Berliner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle am 27. August wurde zusätzlich zu den 33 Kinos und den drei Public Viewings (in Zusammenarbeit mit der Hauptstadtkampagne «be Berlin») in Deutschland nun auch von 31 Kinos in elf europäischen Ländern übernommen. Über Satellit empfingen die Kinos das Bild-Ton-Signal der Digital Concert Hall in HD Qualität und Surround Sound, so dass eine optimale Wiedergabe garantiert ist.

 

Eine Art Nationalmannschaft australischer Orchestermusiker soll das Musikleben auf dem fünften Kontinent beleben. Das Projekt von Alexander Briger, eines Neffen des Dirigenten Charles Mackerras, sieht einen 90-köpfigen Klangkörper vor, der den Namen «Australian World Orchestra» tragen soll. Unter den Mitwirkenden sollen sich laut einem Bericht der Zeitung «The Australian» die Streicher Ben und Tobias Lea von den Wiener Philharmonikern, der Bassist Matthew McDonald (Berliner Philharmoniker), die Geigerin Anne Harvey-Nagl von der Wiener Volksoper sowie der Posaunist Michael Mulcahy (Chicago Symphony Orchestra) befinden. Erste Konzerte soll es im August kommenden Jahres geben –  im Opernhaus und der Stadthalle von Sydney. Als Dirigentin waltet mit Simone Young eine renommierte Australierin ihres Amtes.

 

Der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar will nach dem Umzug der Frankfurter Hochschule für Musik und Gestaltende Kunst auf dem frei werdenden Uni-Gelände einen Kultur-Campus realisieren. Auf dem Gelände sollen zahlreiche wichtige kulturelle Einrichtungen angesiedelt werden, unter anderem die Deutsche Ensemble Akademie (Ensemble Modern und Junge Deutsche Philharmonie), die Dokumentationseinrichtung «Motion Bank», eine Probebühne, das Musik-, Theater- und Tanzlabor «Frankfurt LAB» sowie ein mit modernster Technik ausgerüsteter Kammermusiksaal. Laut Petra Roth, der Oberbürgermeisterin der Stadt, soll die starke Konzentration von Kultureinrichtungen sowohl dem Image der Stadt als auch einer Intensivierung des internationalen Austauschs bei Kunstprojekten dienen. Aber auch städtebaulich seien die Vorstellungen des Finanzministers ein großer Wurf, zumal auf dem Areal auch urbaner Wohnungsbau vorgesehen sei. Konkrete Pläne zur Umsetzung des Projekts sollen bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres vorliegen.

 

Für ein Projekt der Chorforschung erhält die Universität Würzburg eine wertvolle Sammlung als Leihgabe. Originale Schriftstücke bedeutender Komponisten sind ebenso darunter wie Materialien zur Geschichte des Chorwesens in Deutschland. Die Sammlung, die der Universität Würzburg bis Ende 2012 überlassen wird, zählt rund 3000 handschriftliche und gedruckte Quellen. Darunter befinden sich Notenmanuskripte und Briefe von Robert Schumann, Franz Liszt und Johannes Brahms, aber auch eine von Franz Schubert selbst aufgeschriebene und signierte Liedkomposition.  Die Dokumente stammen unter anderem aus der Feuchtwangener Stiftung «Dokumentations- und Forschungszentrum des Deutschen Chorwesens»; ein Teil der Sammlung kommt vom Deutschen Sängermuseum, das von 1925 bis 1945 im Nürnberger Katharinenbau zu Hause war. Von den damals vorhandenen rund 30 000 Quellen sind heute nur noch zehn Prozent erhalten. Der Musikpädagogik-Professor Friedhelm Brusniak wird auf dieser Basis die Geschichte des vereinsmäßig organisierten deutschsprachigen Laienchorwesens aufarbeiten, und zwar von dessen Anfängen um 1800 bis in die Gegenwart. Für das erste Teilprojekt stellt ihm der Deutsche Chorverband Fördermittel von 20 000 Euro zur Verfügung.

 

Der Tenor Andrea Bocelli wird im Februar 2011 mit einem Solo-Recital sein Debüt an der Met geben. Bocelli singt Arien von Händel sowie Lieder von Beethoven, Wagner, Liszt, Strauss, Fauré und Tosti. Begleitet wird er dabei von dem Pianisten Vincenzo Scalera.

Drei Jahrzehnte ist es her, dass ein Konzert der BBC Proms in London wegen Arbeitskonflikten abgesagt werden musste. Nun könnte es wieder einmal soweit sein, nachdem Pläne der BBC, die Rentenpolitik zu ändern, auf Widerstand stoßen. Die Mitarbeiter von BBC protestieren zur Zeit gegen mögliche Kürzungen ihrer Altersbezüge und erwägen, ab dem 9. September Streiks zu organisieren. Davon wären laut «Guardian» die letzten Konzerte der BBC Proms betroffen. Letztmals ist ein BBC-Proms-Konzert 1980 ausgefallen. Damals gab es Proteste gegen die Auflösung von fünf Orchestern und den damit verbundenen Abbau von 172 Arbeitsplätzen.

Das Stadtgeschichtliche Museum und die Musik-Hochschule Leipzig haben bei Sotheby’s je ein Konvolut bislang unveröffentlichter Mendelssohn-Dokumente ersteigert. Sie werfen ein spezielles Licht auf das soziale Wirken des Komponisten.  Das Stadtgeschichtliche Museum erwarb insgesamt 17 Seiten autographe Aufzeichnungen des Komponisten von 1838/39, die sich auf seinen zentralen Leipziger Wirkungsbereich als Kapellmeister des Gewandhausorchesters beziehen. Es handelt sich dabei um drei Entwürfe von Schreiben an die damaligen Stadtoberen, in denen er auf die Umstände der Leipziger Orchestermusiker eingeht und deren finanzielle Situation schildert. Die Entwürfe sind insofern von hoher Bedeutung, als die Endfassung des Schreibens zwar den Rat der Stadt erreichte, aber mittlerweile als verschollen gilt. Die Dokumente untermauern und bekräftigen den Ruf Mendelssohns als Orchesterleiter, der sich sozial engagierte und der finanziellen Nöte und Belange seiner Orchestermusiker annahm.

Das Lob kam aus berufenem Munde. Für ihn, so Beethoven, sei Luigi Cherubini einer der bedeutendsten dramatischen Komponisten seiner Zeit. Die Musikgeschichte brauchte einige Zeit, bis sie sich, nach Jahren der Geringschätzung, dieser Sentenz wieder besann. Und vor allem einem Werk verdankt sich die Rehabilitierung des vor 250 Jahren geborenen italienischen Komponisten: der Oper «Medée» aus dem Jahr 1797. Heute findet man das Stück wieder auf den Spielplänen, während Opern wie «Lodoïska» (1791), «Les deux Journées ou Le Porteur d’eau» (1800) oder auch «Faniska» (1806) nach wie vor kaum zu finden sind. Cherubini – das ist für viele Musikfreunde der Komponist des «Requiems» in ­c-moll sowie zahlreicher Kammermusikwerke. Anlässlich seines 250. Geburtstages am 14. September gibt es indes einen Lichtblick in Sachen Musiktheater. Das Stadttheater Klagenfurt, das zufällig ebenfalls ein Jubiläum feiert (das 100-jährige Bestehen) präsentiert die (recht späte) Uraufführung seiner Komischen Oper in drei Akten «Kokourgi»: in französischer Originalsprache und mit deutschen Übertiteln.

Arthur Fagen wird ab September Musikdirektor der Atlanta Opera. Er wird ab der Spielzeit 2011/12 zwei Premieren pro Saison dirigieren. Fagen ist dem Haus schon länger eng verbunden. Er hat in Atlanta unter anderem bereits die Produktionen von «La traviata», «Turandot», «Der fliegende Holländer» und der «Zauberflöte» dirigiert. Von 2002 bis 2007 war Fagen Generalsmusikdirektor der Oper in Dortmund.

Der scheidende Intendant der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, hat einen Beratervertrag mit der New Yorker Metropolitan Opera abgeschlossen. In einem Interview bestätigte Holender die Unterzeichnung eines solchen Vertrags; dieser soll zunächst für zwei Jahre gelten. Zuvor war spekuliert worden, der Kulturmanager könne die Leitung der Budapester Oper übernehmen. Entsprechende Verhandlungen würden, so Holender, zwar geführt, seien aber noch nicht zu einem Abschluss gekommen.

Seiji Ozawa hat seine sämtlichen Engagements bei den Berliner Philharmonikern in der kommenden Saison abgesagt. Der an Krebs erkrankte Dirigent benötigte nach einer schweren Operation noch eine längere Zeit der Rehabilitation, teilte das Orchester mit. Für ihn springen Simon Rattle, Stanislaw Skrowaczewski und Gustavo Dudamel ein.

Der Betrieb der Pariser Opéra Comique ist zum wiederholten Male von Streiks in Mitleidenschaft gezogen worden. Betroffen war unter anderem eine Aufführung von Debussys einziger Oper «Pelléas et Mélisande» unter der musikalischen Leitung von John Eliot Gardiner, die bei der Premiere erst eine halbe Stunde später als angekündigt beginnen konnte. Die Angestellten streikten, um mehr Ressourcen zur Umsetzung der künstlerischen Ziele des Direktors Jérôme Deschamps zu erkämpfen, wie französische Medien berichteten. Die Opéra Comique hat seit 2005 den Status eines nationalen Theaters und wird seit 2007 von Deschamps geleitet.

Die spanische Mezzosopranistin Nancy Fabiola Herrera hat den Plácido Domingo Award 2010 gewonnen, der von der Los Angeles Opera vergeben wird. Überreicht wird ihr die Ehrung im Rahmen eines Galadinners nach einer Aufführung von «Il postino» des mexikanischen Komponisten Daniel Catán, und zwar vom Namensträger des Preises höchstselbst.

Ingo Metzmacher hat seinen Abschied aus Berlin gefeiert. Zum Saisonende endet sein Vertrag als Chefdirigent des Deutschen Symphonieorchesters Berlin. Im Rahmen der Salzburger Festspiele treten Dirigent und Orchester gemeinsam in Erscheinung: bei der Uraufführung von Wolfgang Rihms Oper «Dionysos» am 27. Juli. Sein letztes Konzert als Chefdirigent des DSO gibt Metzmacher dann mit einem Gastspiel bei den «BBC Proms» in London.

Der Intendant des Theaters Trier, Gerhard Weber, hat seinen Vertrag bis 2015 verlängert. Weber, der ein Faible für das zeitgenössische Musiktheater hat, leitet das Theater Trier seit der Spielzeit 2003/04. In der kommenden Saison wird es in Trier unter anderem eine Inszenierung der Oper «The Voyage» von Philip Glass geben.

Lasst Zahlen sprechen: In der Saison 2010/11 erarbeiten die 80 staatlich geförderten Theater und Musikhäuser mit eigenem Ensemble sowie weitere 20 freie Opernkompagnien mindestens 583 Premieren oder Neuproduktionen. Zu den Neuproduktionen gehören so unterschiedliche Projekte wie Ligetis «Nouvelles Aventures» an der Zeitgenössischen Oper Berlin, Ullmanns «Der Kaiser von Atlantis» am Oldenburgischen Staatstheater oder Franz Wittenbrinks «Sekretärinnen» in Dortmund. Die Staatsoper Hamburg bringt die im März 2010 am Sydney Opera House uraufgeführte Oper «Bliss» von Brett Dean nach Peter Careys Kultroman aus den achtziger Jahren nach Deutschland. Das Mittelsächsische Theater Chemnitz erweckt überdies «Das Feuerwerk», die deutsche Version des «Schwarzen Hechts» des Zürcher Komponisten Paul Burkhard, zu neuem Leben.

Der Musikdirektor des Landestheaters Salzburg, Leo Hussain, hat seinen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2011/12 verlängert. Hussain, der diese Funktion seit 2009 innehat, wird pro Spielzeit drei Opernproduktion federführend betreuen, teilte das Landestheater mit.

Die Glimmerglass Opera präsentiert in der Sommersaison 2011, dann unter dem neuen Namen «The Glimmerglass Festival», neue Produktionen von Bizets «Carmen», des Musicals «Annie Get Your Gun» (von Irving Berlin) sowie Cherubinis «Medea» sowie – als Doppelpack – die Weltpremiere des von der Glimmerglass Opera in Auftrag gegebenen Stücks «A Blizzard in Marblehead Neck» (die Musik schrieb Jeanine Tesori, das Libretto Tony Kushner) und die sogenannte «professional premiere» des Einakters «Later the Same Evening» (John Musto und Mark Campbell). Das teilte die neue Künstlerische Leiterin der Opernkompagnie, Francesca Zambella, mit. Das Festival wird vom 2. Juli bis zum 23. August 2011 stattfinden.

Marcus Creed, Chefdirigent des SWR Vokalensembles Stuttgart, hat seinen Vertrag um drei weitere Jahre bis Ende 2014 verlängert. Creed steht seit 2003 an der Spitze des international renommierten Klangkörpers, der zuletzt Ende 2009 als «Ensemble des Jahres» mit dem Echo Klassik Preis ausgezeichnet worden war.

Yannick Nézet-Séguin wird ab der Spielzeit 2012/13 Music Director des Philadelphia Orchestra. Der kanadische Dirigent, der bereits die Chefposition beim Rotterdam Philharmonic Orchestra innehat, 
erhält einen Siebenjahres-Vertrag. Er tritt die Nachfolge von Charles Dutoit an, der zum Conductor Laureate ernannt wurde.

Plácido Domingo ist zum Präsidenten von Europa Nostra ernannt worden, der Dachorganisation der europäischen Denkmalschützer. Der Tenor, Dirigent und Chef der Los Angeles und Washington National Opera folgt in diesem Amt auf die Infanta Pilar de Borbón, die Schwester des spanischen Königs Juan Carlos I. Europa Nostra umfasst rund 200 regionale und nationale Organisationen, 170 assoziierte Verbände und 1500 Einzelmitglieder. Die Organisation setzt sich für hohe Qualitätsnormen beim Erhalt des Kulturerbes in Architektur, Stadtplanung und Landschaftsgestaltung ein. Unterdessen gab die Washington National Opera einen weiteren Ausflug des Tenors ins Baritonfach bekannt. Mit «Simon Boccanegra» hatte Domingo bereits eine Baritonpartie gesungen. Nun folgt im August und September in China und Italien mit «Rigoletto» ein weiterer Versuch. Am 2. August wird Domingo – sekundiert von Teilnehmern des Washington National Opera’s Domingo-Cafritz Young Artist Program – in Peking in «Rigoletto» zu hören sein. Eugene Kohn wird dabei das Chinese National Opera House Symphony Orchestra dirigieren. Die Oper wird im Reignwood Theater des gleichnamigen Business Centers realisiert. Künstlerischer Leiter des Theaters ist – Plácido Domingo. Im September wird Domingo laut Angaben der «Baltimore Sun» die Rolle im italienischen Mantua gestalten, dem Originalschauplatz der Oper. Die Aufführung soll vom italienischen Fernsehen live übertragen werden.

Anlässlich des 625-jährigen Jubiläums der Universität Heidelberg wird der legendäre, zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Zürich entstandene Codex Manesse nach längerer Zeit erstmals wieder öffentlich zu sehen sein. Die Universitätsbibliothek Heidelberg zeigt die prachtvoll gestaltete Sammlung mittelhochdeutscher Lied- und Spruchdichtung, die aus konservatorischen Gründen nur äußerst selten die klimatisierten Tresore der Bibliothek verlassen darf, von Oktober an in einer Ausstellung mit dem Titel «Der Codex Mannesse und die Entdeckung der Liebe». Nähere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse manesse2010@uni-hd.de

Der italienische Dirigent Gianandrea 
Noseda hat angekündigt, dass er seinen Posten als Chefdirigent des BBC Philharmonic Orchestra zum Ende der kommenden Saison aufgeben wird. In seiner letzten Spielzeit will sich Noseda, der zudem musikalischer Leiter des Turiner Teatro Regio ist, auf Werke von Beethoven, Rachmaninow, Liszt und Strauss konzentrieren. Den Abschluss bildet eine konzertante Aufführung von Verdis «Otello». Internationales Aufsehen erregte Noseda mit dem BBC Philharmonic Orchestra in den vergangenen Jahren unter anderem mit einer Pioniertat: dem Angebot eines freien Downloads sämtlicher Beethoven-Symphonien.

Die Eutiner Festspiele haben noch keinen neuen Geschäftsführer. Laut einem Bericht der «Lübecker Nachrichten» hat sich der erst im Januar für dieses Amt bestimmte Kulturmanager Stephan Jöris zurückgezogen und den Vertrag nicht unterzeichnet. Als Grund nannte Jöris, der zuvor bei den Bayreuther Festspielen am Grünen Hügel tätig war, dass ihm die für seine Arbeit erforderlichen Rahmenbedingungen nicht gewährt worden seien.

Das sanierungsbedürftige Opernhaus von Sydney wird einem gründlichen Facelifting unterzogen. Unter anderem werden die Bühnenaufzüge erneuert und unterirdische Zugänge für Lkw-Anlieferungen erstellt. Die Finanzierung der Arbeiten ist von Kristina Keneally, der Premierministerin des australischen Bundesstaates New South Wales, zugesichert worden. Für die Sanierung sind drei Jahre avisiert. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf 800 Millionen australische Dollar. Nicht ganz so teuer ist eine Aktion der Performerin Laurie Anderson. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Popsänger Lou Reed, hat sie im Opernhaus von Sydney ein Konzert realisiert, dessen Frequenzen nur von Hunden wahrgenommen werden konnte.

Anlässlich ihres 90-jährigen Bestehens und des 85-jährigen Jubiläums des Litauischen Staatsballetts präsentiert die Litauische Nationaloper in der kommenden Saison unter anderem eine Ballettwoche, Ballett-Aufführungen wie «La Sylphide» und «La Bayadère» sowie Konzerte. Im Bereich Oper gibt es im Dezember eine Inszenierung von Verdis «La forza del destino». Als weitere Premieren sind Verdis «Otello», Bizets «Carmen» und Mozarts «Le nozze di Figaro» angekündigt.

Glaubt man einem Bericht der Los Angeles Times, hat die Produktion der Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» von Richard Wagner in der Regie von Achim Freyer an der Los Angeles Opera ein Finanzloch von 5,96 Millionen US-Dollar in den Etat des Hauses gerissen. Allein vier Millionen Dollar Defizit seien durch haarsträubende Fehler beim Ticketverkauf entstanden, heißt es in dem entsprechenden Artikel.

Das Stadttheater Konstanz hat einen Kooperationsvertrag mit dem Nanzikambe Arts Theatre in Blantyre (Malawi) geschlossen. Die Vereinbarung sieht ein dreijähriges Programm vor, dessen Herzstück eine Inszenierung im Jahr 2012 mit einem gemeinsamen Ensemble bildet. Ein gemischtes Autoren- und Regieteam will zu diesem Anlass ein Stück entwickeln. Schon im Jahr 2011 werden mehrere Inszenierung ausgetauscht. Die Kulturstiftung des Bundes fördert das Projekt mit einer Summe von 150 000 Euro.

Die Bach-Handschriften der bedeutendsten Archive zum Werk des Thomaskantors sind dank eines neuen Web-Portals seit Kurzem in höchster Bildqualität mit umfangreichen Informationen im 
Internet zugänglich. Nach mehr als zwei Jahren intensiver Arbeit ist es nun möglich, auf die Bestände unter anderem der Staatsbibliothek zu Berlin, der Jagiellonischen Bibliothek Krakau, des Bach-Archivs Leipzig sowie der Sächsischen Landesbibliothek zuzugreifen. Die meisten Werkautographen und Originalstimmen zu Bachs Werken befinden sich in diesen Städten. Im Moment sind etwa 40 Prozent des Gesamtbestandes von über 20 000 Seiten der 697 Handschriften eingearbeitet. Bis 2011 sollen diese vollständig verfügbar sein. Weitere Informationen gibt es im Netz unter der Adresse www.bach-digital.de

Das Berliner Festival Young Euro Classic hat ein Festivalorchester Südosteuropa ins Leben gerufen, das Jugendliche aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien und aus Deutschland zusammenbringt. Gesucht werden nach wie vor Orchesterpaten. Das eigens für das Festival zusammengestellte Orchester, das seinen ersten Auftritt im August im Berliner Konzerthaus haben wird, setzt sich aus etwa 50 Musikstudenten zusammen; die Leitung hat der Cellist und Dirigent Heinrich Schiff übernommen. Nach dem Berliner Konzert geht das Orchester auf Tournee, zunächst nach Kassel und dann in Richtung Balkan. Auf dem Programm stehen Auftritte beim Cetinje Cultural Summer in Montenegro, an der Musikhochschule in Sarajevo sowie beim Split Summer Festival in Kroatien.

Um das 45 Tonnen schwere Szenenbild, das Regisseur Robert Lepage für seine Inszenierung von Wagners «Ring» benötigt, auf die Bühne zu hieven, hat die New Yorker Met den Bühnenboden verstärken müssen. Dazu wurden drei rund dreißig Meter lange Stahlträger eingezogen. Die Maßnahme ist der seit Jahren aufwändigste und kostspieligste Eingriff in die Infrastruktur des Hauses. Laut einem Bericht der «New York Times» kosten allein diese Arbeiten 125 000 US-Dollar. Die Gesamtkosten für Lepages Inszenierung werden sich, so vermutet die Zeitung, auf mindestens 16 Millionen Dollar belaufen.

Katharina Wagner, die neue Leiterin der Bayreuther Festspiele, geht mit dem Gruftie-Image der Wagner-Spielstätte ins Gericht. Der Grüne Hügel soll für junge Besucher attraktiver werden. Katharina Wagner erwägt laut deutschen Presseberichten unter anderem Club-Events mit Wagner-Remixes. Eine Entweihung der besonderen Bayreuther Atmosphäre sieht sie darin nicht. Die diesjährigen Bayreuther Festspiele starteten am 25. Juli mit einer Neuinszenierung des «Lohengrin» von Hans Neuenfels.

Das Westschweizer Verbier Festival beschreitet neue digitale Wege: Eine iPhone App macht es möglich, Konzerte auf dem Mobiltelefon live und unentgeltlich mitzuverfolgen. Seit vier Jahren können Konzerte des Verbier Festivals bereits in einem Live-Stream auf der Medici-TV-Webseite kostenlos aufgerufen werden. Die Konzerte von 2009 sind mehr als eine Million Mal aufgerufen worden. Die Konzerte können iPhone-Benutzer bis zum 30. September 2010 auch als Aufzeichnung nutzen. Auch die Aufzeichnungen sind kostenlos. Das Angebot umfasste 28 Konzerte zwischen dem 16. Juli und dem 1. August. Dazu zählen unter anderem Konzerte mit Renaud Capuçon, Yuja Wang, Martha Argerich und Mischa Maisky sowie Vorstellungen der Oper «Salome». Mehr Informationen gibt es im Netz unter www.medici.tv.

Der Schweizer Sender DRS2 geht neue Wege in der Konzertübertragung. In der Reihe «Weltklasse auf DRS 2» hat der Sender kürzlich Monteverdis Oper «Il ritorno d'Ulisse in patria» ausgestrahlt. Auf der DRS2-Webseite gab es dazu in Echtzeit das Libretto. Die Aufnahme vom Barockfestival in Beau

28. Juni 2010

Ioan Holender wird Berater der Met
Der scheidende Intendant der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, hat einen Beratervertrag mit der New Yorker Metropolitan Opera abgeschlossen. In einem Interview bestätigte Holender die Unterzeichnung eines solchen Vertrags; dieser soll zunächst für zwei Jahre gelten. Zuvor war spekuliert worden, der Kulturmanager könne die Leitung der Budapester Oper übernehmen. Entsprechende Verhandlungen würden, so Holender, zwar geführt, seien aber noch nicht zu einem Abschluss gekommen.

Seiji Ozawa muss weitere Konzerte absagen
Seiji Ozawa hat seine sämtlichen Engagements bei den Berliner Philharmonikern in der kommenden Saison abgesagt. Der an Krebs erkrankte Dirigent benötigte nach einer schweren Operation noch eine längere Zeit der Rehabilitation, teilte das Orchester mit. Für ihn springen Simon Rattle, Stanislaw Skrowaczewski und Gustavo Dudamel ein.

Streiks an der Opéra Comique
Der Betrieb der Pariser Opéra Comique ist zum wiederholten Male von Streiks in Mitleidenschaft gezogen worden. Betroffen war unter anderem eine Aufführung von Debussys einziger Oper «Pelléas et Mélisande» unter der musikalischen Leitung von John Eliot Gardiner, die bei der Premiere erst eine halbe Stunde später als angekündigt beginnen konnte. Die Angestellten streikten, um mehr Ressourcen zur Umsetzung der künstlerischen Ziele des Direktors Jérôme Deschamps zu erkämpfen, wie französische Medien berichteten. Die Opéra Comique hat seit 2005 den Status eines nationalen Theaters und wird seit 2007 von Deschamps geleitet.

Nancy Fabiola Herrera gewinnt Domingo Award 2010
Die spanische Mezzosopranistin Nancy Fabiola Herrera hat den Plácido Domingo Award 2010 gewonnen, der von der Los Angeles Opera vergeben wird. Überreicht wird ihr die Ehrung im Rahmen eines Galadinners nach einer Aufführung von «Il postino» des mexikanischen Komponisten Daniel Catán, und zwar vom Namensträger des Preises höchstselbst.

Ingo Metzmacher verabschiedet sich aus Berlin
Ingo Metzmacher hat seinen Abschied aus Berlin gefeiert. Zum Saisonende endet sein Vertrag als Chefdirigent des Deutschen Symphonieorchesters Berlin. Im Rahmen der Salzburger Festspiele treten Dirigent und Orchester gemeinsam in Erscheinung: bei der Uraufführung von Wolfgang Rihms Oper «Dionysos» am 27. Juli. Sein letztes Konzert als Chefdirigent des DSO gibt Metzmacher dann mit einem Gastspiel bei den «BBC Proms» in London.

Bernd Loebe übernimmt Vorsitz der Opernkonferenz
Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt, ist neuer Vorsitzender der Deutschen Opernkonferenz und damit Nachfolger des nach fünf Jahren aus dem Amt scheidenden ehemaligen Intendanten der Sächsischen Staatsoper Dresden, Gerd Uecker. Dies wurde im Rahmen der Frühjahrstagung der Deutschen Opernkonferenz bekanntgegeben. Als oberstes Ziel wurde eine verstärkte Bildung formuliert. Gerade in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Umbrüche benötige die Gesellschaft ein Forum der Reflexion, sagte Loebe. Die Oper habe hierbei einen besonders hohen Stellenwert.

Leo Hussain verlängert in Salzburg
Der Musikdirektor des Landestheaters Salzburg, Leo Hussain, hat seinen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2011/12 verlängert. Hussain, der diese Funktion seit 2009 innehat, wird pro Spielzeit drei Opernproduktion federführend betreuen, teilte das Landestheater mit.

Glimmerglass 2011
Die Glimmerglass Opera präsentiert in der Sommersaison 2011, dann unter dem neuen Namen «The Glimmerglass Festival», neue Produktionen von Bizets «Carmen», des Musicals «Annie Get Your Gun» (von Irving Berlin) sowie Cherubinis «Medea» sowie – als Doppelpack – die Weltpremiere des von der Glimmerglass Opera in Auftrag gegebenen Stücks «A Blizzard in Marblehead Neck» (die Musik schrieb Jeanine Tesori, das Libretto Tony Kushner) und die sogenannte «professional premiere» des Einakters «Later the Same Evening» (John Musto und Mark Campbell). Das teilte die neue Künstlerische Leiterin der Opernkompagnie, Francesca Zambella, mit. Das Festival wird vom 2. Juli bis zum 23. August 2011 stattfinden.

Marcus Creed verlängert beim SWR Vokalensemble
Marcus Creed, Chefdirigent des SWR Vokalensembles Stuttgart, hat seinen Vertrag um drei weitere Jahre bis Ende 2014 verlängert. Creed steht seit 2003 an der Spitze des international renommierten Klangkörpers, der zuletzt Ende 2009 als «Ensemble des Jahres» mit dem Echo Klassik Preis ausgezeichnet worden war.

Yannick Nézet-Séguin geht nach Philadelphia
Yannick Nézet-Séguin wird ab der Spielzeit 2012/13 Music Director des Philadelphia Orchestra. Der kanadische Dirigent, der bereits die Chefposition beim Rotterdam Philharmonic Orchestra innehat, erhält einen Siebenjahres-Vertrag. Er tritt die Nachfolge von Charles Dutoit an, der zum Conductor Laureate ernannt wurde.

Noch ein Amt für Plácido Domingo
Plácido Domingo ist zum Präsidenten von Europa Nostra ernannt worden, der Dachorganisation der europäischen Denkmalschützer. Der Tenor, Dirigent und Chef der Los Angeles und Washington National Opera folgt in diesem Amt auf die Infanta Pilar de Borbón, die Schwester des spanischen Königs Juan Carlos I. Europa Nostra umfasst rund 200 regionale und nationale Organisationen, 170 assoziierte Verbände und 1500 Einzelmitglieder. Die Organisation setzt sich für hohe Qualitätsnormen beim Erhalt des Kulturerbes in Architektur, Stadtplanung und Landschaftsgestaltung ein.

Codex Manesse in Heidelberg
Anlässlich des 625-jährigen Jubiläums der Universität Heidelberg wird der legendäre, zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Zürich entstandene Codex Manesse nach längerer Zeit erstmals wieder öffentlich zu sehen sein. Die Universitätsbibliothek Heidelberg zeigt die prachtvoll gestaltete Sammlung mittelhochdeutscher Lied- und Spruchdichtung, die aus konservatorischen Gründen nur äußerst selten die klimatisierten Tresore der Bibliothek verlassen darf, von Oktober an in einer Ausstellung mit dem Titel «Der Codex Manesse und die Entdeckung der Liebe». Nähere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse manesse2010@uni-hd.de

Gianandrea Noseda verlässt London
Der italienische Dirigent Gianandrea Noseda hat angekündigt, dass er seinen Posten als Chefdirigent des BBC Philharmonic Orchestra zum Ende der kommenden Saison aufgeben wird. In seiner letzten Spielzeit will sich Noseda, der zudem musikalischer Leiter des Turiner Teatro Regio ist, auf Werke von Beethoven, Rachmaninow, Liszt und Strauss konzentrieren. Den Abschluss bildet eine konzertante Aufführung von Verdis «Otello». Internationales Aufsehen erregte Noseda mit dem BBC Philharmonic Orchestra in den vergangenen Jahren unter anderem mit einer Pioniertat: dem Angebot eines freien Downloads sämtlicher Beethoven-Symphonien.

Eutiner Festspiele suchen wieder Geschäftsführer
Die Eutiner Festspiele haben noch keinen neuen Geschäftsführer. Laut einem Bericht der «Lübecker Nachrichten» hat sich der erst im Januar für dieses Amt bestimmte Kulturmanager Stephan Jöris zurückgezogen und den Vertrag nicht unterzeichnet. Als Grund nannte Jöris, der zuvor bei den Bayreuther Festspielen am Grünen Hügel tätig war, dass ihm die für seine Arbeit erforderlichen Rahmenbedingungen nicht gewährt worden seien.

Sydneys Oper kann saniert werden
Das sanierungsbedürftige Opernhaus von Sydney wird einem gründlichen Facelifting unterzogen. Unter anderem werden die Bühnenaufzüge erneuert und unterirdische Zugänge für Lkw-Anlieferungen erstellt. Die Finanzierung der Arbeiten ist von Kristina Keneally, der Premierministerin des australischen Bundesstaates New South Wales, zugesichert worden. Für die Sanierung sind drei Jahre avisiert. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf 800 Millionen australische Dollar. Nicht ganz so teuer ist eine Aktion der Performerin Laurie Anderson. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Popsänger Lou Reed, hat sie im Opernhaus von Sydney ein Konzert realisiert, dessen Frequenzen nur von Hunden wahrgenommen werden konnte.

Bach-Handschriften im Internet
Die Bach-Handschriften der bedeutendsten Archive zum Werk des Thomaskantors sind dank eines neuen Web-Portals seit Kurzem in höchster Bildqualität mit umfangreichen Informationen im Internet zugänglich. Nach mehr als zwei Jahren intensiver Arbeit ist es nun möglich, auf die Bestände unter anderem der Staatsbibliothek zu Berlin, der Jagiellonischen Bibliothek Krakau, des Bach-Archivs Leipzig sowie der Sächsischen Landesbibliothek zuzugreifen. Die meisten Werkautographen und Originalstimmen zu Bachs Werken befinden sich in diesen Städten. Im Moment sind etwa 40 Prozent des Gesamtbestandes von über 20 000 Seiten der 697 Handschriften eingearbeitet. Bis 2011 sollen diese vollständig verfügbar sein. Weitere Informationen gibt es im Netz unter der Adresse www.bach-digital.de

Young Euro Classic Festival gründet Orchester
Das Berliner Festival Young Euro Classic hat ein Festivalorchester Südosteuropa ins Leben gerufen, das Jugendliche aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien und aus Deutschland zusammenbringt. Gesucht werden nach wie vor Orchesterpaten. Das eigens für das Festival zusammengestellte Orchester, das seinen ersten Auftritt im August im Berliner Konzerthaus haben wird, setzt sich aus etwa 50 Musikstudenten zusammen; die Leitung hat der Cellist und Dirigent Heinrich Schiff übernommen. Nach dem Berliner Konzert geht das Orchester auf Tournee, zunächst nach Kassel und dann in Richtung Balkan. Auf dem Programm stehen Auftritte beim Cetinje Cultural Summer in Montenegro, an der Musikhochschule in Sarajevo sowie beim Split Summer Festival in Kroatien.

Met verstärkt für neuen «Ring» den Bühnenboden
Um das 45 Tonnen schwere Szenenbild, das Regisseur Robert Lepage für seine Inszenierung von Wagners «Ring» benötigt, auf die Bühne zu hieven, hat die New Yorker Met den Bühnenboden verstärken müssen. Dazu wurden drei rund dreißig Meter lange Stahlträger eingezogen. Die Maßnahme ist der seit Jahren aufwändigste und kostspieligste Eingriff in die Infrastruktur des Hauses. Laut einem Bericht der «New York Times» kosten allein diese Arbeiten 125 000 US-Dollar. Die Gesamtkosten für Lepages Inszenierung werden sich, so vermutet die Zeitung, auf mindestens 16 Millionen Dollar belaufen.

Bochum hofft auf neues Konzerthaus
Die Bochumer Symphoniker hoffen nach wie vor auf grünes Licht für den geplanten Bau eines Konzerthauses – trotz der finanziellen Notlage der Stadt. Mit einer Entscheidung wird noch in diesem Sommer gerechnet. Im Gespräch ist unter anderem eine finanzielle Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Neumann fordert verbessertes Urheberrecht
Kulturstaatsminister Bernd Neumann fordert für den Umgang mit dem Internet internationale rechtliche Rahmenbedingungen. Die Politik sei nach wie vor angehalten, diese Revolution des späten 20. Jahrhunderts im Interesse der Nutzer zu gestalten, sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin «Focus». Das drängendste Problem liegt für ihn im wirksamen Schutz des Urheberrechts.

Terence Best Ehrenmitglied der Händel-Gesellschaft
Der englische Musikforscher und Händel-Experte Terence Best ist zum Ehrenmitglied der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft ernannt worden. Best habe Eigenart und Erscheinung der Hallischen Händel-Ausgabe wesentlich bestimmt und ihrem weltweiten Erfolg den Weg geebnet, sagte der Präsident der Händel-Gesellschaft, Wolfgang Hirschmann, im Rahmen der Mitgliederversammlung, die während der diesjährigen Händel-Festspiele in Halle tagte. Zu den 130 Festival-Veranstaltungen kamen dieses Jahr rund 40 000 Besucher; das entspricht einer Auslastung von rund 80 Prozent.

Pamela Rosenberg geht zur American Academy
Pamela Rosenberg, ehemalige Intendantin der Berliner Philharmoniker, wird Anfang September an die American Academy in Berlin wechseln. Sie übernimmt die neu geschaffene Position eines «Dean of Fellows and Programs» im Führungsteam des Hauses und wird sich dem deutsch-amerikanischen Kulturaustausch widmen.

Simon Rattle Ritter der französischen Ehrenlegion
Der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle, ist am 14. Juni mit dem Orden eines Ritters der Ehrenlegion ausgezeichnet worden. Damit ehrt Frankreich den 55-Jährigen für seine Verdienste um die Verbreitung des französischen Musikrepertoires und seine wegweisenden Impulse für moderne Musik. Unterdessen hat Rattles Orchester, die Berliner Philharmoniker, 130 000 Euro für die UNICEF-Nothilfe in Haiti gespendet. Die Summe war der Erlös aus einem Benefizkonzert im Februar.
 
Cathérine Miville bleibt in Gießen
Die Intendantin des Gießener Stadttheaters, Cathérine Miville, wird das Dreispartenhaus auch nach 2012 weiter leiten. Ihr Vertrag wird um fünf Jahre verlängert.

Karel Mark Chichon übernimmt Orchester des SR und SWR
Karel Mark Chichon übernimmt ab der Spielzeit 2011/12 den Posten des Chefdirigenten beim gemeinsamen Orchester des Saarländischen Rundfunks (SR) und des Südwestrundfunks (SWR). Er tritt damit die Nachfolge von Christoph Poppen an.

Iris Berben und Lang Lang geehrt
Die Schauspielerin Iris Berben und der Pianist Lang Lang sind in Leipzig mit dem Internationalen Mendelssohn-Preis 2010 ausgezeichnet worden. Berben wurde für ihr gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet, Lang Lang für sein musikalisches Wirken. Der undotierte Preis wird seit 2007 verliehen.

«Pavillon 21» in München feierlich eingeweiht
Im Rahmen der Münchner Opernfestspiele ist am 14. Juni auf dem Marstallplatz hinter dem Nationaltheater die neue Experimentalspielstätte der Bayerischen Staatsoper, der «Pavillon 21», eingeweiht worden. Das architektonische Schaustück soll nach offizieller Verlautbarung als Ort für innovative Musiktheaterformen dienen, ist aber auch als exklusive Clubbing-Location und Publikums-Treffpunkt während der Festspiele gedacht.

Deutscher Musikrat fordert Ausbau des Musikunterrichts
Im Rahmen der Kampagne «Ohne Musik keine Bildung» hat der Deutsche Musikrat eine intensivere musikalische Erziehung von Kindern und Jugendlichen gefordert. Deutschland müsse seine Chance neu ergreifen und jedem Kind und Jugendlichen den Zugang zur aktiven musikalischen Erfahrung ermöglichen, sagte der Generalsekretär des Deutschen Musikrats, Christian Höppner. Zwischen dem 17. und 21. Juni hatten deutschlandweit rund 1500 Veranstaltungen unter dem Motto «Tag der Musik» stattgefunden. Zu den Unterstützern zählen neben dem Deutschen Musikrat unter anderem das Konzerthaus Berlin, die Berliner Philharmoniker und die Akademie der Künste.

Linzer Akustikon geschlossen
Das Akustikon der «Hörstadt Linz», ein ungewöhnliches Erlebnis- und Forschungshaus zur akustischen Umgebung, hat seinen Betrieb mangels öffentlicher Gelder Ende Juni eingestellt. Ziel dieses sozialwissenschaftlichen Projekts aus dem Kulturhauptstadtjahr Linz 09 war es gewesen, den akustischen Raum als einen politischen Raum zu verstehen und eine Theorie der akustischen Hegemonie zu entwickeln. Darüber hinaus war das Akustikon als Ort der Forschung und Lehre sowie der akustischen Beratung und Dienstleistung im Bauwesen, der Stadt- und Verkehrsplanung konzipiert.


Abschiede

Maureen Foster gestorben

Im Alter von 79 Jahren ist am 15. Juni die kanadische Opern- und Konzertsängerin Maureen Foster in Toronto gestorben. Die 1930 geborene Altistin begann ihre Karriere in Kirchenchören und studierte bei Bernard Diamant. Ihr professionelles Debüt gab Big Mo, wie sie kosehalber genannt wurde, im Alter von 21 Jahren beim Montreal Elgar Choir. Bei den Montrealer Symphonikern sang sie erstmals 1953, zwei Jahre später trat sie erstmals in Europa auf. Vor allem als Mahler-Interpretin  war Maureen Foster eine der führenden Sängerinnen ihrer Zeit; dabei arbeitete sie unter anderem mit Bruno Walter, Fritz Reiner und George Szell zusammen. Wie groß ihre vokale Vielfalt war, belegen die Alt-Partien, die sie auf der Opernbühne verkörperte: den Gluck’schen «Orpheus», die Cornelia in Händels «Giulio Cesare», die Wagner-Rollen Erda, Fricka und Brangäne sowie Ulrica in «Un ballo in maschera» von Verdi und die Klytmämnestra in Strauss’ «Elektra». Für ihre Verdienste als Opernsängerin erhielt Maureen Foster 2000 den Ruby Award.

Ernest Fleischmann ist tot
Im Alter von 85 Jahren ist der Impresario Ernest Fleischmann gestorben. Das teilte die «Los Angeles Times» mit. Fleischmann, den Pierre Boulez einmal als einen «Adler, der hoch fliegt und dennoch die kleinste Maus sieht» bezeichnet hat, prägte knapp dreißig Jahre lang das Gesicht des Los Angeles Philharmonic Orchestra, von 1969 bis 1998. Ferner gilt er als Erneuerer der Tradition der sommerlichen Konzerte in der Hollywood Bowl, die das Musikleben von L. A. maßgeblich mitprägen.

Norbert Klein gestorben
Im Alter von 57 Jahren ist Norbert Klein, persönlicher Referent und Stellvertreter des Intendanten des Nürnberger Staatstheaters Peter Theiler am 11. Juni gestorben. Der gebürtige Düsseldorfer war als Dramaturg an den Theatern von Trier, Oldenburg und Bremen beschäftigt. Am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen begann seine langjährige Zusammenarbeit mit Theiler, die sich in Nürnberg fortsetzte. Zuletzt hatte Norbert Klein die Produktion der Auftragsoper «Das Holzschiff» von Detlev Glanert betreut. Dieser hat das Werk nun Klein gewidmet.

Diether de la Motte ist tot
Der Musikwissenschaftler Dieter de la Motte ist tot. Er wurde 1928 in Bonn geboren und studierte die Fächer Komposition, Klavier und Chorleitung. Von 1962 bis 1981 unterrichtete er an der Musikhochschule Hamburg; danach lehrte de la Motte in Hannover und in Wien. Seine Bücher «Musikalische Analyse» (1968), die in zahlreiche Sprachen übersetzte «Harmonielehre» (1976) und «Kontrapunkt» (1981) gelten als Standardwerke einer musikalischen Theorie, die analytisch ausgerichtet ist und historisch differenziert. Auch als Komponist trat Dieter de la Motte in Erscheinung. Er verfasste sowohl vokale als auch instrumentale und szenische Werke. Zu seinen Kompositionsschülern zählen unter anderem Manfred Trojahn und Detlef Glanert.


Jubilare

Heinrich Sutermeister zum 100.

Die praktische Musik war nicht seine erste und ausschließliche Wahl. Zunächst studierte Heinrich Sutermeister in Basel und Paris Musikgeschichte und Philologie, bevor er ab 1932 Schüler von Carl Orff, Hans Pfitzner (Komposition), Walter Courvoisier (Harmonielehre und Kontrapunkt) und Hugo Röhr (Dirigieren) an der Akademie für Tonkunst in München wurde. Nach einer kurzen Zeit als Korrepetitor am Berner Theater zog sich Sutermeister als freischaffender Komponist nach Vaux-sur-Morges zurück. Sein vielfältiges Œuvre umfasst neben Opern – darunter die Literaturvertonungen «Romeo und Julia» (auf Shakespeare), «Raskolnikoff» (nach Dostojewskis Roman «Schuld und Sühne») und «Madame Bovary» (auf Flaubert) – und Ballettmusiken zahlreiche Orchesterwerke sowie Vokal- und Kammermusik. Von 1963 bis 1975 leitete Sutermeister eine Kompositionsklasse an der Musikhochschule Hannover, seit 1977 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Am 12. August gedenkt die Musikwelt des 100. Geburtstags dieses in Vergessenheit geratenen Komponisten, der am 16. März 1995 starb. 

Pier Luigi Pizzi zum 80.
Seine erste Liebe galt der Architektur. Doch schon bald konnte Pier Luigi Pizzi keinen Hehl mehr aus seiner Schwäche für das Theater machen. Nachdem er Giorgio Strehler begegnet war und am Teatro Tommaseo in Genua erste Eindrücke gewonnen hatte, blieb er der Bühne treu – und wurde, bevorzugt als Partner von Luca Ronconi, zunächst einer der stilprägenden italienischen Bühnen- und Kostümbildner sowohl im Bereich der Oper wie im Schauspiel, bevor er nach 1977 auch als Regisseur in Erscheinung trat. Pizzi arbeitete an allen großen (Musik-)Theatern der Welt: in Wien sowohl am Burgtheater als auch an der Staatsoper, an der Mailänder Scala, an Covent Garden, an der Bayerischen Staatsoper und an vielen Häusern seines Heimatlandes. 1990 begann der reguläre Opernbetrieb an der neue Bastille-Oper in Paris mit seiner Inszenierung von «Les Troyens». Auch zur Wiedereröffnung der Scala im Jahre 2004 wurde Pizzi gebeten, Bühne und Kostüme für Antonio Salieris «L’Europa riconosciuta» zu gestalten, wobei er erneut mit Luca Ronconi zusammenarbeitete. Am 15. Juni feierte Pizzi seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

Dmitri Kitajenko zum 70.
In der Szene gilt er vielen immer noch als Geheimtipp. Dabei müsste sich längst herumgesprochen haben, dass Dmitri Kitajenko zu den versiertesten Vertretern der Dirigentenzunft zählt. Nach dem Studium in seiner Heimatstadt Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, und in Moskau gewann er 1969 den ersten Internationalen Herbert-von-Karajan-Wettbewerb in Berlin. Mit 29 Jahren wurde er zum Chefdirigenten der Moskauer Oper ernannt, 1976 in gleicher Position beim Philharmonischen Orchester der russischen Hauptstadt tätig, 1990 ging Kitajenko in den Westen und wurde noch im gleichen Jahr Chefdirigent des Symphonieorchesters des Hessischen Rundfunks (eine Position, die er sechs Jahre lang innehatte) sowie des Berner Symphonie-Orchesters, dem er bis 2004 vorstand. Seit 1999 ist Kitajenko, dessen Repertoireschwerpunkt die russische Musik ist, Chefdirigent beim südkoreanischen Rundfunkorchester. Am 18. August feiert er seinen 70. Geburtstag. Dazu herzlichen Glückwunsch!

Gertrude Jahn zum 70.
Ihr Operndebüt gab sie, als Ersatz für Grace Bumbry, in Glucks «Orpheus und Eurydike», das war 1963 in Basel. Vier Jahre später stand die in Zagreb geborene Sopranistin Gertrude Jahn erstmals auf der Bühne der Wiener Staatsoper, jenem Haus, dem sie dann mehr als 25 Jahre eng verbunden blieb, dabei aber in der ganzen Welt auf den wichtigen Opernbühnen stand. Ihr Repertoire war weitgespannt, darin kam die Carmen ebenso vor wie Verdis «Don Carlo»-Eboli, der «Rosenkavalier»-Oktavian, die Mrs. Sedley in «Peter Grimes» ebenso wie Gräfin Geschwitz in Bergs «Lulu». Auch als Liedsängerin wusste die Sängerin zu überzeugen, zumal sie sowohl im französischen als auch im italienischen, russischen und deutschen Repertoire bewandert war. Am 13. August feiert Gertrude Jahn ihren 70. Geburtstag. Wir gratulieren.

Rita Shane zum 70.
Eingefleischte Opernfans kennen sie selbstredend. Nicht nur sang die amerikanische Sopranistin Rita Shane in fast allen großen US-Städten, nicht nur war sie zehn Jahre eine der wirkmächtigsten Darstellerinnen an der Met, auch in Europa machte sie sich bald nach ihrem Debüt an der Mailänder Scala einen Namen, zumal als Mozart-Interpretin. Die Königin der Nacht, Constanze, Donna Anna zählten zu ihren Paraderollen. Darüber hinaus war sie aber auch als Verdi-Sängerin gefragt: als Gilda, als Oscar und natürlich als Violetta. Nach ihrer aktiven Karriere wurde Rita Shane Professorin an der Eastman School of Music. Am 15. August feiert sie ihren 70. Geburtstag, zu dem wir an dieser Stelle herzlich gratulieren.

Enzo Mascherini zum 100.
Er zählt zu den führenden Baritonen seiner Zeit. Sein Debüt als Opernsänger gab der gebürtiger Florentiner Enzo Mascherini 1937 als Germont in Verdis «La traviata»; ein Jahr später trat er in der äußerst selten aufgeführten Oper «Antonio e Cleopatra» seines Landsmannes Gian Francesca Malipiero auf. Es folgten erste Auftritte am Teatro San Carlo in Neapel und an der Mailänder Scala. In der Folge feierte Mascherini an den wichtigen Opernbühnen weltweit große Erfolge als Marcello in «La Bohème» (mit dieser Rolle debütierte er 1949 auch an der Met), als Silvio in «I pagliacci», als Rigoletto (unter anderem mit Erna Berger als Gilda), Lescaut in «Manon Lescaut» und Andrea Chénier. Nach seinem Abschied von der Bühne wirkte er als Lehrer in Florenz. Zuvor hatte er zweimal an der Seite der legendären Maria Callas, einmal beim Maggio Musicale in seiner Heimatstadt, als Montforte in «I vespri siciliani» unter Leitung von Erich Kleiber und dann, zur Eröffnung der Scala-Saison 1952/53, als Macbeth (Victor de Sabata dirigierte). Am 6. August wäre Enzo Mascherini, der am 29. Juli 1981 in Livorno starb, einhundert Jahre alt geworden. Die Musikwelt gedenkt seiner.


Wettbewerbe

Endspurt beim «Competizione dell’Opera»

Nach Vorrunden in aller Welt haben sich bislang 52 Sängerinnen und Sänger für das Semifinale des Internationalen Gesangswettbewerbs für die italienische Oper «Competizione dell’Opera» qualifiziert, das Ende August in Dresden stattfindet. Ebenfalls in der sächsischen Metropole – in der Semperoper –  findet am 5. September das Finale des Wettbewerbs statt.
 


Juni 2010

Teatro Colón wiedereröffnet
Dreieinhalb Jahre war das Teatro Colón in Buenos Aires geschlossen. Immer wieder hatten sich die Sanierungsarbeiten im größten Opernhaus Südamerikas in die Länge gezogen, überschattet von Planungschaos, politischen Intrigen und Geldsorgen (siehe OW 6/2010). Nun ist der legendäre Riesenbau, in dem schon Caruso und die Callas Triumphe feierten, am 24. Mai wiedereröffnet worden – am Vorabend des 200. Jahrestages der Unabhängigkeit Argentiniens. Staatspräsidentin Cristina Kirchner war der Gala übrigens ferngeblieben, um dem konservativen Bürgermeister der Stadt, Mauricio Macri, nicht zu begegnen.

Neues Leitungsteam für Händel-Festspiele Göttingen
Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen starteten mit einem neuen Leitungsteam in die Festspielsaison 2010/11. Geschäftsführender Intendant des Festivals und damit Nachfolger von Benedikt Poensgen wird ab Juli der Orchestermanager Hermann Baumann. Ab Juli 2011 übernimmt dann der britische Dirigent und Cembalist Laurence Cummings die künstlerische Leitung des Festivals. Er folgt auf Nicholas McGegan. Weitere Informationen sowie das Programm der Händel-Festspiele in Göttingen gibt es unter www.haendel-festspiele.de

Frédéric Chaslin wird Chefdirigent der Santa Fe Opera
Gelernt hat er einst bei Daniel Barenboim, als dessen Assistent bei der Berliner Staatskapelle. Nun übernimmt Frédéric Chaslin mit Wirkung vom Oktober 2010 das Amt des Chefdirigenten der Santa Fe Opera, zunächst für drei Jahre. Er tritt damit die Nachfolge von Edo de Waart an, der diese Position im vergangenen Herbst niedergelegt hatte.

Peter Sellars’ «Tristan» erstmals in Deutschland
Zum Auftakt der kommenden Saison, in der Esa-Pekka Salonen seine Zeit als Artist in Residence beginnt, präsentiert das Konzerthaus Dortmund eine Aufführung der «Tristan»-Inszenierung von Peter Sellars mit der Videoinstallation von Bill Viola. Bislang war diese Regiearbeit in Deutschland nicht zu sehen. Im Rahmen des «Zeitinsel»-Festivals wird unter der künstlerischen Federführung Iván Fischers mit dem Budapest Festival Orchestra zudem ein repräsentativer Ausschnitt aus dem Œuvre von Béla Bartók gezeigt. Im Mittelpunkt steht hierbei die konzertante Aufführung des Einakters «Herzog Blaubarts Burg».

Neues Haus für Garsington Opera
Die Garsington Opera hat ab 2011 offenbar ein neues Zuhause. Als künftiges Domizil hofft Rosalind Ingrams, Präsidentin der Garsington Opera, Wormsley Estate benennen zu können. Das Anwesen befindet sich im Besitz der Getty-Familie. Zunächst einigte man sich auf eine Bespielung im Sommer 2011. Verhandlungen über eine weitere Nutzung sind im Gang.

Griechische Nationaloper vor dem Konkurs?
Nicht nur der griechische Staat ist pleite, nun geht es womöglich auch der Nationaloper «Ethnike Luriké Skênê» an den Kragen. Laut Medienberichten ist das Opernhaus mit 14 Millionen Euro verschuldet. Erst vor vier Jahren waren von Premierminister Costas Karamanlis Pläne für einen Neubau mit Bibliothek und Park präsentiert worden. Das von der Stiftung Stavros Niarchos mitgetragene 500-Millionen-Euro-Projekt, das bis zum Jahr 2015 realisiert werden sollte, belastet das ohnehin klamme Kulturbudget der Stadt nun so massiv, dass ein Aus für die Oper droht. Erst im vergangenen September hatte die Nationaloper eine Nothilfe von zwei Millionen Euro erhalten.

Österreichische Musikzeitschrift wird eingestellt
Laut einer Meldung der Tageszeitung «Standard» wird die Österreichische Musikzeitschrift ihren Betrieb zum Ende des Jahres einstellen. Grund ist die massive Kürzung seitens der öffentlichen Hand von 30 000 auf nunmehr 6000 Euro. Die in Pension gehende Herausgeberin des vor 65 Jahren gegründeten Fachblattes hatte für die Weiterführung zwar eine Kooperation mit dem Böhlau Verlag erarbeitet sowie eine Nachfolgeregelung gefunden – all dies jedoch bevor bekannt wurde, dass die Subventionen derart drastisch zusammengestrichen würden.

Leonard Slatkin wird Chefdirigent in Lyon
Laut französischen Pressemeldungen wird Leonard Slatkin neuer Chefdirigent des Orchestre National de Lyon und damit Nachfolger von Jun Märkl. Der 1944 geborene Dirigent war nach Leitungsfunktionen in St. Louis, New Orleans und Washington von 2000 bis 2004 Erster Dirigent des BBC Symphony Orchestra sowie ab 2005 Erster Gastdirigent beim Los Angeles Philharmonic Orchestra.

Gerard Mortier kassiert Abfindung aus New York
Die New York City Opera hat dem Kulturmanager Gerard Mortier eine Entschädigung in Höhe von 400 000 US-Dollar bezahlt. Mortier sollte das Haus wieder auf Kurs bringen, hatte aber von einem Engagement Abstand genommen, als die finanziellen Schwierigkeiten des Hauses bekannt wurden («Opernwelt» berichtete). Die New York City Opera weist derzeit ein Defizit von 19,9 Millionen Dollar auf. Neben Mortier wurden auch der künstlerische Administrator Robin Thompson und die Geschäftsführerin Jane Gullong finanziell entschädigt.

Andreas Mölich-Zebhauser verlängert in Baden-Baden
Der Intendant und Geschäftsführer des Festspielhauses Baden-Baden, Andreas Mölich-Zebhauser, hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und bleibt dem Haus nun bis zum Jahre 2019 erhalten. Mölich-Zebhauser leitet die Geschicke des mit 2500 Plätzen größten Konzerthauses Deutschlands seit 1998 und hat ihm in den vergangenen Jahren internationales Renommee eingebracht.

Valery Gergiev gewinnt Preis der Dresdner Musikfestspiele
Der russische Dirigent Valery Gergiev erhält in diesem Jahr den Preis der Dresdner Musikfestspiele. Die Ehrung ist mit 25 000 Euro dotiert und wird seit 2004 verliehen. Gergiev ist seit 1996 Intendant des Mariinsky-Theaters in St. Petersburg, wo er bereits seit 1977 als Dirigent wirkt.

James Conlon verlängert in Cincinnati
Der amerikanische Dirigent James Conlon hat seinen Vertrag als Music Director des Cincinnati May Festivals bis zum Jahr 2013 verlängert. Conlon steht seit nunmehr 31 Jahren (!) an der Spitze des Festivals und ist damit der am längsten amtierende Music Director in der 137-jährigen Geschichte. Im Rahmen des Festivals wurde Conlon, der auch Musikchef der Los Angeles Opera ist, in die «American Classical Music Hall of Fame» eingeführt und in Anerkennung seiner Verdienste um die klassische amerikanische Musik mit der entsprechenden Medaille geschmückt. Wir gratulieren herzlich.

Gounod, Verdi und Vivaldi in Macerata
In seiner 46. Saison präsentiert das Sferisterio Opera Festival in Macerata unter der Künstlerischen Leitung von Pier Luigi Pizzi in diesem Jahr Produktionen von Gounods «Faust», den Verdi-Opern «La forza del destino», «I Lombardi alla prima crociata» und «Attila» sowie Vivaldis «Juditha triumphans». Eröffnet werden die Festspiele – sie stehen unter dem Motto «A maggior gloria di Deo» –  am 29. Juli mit einer Aufführung von Monteverdis «Marienvesper».

Festival Heidenheim bietet Online-Mitwirkung
Die Opernfestspiele Heidenheim bieten ab sofort auf mehreren Internet-Portalen eine Reihe von Möglichkeiten, sich aktiv an dem Festival zu beteiligen. Neben der normalen Website (www.opernfestspiele.de) wurde mit der Seite www. opernwerkstatt.net ein weiteres Portal geöffnet, auf dem Besucher die Gelegenheit nutzen können, in einen Dialog mit den Festivalmachern zu treten. Zudem präsentieren sich die im Juli stattfindenden Festspiele auf der Plattform Facebook und mit einem eigenen Videokanal auf der Plattform youtube.

Montepulciano lädt zum «Cantiere»
Mit einer Mischung aus Oper, Symphonik, zeitgenössischer Musik und multimedialen Projekten geht der «Cantiere Internazionale d’arte» zu Montepulciano in seine 35. Saison. Die internationale Kunstwerkstatt dauert vom 15. Juli bis zum 1. August und präsentiert unter anderem die Miniaturoper «In ascolto di un re» von Stefano Taglietti auf einen Text von Raffaele Giannetti. Als italienische Erstaufführung wird Salvatore Sciarrinos Oper «Luci mie traditrici» zu erleben sein. Insgesamt werden mehr als 40 lebende Komponisten mit ihren Werken vertreten sein. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.fondazionecantiere.it

Mario Venzago übernimmt Berner Symphonie Orchester
Der Schweizer Dirigent Mario Venzago folgt beim Berner Symphonie Orchester mit einem unbefristeten Vertrag ab der Spielzeit 2010/11 als Chefdirigent auf Andrey Boreyko. In seiner ersten Saison wird er aber planungsbedingt, wie es heißt, lediglich drei Konzerte dirigieren; danach ist eine Zusammenarbeit mit dem Orchester in Bern auf elf Wochen pro Saison avisiert. Venzagos Vertrag kann beidseitig auf ein Jahr gekündigt werden. Hintergrund für diese Absprache sind die offenen Fusionspläne von Stadttheater und Orchester. Über die Geschicke des Hauses entscheidet künftig eine dreiköpfige Geschäftsleitung. Diese besteht aus Intendant Marc Adam sowie dem Technischen Direktor Gino Fornasa und dem Kaufmännischen Direktor Anton Stocker. Nicht mehr in Bern wird der Chorleiter Alexander Martin arbeiten. Er verlässt das Stadttheater Ende Juli und wechselt als Direktor des Chœur an die Opéra National de Bordeaux.

Kinderoper-Preis für Siegfried Köhler
Dass Musik jung und kreativ hält, dafür ist der jetzt 86-jährige Dirigent und Komponist Siegfried Köhler ein lebendes Beispiel. Gerade hat er, zusammen mit seinem Sohn Klaus-Dieter, den ersten Preis beim diesjährigen Autoren- und Komponisten-Wettbewerb des Landestheaters Schwaben für die Kinderoper «Kater Murr – Opera piccola für Bambini(s) bis(s) Teenie(s)» erhalten, die in Memmingen erfolgreich uraufgeführt wurde. Das Stück, geschrieben für zwei Darstellerinnen, Klavier und Schlagzeug, soll Kindern und Jugendlichen auf spielerische Weise die Welt der klassischen Oper nahe bringen. Köhler verwendet dabei traditionelle Formen und Stile, auch Volks- und Wanderlieder, verzichtet aber bewusst auf anbiedernde Bezüge zur aktuellen Popmusik. Die Memminger Produktion ist so konzipiert, dass sie auch andernorts ohne großen technischen Aufwand realisiert werden kann.                                                        G. A.

Christoph Schlingensief schreibt Memoiren
Der Performer, Film- und Opernregisseur Christoph Schlingensief schreibt seine Memoiren. Sie sollen am 24. September, einen Monat vor seinem 50. Geburtstag, beim Verlag Kiepenhauer & Witsch erscheinen.

Stephan Pauly neuer Intendant der Alten Oper Frankfurt
Stephan Pauly, derzeitig künstlerischer Leiter und kaufmännischer Geschäftsführer der Stiftung Mozarteum Salzburg, wird Geschäftsführer und Intendant der Alten Oper in Frankfurt am Main. Pauly, 1972 geboren, studierte Philosophie, Theologie sowie Theater- und Opernregie in München und Rom und war vor seiner Zeit in Salzburg unter anderem als persönlicher Assistent von August Everding und als Managementberater bei McKinsey & Co beschäftigt.

Bariton Mikolaj Zalasinski ausgezeichnet
Der polnische Bariton Mikolaj Zalasinski ist in seiner Heimat als bester Sänger des Jahres 2009 mit dem Jan Kiepura-Preis ausgezeichnet worden. Zalasinski gehört seit dem Herbst 2008 dem Ensemble des Nürnberger Staatstheaters an und wurde für seine Darstellungen der Titelpartien in den Opern «Rigoletto», «Eugen Onegin» und «Don Giovanni» belobigt.

Buch zum Abschied
Der nach sieben Jahren aus dem Amt scheidende Intendant der Sächsischen Staatsoper Dresden Gerd Uecker hat ein Buch mit dem Titel «Beständig ist nur der Wandel: Überregionale Ermunterungen aus der Semperoper» herausgegeben. Darin resümieren Uecker und weitere Autoren aus Kultur und Politik sowie Experten aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen die Jahre zwischen 2003 und 2010.

Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller ausgezeichnet
Die Mannheimer Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller erhält den mit 10 000 Euro dotierten diesjährigen Musikpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Der zweite Preis und damit 5000 Euro gehen an die Sopranistin Katharina Hagopian aus Köln.

Stephan Braunfels leitet Freundeskreis der Deutschen Oper Berlin
Nach zehnjähriger Tätigkeit hat Harald Wiedmann sein Amt als 1. Vorsitzender des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin an Stephan Braunfels übergeben. Braunfels ist der Enkel des Komponisten Walter Braunfels, dessen Oper «Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna» 2008 an der Deutschen Oper Berlin ihre szenische Erstaufführung erlebt hatte.

Peter Baumgardt übernimmt Europäische Wochen Passau
Der Kulturmanager Peter Baumgardt wird ab 2012 Intendant der Europäischen Wochen Passau. Er will die Festspiele unter das Generalmotto «Donaukultur» stellen. Für Vielfalt ist demnach gesorgt.

Elbphilharmonie: Kosten explodieren
Bürgermeister Ole von Beust machte gute Miene zum schief gelaufenen Spiel: Trotz astronomisch gestiegener Kosten und unabsehbarer Risiken sprach er den Hamburgern Mut zu, dass sich die Investitionen in die von den Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron entworfene Elbphilharmonie eines Tages auszahlen werden. Von Beusts Worte zum Richtfest des auf ein altes Speichergebäude gesetzten gläsernen Konzerthauses klangen nach dem Mut der Verzweiflung: Als das Projekt 2005 angeschoben wurde, sollte es 186 Millionen Euro kosten, die Stadt rechnete mit einer Beteiligung von 77 Millionen. Nun werden die Gesamtkosten auf 500 Millionen geschätzt, die Bürgerschaft soll davon gut 323 Millionen tragen. Angesichts des Dauerstreits mit der federführenden Baufirma könnte die Summe am Ende noch höher liegen.

Albrecht Puhlmanns letzte Stuttgarter Spielzeit
In seiner letzten Spielzeit als Intendant der Stuttgarter Staatsoper präsentiert Albrecht Puhlmann elf Neuproduktionen, drei Wiederaufnahmen sowie zwölf Opern im Repertoire. Die Saison wird eröffnet mit Verdis «Luisa Miller» in der Inszenierung von Markus Dietz und unter der musikalischen Leitung von Thomas Soendergard. Es folgen die Premieren «Die Fledermaus» (Philipp Stölzl, Manfred Honeck), eine konzertante «Maria Stuarda» (Marc Soustrot am Pult), Poulencs «Dialogues des Carmélites» (Thomas Bischoff, Manfred Honeck), Händels Oratorium «Il trionfo del Tempo e del Disinganno» (Calixto Bieito, Sébastian Rouland) sowie die Uraufführung von Hans Thomallas Opus «Fremd» (Anna Viebrock, Johannes Kalitzke). In der Jungen Oper gibt es zwei Premieren: die deutsche Erstaufführung von «The Rage of Life» von Elena Kats-Chernin sowie «Die Ballade von Garuma» von Ad de Bont und Guus Ponsioen.

Was die San Francisco Opera plant
Die San Francisco Opera  präsentiert im kommenden Jahr im Rahmen ihres «Ring»-Festivals den kompletten «Ring des Nibelungen». Das Opus magnum wird in drei Zyklen im Juni 2011 zu sehen sein. Regie führt Francesca Zambello, am Pult steht Donald Runnicles, ehemals Musikchef in San Francisco und seit der Spielzeit 2009/10 Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin. Als Solisten wurden unter anderem Nina Stemme als Brünnhilde, Mark Delavan als Wotan, Ian Storey als Siegfried und Anja Kampe als Sieglinde verpflichtet. Weitere Informationen über die einzelnen Produktionen gibt es im Netz unter www.sfopera.com/ring

Neues am Theater Magdeburg
Acht Opern- und Muscialpremieren präsentiert das Theater Magdeburg in der Spielzeit 2010/11. Den Auftakt macht im September Verdis «La traviata». Es folgen Brittens «The Turn of the Screw», Andrew Lloyd Webbers «Sunset Boulevard», «Werther» von Massenet, «Die Fledermaus» von Johann Strauß, Donizettis «Lucia di Lammermoor», «The Io Passion» von Harrison Birtwistle und Webers «Freischütz». Gerundet wird die Saison mit einer Open-Air-Premiere auf dem Domplatz: «Die Schöne und das Biest».

Teatro Municipal in Rio wiedereröffnet
Fast zeitgleich mit der Wiedereröffnung des Teatro Colón in Buenos Aires (siehe OW 6/2010) ist nun auch das Teatro Municipal von Rio de Janeiro nach umfangreichen Renovierungsarbeiten mit einem Festkonzert in Anwesenheit des brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva wieder eröffnet worden. Das 1909 erbaute Haus war zwei Jahre lang wegen Sanierung geschlossen, in dieser Zeit wurden die Technik erneuert, eine Klimaanlage installiert und neue Sitze eingebaut. Die Kosten betrugen 35 Millionen US-Dollar.

King’s Singers haben einen neuen Bass
Das populäre britische Gesangs-Sextett King’s Singers erneuert mit dem erst 23-jährigen Jonathan Howard im September das Bassregister. Howard ersetzt das bisherige Mitglied Stephen Connolly; dieser übernimmt die Leitung der Gesangsausbildung am Cheltenham Ladies College. Sein Nachfolger studierte am New College in Oxford und sang dort unter anderem im Chor.

Opernhaus Sydney vor der Schließung?
Dem Opernhaus von Sydney droht wegen der überaus prekären finanziellen Situation und Fragen der Sicherheit bereits im Jahr 2011 die Schließung auf unbestimmte Zeit. Laut lokalen Medienberichten sei die Sicherheit der Künstler auf der Bühne nicht mehr gewährleistet, weil die technische Infrastruktur in einem desolaten Zustand sei und wegen fehlender Gelder nicht erneuert werden könne. Wenn der Staat die Renovierung der Bühnenmaschinerie nicht mit 800 Millionen Dollar unterstütze, müsse das architektonische Wahrzeichen der Stadt seine Pforten schließen, wurde der Geschäftsführer des Opernhauses, Richard Evans, zitiert.

Fünf Musiktheaterpremieren in Cottbus
Mit dem Musical «Jekyll & Hyde» eröffnet das Staatstheater Cottbus die Spielzeit 2010/11 in der Sparte Oper. Regie führt Intendant Martin Schüler, die musikalische Leitung liegt in den Händen von Marc Niemann. Es folgen die Premieren von Tschaikowskys «Eugen Onegin» (Martin Schüler, Evan Christ), Wagners «Siegfried» (in einer semiszenischen Version des gleichen Teams), Verdis «Aida» (Ralf Nürnberger, Evan Christ), sowie, auf der Kammerbühne, die Produktion der Monooper «Das Tagebuch der Anne Frank» von Grigori Frid (Hauke Tesch, Frank Bernard).

Letzte Dortmunder Saison für Christine Mielitz
Das Motto der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 ist auch das Motto der nächsten Spielzeit am Theater Dortmund: «Kultur durch Wandel, Wandel durch Kultur». In ihrer neunten und letzten Spielzeit inszeniert Intendantin Christine Mielitz als Abschiedsarbeit Puccinis Opern-Triptychon «Il trittico». Weitere Premieren sind Donizettis «Lucia di Lammermoor», Dvoráks «Rusalka», Offenbachs «Ritter Blaubart» und, als deutsche Zweitaufführung, «Hamlet» von Christian Jost, dem composer in residence am Theater Dortmund.

Savonlinna plant Internetoper
Das Savonlinna Opera Festival will 2012 eine Oper uraufführen, die in einem Kollektivprozess im Internet entstehen soll. An Libretto, Musik und sogar der Wahl der Kostüme kann mitwirken, wer will. Für das Projekt  mit dem Titel «Opera by You» stehen Solisten, ein Chor, ein Symphonieorchester und ein Produktionsteam zur Verfügung. Wie das Ganze im Einzelnen funktionieren soll, ist zur Stunde noch unklar. Vermutlich über Chats und Blogs.

Jens Schubbe geht nach Zürich
Mit Beginn der Spielzeit 2010/11 wird Jens Schubbe Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Collegium Musicum Zürich. Schubbe, der seit 2001 Dramaturg am Konzerthaus Berlin ist und dort vor allem für Produktionen des zeitgenössischen Musiktheaters zuständig war, tritt die Nachfolge von Christian Fausch an, der das Ensemble auf eigenen Wunsch im September verlässt.
 
Leonard Slatkin weist Vorwürfe zurück
Der Dirigent Leonard Slatkin hat Vorwürfe zurückgewiesen, er sei wegen fehlender Partitur-Kenntnis aus der «La traviata»-Produktion an der New Yorker Met ausgestiegen. Laut einem Bericht der Zeitung «Free Press» erklärte Slatkin, Auslöser für seine Demission seien vielmehr die Diva-Allüren Angela Gheorghius gewesen, die die Titelrolle verkörperte. Sie habe ihm die Sicht auf andere Sänger versperrt, sich in Sachen expressiven Phrasierens unbotmäßige Freiheiten herausgenommen, zu früh eingesetzt und seine Zeichengebung ignoriert.
 
Bewegender Abschied der Lindenoper auf dem Bebelplatz
Über 50 000 Menschen haben bei einem musikalischen Fest auf dem Bebelplatz den temporären Abschied der Berliner Staatsoper Unter den Linden aus dem Knobelsdorff-Bau gefeiert. Das Haus wird in den kommenden drei Jahren saniert. Unter dem Motto «Staatsoper für alle» gab es eine Live-Übertragung des «Eugen-Onegin» sowie eine Open-Air-Kinovorstellung von Massenets «Manon». Im Zuge der Sanierung wurde bekannt, dass die Bestuhlung der Staatsoper zum Verkauf steht. Weitere Informationen hierzu gibt es unter der Internetadresse www.staatsoper-berlin.de
 
Costa Pilavachi wird Senior Vice President von Universal Music Classics
Der Kulturmanager Costa Pilavachi hat das Amt des Senior Vice President bei Universal Music Classics übernommen. Damit ist Pilavachi, der bereits Chef von Philips Classic und Decca sowie bei der EMI war, Chef der Abteilung Classical Artists and Repertoire des Musik-Konzerns. Er wird die Geschäfte von London aus führen.
 
Thomas Demenga leitet die Camerata Zürich
Thomas Demenga wird ab der Saison 2011/12 Künstlerischer Leiter der Camerata Zürich. Er löst in dieser Funktion Marc Kissócy ab, der das Ensemble neun Jahre lang als Dirigent führte. Einen eigenen Chefdirigenten wird die Camerata künftig nicht mehr haben.

Italien spart weiter an der Kultur
Die italienische Regierung hat weitere drastische Kürzungen in der Kultur angekündigt. Den Einsparungen könnten innerhalb der nächsten Jahre prominente Institutionen wie die Arena di Verona und das Spoleto-Festival zum Opfer fallen, hieß es in entsprechenden Medienberichten. Insgesamt sollen ab sofort neben den bereits genannten weitere 230 Institutionen aus dem Bereich der Kultur nicht mehr gefördert werden. Einzig Staatspräsident Giorgio Napolitano könnte dem Aderlass noch Einhalt gebieten, indem er dem vorlegten Sparpaket seine Unterschrift verweigert.
 
Menuhin Festival Gstaad gründet eigenen Klangkörper
Das Menuhin-Festival Gstaad hat ab August einen eigenen Klangkörper: das Gstaad Festival Orchestra. Als Principal Conductor wurde Maxim Vengerov bestimmt, der ehemalige Geiger. Seinen Einstand wird das Orchester im Rahmen des diesjährigen Festivals geben.
 
Schweizer Kammerchor vor dem Aus
Der Vorstand des Vereins Basler Madrigalisten/Schweizer Kammerchor hat beschlossen, den Schweizer Kammerchor, den einzigen professionellen Kammerchor der Schweiz, am Ende der Saison 2010/11 aus finanziellen Gründen aufzulösen. Damit entfällt auch die Suche nach einem Nachfolger für den 2011 aus dem Amt scheidenden Gründer und derzeitigen Künstlerischen Leiter Fritz Näf. Ab dem Sommer dieses Jahres erhält das Vokalensemble keine finanzielle Förderung mehr durch die Stadt Zürich. Bemühungen um private Sponsoren blieben bislang erfolglos.
 
Carole Charnow gibt Posten in Boston ab
Carole Charnow, Chefin der Boston Opera, legt Ende Juli ihr Amt als Generaldirektorin der Institution nieder, um künftig als Präsidentin und Chief Executive Officer am Bostoner Children’s Museum zu arbeiten. Für die Zeit, bis ein Nachfolger für Charnow gefunden wird, übernimmt der Präsident des Opera Boston Board, Gregory Bulger, deren Position. Ebenfalls aus dem Amt scheidet am Ende der laufenden Spielzeit der Musikdirektor des Opera & Orchestra Spoleto Festivals, Emmanuel Villaume. Er war seit 2001 in dieser Position tätig. Auch für ihn wird nun dringend ein Nachfolger gesucht.
 
Umbau des Schiller Theaters wird teurer als geplant
Der Umbau des Schiller Theaters, das ab der kommenden Saison als Ersatzspielstätte für die Staatsoper Unter den Linden dient, wird rund drei Millionen Euro teurer als zunächst geplant. Das geht aus einem Bericht des Berliner Senats an das Abgeordnetenhaus hervor. Demnach steigen die Kosten von 20 auf 23,1 Millionen Euro. Die zusätzlichen Mittel werden unter anderem zur Beseitigung von Schadstoffen und für höhere Aufwendungen beim Brand- und Lärmschutz benötigt, teilte der Senat Berlins mit.
 
Orchestermusiker setzen sich für Natur- und Umweltschutz ein
Die Orchestermusiker der Berliner Staatskapelle haben unter dem Namen «Orchester des Wandels» eine weltweit einmalige Initiative für Umwelt- und Klimaschutz gegründet. Wichtigster Bestandteil der Initiative ist die gemeinnützige NaturTon-Stiftung, die mit privaten Mitteln der Orchestermusiker ins Leben gerufen wurde. Als Partner für das ambitionierte Unterfangen konnte der World Wildlife Fund (WWF) gewonnen werden. Weitere Informationen gibt es auf der Website www.orchester-des-wandels.de.


Jubilare

Helen Donath zum 70.

In Texas ging Helen Donath, die damals noch Helen Erwin hieß und noch nicht mit dem Dirigenten Klaus Donath verheiratet war, zur Schule, dort begann sie zu singen, übrigens auch säkulare Werke. Ihre wesentlichen Schritte hin zu einer der großen Sopranistinnen unserer Zeit machte sie dann aber in New York. Von dort verschlug sie es bald darauf ins gute alte Europa: An der Kölner Oper debütierte Helen Donath als Wellgunde im «Rheingold». Vor allem als Mozart-Interpretin hat sich die Künstlerin einen Namen erworben: Pamina etwa und die «Figaro»-Gräfin blieben unvergessen, wenn sie sie sang. Wenig Wunder, dass Helen Donath an allen großen Opernhäusern weltweit auftrat und umjubelt wurde. Am 10. Juli feiert die Bayerische Kammersängerin und Doctor honoris causa der Universität Miami ihren 70. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich!

Jürgen Kesting zum 70.
An seinem Standardwerk «Die großen Sänger» kommt niemand vorbei, der sich für die Geschichte des Singens interessiert. Was der Musikjournalist Jürgen Kesting in diesem – vor mehr als zwei Jahrzehnten erstveröffentlichten, 2008 in völlig überarbeiteter Neuauflage und in vier Bänden erschienenen – Kompendium im Alleingang zusammengetragen hat, ist keine Anekdotensammlung über Stars und Sternchen der Oper, sondern eine monumentale Stilkunde des Kunstgesangs. Der große Bogen erschließt sich aus unzähligen Einzelporträts, in denen stets der Versuch dominiert, die vokale Individualität der Künstler, ihren unverwechselbaren Ton darzustellen. 1940 in Duisburg geboren, studierte Kesting Anglistik, Germanistik und Philosophie. Nach einigen Jahren in der Schallplattenindustrie arbeitete er als Redakteur für den «Stern», später (und bis heute) als freier Publizist für Tageszeitungen («FAZ») und Fachmagazine, darunter auch für «Opernwelt» (siehe etwa seine Besprechung der Hamburger «Aida» auf Seite 51 dieses Heftes). Darüber hinaus verantwortete er zahllose Musik-Sendungen in Hörfunk und Fernsehen, mit Maria Callas und Luciano Pavarotti setzte er sich in Büchern auseinander. Am 26. Juli feiert Jürgen Kesting seinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich.

Manfred Jung zum 70.
Der Tenor Manfred Jung, durch die Verfilmung des Bayreuther «Jahrhundert-Rings» von Patrice Chéreau und Pierre Boulez, in der er beide Siegfried-Rollen übernahm, auch jüngeren Opernfreunden ein Begriff, feiert am 9. Juli seinen 70. Geburtstag. Der gebürtige Oberhausener begann seine Laufbahn nach einer Tätigkeit als Elektroingenieur und einer Sängerausbildung an der Essener Folkwang-Schule 1971 in Dortmund. Über Kaiserslautern kam er an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, deren Ensemble er viele Jahre fest angehörte. Sang er anfangs noch einige Partien des lyrischen Fachs (etwa Ernesto in «Don Pasquale»), so entwickelte sich die Stimme stetig zum jugendlich-dramatischen und schließlich zum Heldentenor. Als solcher gab Jung 1977 im besagten «Ring» sein Solisten-Debüt bei den Bayreuther Festspielen, wo er schon in früheren Jahren als Chorsänger gewirkt hatte. Bis 1998 ist er dort regelmäßig aufgetreten. Gastspiele führten ihn u. a. an die Opernhäuser von Stuttgart, Hamburg, München, Wien, Barcelona, Chicago, an die Metropolitan Opera in New York und zu den Salzburger Osterfestspielen. In Wagners «Ring» hat er sämtliche Tenorrollen gesungen. Daneben war er besonders als Tristan und Parsifal international erfolgreich. In den neunziger Jahren erfolgte dann sein Wechsel ins Charakterfach, von Siegfried zu Mime (den er in Bayreuth und in Kassel sang), und zu Partien wie Herodes, Valzacchi, Hauptmann in «Wozzeck» oder Teiresias in den «Bassariden». Nach seiner aktiven Bühnenkarriere war Jung als Gesangspädagoge (u. a. an der Stuttgarter Musikhochschule) und als Chorleiter tätig. Seit 2006 ist er künstlerischer Leiter der Jungen Musiker Stiftung, die ihren Sitz in Bayreuth hat und junge Sänger und Instrumentalisten finanziell wie künstlerisch fördert.                                         E. P.


Wettbewerbe

Sopranistin gewinnt Zachary National Competition

Die New Yorker Sopranistin Nadine Sierra hat den ersten Preis bei der 38. Loren L. Zachary National Competition in Los Angeles gewonnen. Die 22-Jährige erhielt dafür ein Preisgeld in Höhe von 12 000 US-Dollar. Auf den zweiten Platz kam der ebenfalls in New York lebende Bassbariton Donovan Singletary (10 000 US-Dollar), den dritten Rang belegte Nicholas Pallesen, New York (8000 Dollar).

Finalrunde an Covent Garden – zehn Jugendliche schreiben Pausenhymne
Das Royal Opera House hat zehn Finalisten des Wettbewerbs um die neue Fanfare des Opernhauses ausgewählt. Aufgerufen, ein Stück in Länge von einer halben Minute zu komponieren, waren Nachwuchskünstler(innen) im Alter zwischen elf und 14 Jahren. Die zehn Sieger werden nun ihre Fanfaren mit dem Orchester von Covent Garden aufnehmen. Genauere Informationen gibt es unter www.roh.org.uk

Spielzeitheft Hannover prämiert
Das Spielzeitheft der Staatsoper Hannover mit dem Titel «seitenbühne», das bereits Preise bei Designwettbewerben errang, wurde nun auch für den Designpreis Deutschland 2011 nominiert. Die Ehrung wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ausgelobt und seit 2006 für herausragende Leistungen in den Bereichen Produkt- und Kommunikationsdesign vergeben.

Savonlinna veranstaltet erstmals Gesangswettbewerb
Das Opernfestival von Savonlinna lädt zum ersten Gesangswettbewerb in seiner Geschichte ein. Teilnehmen können Sängerinnen, die nach 1983, und Sänger, die nach 1980 geboren wurden. Die Erstauflage der Savonlinna Opera Festival Singing Competition findet vom 20. bis zum 25. Juli statt. Der erste Preis ist mit 20 000 Euro dotiert und wird von einer Jury unter dem Vorsitz des Künstlerischen Leiters von Savonlinna, Jari Hämäläinen, vergeben. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.operafestival.fi

Christoph Altstaedt bei Dirigierwettbewerb ausgezeichnet
Christoph Altstaedt hat beim 2. Internationalen Dirigentenwettbewerb Evgeny Svetlanov im französischen Montpellier sowohl den mit 10 000 Euro dotierten zweiten Preis als auch den Publikumspreis (3000 Euro) gewonnen. Altstaedt ist ab der Spielzeit 2010/11 als Kapellmeister an die Deutsche Oper am Rhein engagiert.

Wettbewerb der Universität Bayreuth
Zum dritten Mal in der Geschichte des Forschungsinstituts für Musiktheater (fimt) an der Universität Bayreuth wird der Thurnauer Preis für Musiktheaterwissenschaft ausgelobt. Damit möchte das Institut neue Standards in der Musikwissenschaft anregen. In diesem Jahr wird der Preis in Verknüpfung mit dem Projekt «W.WW 2013 – Wagner World Wide 2013» vergeben. Bewerben können sich junge Wissenschaftler aus der ganzen Welt, die sich in der Promotions oder Postdoc-Phase befinden – mit Arbeiten in Form eines Computerausdrucks. Weitere Informationen gibt es auf Website des Forschungsinstituts, www.fimt.uni-bayreuth.de.


Abschied

Yvonne Loriod ist tot

Im Alter von 86 Jahren ist die französische Pianistin Yvonne Loriod unweit von Paris gestorben. Die 1924 geborene Musikerin studierte am Pariser Conservatoire, wo sie von ihrem späteren Ehemann Olivier Messiaen unterrichtet wurde. Yvonne Loriod zählt zu den großen Interpretinnen zeitgenössischer Musik. Sie hob zahlreiche Werke Messiaens aus der Taufe, aber auch Kompositionen von Pierre Boulez und André Jolivet. Von 1967 bis 1989 unterrichtete sie selbst am Conservatoire.

Tenor Siphiwo Nitshebe gestorben
Im Alter von 34 Jahren ist der südafrikanische Tenor Siphiwo Nitshebe gestorben. Er erlag einer Meningitis. Nitshebe wuchs in einem Township von Port Elizabeth auf und erlernte den Gesang in der Kirche. Mit 16 Jahren ermöglichte ihm ein Stipendium eine professionelle Ausbildung. Nitshebe hätte, auf ausdrücklichen Wunsch von Nelson Mandela, bei der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft 2010 das Lied «Hope» präsentieren sollen.

Arne Nordheim gestorben
Insider kannten und schätzten ihn, sein Œuvre, seine Art zu denken und zu komponieren. Nun ist, im Alter von 78 Jahren und nach langer Krankheit, der norwegische Komponist Arne Nordheim gestorben. Nordheim galt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten in Europa und als Pionier auf dem Gebiet der elektronischen Musik. Nach dem Studium am Konservatorium in Oslo wurde sein erstes Orchesterwerk 1954 aufgeführt. Nordheim arbeitete unter anderem mit Mstislaw Rostropowitsch zusammen.
 
Giuseppe Taddei ist tot
Kurz vor seinem 94. Geburtstag ist der italienische Bariton Giuseppe Taddei gestorben. Taddei, der 1916 geboren und in den dreißiger Jahren von Arturo Toscanini gefördert wurde, konnte seine sängerische Karriere erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufnehmen, da er während der Herrschaft von Benito Mussolini wegen aktiven Widerstands gegen das faschistische Regime verhaftet worden war. Von 1946 bis 1948 war der Sänger Mitglied im Ensemble der Wiener Staatsoper, am Ende dieses Engagements wurde er von Herbert von Karajan als Mozart-Sänger entdeckt und debütierte an der Scala, wo er in den fünfziger Jahren tätig war. Bei den Bregenzer Festspielen, die ihm späterhin den Ehrenring verliehen, war Taddei zwischen 1968 und 1980 unter anderem als Falstaff zu hören.
 
Organist David Sanger ist tot
Gut möglich, dass seine außermusikalischen Neigungen ihm zum Verhängnis wurden: Der britische Organist David Sanger ist im Alter von 63 Jahren in seinem Haus tot aufgefunden worden. Ein Verbrechen schließt die Polizei aus. Nach englischen Presseberichten hat der Präsident des Royal College of Organists sich vermutlich das Leben genommen. Als Grund wurde ein Verfahren wegen pädophiler Übergriffe genannt, das gegen Sanger eingeleitet worden war. Das Können eines der besten Konzertorganisten der Welt ist auf rund 20 CDs dokumentiert.
 
Kammersänger Rudolf Mazzola ist tot
Im Alter von 70 Jahren ist der Schweizer Sänger Rudolf Mazzola gestorben. Laut einer Mitteilung der Wiener Staatsoper debütierte Mazzola 1977 im Haus am Ring, deren Ensemblemitglied er seit 1975 war, als Osmin in Mozarts «Entführung aus dem Serail». In der Folgezeit sang er dort in beinahe 1000 Vorstellungen 46 Partien in 40 verschiedenen Bühnenwerken. Seinen letzten Auftritt an der Staatsoper hatte Mazzola, der in Österreich zum Kammersänger ernannt wurde, 2002 als Schigolch in Bergs Oper «Lulu».
 
Gedenken an Dorothy Kirsten anlässlich ihres 100. Geburtstages
Sie liebte die Rollenvielfalt auch im Privaten, doch nicht immer freiwillig. Dreimal war die amerikanische Sopranistin Dorothy Kirsten verheiratet, wobei die zweite Ehe nicht geschieden, sondern durch einen Schicksalsschlag beendet wurde. Nach ihrer Zeit als Sängerin im Radio und bei Poporchestern startete Dorothy Kirsten ihre Karriere 1940 als Manon in Chicago; es folgten Engagements in New York und San Francisco. Ab 1943 arbeitete die Sängerin als Ensemblemitglied der Philadelphia La Scala Opera Company, wo sie unter anderem die «Pagliacci»-Nedda, die Titelfigur in Bizets «Carmen» sowie Mimì in «La Bohème» verkörperte. Mit letztgenannter Partie gab sie 1945 ihr Debüt an der New Yorker Met, jenem Haus, dem sie danach rund dreißig Jahre verbunden blieb. Am 18. November 1992 starb Dorothy Kirsten. Kurz zuvor hatte sie eine Autobiografie mit dem schlicht-schönen Titel «A Time so Sing» veröffentlicht. Am 6. Juli wäre sie 100 Jahre alt geworden.
 


Mai 2010

Großes Finale an der Lindenoper

Die Tage sind gezählt. Am 6. Juni gibt es in der Berliner Staatsoper Unter den Linden die unwiderruflich letzte Vorstellung vor der für Sanierungsarbeiten erforderlichen Schließung des Hauses. Daniel Barenboim und sein Orchester, die Staatskapelle Berlin, verabschieden sich mit einem Live-Konzert auf dem Bebelplatz. Am gleichen Ort ist tags zuvor ein letztes Mal Tschaikowskys «Eugen Onegin» zu erleben, als Live-Übertragung aus dem Opernhaus, mit Barenboim am Pult und Artur Rucinski in der Titelrolle. Nach der Vorstellung lädt die Lindenoper zur Abschiedsparty im Kulissen-Magazin.

Deutsche Bank setzt Partnerschaft mit den Berliner Philharmonikern fort

Auch an anderer Stelle geht die Party weiter, allerdings in streng künstlerischem Sinn: Die Deutsche Bank, seit 2002 exklusiver Förderer der Berliner Philharmoniker, setzt die Partnerschaft mit dem Orchester um fünf Jahre bis 2015 fort. Damit sind Projekte wie das Education-Programm und die Digital Concert Hall bis auf Weiteres in ihrer Existenz gesichert. Damit einher geht die Botschaft, dass die Berliner Philharmoniker gemeinsam mit Sony einen Online-Service einrichten. Im Klartext heißt dies: Menschen, die im Besitz eines Internet-TV-Geräts und/oder eines Blu-ray Players der Marke Sony sind, können ab sofort von der Wohnzimmercouch die Konzerte der Berliner Philharmoniker, die im Rahmen der Digital Concert Hall übertragen werden, genießen. Der Name des neuen Online-Services ist BRAVIA Internet Video.

 

Griechische Nationaloper kurz vor Konkurs

Von solchen Fortschritten nur träumen kann man derzeit in Athen. Nicht nur der griechische Staat ist pleite, nun geht es womöglich auch der Nationaloper «Ethnike Luriké Skênê» an den Kragen. Laut Medienberichten ist das Opernhaus mit 14 Millionen Euro verschuldet. Erst vor vier Jahren waren von Premierminister Costas Karamanlis Pläne für einen Neubau mit Bibliothek und Park präsentiert worden. Das von der Stiftung Stavros Niarchos mitgetragene 500-Millionen-Euro-Projekt, das bis zum Jahr 2015 realisiert werden sollte, belastet das ohnehin klamme Kulturbudget der Stadt nun so massiv, dass ein Aus für die Oper droht. Erst im vergangenen September hatte die Nationaloper eine Nothilfe von zwei Millionen Euro erhalten.

 

Deutsche Kulturorchester können besser vermarktet werden

Geld regiert die Welt, so ist es nun einmal, auch in der Sphäre der Kunst. Und diesbezüglich bestehen für die deutschen Kulturorchester vor allem im Bereich der Organisation und der Vermarktung noch ungenutzte Möglichkeiten. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, in seinem Buch «Orchestermanagement». Die Mehrzahl der deutschen Kulturorchester seien Opernorchester, so Mertens. Würde man diese besser und selbstständiger organisieren, könnten erhebliche Potenziale erschlossen werden.

 

Mario Venzago wird Chefdirigent in Bern

Der Schweizer Dirigent Mario Venzago folgt beim Berner Symphonie Orchester mit einem unbefristeten Vertrag ab der Spielzeit 2010/11 als Chefdirigent auf Andrey Boreyko. In seiner ersten Saison wird er aber planungsbedingt, wie es heißt, lediglich drei Konzerte dirigieren; danach ist eine Zusammenarbeit mit dem Orchester in Bern auf elf Wochen pro Saison avisiert. Venzagos Vertrag kann beidseitig auf ein Jahr gekündigt werden. Hintergrund für diese Absprache sind die offenen Fusionspläne von Stadttheater und Orchester. Im Zusammenhang damit steht die Meldung, dass Marc Adam, der Intendant des Berner Stadttheaters, an Einfluss einbüßt. Über die Geschicke des Hauses entscheidet er künftig nicht mehr allein, sondern als Teil einer dreiköpfigen Geschäftsleitung. Diese besteht aus Adam sowie dem Technischen Direktor Gino Fornasa und dem Kaufmännischen Direktor Anton Stocker. Nicht mehr in Bern wird der Chorleiter Alexander Martin arbeiten. Er verlässt das Stadttheater Ende Juli und wechselt als Direktor des Chœur an die Opéra National de Bordeaux. 

 

Savonlinna Opera Festival kreiert Publikumsoper

Das Savonlinna Opera Festival will 2012 eine Oper uraufführen, die in einem Kollektivprozess im Internet entstehen soll. An Libretto, Musik und sogar der Wahl der Kostüme kann mitwirken, wer will. Für das Projekt  mit dem Titel «Opera by You» stehen Solisten, ein Chor, ein Symphonieorchester und ein Produktionsteam zur Verfügung. Wie das Ganze im Einzelnen funktionieren soll, ist zur Stunde noch unklar. Vermutlich über Chats und Blogs.

 

Konzerte des London-Philharmonic Orchestra im Internet

Apropos Netz: Bis zum Saisonende können nun auch Konzerte des London Philharmonic Orchestra nachgehört werden. Die Konzerte werden unentgeltlich und ohne Registrierungsrituale angeboten. Auch das Programmheft kann kostenlos heruntergeladen werden. Weitere Informationen gibt es unter www.lpo.org.uk

 

Frédéric Chaslin wird Chef in Santa Fe

Gelernt hat er einst bei Daniel Barenboim, als dessen Assistent bei der Berliner Staatskapelle. Nun übernimmt Frédéric Chaslin mit Wirkung vom Oktober 2010 das Amt des Chefdirigenten der Santa Fe Opera, zunächst für drei Jahre. Er tritt damit die Nachfolge von Edo de Waart an, der diese Position im vergangenen Herbst niedergelegt hatte.

 

Bau des Zürcher Parkhaus Opéra verzögert sich

So etwas nennt man Kulturbewahrung: Weil Archäologen bei Sondierungen auf der Baustelle für das Parkhaus Opéra auf über 5000 Jahre alte Kulturschichten von internationaler Bedeutung stießen und diese sichern wollen, verzögert sich der Bau des Parkhauses um ein Jahr. Gefunden wurden Spuren aus mehreren Siedlungsphasen mit Pfahlbaudörfern der Stein- und Bronzezeit.

 

Stephan Braunfels wird 1. Vorsitzender des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin

Nach zehnjähriger Tätigkeit hat Harald Wiedmann sein Amt als 1. Vorsitzender des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin an Stephan Braunfels übergeben. Braunfels ist der Enkel des Komponisten Walter Braunfels, dessen Oper «Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna» 2008 an der Deutschen Oper Berlin ihre szenische Erstaufführung erlebt hatte.

 

Die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 präsentiert «!Sing – Day of Song»

Erleben, das können auch die Besucher der Kulturhauptstadt Europas etwas, und zwar vom 3. bis 6. Juni. An diesen Tagen werden über 760 Chöre, über 25 000 Sängerinnen und Sänger, dazu Partnerchöre aus 14 Ländern nebst Bühnen- und Badewannenprofis gemeinsam ihre Stimme erheben, beim Projekt «!Sing – Day of Song» im Rahmen des Festivals Ruhr.2010. Zentrale Sangeskundgebung ist am 5. Juni die gesamte Metropole Ruhr, wo in mehr als 600 Konzerten gleichzeitig gesungen wird. Gleichsam als Fanfare dient, direkt nach dem Läuten der Kirchturmglocken um zehn nach zwölf, das Steiger-Lied «Glück Auf» sowie Herbert Grönemeyers Song «Komm zur Ruhr».

 

Royal Opera House geht auf die Straße

Ebenso ansprechend gibt sich das Londoner Royal Opera House im Juni. Im Rahmen des BP Summer Big Screens-Projektes wird es auf 24 Leinwänden an 20 verschiedenen Orten der Stadt Übertragungen von Opernaufführungen aus dem Haus an Covent Garden geben. Erster Höhepunkt und zugleich Auftakt zu dieser hollywoodesken Kunstvermittlung ist die Präsentation von Bizets «Carmen» auf 3D-Format. Gefilmt wird im Juni, die Ausstrahlung soll im Herbst erfolgen. Weitere Informationen hierzu gibt es unter www.roh.urg.uk

 

Peter Baumgardt wird Intendant der Europäischen Wochen Passau

Der Kulturmanager Peter Baumgardt wird ab 2012 Intendant der Europäischen Wochen Passau. Er will die Festspiele unter das Generalmotto «Donaukultur» stellen. Für Vielfalt ist demnach gesorgt.

 

RIAS Kammerchor gewinnt Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik

Können lohnt sich. Für ihre Aufnahme mit Werken von Ernst Krenek wurden der RIAS Kammerchor und ihr Chefdirigent Hans-Christoph Rademann mit dem Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie Chorwerke gewürdigt. Die CD umfasst Werke Kreneks aus seiner gesamten Schaffenszeit, darunter zentral die «Sechs Motetten nach Worten von Franz Kafka». Weitere Preise gingen an den Dirigenten Sir Charles Mackerras (für seine Dvorák-Interpretationen) und den Schlagzeuger Paul Motian (für die CD «Lost in Dream»).

 

Simone Young ist Ehrenmitglied des Richard-Wagner-Verbandes Hamburg

So langsam, aber sicher kann Simone Young als Hamburgerin gelten. Jüngstes Indiz für die feste Bindung an die Hansestadt ist die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Hamburger Richard-Wagner-Verbandes für die Generalmusikdirektorin der Hamburgischen Staatsoper. Damit werde, so  der Verband, das außerordentliche Engagement Simone Youngs für die Musik Richard Wagners geehrt. 

 

Karl Wesseler gestorben

Wenige Tage nach Vollendung seines 81. Lebensjahres ist in Köln der Regisseur, Schauspieler, Autor, Komponist und Musiker Karl Wesseler gestorben. Nach ersten Engagements in Rheydt und Kaiserslautern arbeitete Wesseler vorwiegend an den Städtischen Bühnen Köln; Gastspiele führten ihn an die Theater von Bremen, Wuppertal, Hannover, Wiesbaden, Nürnberg, Düsseldorf, Duisburg und Hamburg. Daneben war er unter anderem als Kabarettist und Rundfunksprecher erfolgreich. Von 1978 bis 1983 war Wesseler Intendant am Rheinischen Landestheater Neuss, danach wirkte er sechs Jahre lang als Generalintendant der Städtischen Bühnen Münster.

 

Pianist Alfons Kontarsky gestorben

Ebenfalls gestorben ist im Alter von 77 Jahren am 5. Mai der Pianist und Pädagoge Alfons Kontarsky. Besonders auf dem Gebiet der Neuen Musik verlieh er dem Konzertbetrieb wichtige Impulse. Berühmt wurde der Künstler an der Seite seines Bruder Alois Kontarsky, mit dem er über Jahrzehnte eines der besten Klavierduos weltweit bildete.

 

Bühnenbildner Stefanos Lazaridis ist tot

Wer einmal in Bregenz war, der kennt seine opulenten Bühnenbilder. Nun ist Stefanos Lazaridis im Alter von 65 Jahren gestorben. Der in Äthiopien als Sohn griechischer Eltern geborene Künstler erlag am 10. Mai einem Krebsleiden. Lazaridis’ Bühnenbild im Bodensee für Richard Wagners Oper «Der fliegende Holländer» in der Spielzeit 1989/90 markierte den Beginn einer neuen Bildsprache für die Aufführungen auf der Seebühne. Seither arbeitete Lazaridis eng mit dem heutigen Intendanten der Bregenzer Festspiele, David Pountney, sowie mit dem britischen Regisseur Keith Warner zusammen.

 

Ioan Holender blickt zum Abschied zurück

Sag leise Servus? Nun, das ist nicht jedermanns Sache. Ioan Holender, der scheidende Intendant der Wiener Staatsoper, macht aus seinem Abgang ein Ereignis: Unter dem Titel «Musikalische Rückschau der Direktion Holender 1991-2010» gibt es am 26. Juni eine Benefizveranstaltung in der Wiener Staatsoper, bei der Ausschnitte aus rund 40 der knapp 100 Produktionen zu sehen sind, die während Holenders Amtszeit im Haus am Ring Premiere feierten. Der Erlös des Abends kommt den Concordai Sozialprojekten in Moldawien zugute.

 

Erna-Schlüter-Gesellschaft ehrt zwei Sänger des Oldenburger Staatstheaters

Die Sopranistin Mareke Freudenberg und der Bass Derrick Ballard sind mit dem Erna-Schlüter-Preis der gleichnamigen Gesellschaft ausgezeichnet worden. Beide Sänger sind Ensemblemitglieder des Oldenburger Staatstheaters. Die Erna-Schlüter-Gesellschaft wurde 2005 gegründet und verleiht alle zwei bis drei Jahre Förderpreise an junge Sängerinnen und Sänger, die sich durch herausragende Leistungen in der Region einen Namen gemacht haben.

 

Bamberger Symphoniker mit bester Aufnahme von Mahlers Neunter

Jonathan Nott und seine Bamberger Symphoniker/Bayrische Staatsphilharmonie haben das lange hinter sich. Das Orchester und sein Chefdirigent haben ihre Klasse wiederholt unterstrichen. Nun steht es auch schwarz auf weiß fest, wie gut die Partner sind. In seiner Mai-Ausgabe kommt das französische  Magazin «Classica» zu dem Ergebnis, dass die Einspielung der Bamberger von Mahlers neunter Symphonie unter acht ausgewählten Aufnahmen die zweitbeste sei. Platz eins ging an eine Aufnahme mit Giuseppe Sinopoli und dem Philharmonia Orchestra. Doch ebenso prominent sind die Orchester und Dirigenten, die Nott und die Bamberger hinter sich ließen: etwa die Wiener Philharmoniker unter Claudio Abbado, gleich zwei Mal die Berliner Philharmoniker (Herbert von Karajan, Leonard Bernstein) und das Chicago Orchestra unter Pierre Boulez.

 

Oper Köln nach Shanghai eingeladen

Freude auch in Köln. Nicht nur ist, wie berichtet, zunächst gesichert, dass Schauspiel und Musiktheater auch künftig am Offenbachplatz gezeigt werden können. Nun wurde die Oper Köln als deutscher Kulturbotschafter auch zur Weltausstellung EXPO 2010 nach Shanghai eingeladen. Und was bringen sie mit vom Rhein? Natürlich den «Ring des Nibelungen». Die Tetralogie von Richard Wagner wird im Shanghai Grand Theatre in zwei Zyklen in der Regie von Robert Carsen und unter musikalischer Leitung von Markus Stenz aufgeführt. 

 

Ausstellung «Das große Welttheater» bei den Salzburger Festspielen

Vom 17. Juli bis 26. Oktober findet bei den Salzburger Festspielen die Ausstellung «Das Große Welttheater. 90 Jahre Salzburger Festspiele» statt. Ort der Werkschau ist die Kunsthalle des Salzburg Museums. An diesem zentralen Ort wird die Geschichte der Salzburger Festspiele anhand von Originalobjekten und Architektur multimedial inszeniert. Des Weiteren dient eine sogenannte begehbare Enzyklopädie als Ausstellungsfläche; ihre Buchstaben sind als Informationsstationen in der Stadt an der Salzach verteilt. An bestimmten Orten, so etwa dem Monatsschlössl Hellbrunn, dem MdM Rupertinum, dem Dommuseum oder auch in Mozarts Geburtshaus und im Foyer des Großen Festspielhauses werden weitere themenspezifische Ausstellungen gezeigt.

 

Sieger des Wettbewerbs «chiffren – musik neu entdecken» stehen fest

Am Ende siegten ein Trio und ein Solist: Caroline Beckmann (10 Jahre), Julius Schilling (11) und Alexander Leuschner (11) gewannen den ersten Preis beim diesjährigen Wettbewerb «chiffren». Sie überzeugten die Jury mit dem «Jet-Set-Trio in 3 Minuten» für Klavier, Violine und Violoncello von Helmut Schmidinger. Der zwanzigjährige Hauke Siewertsen wurde für seine Darbietung des Stückes «Mini-Music to Siegfried Palm» von Hans Ulrich Engelmann ausgezeichnet. Die Musiker waren wie ihre Kontrahenten von einer Jury des Wettbewerbs «Jugend musiziert» für das Finale des Nachwuchskontests nominiert worden.

 

Carl St. Clair verlässt Komische Oper Berlin

Haben es die Spatzen von den Dächern gepfiffen? Nun, ein leises Zwitschern war vernehmbar. Dass es aber so schlecht um die Partnerschaft zwischen Carl St. Clair und Andreas Homoki, dem Intendanten der Komischen Oper, stehen würde, war nicht zu erwarten. Nun aber ist es amtlich: Der amerikanische Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin verlässt das Haus noch vor Ablauf seines Vertrags zum Ende der laufenden Saison. Als Hintergrund nannten St. Clair und Homoki, wie es den Usancen des Betriebens entspricht, «künstlerische Differenzen». Zum Nachfolger St. Clairs (aber nur als Chefdirigent) bestimmte Homoki Patrick Lange, der seit zwei Spielzeiten Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin ist und seither ein beachtliche internationale Karriere verfolgt.

 

Giulietta Simionato gestorben

Verglichen mit der Karriere von Giulietta Simionato nimmt sich der Aufstieg dieses jungen Dirigenten vergleichsweise bescheiden aus. Obwohl die italienische Mezzosopranistin bereits 1966 ihre Opernkarriere beendete, ist sie noch heute in aller Munde, wenn es darum geht, die Liste der glanzvollen Sängerinnen des 20. Jahrhunderts durchzudeklinieren. 1935 debütierte Giulietta Simionato in Florenz, schon ein Jahr später stand sie auf der Bühne der Mailänder Scala, als eines der Blumenmädchen im «Parsifal». Und schon in dieser Partie wurde deutlich, wie mächtig ihre Stimme war. So reüssierte sie bald darauf mit dramatischen Mezzopartien à la Amneris, Eboli oder Acuzena. Aber auch die für Rossini unabdingbare Leichtigkeit und die für das französischer Repertoire hilfreiche lyrische Tönung besaß die Simionato. Kein Wunder, dass die Großen der Dirigentenzunft sie baten, mit ihnen zusammenzuarbeiten: Arturo Toscanini ebenso wie Bruno Walter, Victor de Sabata ebenso wie Herbert von Karajan. Am 6. Mai ist Giulietta Simionato gestorben, kurz vor ihrem 100. Geburtstag (siehe auch OW 05/2010).

 

Bach-Medaille für Philippe Herreweghe

Der Dirigent und weltweit gefeierte Bach-Interpret Philippe Herreweghe erhält dieses Jahr die Bach-Medaille der Stadt Leipzig. Ausgezeichnet wird der Leiter des Collegium Vocale Gent im Rahmen des Bach-Festes Leipzig in Anerkennung der besonderen Verdienste um die Pflege des Werkes von Johann Sebastian Bach.

 

Kooperation zwischen Staatstheater Braunschweig und Münchener Biennale

Nach 1994 kommt es nun zum zweiten Mal zu einer künstlerischen Kooperation zwischen dem Staatstheater Braunschweig und der Münchener Biennale. Die junge Komponistin Eunyoung Kim und die Librettistin und Regisseurin Yona Kim schreiben ein gemeinsames Auftragswerk für die beiden beteiligten Kunstinstitutionen. Erarbeitet wird das Opus in Braunschweig, seine Uraufführung erlebt es am 12. Mai 2012 beim Festival für modernes Musiktheater in München. Der Titel des Werks lautet «Mama Dolorosa»; es spielt in einem belebten Stadtteil von Seoul und erzählt die Geschichte des verzweifelten Kinderwunsches einer Frau.

 

Berliner Chöre erfolgreich beim 8. Deutschen Chorwettbewerb

Vier Berliner Chöre haben beim 8. Deutschen Chorwettbewerb des Deutschen Musikrates Preise gewonnen. Sowohl der JazzPop-Chor «Fabulous Fridays» als auch der Männerchor des Staats- und Domchores errangen in ihren Kategorien zweite Preise. Zwei dritte Preise gingen an den Kammerchor «Ensemberlino Vocale» und an den gemischten Chor «Cantus Domus».

 

Kiri Te Kanawa wird ausgezeichnet und protestiert gegen britische Visabestimmungen

Die neuseeländische Sopranistin Kiri Te Kanawa ist für ihr Lebenswerk in London mit dem diesjährigen Classical Brit Award geehrt worden. Die Künstlerin, die ihre Opernkarriere beendet hat und nur noch als Konzertsängerin auftritt, nutzte die Gelegenheit, um die britische Visa-Politik zu kritisieren. Aufgrund der hohen bürokratischen Hürden sei es australischen und neuseeländischen Musikern kaum möglich, in Großbritannien aufzutreten, monierte Frau Te Kanawa.

 

MusikTriennale zählt 50 000 Besucher

Besuchertechnisch war die MusikTriennale in Köln ein voller Erfolg.  Insgesamt kamen rund 50000 Besucher zu den Veranstaltungen des Festivals. Den Löwenanteil sichert sich mit 21000 Zuhörer die Kölner Philharmonie; darunter waren 13000 Eltern und Kinder, die den Kindertag des Hauses besuchten. Ein weiterer Publikumsmagnet war die Uraufführung von Karlheinz Stockhausens Zyklus «Klang» mit 1000 Gästen.

 

Ärger in Los Angeles wegen Achim Freyers «Ring»-Konzept

Man hätte es wissen können: Wo Achim Freyer inszeniert, gibt es Protest seitens der Sänger. So nun in Los Angeles: Der britische Tenor John Treleaven, Darsteller des Siegfried, und die amerikanische Sopranistin Linda Watson, Darstellerin der Brünnhilde, haben sich öffentlich über Freyers «Ring»-Inszenierung beklagt. Diese sei künstlerisch misslungen und physisch gefährlich. Laut einem Bericht der «Los Angeles Times» monieren die Sänger, sie würden gezwungen, überdimensionierte Kostüme und Masken zu tragen, die sie am Singen hinderten und sie unzumutbaren physischen Belastungen aussetzten. Zudem verhinderten die «Kostüm-Clownerien» jegliche glaubhafte Entwicklung der Figuren. Die Oper verteidigte Freyers Konzept: Die psychologische Dimension werde in «andere Formen des Ausdrucks» verlagert.

 

Tschechische Philharmonie verklagt Kulturminister

Empörung auch in Prag. Das Tschechische Philharmonische Orchester hat den Kulturminister des Landes, Vaclav Riedlbauch, verklagt und ist während eines Konzertes in Streik getreten. Die Proteste richteten sich einmal gegen die finanzielle Misswirtschaft und die damit bedrohte Existenz des Orchesters, aber auch gegen die Entlassung des Orchesterdirektors Vladimir Darjanin durch den Minister, der sinnigerweise diesen Posten zuvor selbst bekleidet hatte. Eine Untersuchung hatte ergeben, dass während Riedlbauchs Amtszeit beim Orchester umgerechnet rund drei Millionen Euro ausgegeben anstatt, wie vorgesehen, als Rücklagen verwendet wurden.

 

Salzburgs Politik unterstützt Osterfestspiel-GmbH

Der Salzburger Gemeinderat gibt grünes Licht für die Neukonstruktion der Osterfestspiele. Mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP wurde der Beitritt der Stadt als Gesellschafterin zur Osterfestspiele GmbH beschlossen. Des Weiteren wurde vereinbart, die Untersuchungen im Zusammenhang mit Finanzdelikten zum Nachteil der Festspiele auszuweiten, bis die Causa abschließend geklärt ist. Im Verdacht stehen nun auch der kaufmännische Direktor der Salzburger Festspiele, Gerbert Schwaighofer, und eine hochrangige Mitarbeiterin der Salzburger Festspiele sowie ein geschäftsführender Gesellschafter einer Multimedia-Firma.

 

Neues Leitungsteam bei den Göttinger Händel-Festspielen

Die soeben feierlich eröffneten internationalen Händel-Festspiele starten mit einem neuen Leitungsteam in die Festspielsaison 2010/11. Geschäftsführender Intendant des Festivals und damit Nachfolger von Benedikt Poensgen wird ab Juli der Orchestermanager Hermann Baumann. Ab Juli 2011 übernimmt dann der britische Dirigent und Cembalist Laurence Cummings die künstlerische Leitung des Festivals. Er folgt auf Nicholas McGegan. Weitere Informationen sowie das Programnm der Händel-Festspiele in Göttingen gibt es unter www.haendel-festspiele.de.

 

Keith Warner wird Künstlerischer Direktor der Royal Danish Opera

Einen Amtswechsel gibt es auch in Kopenhagen. Ab August 2011 übernimmt Keith Warner die Künstlerische Leitung der Königlich Dänischen Oper. Ab Juni dieses Jahres wird der britische Regisseur bereits beratend auf die Geschicke des Opernhauses einwirken.

 

Gema bricht Verhandlungen mit YouTube ab

Ob das eine gute Nachricht ist? Wohl eher nicht: Die Verhandlungen zwischen dem populären Internet-Videoportal YouTube und der deutschen Verwertungsgesellschaft für Musikurheberrechte Gema treten auf der Stelle. Vor gut einem Jahr hatte die Google-Tochter YouTube begonnen, Musikvideos zu sperren, weil die Verlängerung des ausgelaufenen Tantiemenvertrages nicht gelang und die Gema mit Bußgeldern drohte. Wenig später wurden die Gespräche wieder aufgenommen, aber – im Gegensatz zu Großbritannien, wo es eine Einigung zwischen YouTube und der zuständigen Rechteverwertungsgesellschaft PRS gab – bis heute ergebnislos. Nun hat die in München ansässige Gema die Verhandlungen ausgesetzt, weil man, so ein Sprecher, kein für beide Seiten akzeptables Ergebnis habe erzielen können.

 

James Conlon ausgezeichnet

Nicht ganz so weit oben, aber doch leicht erhöht darf von nun an James Conlon in die (musikalische) Welt blicken. Im Rahmen des Mai-Festivals in Cincinnati wurde der amerikanische Dirigent und Musikchef der Los Angeles Opera in die «American Classical Music Hall of Fame» eingeführt und in Anerkennung seiner Verdienst um die klassische amerikanische Musik mit der entsprechenden Medaille geschmückt. Wir gratulieren herzlich.


Young Singers Project bei den Salzburger Festspielen

So funktioniert gute Nachwuchsförderung: Als Resultat des letztjährigen «Young Singers Project» bei den Salzburger Festspielen werden bereits zu Pfingsten zwei Absolventen in einer Aufführung von Mozarts «Betulia liberata» unter der Leitung von Riccardo Muti zu hören sein: die junge russische Mezzosopranistin Alisa Kolosova und der argentinische Bass Nahuel di Pierro. Im Sommer wird das Young Singers Project wieder Teil der Festspiele sein. Mit Marjana Lipsovsek konnte eine prominente Künstlerin gewonnen werden, die das Projekt verantwortlich betreut.

 

Regisseur Peter Brenner wird 80

Studiert hat er in Wien, an der Akademie für Musik und ebenso an der Universität. Mit der Folge, dass er gleich zwei Examen ablegte; eines in Musik, eines in Jura. Bald darauf entschied sich Peter Brenner aber für die klingende Kunst. Bei den Salzburger Festspielen wurde er 1964 Assistent von Günther Rennert, ab 1965 war er vier Jahre lang Abendspielleiter an der Deutschen Oper am Rhein. In gleicher Position wirkte er an den Theatern von Freiburg und Bremen, bevor er Intendant in Darmstadt und Mainz wurde und auch als Dozent an verschiedenen Musikhochschulen sein Wissen weiterleitete. Seine Berufung war die Regie; was wiederum wenig verwundert, wenn man weiß, dass er der zweite Sohn von Walter Felsenstein war. Gast-Inszenierungen führten ihn an die Bayerische Staatsoper, nach Hamburg, San Francisco und Köln, ans Opernhaus Zürich und nach Hannover. Zur Eröffnung der Salzburger Osterfestspiele inszenierte Brenner 1988 Mozarts «La clemenza di Tito», zwei Jahre später an gleicher Stelle Beethovens «Fidelio». Seine musikalischen Partner waren unter anderem Riccardo Muti, Wolfgang Sawallisch, Christian Thielemann, Sir Colin Davis, Horst Stein und Peter Schneider. Am 8. Mai feiert Peter Brenner seinen 80. Geburtstag. Dazu herzlichen Glückwunsch.

 

Diana Damrau sagt Auftritte ab

Wie die Oper in Washington mitteilte, hat die Sopranistin Diana Damrau sämtliche Auftritte als Ophelia abgesagt. Der Grund ist ein durch und durch schöner, man bezeichnet ihn gern mit dem Begriff «in anderen Umständen». Und Sorgen machen muss man sich um diese fabulöse Stimme ebenfalls nicht. Schon Anna Netrebko hat soeben erst bei ihrem Auftritt als Micaëla in der Wiener «Carmen» bewiesen, dass nach einer Babypause die Stimme noch wärmer klingen kann als zuvor.

 

Hintergründe für Zinmans Abschied von Aspen

Gar nicht schön sind, glaubt man den Medienberichten, die Umstände des abrupten Abgangs des Dirigenten David Zinman als Leiter des Aspen Music Festivals. Laut einem Bericht der gut informierten «Aspen Times» divergierten die Vorstellungen Zinmans und des Geschäftsführers Alan Fletcher derart drastisch, dass der Dirigent keinen anderen Ausweg sah, als zu demissionieren. Er wolle, so Zinman wörtlich, nicht «in einer Atmosphäre von Anspannung, Unsicherheit und mangelndem Respekt» weiterarbeiten.

 

Franz Bauer-Theussl gestorben

Im Alter von 81 Jahren ist am 30. April der österreichische Dirigent Franz Bauer-Theussl gestorben. Das Ehrenmitglied der Volksoper Wien war Mitbegründer der Seefestspiele Mörbisch und wirkte in den sechziger Jahren als Generalmusikdirektor an der Oper in Amsterdam. Sein Debüt hatte Bauer-Theussl 1957 an der Wiener Volksoper mit Lehárs «Das Land des Lächelns» gegeben. In den Folgejahren dirigierte er zahlreiche weitere Operetten, aber auch Werke wie «Tiefland», «Hoffmanns Erzählungen» oder «Die verkaufte Braut». Nach seiner Amsterdamer Zeit leitete der Dirigent ab 1969 das Wiener Johann-Strauß-Orchester.

 

Éva Illés gestorben

Ebenfalls mit 81 Jahren ist am 28. April die ungarische Sopranistin Éva Illés gestorben. Sie wurde in Budapest geboren und erhielt ihr erstes Engagement am Nationaltheater Pécs in Südwest-Ungarn. Dort sang sie bereits Partien wie Gilda und Violetta sowie die Titelrollen in Puccinis «Madama Butterfly» und «Lady Macbeth von Mzensk». Ende der sechziger Jahre verließ Éva Illés ihre Heimat und sang unter anderem die «Holländer»-Senta, die «Lohengrin»-Elsa und die «Tannhäuser»-Elisabeth, ebenso Ortrud und Puccinis Turandot. Nach Engagements in Regensburg und Freiburg war sie von 1971 bis 1975 Mitglied des Opernhauses von Zürich sowie von 1974 bis 1981 im Ensemble der Staatsoper Hannover. Gastspiele führten die Künstlerin an die Opernhäuser von London, Barcelona und an die Wiener Staatsoper. Als ihre Paraderollen bezeichnete sie selbst Tosca, die Strauss’sche Ariadne und die «Fidelio»-Leonore. Nach Beendigung ihrer aktiven Laufbahn wirkte Éva Illés als Lehrerin an der Universität Mozarteum Salzburg.

Manfred Angerer gestorben

Der Musikwissenschaftler Manfred Angerer ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Nach seinem Studium in Wien (Klavier, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie) promovierte er 1979 mit einer Studie über Skrjabins Spätwerk. Danach wirkte Angerer als Redakteur der Österreichischen Musikzeitschrift und als Lektor; 1981 wurde er Assistent von Walter Pass am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Wien. 1990 habilitierte er sich mit einer Arbeit über Joseph Haydn und wirkte dann als Professor an diesem Institut.

 

Anton Knüsel gestorben

Im Alter von 86 Jahren ist der Schweizer Chorleiter Anton Knüsel gestorben. Er studierte an der Kirchenmusikschule und am Konservatorium von Luzern und war danach von 1952 bis 1991 Studienleiter, Chordirektor und Kapellmeister am Stadttheater Bern. Zudem wirkte er als Leiter des Oratorienchors der Stadt Bern und als Lehrer am dortigen Konservatorium.

 

Arthur Winograd ist tot

Arthur Winograd, eines der Gründungsmitglieder des legendären Juilliard String Quartet, ist am 26. April, dem Tag seines 90. Geburtstags, gestorben. Winograd studierte am New England Conservatory und am Curtis Institute und war der erste Cellist des 1946 formierten Streichquartetts.  Zehn Jahre später verließ er die Juilliards, um eine Karriere als Dirigent zu verfolgen. Zwischen 1960 und 1964 war er Musikalischer Leiter der Birmingham Symphony in Alabama, von 1965 zwanzig Jahre lang in gleicher Position beim Hartford Symphony Orchestra tätig. Nach seinem Rückzug aus dem Konzertleben unterrichtete Winograd an der Hart School der Universität von Hartford das Fach Kammermusik.

Royal Opera House London stellt Saisonpläne vor

Das Royal Opera House London plant für die kommende Spielzeit acht Weltpremieren sowie zwei England-Premieren. Darunter finden sich eine neue Oper von Mark-Anthony Turnage mit dem Titel «Anna Nicole» sowie ein neues Werk des britischen Komponisten Alexander Goehr mit dem Titel «Promised End» auf Shakespeares «King Lear». Vom schottischen Komponisten James MacMillan steht die Oper «Parthenogenesis» auf dem Programm, Premiere ist im Mai 2011. Weitere Werke im Spielplan 2010/11 sind unter anderem Agostino Steffanis «Niobe» (eine Übernahme aus Schwetzingen mit Thomas Hengelbrock und dem Balthasar-Neumann-Ensemble), Francesco Cileas «Adriana Lecouvreur» mit Angela Gheorghiu in der Titelrolle, Wagners «Tannhäuser» sowie Massenets «Cendrillon» (die Titelpartie singt hier Joyce DiDonato).

 

English National Opera mit vielfältigem Programm

Ebenso ansprechend gibt sich das Programm des zweiten großen Londoner Opernhauses. Gleich zur Eröffnung präsentiert die English National Opera in einer Koproduktion mit der New Yorker Met Gounods Meisterwerk «Faust», Des MacAnuff führt Regie, Edward Gardner hat die musikalische Leitung. Weitere Premieren sind Händels «Radamisto» (Inszenierung: David Alden, musikalische Leitung: Laurence Cummings), Mozarts «Don Giovanni» (Rufus Norris, Kirill Karabis), «Lucrezia Borgia» von Donizetti (Mike Finnis, Paul Daniel), Monteverdis «Ulisse» (Benedict Andrews, Jonathan Cohen), «La Damnation de Faust» von Berlioz (Terry Gillam, Edward Gardner), Brittens «A Midsummer Night’s Dream» (Christopher Alden, Leo Hussain), «Simon Boccanegra» von Verdi (Dmitri Tscherniakov, Edward Gardner) und die Uraufführung einer neuen Oper von Nico Muhly sowie die englische Erstaufführung von Alexander Raskatovs Musiktheater «A Dog’s Heart» (Simon McBurney, Garry Walker)

 

Letzte Spielzeit von Kirsten Harms and der Deutschen Oper Berlin

In ihrer letzten Spielzeit als Intendantin der Deutschen Oper Berlin setzt Kirsten Harms die Strauss-Reihe mit ihrer Inszenierung von dessen Oper «Die Liebe der Danae» fort. Am Pult steht Andrew Litton. Der Generalmusikdirektor des Hauses, Donald Runnicles, dirigiert die Premieren von «Les Troyens» (Inszenierung: David Pountney) und «Tristan und Isolde» in der Regie von Graham Vick. Weitere Neuproduktionen in der Berliner Bismarckstraße sind Francesco Cileas «Adriana Lecouvreur» (konzertant), ein neuer «Don Giovanni» (Roland Schwab, Roberto Abbado), als Koproduktion mit dem Grand Théâtre de Genève «Samson und Dalila» (Patrick Kinmonth, Alain Altinoglu) sowie Verdis «Macbeth» in der Inszenierung von Robert Carsen und unter musikalischer Leitung von Maurizio Benini. Wirtschaftlich ist die Deutsche Oper Berlin gegenwärtig gut aufgestellt: Bei einer Auslastung von 77,5 Prozent und rund 185 000 Besuchern werde das Haus voraussichtlich einen Rekord bei den Eigeneinnahmen erzielen, erklärte Kirsten Harms.

 

Oper Leipzig setzt Gluck-Zyklus fort

An der Oper Leipzig rückt (sich) Chefregisseur Peter Konwitschny mehr und mehr ins Rampenlicht. Die kommende Spielzeit bringt unter anderem die Fortsetzung seines Gluck-Zyklus – mit «Iphigenie in Aulis». Auch Mozarts «Così fan tutte« und die Strauss’sche «Elektra» übernimmt Konwitschny selbst. Weitere Neuproduktionen sind Wagners «Meistersinger von Nürnberg» (Axel Kober, Jochen Biganzoli), Humperdincks «Hänsel und Gretel» (Ulf Schirmer, Birgit Eckenweber), die erste szenische Aufführung des «Deutschen Miserere» von Brecht und Dessau, die Märchenoper «Die arabische Prinzessin» sowie Wagners «Walküre».

 

Wagner und Nono in Hannover

In seiner fünften Spielzeit als Intendant der Staatsoper Hannover präsentiert Michael Klügl sieben Opernpremieren. Zum Saisonauftakt inszeniert Benedikt von Peter Nonos Musiktheater «Intolleranza», das erstmals in Hannover zu sehen ist; die musikalische Leitung liegt in den Händen von Stefan Klingele. Barrie Kosky vollendet seinen «Ring» mit «Siegfried» und «Götterdämmerung»; sein Partner ist der demnächst scheidende GMD Wolfgang Bozic. Ingo Kerkhof inszeniert «Die Entführung aus dem Serail». Der neue Erste Kapellmeister Ivan Repusic gibt hier am Pult sein Debüt und wird auch die Premiere von Verdis «Falstaff» in der Regie von Oliver Tambosi leiten. Sein Vorgänger Lutz de Veer, der nach neun Jahren als Generalmusikdirektor ans Theater Plauen-Zwickau wechseln wird, dirigiert die Premiere von Prokofjews Oper «Die Liebe zu den drei Orangen». Regie führt hier Balász Kovalik. Die siebte Opernpremiere in Hannover ist eine konzertante: Die designierte Generalmusikdirektorin Karen Kamensek dirigiert Donizettis «La Fille du Régiment». Damit aber nicht genug: Mit Alexandra Holtschs Bearbeitung der «Beggar’s Opera» in der Inszenierung von Dagmar Schlingmann, bei der Jugendliche aus Hannover auf der Bühne stehen werden, wird Anfang November im Ballhof die Sparte «Junge Oper» gegründet. Die Leitung übernimmt Dramaturgin Dorothea Hartmann. Zwei weitere Premieren sind hier geplant: die Kinderoper «Die Schneekönigin» von Daan Maneke und, als Uraufführung, das Musiktheater «Freunde!» von Peter Androsch.

 

Aufwind in Saarbrücken

26 Premieren präsentiert das Saarländische Staatstheater Saarbrücken in der Spielzeit 2010/11, davon sind  sieben Neuproduktionen am Dreispartenhaus der Oper vorbehalten. Im Programm finden sich Puccinis «Turandot», Offenbachs «Schöne Helena», «Phaeton» von Jean-Baptiste Lully, der «Fidelio», Rossinis «La Cenerentola», die deutsche Erstaufführung von Michel van der Aas Pessoa-Musiktheater «Das Buch der Unruhe» sowie, als Uraufführung in der Reihe «echtzeit», «Der Cid» von Théodore Gouvy.

 

Ausstellung im Händel-Haus Halle

Bis zum 30. Dezember ist im Händel-Haus in Halle (Saale) die Ausstellung «Menschenbilder bei Johann Mattheson» zu sehen. In zwei Räumen erhalten die Besucher Informationen über eines der ältesten Lexika der Welt: die anno 1740 von Mattheson verfasste «Ehrenpforte», darin der Publizist Mattheson rund 150 wichtigen Persönlichkeiten seiner Zeit ein literarisches Denkmal setzt.  Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es im Internet unter der Adresse www.haendel-haus.de

Dmitri Jurowski – neuer Musikchef in Antwerpen

Neuer Chefdirigent der Flämischen Oper in Antwerpen und Gent wird Dmitri Jurowski. Er wird das Amt zum 1. Januar 2011 antreten und damit Ivan Törsz beerben, der das Haus bereits Ende 2008 verließ. Jurowski ist der jüngste Spross einer russischen Musikerfamilie: Michael Jurowski ist sein Vater, Vladimir Jurowski (Glyndebourne) sein Bruder.

 

Gala für Ioan Holender

Am 26. Juni 2010 feiert die Wiener Staatsoper ihren scheidenden Intendanten Ioan Holender mit einer Benefizveranstaltung zugunsten der Concordia Sozialprojekte in Moldawien. Dabei werden Ausschnitte aus rund 40 der insgesamt 97 Premierenproduktionen der Direktionszeit von Holender präsentiert. Unter den Künstlern wirken mit: Plácido Domingo, Siegfried Jerusalem, Thomas Quasthoff, Soile Isokoski, Thomas Hampson, Fabio Luisi, Diana Damrau, Thomas Moser, Leo Nucci, Angelika Kichschlager, Franz Welser-Möst, Michael Schade, Zubin Mehta, Angela Denoke, José Cura, Violeta Urmana, Antonio Pappano, Waltraud Meier, Johan Botha, Simone Young, Anna Netrebko, Ferruccio Furlanetto, Krassimira Stoyanova, der Solotänzer Vladimir Malakhov und viele andere.

 

Nino Sandow als Professur an die «Hanns Eisler»-Hochschule berufen

Nino Sandow ist zum Sommersemester 2010 als Professor für szenischen Unterricht im Bereich Musiktheater-Regie an die Hochschule für Musik Hanns Eisler berufen worden. Der gebürtige Berliner studierte selbst Operngesang und absolvierte ein Grundlagenstudium an der renommierten Schauspielschule «Ernst Busch» sowie das Fach «Regie» an der Hanns Eisler. Sandow inszenierte unter anderem am Berliner Ensemble und im Saalbau Neukölln, Gastspiele führten ihn in mehrere europäische Städte sowie in die USA.

 

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin sucht Entscheidung

Bis zum Sommer will das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin einen Nachfolger für den aus dem Amt scheidenden Chefdirigenten Ingo Metzmacher präsentieren. Erster Kandidat ist der ossetische Dirigent Tugan Sokhiev, Chefdirigent des Orchestre National du Capitole de Toulouse.

 

Christoph Schlingensief bespielt Deutschen Pavillon in Venedig

Erst kürzlich hat er sein auf Luigi Nonos Musiktheater «Intolleranza 1960» fußendes Projekt «Via Intolleranza II» in Brüssel und Hamburg präsentiert. Nun ist Christoph Schlingensief eingeladen worden, den deutschen Pavillon bei der Biennale 2011 in Venedig zu bespielen. Der Regisseur und Filmemacher war dort bereits 2003 mit seiner «Church of Fear» in Erscheinung getreten.

 

Oper und Schauspielhaus in Köln werden weiter genutzt

Nach längeren Auseinandersetzungen und eingehender Prüfung haben sich  die Bühnen der Stadt Köln dazu entschieden, sowohl die Oper als auch das Schauspielhaus in der kommenden Saison als Spielstätten zu nutzen. Jedoch werden die Werkstätten und Lager im Opernhaus wie geplant in der Sommerpause geräumt, sie beziehen in der Spielzeit 2010/11 ihren neuen Standort im Kölner Schanzenviertel. Der Rat der Stadt Köln hatte zuvor beschlossen, dass die Sanierungsarbeiten in beiden Musentempeln nicht vor dem Sommer 2011 beginnen werden.

 

Sylvain Cambreling wird Musikchef an der Stuttgarter Staatsoper

Sylvain Cambreling wird ab der Spielzeit 2012/13 die musikalische Leitung der Staatsoper Stuttgart übernehmen und tritt damit die Nachfolge von Manfred Honeck an. Damit wurde ein Wunsch des designierten Intendanten Jossi Wieler Wirklichkeit. Bereits in der Eröffnungsspielzeit Wielers 2011/12 werden der Intendant und sein Chefdramaturg mit Cambreling zusammenarbeiten und gemeinsam eine Neuproduktion stemmen.

 

Francois Xavier Roth wird Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters

Francois Xavier Roth wird neuer Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. Der 1971 in Frankreich geborene Musiker tritt zur Spielzeit 2011/12 die Nachfolge von Sylvain Cambreling an, der an die Stuttgarter Staatsoper wechselt. Mit seinen visionären Ideen werde Roth das Profil des Klangkörpers weiter schärfen, erklärte der Intendant des Südwestdeutschen Rundfunks, Peter Boudgoust.

 

Rekordergebnis beim Heidelberger Frühling

Mit einem Rekordergebnis endete der diesjährige Heidelberger Frühling. Mehr als 31 000 Zuschauer besuchten die 14. Saison des Internationalen Musikfestivals. Das sind 6000 mehr als im Vorjahr.

 

Bonn erhält kein neues Festspielhaus

Die ehemalige bundesdeutsche Haupstadt Bonn wird vorerst kein Beethoven-Festspielhaus erhalten. Deutsche Post, Telekom, Postbank sowie die Stadt selbst nahmen von entsprechenden Plänen vorerst Abstand. Der Neubau hätte rund 75 Millionen Euro gekostet. Für die jährlichen Betriebskosten von etwa fünf Millionen Euro hätte eine Stiftung aufkommen sollen.

 

Verträge von Simon Halsey und Hans-Christoph Rademann verlängert

Die Chefdirigenten der beiden Chöre in der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH (ROC),  Simon Halsey und Hans-Christoph Rademann, haben ihre Verträge verlängert. Halseys Vertrag als Chef des Rundfunkchors wurde um fünf Jahre bis 2016 verlängert, Rademann tritt als Leiter des RIAS Kammerchors seine zweite Amtszeit 2011 für vier Jahre an.

 

Stadttheater Trier mit vielfältigem Programm

Am Stadttheater Trier wird es in der kommenden Spielzeit sechs Musiktheaterpremieren geben.

Eröffnet wird die Saison mit Verdis «Macbeth», einer Koproduktion mit dem Opéra-Théâtre de Metz. Es folgen die Lehár-Operette «Der Graf von Luxemburg», «Lakmé» von Léo Delibes, das Musical «My Fair Lady» von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner, die deutsche Erstaufführung der Oper «The Voyage» von Philip Glass sowie, in der Reihe «Extratheater», die Oper «Trouble in Tahiti» von Leonard Bernstein.

 

Alois Seidlmeier geht nach Mannheim

Ab der kommenden Spielzeit wird Alois Seidlmeier, derzeit Generalmusikdirektor am Landestheater Coburg, Erster Kapellmeister und Stellvertreter von Generalmusikdirektor Dan Ettinger am Nationaltheater Mannheim. Seidlmeier studierte an der Hochschule für Musik in Würzburg Gesang und Dirigieren und wurde noch während des Studiums als Solorepetitor an das Stadttheater Würzburg berufen. In Coburg arbeitet er seit der Spielzeit 2001/2002.

 

Bolschoi Theater erhält prunkvolle historische Fassade

Das Moskauer Bolschoi Theater, das, wie berichtet, nach etlichen Verzögerungen nunmehr im Oktober 2011 wiedereröffnet werden soll, hat seine historische Prunkfassade wiedererhalten. Das Säulenportal sei so hergestellt, wie es der russisch-italienische Architekt Alberto Calvos anno 1856 entworfen habe, teilte ein Sprecher des Hauses mit. Das Bolschoi ist seit 2005 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, die Kosten werden auf rund 330 Millionen Euro geschätzt.

 

Kurt Masur geehrt

Der Dirigent Kurt Masur ist mit der Berliner Urania-Medaille geehrt worden. Der 82-Jährige erhielt die Auszeichnung für seine «besonderen Verdienste für Demokratie und Freiheit in Deutschland und für sein außerordentliches künstlerisches Lebenswerk», teilte die Urania mit.

 

Deutsche Orchestervereinigung sieht Berliner Orchester und Chöre bedroht

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) befürchtet eine erhebliche Gefährdung der vier Klangkörper, die unter dem Dach der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH musizieren. Grund für die Sorge ist der Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages, der neben dem DeutschlandRadio, dem Land Berlin und dem rbb Gesellschafter der ROC ist, die bereits zugesagten Zuschusserhöhungen von zwei Millionen Euro vorerst zu sperren. Schon jetzt führe die unzureichende finanzielle Ausstattung der Klangkörper dazu, dass diese im bundesdeutschen Vergleich mit gleichrangigen Ensembles nicht mehr konkurrenzfähig seien, monierte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens. Die Sperre sei ein «ärgerlicher Betriebsunfall» und müsse im Eilverfahren aufgehoben werden, sagte Mertens. Dessen ungeachtet hat das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin seine Spielzeit 2010/11 präsentiert: Im Mittelpunkt steht der Auftakt zum Wagner-Zyklus, in dessen Rahmen bis 2013 die zehn bedeutenden Opern von Richard Wagner konzertant zur Aufführung gelangen.

 

Isabel Mundry ausgezeichnet

Die Komponistin Isabel Mundry erhält den Heidelberger Künstlerinnenpreis 2011. Die Auszeichnung zählt zu den wichtigsten Kulturpreisen des Landes und ist weltweit der einzige Preis, der nur an Komponistinnen vergeben wird.

 

Oper Frankfurt stellt Jahresprogramm vor

Insgesamt 13 Premieren präsentiert die Oper Frankfurt in der kommenden Spielzeit. Davon entfallen acht Neuinszenierungen auf das Opernhaus, drei Produktionen sind in der Spielstätte Bockenheimer Depot zu sehen, hinzu kommen zwei konzertante Opernaufführungen. Den Auftakt bildet die deutsche Erstaufführung von Aribert Reimanns «Medea» in der Regie von Marc Arturo Marelli und unter musikalischer Leitung von Erik Nielsen; es folgt die Neuinszenierung von Offenbachs «Hoffmanns Erzählungen» (Dale Duesing, Roland Böer). Generalmusikdirektor Sebastian Weigle und Vera Nemirova führen den soeben begonnenen Ring-Zyklus mit der «Walküre» fort, Barrie Kosky inszeniert den von Constantinos Carydis dirigierten Doppelabend «Dido and Aeneas»/«Herzog Blaubarts Burg». Andreas Kriegenburg führt Regie in Puccinis «Tosca»; die musikalische Leitung liegt hier in den Händen von Kirill Petrenko. Auch Christof Loy arbeitet wieder am Main. Er inszeniert «Die Fledermaus» (Musikalische Leitung: Sebastian Weigle).

 

Fabio Luisi wird Principal Guest Conductor an der Met

Fabio Luisi, kürzlich erst aus seinem Amt als Generalmusikdirektor der Staatsoper Dresden geschieden, wird ab der kommenden Spielzeit Principal Guest Conductor an der Metropolitan Opera von New York. Luisi, der sein Met-Debüt 2005 mit einem «Don Carlo» gab und seither öfter dort zu erleben war, soll dann «Ariadne auf Naxos» und «Rigoletto» dirigieren sowie mögliche Vakanzen, die durch die Rückenerkrankung von James Levine entstehen könnten, füllen. Nach Valery Gergiev ist der italienische Dirigent erst der zweite Principal Guest Conductor an der Met überhaupt.

 

Deutsche Oper am Rhein mit ausgewogenem Programm

Neun Opernproduktionen, darunter eine Oper für junges Publikum und eine Produktion des hauseigenen Opernstudios, gibt es in der Saison 2010/11 an der Deutschen Oper am Rhein. Den Auftakt macht – in Koproduktion mit der Vlaamse Opera Antwerpen – Puccinis «La Bohème» in der Inszenierung von Robert Carsen. Es folgen Francis Poulencs «Dialogues des Carmélites». Hier führt, wie auch im Fall der «Frau ohne Schatten», Guy Joosten Regie. Sabine Hartmannshenn bringt Henzes «Phaedra» auf die Bühne, Karoline Gruber setzt die Rameau-Reihe mit dessen Oper «Platée» fort. Immo Karaman inszeniert Brittens Musikdrama «Billy Budd», Nicolas Brieger zeichnet für Mozarts «Così fan tutte» verantwortlich. Für den Opernnachwuchs gibt es – auf den großen Bühnen der beiden Spielstätten Düsseldorf und Duisburg – die Premiere der Zauberoper «Der gestiefelte Kater» von Xavier Montsalvatge (Regie: Svenja Tiedt), das Opernstudio präsentiert Domenico Cimarosas Buffo-Oper «Il matrimonio segreto».

 

Musikfest Stuttgart widmet sich dem Thema «Nacht»

Vom 28. August bis zum 19. September widmet sich das Musikfest Stuttgart dem Thema «Nacht». Im Zentrum des Festivals stehen dabei die Aspekte «Träume und Märchen», «Schlafes Bruder» und «Liebe und Wahnsinn». Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.bachakademie.de

 

Große Ausstellung bei den Salzburger Festspielen

«Das Große Welttheater. 90 Jahre Salzburger Festspiele» ist der Titel einer Austellung in der Kunsthalle des Salzburg Museums, die vom 17. Juli bis zum 26. Oktober andauert und sich mit der Geschichte des renommierten Festivals befasst. Realisiert wird sie vom Museum in Kooperation mit den Salzburger Festspielen und der checkpointmedia AG. Anhand von Originalobjekten und Architektur wird eine multimediale Geschichtsschreibung versucht. Als Ausstellungsfläche eine sogenannte begehbare Enzyklopädie; ihre «Buchstaben» sind als Informationsstationen in der Stadt Salzburg verteilt. An bestimmten Orten, so etwa im Rupertinum, im Dommuseum, in Mozarts Geburtshaus oder im Foyer des Großen Festspielhauses, werden kleinere, themenspezifische Ausstellungen gezeigt.

 

Berliner Tempodrom will Philharmonie Konkurrrenz machen

Das Berliner Tempodrom soll künftig als Veranstaltungsort der Philharmonie im Tiergarten Konkurrenz machen. Das jedenfalls kündigte vollmundig der Großaktionär des neuen Besitzers, der Firma CTS Eventim AG, Klaus-Peter Schulenburg, in einer lokalen Zeitung mit. Mit seinen 3500 Plätzen sei das Tempodrom bei Konzerten, die diese Kapazität nutzen würden, besser geeignet als die Philharmonie, sagte er. Sein Engagement begründete er damit, dass Berlin neben Hamburg und München der interessanteste Live-Entertainment-Markt in Deutschland sei.

 

Erstmals eine Oper von Richard Wagner auf Gut Immling

Erstmals wird es beim traditionellen  Opernfestival Gut Immling im Chiemgau eine Oper von Richard Wagner geben. Verena von Kerssenbrock inszeniert den «Fliegenden Holländer», am Pult der Münchner Symphoniker steht Cornelia von Kerssenbrock. Sie wird auch die neue Produktion von Bizets «Carmen» (Regie: Tassilo Tesche) musikalisch betreuen. Passend dazu gibt es bei dem Festival, das vom 20. Juni bis zum 15. August andauert, eine «Spanische Nacht». Weitere Informationen zum Opernfestival auf Gut Immling gibt es unter der Internet-Adresse www.gut-immling.de

 

Rossinis Barbiere» auf Schloss Hallwyl

Beim Opernsommer auf Schloss Hallwyl steht dieses Jahr eine Neuproduktion von Rossinis Oper «Il barbiere di Siviglia» auf dem Programm.

 

Staatstheater Mainz stellt die Krise zur Debatte

«Krise als Chance?» – diese Frage steht im Fokus der nächsten Saison am Staatstheater Mainz. Zum Auftakt der Spielzeit inszeniert Sandra Leupold Wagners «Tannhäuser», die musikalische Leitung liegt in den Händen der Generalmusikdirektorin Catherine Rückwardt.

 

Gute Mischung am Staatstheater Braunschweig

In seiner ersten Saison als Intendant des Staatstheaters Braunschweig präsentiert Joachim Klement im Bereich Musiktheater neben den Klassikern «Die Fledermaus», «Don Giovanni» und «Falstaff» zwei außergewöhnliche Projekte: die Uraufführung des Stückes «der einfluss des menschen auf den mond» von Klaus Lang (Musik) und Klaus Händl (Text) sowie Neuproduktionen der selten gespielten Opern «Isabeau» von Mascagni und «Amadigi di Gaula» von Händel.

 

Theater Bielefeld steigert Besucherzahlen

Das Theater Bielefeld steuert in der laufenden Saison auf ein Rekordergebnis zu. Bis Ende April besuchten über 160 000 Gäste Aufführungen, das entspricht einer Steigerung von knapp elf Prozent. 

 

Richard-Strauss-Quellen gesucht

Das Richard-Strauss-Quellenverzeichnis im Richard-Strauss Institut Garmisch-Partenkirchen bittet um Mithilfe bei der Suche nach Quellen, die für das Verständnis der Werke des Komponisten nützlich sein können. Seit Oktober 2009 laufen am Institut die Arbeiten an dem Quellenverzeichnis, das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Ziel ist es, sämtliche weltweit erreichbaren Quellen zum Werk von Richard Strauss zu erschließen. Unter Strauss-Quellen werden insbesondere eigenhändiges Notenmaterial verstanden sowie Abschriften davon, Korrekturfahnen, Druck- bzw. Stichvorlagen, ferner Briefe und Postkarten von bzw. an Richard Strauss. Die so gewonnenen Daten sollen in einem musikwissenschaftlichen Internet-Fachportal als Datenbank veröffentlicht werden. Möglichkeit zur Kontaktaufnahme bietet die E-Mail-Adresse quellen-rsi@gapa.de.

 

Italiens Opernhäuser droht der Kollaps

Die Kulturvernichtungskampagne Silvio Berlusconis nimmt weiter Konturen an. Und so sind Italiens Opernhäuser erneut von einer schweren Krise betroffen. Grund ist der Eilbeschluss der Regierung, die Zuwendungen noch einmal zu senken. Laut italienischen Presseberichten gehen die Gewerkschaften von Lohneinbußen und einem engeren Spielraum für Verhandlungen aus. Betroffen ist insbesondere die Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom. Aber auch die Mailänder Scala zog bereits Konsequenzen: Die für den 13. Mai angekündigte Premiere der Wagner-Oper «Rheingold» wurde abgesagt. Und erst wenn das letzte Opernhaus geschlossen ist, werdet ihr merken, dass ohne Kultur der Mensch wieder zum Barbaren wird.

 

Garsington Opera hat neues Domizil

Die Garsington Opera hat ab 2011 offenbar ein neues Zuhause. Als künftiges Domizil hofft Rosalind Ingrams, Präsidentin der Garsington Opera, Wormsley Estate benennen zu können. Das Anwesen befindet sich im Besitz der Getty Familie. Zunächst einigte man sich auf eine Bespielung im Sommer 2011. Verhandlungen über eine weitere Nutzung sind im Gang.

 

Konzerthaus Dortmund präsentiert die «Tristan»-Inszenierung von Peter Sellars

Zum Auftakt der kommenden Saison, in der Esa-Pekka Salonen seine Zeit als Artist in Residence beginnt, präsentiert das Konzerthaus Dortmund eine Aufführung der «Tristan»-Inszenierung von Peter Sellars mit der Videoinstallation von Bill Viola. Bislang war diese Regiearbeit in Deutschland nicht zu sehen. Im Rahmen des «Zeitinsel»-Festivals wird unter der künstlerischen Federführung Iván Fischers mit dem Budapest Festival Orchestra zudem ein repräsentativer Ausschnitt aus dem Œuvre von Béla Bartók gezeigt. Im Mittelpunkt steht hierbei die konzertante Aufführung des Einakters «Herzog Blaubarts Burg».

 

Fonds Darstellende Künste fördert 45 Projekte

Das Kuratorium des »Fonds Darstellende Künste» fördert in diesem Jahr 45 Projekte freier Gruppen aus allen Sparten der darstellenden Künste mit einer Gesamtsumme von knapp 600 000 Euro. Zur Bewertung lagen dem mit Fachleuten besetzten Gremium insgesamt 284 Einzelprojektanträge und 34 Konzeptionsförderungen aus 79 Kommunen mit einem Antragsvolumen von 5,3 Millionen Euro vor.

 

Wagner-Verband ehrt Simone Young

Der Richard-Wagner-Verband Hamburg verleiht Simone Young die Ehrenmitgliedschaft. Seit 2005 ist die Australierin Intendantin und Generalmusikdirektorin  der Staatsoper Hamburg und hat hier seither zahlreiche Werke Richard Wagners dirigiert, darunter «Parsifal» und «Tristan und Isolde». Seit 2008 schmiedet sie gemeinsam mit Claus Guth und Christian Schmidt einen neuen Hamburger «Ring des Nibelungen», den sie im Oktober 2010 mit der «Götterdämmerung» vollendet.

 

Bundeswettbewerb Gesang

10 000 Euro beträgt der erste Preis des Regierenden Bürgermeisters von Berlin beim 39. Bundeswettbewerb Gesang Berlin. Der bedeutendste nationale Gesangswettbewerb Europas ist 2010 für Oper/Operette/Konzert ausgeschrieben. Insgesamt werden Preise in Höhe von rund 50 000 Euro vergeben. In der Jury sitzen unter anderem: Philip Bröking, Operndirektor der Komischen Oper Berlin, und Uwe Eric Laufenberg, Intendant der Oper Köln, Dirigent Lothar Zagrosek sowie ausgewählte Fachjournalisten und renommierte ehemalige Preisträger. Den Vorsitz hat Gerd Uecker, Intendant der Dresdner Semperoper. Teilnehmen können zwischen 1980 und 1993 geborene Talente mit deutscher Staatsangehörigkeit oder einem in Deutschland erworbenen deutschen Schulabschluss. Die Anmeldefrist läuft vom 1. Juni bis 1. September. Im Oktober finden bundesweite Vorauswahlen statt. Die öffentlichen Finalrunden schließen sich im November in Berlin an. Das Finalkonzert des Hauptwettbewerbs am 6. Dezember in der Komischen Oper Berlin wird von Roger Willemsen moderiert und von Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet. Medienpartner sind Deutschlandradio Kultur und die «Opernwelt». Das Preisträgerkonzert des Juniorwettbewerbs findet am 13. November im Foyer der Deutschen Oper Berlin statt. Anmeldung, Termine und weitere Informationen: www.bundeswettbewerbgesang.de

 

Competizione dell’Opera feiert Jubiläum

Der internationale Sängerwettstreit «Competizione dell’Opera» feiert 2010 sein zehnjähriges Jubiläum. Nach mehreren Vorsingen in Europa, Russland, Lateinamerika, den USA und Asien treffen sich die Vorrundensieger am 26. und 27. August zum Semifinale in den Landesbühnen in Dresden-Radebeul und am 29. August im Theater Bremen. Die zehn besten Sänger stehen dann im Finale. Dieses findet am 5. September in der Semperoper in Dresden statt. Karten für diese Gala gibt es direkt bei der Semperoper.

 

Gesangswettbewerb «Debut» lockt junge Künstler

Bis spätestens 30. Juni müssen sich alle Sängerinnen und Sänger, die am Europäischen Gesangswettbewerb «Debut» teilnehmen wollen, bewerben. Der Wettbewerb, der vom 26. September bis 2. Oktober in Weikersheim und Bad Mergentheim ausgetragen wird, ist mit 25 000 Euro dotiert und zugänglich für Nachwuchsängerinnen bis 32 und Nachwuchssänger bis 34 Jahren. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.debut.de

 

Gesangswettbewerb «Das Lied» in Berlin

Vom 23. bis zum 27. Februar 2011 findet der von Thomas Quasthoff initiierte Internationale Gesangswettbewerb «Das Lied» in Berlin statt. Neben hohen Geldpreisen, die als Stipendien vergeben werden, erhalten die Gewinner Auftrittsmöglichkeiten in bedeutenden Konzerthäusern. Auf dem Programm stehen 2011 Lieder von Johannes Brahms und Hugo Wolf. Die Ausschreibung läuft seit dem 1. Mai und bis zum 31. Oktober 2010. Ausführliche Informationen gibt es auf der Homepage www.das-lied.com

 

Susanna Phillips gewinnt Beverly Sills Artist Award

Die amerikanische Sopranistin Susanna Phillips hat den mit 50 000 Dollar dotierten diesjährigen Beverly Sills Artist Award gewonnen, der von der Metropolitan Opera in New York ausgerichtet wird. Die 28-jährige Sängerin überzeugte die Jury mit ihrer Interpretation der Musetta aus Puccinis «La Bohème» und der Pamina aus Mozarts «Zauberflöte».

 

Rebekah Camm siegt bei der «Lotte Lenya Competition»

Die Sopranistin Rebekah Camm aus Chicago hat den mit 15 000 Dollar dotierten ersten Preis bei der Lotte Lenya Competition gewonnen. Sie debütierte bereits 2005 als Micaëla in Bizets «Carmen» an der Houston Grand Opera und wird im Oktober die «Figaro»-Susanna in Los Angeles singen. Den zweiten Preis teilten sich unter den 15 Finalisten die New Yorker Mezzosopranistin Margaret Gawrysiak und der Berliner Bariton David Arnsberger. Beide erhielten jeweils 9000 Dollar.

 

Sonne, Singen und Siegen beim Wettbewerb «Stella Maris»

Unter der Leitung von Michael Schade steht der diesjährige Gesangswettbewerb «Stella Maris». Während einer Kreuzfahrt, die am 6. November in Istanbul startet und zehn Tage später in Akaba endet, entscheidet eine Jury über den begabtesten Nachwuchssänger. Die Reisegäste auf dem Schiff stimmen darüber ab, wer den Publikumspreis in Höhe von 15 000 Euro erhält. Weitere Informationen gibt es unter www.stella-maris.competition

 

Sonya Yoncheva und Stefan Pop gewinnen erste Preise bei «Placido Domingo´s Operalia 2010»

Die bulgarische Sopranistin Sonya Yoncheva und der rumänische Tenor Stefan Pop haben die ersten Preise beim Internationalen Gesangswettbewerb «Placido Domingo’s Operalia 2010» gewonnen und jeweils 30 000 US-Dollar Siegprämie eingestrichen. Das Finale fand in der Mailänder Scala statt. Zweite Preise und damit je 20 000 Dollar gingen an die italienische Sopranistin Rosa Feola (sie gewann auch den mit 10 000 Dollar dotierten Zarzuela Preis für Frauen «Pepita Plácido Domingo») ihren Landsmann, den Tenor Giordano Luca sowie den ukrainischen Bass Ievgen Orlov. Auf Rang drei kamen die russische Sopranistin Dinara Alieca und der südkoreanische Bass Chae Jun Lim; beide erhielten noch 10 000 Dollar. Den Zarzuela Preis für Männer «Don Plácido Domingo» und damit 10 000 Dollar gewann der amerikanische Tenor Nathaniel Peake, den «Operalia Birgit Nilsson Preis» (15 000 Dollar) sein Landsmann Ryan McKinny.

 


April 2010

 

Werner Schroeter ist tot

Der deutsche Film-, Opern- und Theaterregisseur Werner Schroeter erlag am 12. April einem schweren Krebsleiden. Schroeter, der noch vor Wochen an der Berliner Volksbühne das Stück «Quai West« von Bernard-Marie Koltès inszeniert hatte, starb kurz nach seinem 65. Geburtstag in Kassel. Bekannt geworden war er 1969 mit dem Opernfilm «Eika Katappa». Seine entscheidende Förderung erhielt er durch Peter Zadek zu Beginn der 1970er Jahre. Nach einer großen Karriere als Filmemacher, in deren Rahmen er unter anderem mit dem Streifen  «Palermo oder Wolfsburg» 1980 den Goldenen Bären der Berlinale gewann,  erwarb sich Schroeter auch als Opernregisseur einen internationalen Namen.

 

Gedenkfeier für Wolfgang Wagner

Freunde und Weggefährten haben am 11. April Abschied von Wolfgang Wagner genommen. Der langjährige Leiter der Bayreuther Festspiele war, wie berichtet, am 21. März im Alter von 90 Jahren gestorben. Bei einer Gedenkfeier im Festspielhaus würdigten Künstler und Politiker das Lebenswerk des Richard-Wagner-Enkels. Zu den Gästen gehörten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Auf dem Platz vor dem Festspielhaus verfolgten mehrere hundert Bürger der Stadt die Trauerfeier über Lautsprecher. Zum Festakt, bei dem neben Seehofer auch der Dirigent Christian Thielemann eine kurze Ansprache hielt, waren aus Platzgründen nur rund 1000 geladene Gäste zugelassen. Verschattet wurde die Gedenkfeier von der Absage von Wolfgang Wagners Sohn Gottfried und der Familie seines 1966 verstorbenen Bruders Wieland Wagner. Dessen Tochter Nike, Leiterin des Kunstfestes Weimar, zählte jahrelang zu den heftigsten Kritikern des Festspielchefs. Sie selbst, ihre Geschwister Iris, Wolf Siegfried und Daphne sowie Gottfried Wagner hatten sich darüber beklagt, ihnen seien keine angemessenen Plätze für die Trauerfeier angeboten worden (Nachruf in «Opernwelt» 05/2010).

 

WDR Sinfonieorchester erhält BBC Music Magazine Award

Nicht alles, was mit der Familie Wagner zu tun hat, riecht nacht Kabale und Hieben. So wurde die Aufnahme des WDR Sinfonie-Orchesters und seines scheidenden Chefdirigenten Semyon Bychkov der romantischen Oper «Lohengrin» bei den BBC Music Magazine Awards in London zur «Disc of the Year» gekürt.

 

Mariss Jansons muss «Carmen»-Premiere in Wien absagen

Die Großen der Zunft scheinen von einem Bann beladen. Nachdem bereits Seiji Ozawa wegen Krankheit sämtliche Termine in den kommenden Wochen stornieren musste, hat es nun auch Mariss Jansons erwischt. Der Chefdirigent des Symphonieorchesters und Chores des Bayerischen Rundfunks hat bis Juni alle Auftritte abgesagt. Damit entfällt auch sein Debüt an der Wiener Staatsoper als Dirigent der «Carmen»-Produktion am 3. Mai. Für ihn soll nun sein Schüler und Landsmann Andris Nelsons am Pult stehen. Fraglich ist überdies die Mitwirkung von Anna Netrebko. Die russische Diva hat sich eine fiebrige Kehlkopfentzündung zugezogen und ist bereits von ihren Verpflichtungen an der Wiener Staatsoper im April als Elvira in Vincenzo Bellinis «I puritani» zurückgetreten. Für diese Partie springt die italienische Sopranistin Desiree Rancatore ein.

 

Sylvain Cambreling geht nach Stuttgart

Bester Gesundheit erfreut sich hingegen Sylvain Cambreling. Und einen lukrativen Posten hat er nun auch noch. Ab der Spielzeit 2012/13 wird der Dirigent die musikalische Leitung der Staatsoper Stuttgart übernehmen. Damit wurde ein Wunsch des designierten Intendanten Jossi Wieler Wirklichkeit. Bereits in der Eröffnungsspielzeit Wielers 2011/12 werden der Intendant und sein Chefdramaturg mit Cambreling zusammenarbeiten und gemeinsam eine Neuproduktion stemmen.

 

Festspielhaus Baden-Baden plant alleine

Stemmen, das will auch das Festspielhaus Baden-Baden, und zwar künftig in Eigenregie alle Musiktheaterproduktionen in der schmucken Kurstadt. Mit der Entscheidung, Opern nur noch in künstlerischer Alleinverantwortung zu konzipieren, erreicht das vor zwölf Jahren gegründete und privat betriebene Opernhaus eine neue Stufe seiner Entwicklung. Neben zwei Neuinszenierungen – Mozarts «Cosi fan tutte» (Regie: Philipp Himmelmann) und Strauss’ «Salome» (Nikolaus Lehnhoff) –  soll es in der nächsten Spielzeit vier konzertante Premieren geben: gleich zu Beginn der Spielzeit Verdis «Otello» mit Ben Heppner und Anja Harteros in den Hauptrollen, danach eine Händel’sche «Ariodante» mit Joyce DiDonato sowie die Mozart-Opern «Idomeneo» und «Don Giovanni», Letzterer mit einer erlesenen Solistenschar: Diana Damrau, Elina Garanca, Rolando Villazón, Ildebrando d’Arcangelo und Thomas Quasthoff singen die Hauptrollen.

 

Singende Manager für den LeaderChor Berlin 2010 gesucht

Nicht gar so prominent, aber doch auch besonders, das soll die Besetzung für den LeaderChor 2010 in Berlin sein. Vier Tage lang können Manager und Führungskräfte aus Wirtschaft und Gesellschaft ihr Büro mit dem Probensaal tauschen und gemeinsam mit Mitgliedern des Rundfunkchores Berlin und unter Leitung von dessen Chefdirigent Simon Halsey – der soeben seinen Vertrag bis zum Jahr 2016 verlängert hat – ein Konzertprogramm einstudieren. Für den Workshop vom 28. bis zum 31. Oktober gibt es noch freie Plätze. Wer den Teilnehmerbetrag von 795 Euro zu berappen sich imstande sieht, kann sich noch bis zum 15. Mai anmelden. Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.rundfunkchor-berlin.de/leaderchor.

 

Howard Arman wird Musikdirektor am Luzerner Theater

Howard Arman, seit Mai 1998 Künstlerischer Leiter des MDR Rundfunkchors, übernimmt ab der Spielzeit 2012/13 zusätzlich zu diesem Amt für drei Jahre die Funktion des Musikdirektors am Luzerner Theater. Dabei teilt er sich die musikalische Leitung des Luzerner Sinfonieorchesters mit Chefdirigent James Gaffigan, der wiederum bereits mehrfach Konzerte des MDR Chores leitete. Nach der Berufung Armans zum Generalmusikdirektor der Theater & Philharmonie Thüringen ab der Spielzeit 2010/11 ist die Verpflichtung in Luzern sein zweites Engagement als Musikdirektor eines Opernhauses.

 

Kent Nagano erhält den Furtwängler-Preis

Mehrer Ämter innezuhaben, gehört ja längst zum guten Ton. Der Musikchef der Bayerischen Staatsoper, Kent Nagano, der zudem Music Director des Orchestre symphonique de Montréal ist, weiß das natürlich auch. Nun erhält Nagano beim Beethoven-Fest in Bonn den Wilhelm-Furtwängler-Preis für besonders herausragende Leistungen auf dem Gebiet der – richtig: Musik. Die Auszeichnung wird seit zwei Jahren vergeben.

 

BMW Kompositionspreis vergeben

Schon etwas länger, nämlich seit der Spielzeit 1997/98, gibt es den BMW Kompositionspreis, der im Rahmen von musica viva verliehen wird. Heuer erhält ihn der italienische Komponist Valerio Sannicandro für sein Opus «Forces Motrices» für Orchester und Live-Elektronik. Den zweiten Preis errang der japanische Tonsetzer Toru Naktani für seine Komposition mit dem nachgerade prosaischen Titel  «For 54 Players», Rang drei belegte der deutsche Komponist Caspar De Gelmini  mit dem Stück «Nightline» für Orchester.

 

Sächsischer Mozartpreis an Niksa Bareza

Bleiben wir bei den Ehrungen: Niksa Bareza, langjähriger Generalmusikdirektor der Robert-Schumann-Philharmonie und der Oper Chemnitz erhält im Rahmen des sächsischen Mozartfestes den nämlichen Preis, und zwar für seine Verdienste um die Pflege des Mozart’schen Werkes und sein künstlerisch prägendes Wirken für die sächsische Musiklandschaft.

 

Schlossfestspiele in Schwerin präsentieren Verdis «La forza del destino»

Vom 25. Juni bis zum 1. August dauern die Schlossfestspiele Schwerin des Mecklenburgischen Staatstheaters. Im Mittelpunkt steht die Produktion der Verdi-Oper «La forza del destino». Premiere der Inszenierung von Peter Lotschak unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Matthias Foremny ist am 25. Juni auf dem Alten Garten.

 

Vittorio Grigolo unterschreibt Exklusivvertrag bei Sony Classical

In trockenen Tüchern ist auch der Exklusivvertrag von Vittorio Grigolo bei Sony Classical. Der junge italienische Tenor setzte seine Unterschrift unter einen Vertrag, der eine unbefristete Laufzeit hat. Als erste Aufnahme wird Grigolo im Herbst 2010 eine CD mit Arien von Puccini, Donizetti und Verdi veröffentlichen.

 

China finanziert in Algier ein Opernhaus

Nicht mehr warten müssen die Verantwortlichen des in Algier geplanten Opernhauses. Wie jetzt bekannt wurde, haben offizielle Vertreter Chinas in der algerischen Hauptstadt eine Vereinbarung unterzeichnet, derzufolge das Reich der Mitte ein 43 Millionen Dollar teures Opernhaus für Algier finanziert. Mit dieser noblen Geste will China seine Beziehungen zu dem reich mit natürlichen Öl- und Gasvorkommen gesegneten nordafrikanischen Land stärken.

 

Marcus Bosch wird GMD in Nürnberg

Glückwunsch an Marcus Bosch. Ab der Spielzeit 2011/12 wird der Dirigent Generalmusikdirektor an der Staatsoper Nürnberg. Der Vertrag hat eine Laufzeit von sechs Jahren. Bosch, der gegenwärtig das gleiche Amt in Aachen bekleidet, tritt die Nachfolge von Christof Prick an. Damit aber nicht genug der neuen Positionen: Mit Beginn dieser Saison hat der Dirigent zudem die Opernfestspiele Heidenheim übernommen.

 

Maazel geht nach München

Lorin Maazel wird ab der Spielzeit 2012/13 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker und damit Nachfolger des nach Dresden wechselnden Christian Thielemann. Maazel wurde für eine dreijährige Interimszeit gewonnen, damit das Orchester und die Stadt München in aller Ruhe einen neuen Chefdirigenten suchen können.

 

Slatkin wirft an der Met hin

Leonard Slatkin, Künstlerischer Leiter des Detroit Symphony Orchestra und langjähriger Chef des National Symphony Orchestra in Washington D. C., ist nach seinem «Traviata»-Debüt als Dirigent an der New Yorker Met abgelöst worden. Slatkin waren von Publikum und Kritik eklatante Defizite in der Koordination von Orchester und Bühne vorgeworfen worden. Der gebürtige Kalifornier, der unter anderem auch in der Wiener Staatsoper und bei den Berliner Philharmonikern gastierte, hatte Verdis Opernhit zuvor noch nie geleitet. Er selbst führte nach dem Eklat «persönliche Gründe» für die plötzliche Dienstentpflichtung an – was eher auf atmosphärische Störungen zwischen Dirigent und Solisten und/oder dem Ensemble deutet. Schließlich ist ein «Traviata»-Dirigat keine unlösbare Aufgabe, zumal für einen erfahrenen Orchestererzieher.

 

Anna Prohaska ausgezeichnet

Anna Prohaska hat den mit 15 000 Euro dotierten Schneider-Schott-Musikpreis Mainz 2010 erhalten. Die Sopranistin, Ensemblemitglied der Berliner Lindenoper, wurde für ihre musikalisch und intellektuell gleichermaßen herausragenden Interpretationen sowie für ihre künstlerische Reife ausgezeichnet.

 

Debüts in Bayreuth

Bei den diesjährigen Richard WagnerFestspielen Bayreuth wird wieder eine Reihe von Sängern ihr Debüt auf dem Grünen Hügel geben. So ist der südafrikanische Tenor Johan Botha als Siegmund vorgesehen. Jonas Kaufmann wird nach seinem Münchner Rollendebüt als Lohengrin auf der Bühne stehen, Annette Dasch stellt sich als Elsa dem Bayreuther Publikum. Der Brite James Rutherford erweitert als Hans Sachs den Kreis der Neulinge.

 

Berkeley vertont McEwan

Der Roman «Abbitte» des britischen Schriftstellers Ian McEwan wird von dem mit ihm befreundeten Komponisten Michael Berkeley vertont. Nachdem es bereits eine Verfilmung des Stoffes gibt, hat nun ein deutsches Opernhaus den Auftrag dazu erteilt. Das neue Opus soll 2013 in Koproduktion mit einer englischen und einer amerikanischen Bühne aufgeführt werden, meldete die britische Tageszeitung The Times. Das Libretto verfasst der Dichter Craig Raine.

 

Covent Garden huldigt Sex-Ikone

Der britische Komponist Mark-Anthony Turnage schreibt eine Oper über das amerikanische Fotomodell Anna Nicole Smith, das 2007 im Alter von 39 Jahren an einer Überdosis Medikamente gestorben war. Das Werk mit dem Titel «Anna Nicole», dessen Text der Autor Richard Thomas verfasst, soll im Februar 2011 an der Londoner Covent Garden Opera uraufgeführt werden. Richard Jones führt Regie, Antonio Pappano, Musikdirektor des Royal Opera House, dirigiert. Die Titelrolle verkörpert die niederländische Sopranistin Eva-Maria Westbroek, die in der kommenden Saison neben dem südafrikanischen Tenor Johan Botha auch in einer Neuinszenierung von Wagners «Tannhäuser» durch den Regisseur Tim Albery und unter der musikalischen Leitung von Semyon Bychkov auf die Londoner Bühne tritt. Zu den anderen Erstaufführungen gehört Alexander Goehrs in Zusammenarbeit mit Frank Kermode entstandene Oper «Promised End», der Shakespeares «King Lear» zugrundeliegt.

 

Laurence Olivier Award für Loy

Der Regisseur Christof Loy hat für seine Inszenierung von Wagners Oper «Tristan und Isolde» an der Covent Garden Opera in London den Laurence Olivier Award erhalten. Die Arbeit, die ihre Premiere 2009 feierte, wurde als «best new opera production» des vergangenen Jahres ausgezeichnet. Ebenfalls mit dem Laurence Olivier Award prämiert wurde die Sopranistin Nina Stemme für ihre Interpretation der Isolde (in der Kategorie «outstanding achievement in opera»).

 

Deutsche Musikindustrie schrumpft weiter

Die deutsche Musikindustrie musste 2009 ein Umsatzminus von 2,1 Prozent hinnehmen. Der Umsatz fiel von 1,842 Milliarden Euro 2008 auf 1,803 Milliarden Euro, teilte der Bundesverband Musikindustrie mit. Wenn man die erstmals berücksichtigten Erlöse aus Merchandising, Lizenzhandel und Künstlermanagement nicht berücksichtigt, gingen die Musikverkäufe sogar um 3,3 Prozent zurück. Einen Lichtblick bot das Geschäft mit Musik-Downloads: Hier stieg der Umsatz kräftig an – um 34,6 Prozent auf 118,3 Millionen Euro.

 

Klavier-Festival Ruhr speckt ab

Das Klavier-Festival Ruhr muss 2011 mit einem geringeren Etat auskommen. Man komme zwar im Vergleich zu anderen kommunalen Kultureinrichtungen mit einer «moderaten Verringerung» davon, denke aber über die Überführung des Festivals in eine Stiftung nach, um dieses dauerhaft zu sichern, gab sein Träger, der Initiativkreis Ruhr, bekannt. 2010 liegt die Summe der Grundfinanzierung bei 1,3 Millionen Euro.

 

Elbphilharmonie noch teurer

Das größte Bauprojekt der Hansestadt Hamburg sorgt weiterhin für Furore. Die Arbeiten an dem von den Stararchitekten Herzog & Meuron entworfenen Prestigeprojekt Elbphilharmonie sind ein Jahr hinter dem Soll, die Kosten ins Astronomische gestiegen – von zuletzt 114 Millionen Euro (Stand: Ende 2008) auf jetzt 323 Millionen Euro. Nun gibt es schon wieder Auseinandersetzungen um Geld und Fristen. Inzwischen muss sich sogar die Justiz mit der Elbphilharmonie befassen: Der Hamburger Senat hat eine Klage gegen den Baukonzern Hochtief eingereicht. Das Essener Unternehmen sollte bis zum 6. April einen Terminplan über den weiteren Bauverlauf vorlegen. Die Frist verstrich ohne Ergebnisse, woraufhin der Senat vor Gericht zog. Ziel der Klage sei ein vertraglich fixierter Zeitplan für den Baufortschritt in der Hafencity. Hochtief behauptet, man habe die Verzögerungen rechtzeitig per Fax angekündigt. Kosten und Zeitplan weichen erheblich von den ursprünglichen Planungen ab. Nun werden unter Umständen zusätzlich stattliche Gerichtskosten auf die Stadt Hamburg zukommen. Die verspätete Fertigstellung des Konzerthauses ist nun für 2013 angekündigt.

 

Frantz verliert

Nach längeren Auseinandersetzungen um die Zukunft der «Philharmonie der Nationen» haben sich die Gegner des bislang amtierenden Intendanten Justus Frantz durchgesetzt. Frantz, dem eine undurchsichtige Geschäftspraxis vorgeworfen wurde, muss das Amt niederlegen. Neuer Geschäftsführer und Intendant des privat geführten Orchesters ist Christoph Caesar.

 

Villazón inszeniert

Rolando Villazón wird im Januar 2011 sein Debüt als Opernregisseur geben. An der Opéra de Lyon inszeniert er Jules Massenets Goethe-Oper «Werther». Die musikalische Leitung übernimmt Johannes Willigen. Unterdessen hat er sein Comeback als Tenor gegeben. An der Wiener Staatsoper trat Villazón in Donizettis «L’elisir d’amore» auf die Bühne. Im Mai singt er am Opernhaus Zürich den Alfredo in Verdis «La traviata».

 

Barenboim gewinnt

Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim erhält den Herbert-von-Karajan Musikpreis. In der Begründung der zuständigen Jury hieß es, Barenboim habe die klassische Musikwelt in den vergangenen 60 Jahren nicht nur entscheidend geprägt, sondern auch versöhnend weiterentwickelt. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis wird am 4. November in Baden-Baden verliehen.

 

Riesenspende für die Met

Die New Yorker Metropolitan Opera  hat die größte private Spende in ihrer über 125-jährigen Geschichte erhalten. Wie die New York Times berichtete, hat die 63-jährige Opernliebhaberin und Verlegerwitwe Ann Ziff dem Opernhaus 30 Millionen Dollar zukommen lassen. Für das Haus ein Segen, rechnet es doch allein in dieser Saison mit einem Defizit von rund vier Millionen Dollar. Die jährlichen Betriebskosten der Met liegen bei 300 Millionen Dollar; jede neue Opernproduktion kostet im Schnitt zwei bis vier Millionen Dollar. Ein weiterer üppiger Zuschuss in Höhe von 1,1 Millionen Dollar kommt der Met aus dem Topf der Lauritz Melchior Stiftung zu.

 

Wuppertal: Proteste gegen Theatertod

Am Welttheatertag haben in Wuppertal mehrere Tausend Menschen gegen die Gefährdung von Bühnen in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern protestiert. Theaterschaffende von 60 Theaterstandorten aus ganz Deutschland und rund 5000 Bürger bildeten zwischen dem von der Schließung bedrohten Wuppertaler Schauspielhaus und der Oper eine drei Kilometer lange Menschenkette. Einem Vertreter der Stadt wurden Listen mit 36 000 Protestunterschriften überreicht. Neben dem Schauspiel Wuppertal sind die Theater in Oberhausen, Hagen, Moers, Essen, Schleswig, Dessau und Neubrandenburg/Neustrelitz sowie die Symphoniker in Brandenburg akut gefährdet.

 

Kein Staatstheater in NRW

In Nordrhein-Westfalen wird es bis auf Weiteres kein Staatstheater und keine Staatsphilharmonie geben. Die Landesregierung verwarf in diese Richtung zielende Vorschläge der Expertenkommision «Kunst NRW». Stattdessen erhalten die für diesen Status vorgesehenen Theater in Essen und Köln drei Jahre lang zusätzliche Finanzspritzen in Höhe von jährlich je 300 000 Euro. Man habe gegenwärtig andere Sorgen als Staatstheater zu errichten, sagte der Kulturstaatssekretär des Landes, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff.

 

Osnabrück kürt neuen Intendanten

Ralf Waldschmidt, seit 2007 Operndirektor am Theater Augsburg, wird mit Beginn der Spielzeit 2011/12 Intendant des Osnabrücker Theaters. Der 49-Jährige wurde von der Findungskommision einstimmig ins Amt berufen. Er wird damit zum ersten Mal ein Theater leiten – als Nachfolger von Holger Schultze, der, wie berichtet, 2011 ans Theater Heidelberg wechselt. Waldschmidt hatte vor seinem Engagement in Augsburg als Dramaturg in Mannheim, Düsseldorf (Schauspielhaus), Darmstadt und an der Berliner Staatsoper sowie als Stellvertreter des Generalintendanten am Bremer Theater gearbeitet.

 

Bolschoi: Wiedereröffnung 2011

Das Moskauer Bolschoi Theater soll nach etlichen Verzögerungen nunmehr im Oktober 2011 wiedereröffnet werden. Das Haus ist seit 2005 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

 

Charleston Symphony gibt auf

Das Charleston Symphony Orchestra hat wegen finanzieller Schwierigkeiten den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. Auslöser für das Aus war nach Berichten einer lokalen Zeitung ein signifikanter Rückgang der privaten finanziellen Zuwendungen. Das Management des Orchesters will nun die Zahl der Mitarbeiter reduzieren und einen Rettungsplan ausarbeiten, damit der endgültige Konkurs vermieden werden kann. Der Klangkörper verfügt über ein jährliches Budget von 2,3 Millionen Dollar. Chefdirigent ist seit 1984 der deutsche Dirigent David Stahl, der in gleicher Position am Münchner Gärtnerplatztheater amtiert.

 

Mozartfest 2013 in Reutlingen

Das von der Deutschen Mozartgesellschaft ausgerichtete Mozartfest 2013 findet in Reutlingen statt. Laut einer Mitteilung der Württembergischen Philharmonie Reutlingen votierte das Präsidium der Gesellschaft einstimmig für Reutlingen als Austragungsort. Voraussetzung für den Zuschlag ist die Existenz eines geeigneten Konzertsaals. Ein solcher wird mit der neuen Stadthalle in Reutlingen zur Verfügung stehen.

 

Kein Operetten-Neubau in Dresden?

Die Staatsoperette Dresden ist nach Ansicht ihres Intendanten Wolfgang Schaller in ihrer Existenz bedroht. Grund für seine Sorge ist die Absicht der Stadt Dresden, am Ferdinandplatz ein kommerzielles Musical-Theaterhaus zu errichten; dies irritiere all jene, die «dem Politikerwort vom Willen zu einem Neubau der Staatsoperette im Zentrum Glauben geschenkt haben». Schaller befürchtet, dass das Musicalhaus die Realisierung des geplanten Operetten-Neubaus gefährden könnte. Während der Diskussion um notwendige Sparmaßnahmen der Stadt könnte ein Unterhaltungstempel schnell als Alternativlösung zum Operettenneubau fehlgedeutet werden, so der Intendant.

 

Geyer verlängert an der Wien

Roland Geyer, Intendant des Theaters an der Wien, hat seinen Vertrag um fünf Jahre bis 2016 verlängert. Geyer, der auch als Intendant für die Nachfolge von Kirsten Harms als Intendant der Deutschen Oper Berlin gehandelt worden war, hat die Auslastung seines Hauses kontinuierlich gesteigert; zuletzt betrug sie 93,4 Prozent. Das Theater an der Wien realisiert neben eigenen Neuinszenierungen auch etliche Koproduktionen.

 

Schumannfest in Düsseldorf

Anlässlich des 200. Geburtstages von Robert Schumann ehrt die Stadt Düsseldorf von Ende Mai bis Mitte Juni den Komponisten mit Konzerten und Projekten in der Tonhalle sowie im Robert-Schumann-Saal. Genauere Informationen über das Schumannfest Düsseldorf 2010 gibt es im Intenet unter www.schumannfest-duesseldorf.de

 

Musik-Sonderzug nach Eisenach

Das Netzwerk Neue Musik gestaltet in der Zeit vom 25. August bis zum 12. September das bundesweite Musikereignis «sounding D.». Über zwei Wochen fährt ein klingender Sonderzug in einer großen Spiralbewegung durch ganz Deutschland und bewegt sich auf dessen Mitte zu. In jeder der angesteuerten Städte finden eigene Veranstaltungen mit Neuer Musik statt, die den Besuchern über das pure Klangerlebnis hinaus auch Einblicke in die Musiklandschaft Deutschland bieten sollen. «Sounding D.» endet in Eisenach mit einem dreitägigen Abschlussfest.

 

Bundesförderung für Händel

Die Stiftung Händel-Haus in Halle (Saale) erhält für die Ausrichtung der Händel-Festspiele 2010 eine Bundesförderung in Höhe von 100 000 Euro. Das beschloss der Haushaltsausschuss des deutschen Bundestages. In der Händelstadt werden dieses Jahr rund 40 000 Besucher erwartet. Informationen über das Festivalprogramm gibt es im Internet unter der Adresse www.haendelhaus.de

 

Raimund Bauer ausgezeichnet

Raimund Bauer hat für das Bühnenbild zu der Produktion «Król Roger» bei den Bregenzer Festspielen den diesjährigen OPUS Bühnenbildpreis erhalten. Mit dem Preis, der jedes Jahr vergeben wird, werden künstlerische Arbeiten ausgezeichnet, die besondere Kreativität und Intelligenz in der Verwendung von Bühnentechnik gezeigt haben.

 

Oper für Migranten

Die Staatsoper Hannover startet mit dem von der Deutsche Bank Stiftung initiierten Projekt «opernStART» an ihrem Haus einen Workshop, der jungen Zuwanderern neue kulturelle Erfahrungsräume eröffnen, den Zugang zu europäischer Kultur ermöglichen und die Integration fördern soll. Die Workshops finden im Rahmen des Bildungsprogramms von START statt, dem größten deutschen Stipendienprogramm für engagierte Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Nähere Informationen dazu gibt es im Internet unter den Adressen www.start-stiftung.de, www.deutsche-bank-stiftung und www. staatstheater-hannover.de

 

Halffter in Grafenegg

Der spanische Komponist Cristóbal Halffter, der am 24. März seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, ist Composer in Residence beim diesjährigen Grafenegg Musik-Festival. Am 5. September wird er in dieser Funktion dortselbst die Uraufführung seines neuen Werks «Ritual» leiten.

 

Goldener Löwe für Rihm

Der Komponist Wolfgang Rihm hat den Goldenen Löwen der Biennale Venedig für sein Lebenswerk erhalten. In der Abteilung Tanz wurde der Choreograf William Forsythe ausgezeichnet.

 

Meisterklasse für Chordirigenten

Simon Halsey und der Rundfunkchor Berlin laden zur ersten Internationalen Meisterklasse Berlin für Chordirigieren ein. Hochqualifizierte junge Chordirigenten sind gebeten, mit dem Rundfunkchor zusammenzuarbeiten. Angeleitet werden sie vom Chefdirigenten des Ensembles, Simon Halsey, und dem amerikanischen Chordirigenten Joe Miller. Bewerbungsschluss für die aktive Teilnahme ist der 14. Mai. Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.rundfunkchor-berlin.de

 

Bühnenbilder und Camera Obscura

Die Gesellschaft für Musiktheater zeigt in ihren Wiener Räumen (Türkenstraße 19, 1090 Wien) bis Anfang Juli Camera Obscura-Bilder von Arbeiten des Bühnenbildners Gottfried Pilz. Fotografiert hat sie Karen Stuke (siehe auch www.iti-arte.at/ musiktheater).

 

Berliner MaerzMusik zieht Bilanz

Mehr als 12000 Musikinteressierte haben das Festival für aktuelle Musik Maerzmusik in Berlin besucht. Das Festival stand in diesem Jahr unter dem Motto «Utopie [verloren]» und präsentierte neben vielen instrumentalen Konzerten Werke des Musiktheaters, unter anderem von Salvatore Sciarrino und Beat Furrer (siehe «Opernwelt» 05/2010).

 

Mehr Geld für Theater Basel

Die Subventionen für das Theater Basel werden erhöht; das ist Ergebnis der bisherigen Verhandlungen zwischen den Regierungen der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Demnach wird Basel-Landschaft für eine vierjährige Periode während der Spielzeiten 2011/12 bis 2014/15 insgesamt 17 Millionen Schweizer Franken zusätzlich zu dem bisherigen (und weiter zu zahlenden) Betrag von jährlich vier Millionen Franken aus der Kulturvertragspauschale bereit stellen. Der Kanton Basel-Stadt kommt für die Kosten der Pensionskasse des Theaters Basel sowie teuerungsbedingte Mehrkosten auf.

 

Lucerne Festival feiert den Eros

Das diesjährige sommerliche Lucerne Festival widmet sich dem Thema «Eros». Im Fokus stehen zwischen dem 12. August und dem 18. September Musiktheater-Produktionen von Beethovens «Fidelio», Wagners «Tristan und Isolde» und Debussys «Pelléas et Mélisande». Weitere Informationen gibt es unter www.lucerne festival.ch.

 

Integration durch Musik?

Die bundesweite Initiative «Integration durch Musik» fördert zum dritten Mal vorbildliche Projektideen, die das Miteinander von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher kultureller Herkunft stärken sollen. Bis zum 30. Juni sind Kindergärten, Schulen, Vereine und Institutionen oder auch individuelle Initiativen und Akteure mit gemeinsamer Zielsetzung eingeladen, musische Integrationsprojekte zu entwickeln. Weitere Informationen bietet die Website www.kultur- und-musikstiftung.de

 

Neuer Kapellmeister in Mainz

Der Dirigent Andreas Hotz wird ab der kommenden Spielzeit Erster Kapellmeister am Staatstheater Mainz. Bereits in dieser Saison dirigiert er in Mainz die Produktion von Smetanas «Verkaufter Braut».

 

Sängerförderung in Salzburg

Die renommierte Mezzosopranistin Marjana Lipovsek übernimmt das Young Singers Project bei den diesjährigen Salzburger Festspielen. Das Projekt, in dessen Rahmen die Sängerin Meisterkurse anbietet, schließt mit einem Konzert ab. Ziel des Projekts ist es, während des Festivals interessante und viel versprechende Nachwuchstalente zu fördern und auf eine spätere Karriere vorzubereiten.

 

Dortmund honoriert Anne-Sophie Mutter

Die Geigerin Anne-Sophie Mutter ist gleich zweimal innerhalb kürzester Zeit geehrt worden. Einmal erhält sie den mit 25 000 Euro dotierten «Preis der Kulturstiftung Dortmund» für ihr Lebenswerk. Des Weiteren wurde sie mit dem Brahms-Preis 2011 der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein geehrt. Die Auszeichnung ist mit 10 000 Euro dotiert. Diesjähriger Preisträger ist die Forschungsstelle der Johannes-Brahms-Gesamtausgabe des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Kiel.

 

Neue Kammersänger in Berlin

Auf Vorschlag von Intendantin Kirsten Harms sind drei Mitglieder der Deutschen Oper Berlin vom Berliner Senat mit dem Titel Kammersänger ausgezeichnet worden. Geehrt wurden der Tenor Clemens Bieber, der Bariton Lenus Carlson und der Bassist Reinhard Hagen für ihre langjährigen Verdienste um das Berliner Musikleben.

 

20 Jahre Musical an der UdK

Der Studiengang Musical/Show der Universität der Künste in Berlin begeht in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass veranstalten die UdK und das Deutsche Musicalarchiv am 28. und  29. Mai ein Symposium zum Thema «Remigration im unterhaltenden Musiktheater der 50er Jahre». Zu den Referenten gehören Norbert Abels, Stefan Frey, Nils Grosch, Wolfgang Jansen, Peter Lund und Dörte Schmidt.

 

Dortmund: Mielitz geht, Herzog kommt

Jens-Daniel Herzog wird 2011 Intendant der Oper Dortmund. Er ist Nachfolger von Christine Mielitz, die das Haus Ende 2010 verlässt. Herzog, Jahrgang 1964, war von 2000 bis 2006 Schauspieldirektor in Mannheim und hat Oper vor allem in Zürich inszeniert, darunter «Tannhäuser», «Pique Dame», «Königskinder» und jüngst «Der ferne Klang».

 

Levine fällt für Monate aus

James Levine muss abermals wegen eines Rückenleidens ins Krankenhaus. Der Dirigent werde sich einer weiteren Operation unterziehen, teilte die Metropolitan Opera in New York mit. Levines Konzerte in New York und Boston wurden für den Rest der Saison abgesagt. Besonders die Met, der Levine seit 40 Jahren eng verbunden ist, musste während der letzten Jahre immer wieder Absagen des heute 66-Jährigen verkraften. Erst im Spätsommer 2009 war Levine auf Grund eines Bandscheibenvorfalls operiert worden. Vor dem Hintergrund seiner akuten gesundheitlichen Probleme wird er auch die nächsten beiden mit ihm am Pult avisierten Opernproduktionen an der Met nicht leiten können – Puccinis «Tosca» und Bergs «Lulu». Man rechne mit einem längeren Klinikaufenthalt, hieß es. Mit einem «Tosca»-Dirigat hatte Levine 1971 sein Debüt an der Metropolitan Opera gegeben.

 

Instrumente für Afghanistan

Ende März wurden mit Hilfe der Society of Music Merchants (SOMM) und mit

Unterstützung des Auswärtigen Amtes sowie der Bundeswehr rund 500 Musik-

instrumente nach Afghanistan gebracht. Bei der Ausbildung von Musikern in Kabul will unter anderen das Goethe-Institut helfen. SOMM fördert das Projekt ANIM (Afghanistan National Institute of Music) und betreibt in Kabul den Aufbau der ersten Musikschule des Landes.

 

Schlingensief in Herrenhausen

Das erste Projekt aus dem von Christoph Schlingensief initiierten Operndorf in Burkina Faso, «Via Intolleranza II», wird im Mai (23.-26.) in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel seine deutsche Erstaufführung erleben. Das Stück basiert auf Luigi Nonos azione teatrale «Intolleranza 1960», die 1961 bei der Biennale in Venedig uraufgeführt wurde. Das neue Werk fragt nach dem Verhältnis Deutschlands und Europas zu Afrika. An dem Projekt sind deutsche und afrikanische Darsteller und Musiker beteiligt. Weitere Aufführungsstationen sind für die Münchner Opernfestspiele geplant. In Burkina Faso war im Februar dieses Jahres der Grundstein für Schlingensiefs «Festspielhaus für Afrika» gelegt worden. Neben einem Theater soll auch eine Schule für bis zu 500 Kinder entstehen.

 

Streichkonzert am Gärtnerplatz

Das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz soll 2010 mit 500 000 Euro weniger auskommen als geplant. Das gab Intendant Ulrich Peters bekannt. Das bayerische Finanzministerium habe die Kürzung ohne Vorwarnung verfügt. «Wir sollen gefälligst schauen, wo das Geld eingespart werden kann», sagte Peters, dessen Vertrag 2012 ausläuft.

 

Komponierstunde für Kinder

Die in Berlin lebende russische Komponistin Tatjana Komarova plant ein Kompositionsatelier für Kinder. Unter dem Titel «Notenfänger» will sie dort mit Kindern und Jugendlichen den Fragen nachgehen, was «komponieren» bedeutet, wie mit Klängen Bilder gestaltet, wie mit Noten Geschichten erzählt werden können oder wie eine Melodie, eine Harmoniefolge und ein ganzes Orchesterwerk entstehen. Ziel ist es, die Kreativität der Kinder zu fördern und sie für Neue Musik zu begeistern. Darüber hinaus sollen in den unter dem Namen «Salon 11» firmierenden Räumen am Ludwigkirchplatz Ausstellungen, Konzerte und Begegnungen zwischen Musikern, Komponisten und Künstlern stattfinden. Weitere Informationen unter www.worteuebermusik.de

 

Glimmerglass Opera: Leitung komplett

Die neue Leitung der Glimmerglass Opera ist komplett. Nachdem die im Bundesstaat New York ansässige Festival-Oper unlängst mit Francesca Zambello eine Nachfolgerin für den scheidenden Künstlerischen Leiter Michael MacLeod gefunden hatte, steht nun auch eine neue Geschäftsführerin zur Verfügung: Linda Jackson. Jackson blickt auf 25 Jahre Erfahrung im Bereich des Kulturmanagements zurück. Auf dem Programm der Glimmerglass Opera stehen 2010 Puccinis «Tosca», Coplands «The Tender Land», Mozarts «Figaro» und Händels «Tolomeo». Das Festival läuft vom 9. Juli bis 24. August im Alice Busch Opera Theater in Cooperstown, New York. Weitere Informationen unter www.glimmerglass.org

 

Puccini-Festival in Torre del Lago

Vor hundert Jahren wurde «La fanciulla del West» (an der Met in New York) uraufgeführt. Aus diesem Anlass bringt das Puccini-Festival in Torre del Lago eine Neuproduktion des Stückes heraus. Regie führt Kirsten Harms, Intendantin der Deutschen Oper Berlin. Das Bühnenbild stammt von dem bildenden Künstler Franco Adami. Die Aufführungen unter der musikalischen Leitung von Alberto Veronesi finden am 16. und 23. Juli sowie am 7. August statt. Außerdem stehen «Tosca», «Butterfly» und «Turandot» auf dem Programm des 56. Puccini Festivals: www.puccinifestival.it

 

La Monnaie 2010/11

Die neue Spielzeit der Brüsseler La Monnaie Oper wird um das Thema «Toleranz/ Intoleranz» kreisen. Unter diesem Motto präsentiert Intendant Peter de Caluwe zum Saisonauftakt die belgische Erstaufführung der jüngsten Oper von Philippe Boesmans: «Yvonne, Princesse de Bourgogne». Zu sehen ist die Pariser Produktion aus dem Jahr 2009 (am Pult steht Patrick Devin, die Regie stammt von Luc Bondy, die Bühne von Richard Peduzzi). Sodann ist René Jacobs mit einer konzertanten Aufführung von Mozarts «Così fan tutte» vertreten, als erste Neuproduktion des Hauses steht Janáceks «Katja Kabanová» auf dem Programm (Leon Hussain, Andrea Breth). Andreas Homoki darf in der Euro-Kapitale seine für die Komische Oper in Berlin 2008 entstandene «Bohème»-Produktion recyclen (es dirigieren Carlo Rizzi und José Miguel Esandi), schließlich wird Hartmut Haenchen Wagners «Parsifal» entschlacken (Regie: Romeo Castelluci). Karl-Ernst und Ursel Herrmann hat Caluwe gebeten, ihre 25 Jahre alte Inszenierung von Mozarts «La finta giardiniera» aufzuarbeiten (als Dirigent assisitiert Jérémie Rohrer). Konzerte, Liederabende (mit Marie-Nicole Lemieux, Sally Matthews, Christine Schäfer, Mark Padmore, Stéphane Degout), Ballettabende (Anne Teresa De Keersmaeker) und ein von Caluwe in Auftrag gegebenes «Brussels Requiem» des britischen Komponisten Howard Moody runden das Programm ab. Weitere Informationen unter www.lamonnaie.be (eine kommentierende Übersicht über die Vorhaben der Wiener und Berliner Staatsoper, der Dresdner Semperoper sowie des Teatro Real in Madrid lesen Sie in «Opernwelt» 5/2010).

 

Klavierbauer kann weitermachen – vorerst

Der Braunschweiger Klavierbauer Schimmel hat den drohenden Konkurs vorerst abwenden können. Nachdem das Unternehmen im Sommer 2009 Insolvenz anmelden musste, akzeptierten die Gläubiger nun den ihnen vorgelegten Sanierungsplan. Damit ist auch die Gefahr einer Übernahme durch auswärtige Investoren zunächst gebannt. Der Financial Times Deutschland zufolge sollen durch eine neue Tarifstruktur mehr als 500 000 Euro pro Jahr eingespart werden. Die Arbeitsplätze seien für die nächsten Jahre garantiert.

 

Medaille für Masur

Kurt Masur erhält die Urania-Medaille 2010. Der Dirigent wird in Anerkennung seiner besonderen Verdienste für Demokratie und Freiheit in Deutschland und für sein außerordentliches künstlerisches Lebenswerk ausgezeichnet, teilte die Berliner Urania mit.

 

Regie-Wettbewerb in Turin

Das Turiner Teatro Regio veranstaltet erstmals in seiner Geschichte einen Wettbewerb für Regie, Bühnenbild, Kostüme und Licht. Teilnehmer aus aller Welt sind aufgefordert, sich Gedanken zu einer Neuinszenierung von Verdis Klassiker «Rigoletto» zu machen. Der beste Einfall wird mit 200 000 Euro honoriert, die für die dann erfolgende Produktion bereitstehen. Einsendeschluss für die Bewerbungen ist der 5. Juni, weitere Informationen bietet die Website www.teatro regio.torino.it

 

Junge Regisseur/inn/e/n, bewerbt Euch!

Bereits zum sechsten Mal wird in diesem Jahr der mit 30 000 Euro dotierte Europäische «Opernregie-Preis» ausgeschrieben. Nachwuchsregisseure oder Regieteams bis 35 Jahre sind aufgerufen, ihre Ideen zur Konzeption der Oper «I Capuleti e i Montecchi» von Vincenzo Bellini in einem Inszenierungskonzept einzureichen. Auf die Sieger wartet eine Aufführung im Teatro Sociale im italienischen Como 2012. Das Konzept muss schriftlich und mit Skizzen, ggf. mit einem Bühnenbildmodell, bis zum 1. Oktober eingehen. Nähere Informationen gibt es unter www. camerata-nuova.com

 

Montserrat Caballé bittet zum Wettsingen

Vom 5. bis zum 11. September findet in diesem Jahr der 48. Internationale Gesangwettbewerb «Montserrat Caballé» in Zaragoza statt. Anmeldeschluss ist der

30. Juni. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.concurso caballe.org.

 

Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau

Vom 14. Juni bis zum 2. Juli findet in Moskau der 14. Internationale Tschaikowsky Wettbewerb statt. Er ist in diesem Jahr in den Kategorien Gesang, Klavier, Violine und Violoncello ausgeschrieben. Weitere Informationen gibt es unter www.tschaikowsky-competition.com

 

Heather Harper zum 80.

Geboren wurde sie in Belfast. Zunächst machte sie sich einen Namen als Pianistin. Doch spätestens nach dem Unterricht bei Helen Isepp und Frederic Husler stand für Heather Harper fest, dass sie Sängerin werden wollte. Ihr Debüt gab sie gleich als Verdis Lady Macbeth, das war 1954. Zwanzig Jahre lang war die Sopranistin dann Mitglied der English Opera Group, bevor sie große Partien ihres Fachs an der Covent Garden Opera, in Glyndebourne und später in Bayreuth übernahm; darunter die Elsa in «Lohengrin». Auch an der Met ist sie aufgetreten, ihr dortiges Debüt gab sie 1977 als Gräfin in «Le nozze di Figaro». Später vermittelte sie ihr Wissen als Professorin am Royal College of Music in London. 1994 betrat Heather Harper noch einmal bei den Proms die Bühne, an der Seite von Simon Rattle und dem City of Birmingham Symphony Orchestra. Am 8. Mai feiert sie ihren 80. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

 

Nan Merriman wird 90

Ihr richtiger Vorname war Katherine-Ann. Weil das aber zu umständlich klang, änderte die amerikanische Mezzosopranistin Nan Merriman das Gegebene kurzerhand. Und machte unter diesem Namen eine ebenso beachtliche wie (relativ) kurze Karriere. Diese begann mit kleinen Nummern aus Purcells «Dido and Aeneas» und führte über «La Gioconda» an der Oper in Cincinnati direkt in die väterlichen Arme Arturo Toscaninis, der sie im Radio gehört und sogleich für sie geschwärmt hatte. Nan Merriman nahm mit ihm Glucks «Orfeo» auf, «Falstaff», «Rigoletto» und (die Emilia in) «Otello». Nach dem Zweiten Weltkrieg sang Nan Merriman verstärkt in Europa. Unter anderem war sie als Dorabella in Aix und in Glyndebourne zu erleben. Schon 1965 beendete sie ihre Karriere. Die Familie hatte für sie Vorrang. Vergessen ist die Künstlerin dennoch nicht. Am 28. April feiert Nan Merriman ihren 90. Geburtstag. Dazu gratulieren wir herzlich.

 

Karl Anton Rickenbacher zum 70.

Das Vergessene hat ihn stets gereizt. Seit Jahrzehnten setzt sich der schweizerische Dirigent Karl Anton Rickenbacher für Werke ein, die am Rande des Kanons oder sogar außerhalb davon liegen. Nach dem Studium am Städtischen Konservatorium Berlin und dem Besuch von Dirigierkursen bei Herbert von Karajan und Pierre Boulez begann Rickenbacher seine Opernkarriere – zunächst als Korrepetitor an der Oper Zürich, später als Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor an den Städtischen Bühnen Freiburg. Internationales Renommee erwarb er sich im symphonischen Bereich mit der Ernennung zum Chefdirigenten des BBC Scottish Symphony Orchestra. Höhepunkt seiner umfassenden Diskografie ist die Serie «Der unbekannte Richard Strauss», ein Projekt, das sich über 14 CDs erstreckt. Am 20. Mai feiert Rickenbacher seinen 70. Geburtstag, zu dem wir ihm herzlich gratulieren.

 

Blanche Thebom gestorben

Sie war die erste Amerikanerin, die zu Sowjetzeiten im Bolschoi Theater die Rolle der Carmen sang. Bekannt wurde Blanche Thebom aber vor allem als Wagner-Interpretin. An der New Yorker Met hatte sie zwischen 1944 und 1967 insgesamt 350 Auftritte, unter anderem als Bran­gäne und Fricka. Doch nicht mit Wagner verabschiedete sie sich von der Bühne, sondern mit der Rolle der Mutter Maria in Poulencs «Dialogues des Carmélites». In ihrer leider nur spärlichen Diskografie finden sich zwei Schätze: «Tristan und Isolde» unter Furtwängler und «Les Troyens» unter Kubelik aus dem Londoner Royal Opera House. Im Alter von 94 Jahren ist Blanche Thebom nun gestorben.

 

Pater Roman Bannwart ist tot

Der Einsiedler Benediktiner-Pater Roman Bannwart ist im Alter von 91 Jahren  gestorben. Er war einer der bedeutenden Lehrer und Bewahrer der Gregorianik. Bannwart wurde 1919 in Gossau geboren. Schon während des Theologiestudiums begann seine musikalische Ausbildung bei Mitbrüdern im Kloster Einsiedeln. Nach der Priesterweihe wurde er 1947 Choralmagister, 1953 übernahm er die Leitung der Studentenmusik und in den folgenden Jahren Lehraufträge für Gregorianik in Luzern, Zürich und Bern.

 

Ole Schmidt gestorben

Im Alter von 82 Jahren ist der dänische Komponist und Dirigent Ole Schmidt gestorben. Er studierte an der Royal Danish Academy of Music Klavier und Komposition, später erlernte er bei Rafael Kubelik und Sergiu Celibidache die Kunst des Dirigierens. 1974 nahm er mit dem London Symphony Orchestra erstmals sämtliche Symphonien von Carl Nielsen auf. Später wurde sein Engagement für die Musik Nielsens mit dem gleichnamigen Preis belohnt. Seine erste größere Komposition war ein Klavierkonzert (aus dem Jahr 1954).

 

Einen Nachruf auf Wolfgang Wagner, der am 22. März 2010 im Alter von 90 Jahren gestorben ist, finden Sie in «Opernwelt» 5/2010.


März 2010

 

Preis des Westfälischen Friedens für Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra

 

Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim und die Musiker des West-Eastern Divan Orchestra erhalten in diesem Jahr den mit 50 000 Euro dotierten Preis des Westfälischen Friedens.

 

 

Komponistenwettbewerb am Royal Opera House

Junge Komponisten haben nun die Gelegenheit, eines ihrer Werke an prominenter Stätte zu hören. Im Auftrag des Londoner Royal Opera House und des studentischen Online-Dienstes numu (www.numu.org) sind alle Tonsetzer zwischen elf und 14 Jahren aufgefordert, eine Fanfare zu komponieren, die aber nicht länger als 30 Sekunden dauern soll. Eine Jury, in der unter anderem ROH-Musikchef Antonio Pappano sitzt, entscheidet über das gelungenste Stück, das dann vom Orchester des ROH aufgeführt wird.

 

Philip Langridge gestorben

 

Vor wenigen Monaten erst hat die Musikwelt seinen 70. Geburtstag gefeiert. Nun ist der britische Tenor Philip Langridge am 8. März gestorben. Er erlag einem Krebsleiden. Die Karriere des 1939 in Kent geborenen Künstlers führte diesen an zahlreiche große Opernhäuser. Er interpretierte sowohl Mozart- als auch Janácek- und Wagner-Partien. Einen großen Namen machte sich Langridge auch als Liedsänger (siehe Opernwelt 4/2010).

 

 


Deutscher Musikrat stellt Forderungen

 

Der Deutsche Musikrat und die Konferenz der Landesmusikräte haben ein Papier erstellt, in dem sie unter dem Titel «Kinder brauchen Musik» eine verbesserte Nachwuchsförderung verlangen. Diese sieht in erster Linie den Erhalt und die Qualitätssicherung des Schulfachs Musik vor. In den vergangenen Jahren ist der Musikunterricht an deutschen Schulen immer weiter reduziert worden. An manchen Schulen gibt es nicht einmal mehr eine Stunde Musik pro Woche. Gegen den kontinuierlichen Abbau des Musikunterrichts speziell an Berliner Schulen haben nun federführend Simon Rattle, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, und Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Lindenoper, protestiert. In einem offenen Brief an Bildungssenator Jürgen Zöllner forderten sie einen Musikunterricht von mindestens 1,5 Stunden in der Woche. Die bisherigen Einschränkungen hätten, so heißt es in dem Offenen Brief, eine fatale Wirkung auf die Musikkultur der Stadt.

 

 

 

 

Neues Musikprojekt für die ganze Welt

Anlässlich des Europäischen Jahres 2010 zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung hat die European Festivals Association (EFA) ihr neues Projekt «Open the Door» ins Leben gerufen. Festivals aus aller Welt sind aufgerufen, allen Interessierten den Zugang zu diesen Festivals zu erleichtern. Die Initiative wurde in Stockholm gemeinsam mit 13 nationalen Festivalverbänden vorgestellt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.Open-the-Door.eu

 

 

Kenji Sakai gewinnt Luzerner Kompositionswettbewerb

Der japanische Komponist Kenji Sakai ist Gewinner des erstmals und gemeinsam von der Art Mentor Foundation Lucerne und dem Luzerner Sinfonieorchester ausgetragenen Kompositionswettbewerbs. Neben 10 000 Schweizer Franken Preisgeld ist mit der Auszeichnung die Aufführung des prämierten Werkes verbunden. Diese wird im Frühjahr 2011 vom Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung von Jonathan Nott realisiert.

 

Anja Harteros erhält Kölner Opernpreis

Die Sopranistin Anja Harteros ist mit dem erstmals vergebenen Kölner Opernpreis ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung, die vom Verein der Freunde und Förderer Kölner Kultur e. V. vergeben wird, ist mit 10 000 Euro dotiert und ehrt herausragende künstlerische Persönlichkeiten aus dem Bereich des Musiktheaters.

 

Ainars Rubikis gewinnt Bamberger Dirigentenwettbewerb

Der 1978 geborene lettische Dirigent Ainars Rubikis hat den Internationalen Gustav-Mahler Dirigentenwettbewerb in Bamberg gewonnen. Rubikis, der ein Preisgeld von 20 000 Euro erhielt, setzte sich im Finale gegen Aziz Shokhakimov aus Usbekistan (2. Preis, 10 000 Euro) und den Bulgaren Yordan Kamdzhalov (3. Preis, 5000 Euro) durch.

 

Gesangswettbewerb Julián Gayarre in Pamplona

Gewöhnlich steht die Stadt im Rampenlicht, wenn die Stiere durch die Gassen laufen. Vom 10. bis 18. September wird das etwas anders sein. In dieser Zeit findet in Pamplona der Gesangswettbewerb «Julian Gayarre» statt, der für junge Sängerinnen und Sänger im Alter von 18 bis 30 Jahren zugänglich ist. Den Juryvorsitz hat in diesem Jahr Teresa Berganza, der Anmeldeschluss ist der 5. Mai. Weitere Informationen unter www.cfnavarra.es/gayarre

 

 

Fünf Nachwuchssänger für die National Council Auditions an der Met nominiert

 

Die Jury hat entschieden: Die Gewinner der National Council Auditions an der New Yorker Met, bei der Marco Armiliato das Met Orchestra dirigierte, sind in diesem Jahr die Sopranistin Leah Crocetto aus Oxford, Connecticut, die Sopranistin Lori Guilbea aus Golden Meadow, Louisiana, der Bariton Elliot Madore aus Toronto, der Tenor Nathaniel Peak aus Humble, Texas, und die Sopranistin Rachel Willis-Soerensen aus Tri-Cities, Washington. Sie alle erhalten eine Prämie in Höhe von 15 000 US-Dollar.

 

 

Michael Helmbold neuer Geschäftsführer der Ruhrtriennale

 

Michael Helmbold, seit Januar 2009 bereits Künstlerischer Betriebsdirektor der Ruhrtriennale, ist dort auf Wunsch des Intendanten Willy Decker zum Geschäftsführer ernannt worden. Unterstützt wird er durch den Prokuristen und Verwaltungsdirektor Uwe Peters. Helmbold war zuvor unter anderem an der Berliner Volksbühne und bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen tätig.

 

 

 

 

Heiko C. Reissig Intendant des Festivals der heiteren Muse

 

Heiko C. Reissig, langjähriger Intendant der Elblandfestspiele Wittenberge, ist zum neuen Intendanten und Künstlerischen Leiter des internationalen «Festivals der heiteren Muse» ernannt worden. Er tritt sein Amt mit sofortiger Wirkung an. Das Festival ist eine EU-Kulturkooperation von Deutschland, Österreich, der Slowakei, Ungarn und Rumänien und hat sich zum Ziel die Unterstützung der Kunstgattung Operette sowie die Förderung ihres künstlerischen Nachwuchses gesetzt.

 

 

Intendant Ulrich Peters soll Münchner Gärtnerplatz 2012 verlassen

 

Kulturpolitik in München wäre der Stoff für einen Roman. Nach der Causa Thielemann hat sich dies ein weiteres Mal bestätigt. Ohne den Betroffenen über die Gründe für die Entscheidung aufzuklären, hat der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst Wolfgang Heubisch dem Intendanten des Münchner Gärtnerplatztheaters, Ulrich Peters, mitgeteilt, dass sein 2012 auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Die Amtszeit von Peters endet somit am 31. August 2012. Das Ministerium stellte Gespräche in Aussicht.

 

 

28. Sommerfestspiele Xanten im August

Gute Aussichten für Xanten. Die in der Region beliebten Xantener Sommerfestspiele finden dies Jahr zum 28. Mal statt, und zwar vom 13. bis 19. August. Eröffnet wird das Festival mit einer Aufführung von Puccinis «Turandot» sowie dem traditionellen Feuerwerk. Weitere Höhepunkte sind eine «Gala-Nacht der Oper», die Elvis-Presley-Hommage «ELVIS – The Show», das Musical «Die Schöne und das Biest» und eine Aufführung von Orffs «Carmen». Wer nach Xanten reisen möchte, kann sich auf der Website der Festspiele (www.sommerfestspiele.de) informieren.

 

Neue Leitung am Badischen Staatstheater

 

Schauspiel und Oper am Badischen Staatstheater Karlsruhe bekommen ab 2011 eine neue Leitung. Jan Linders wird Schauspieldirektor, Joscha Schaback Operndirektor. Linders ist derzeit in Heidelberg tätig, wo auch der ab der Spielzeit 2011/12 berufene Intendant Peter Spuhler amtet, und arbeitete vor Jahren unter anderem mit Theatermachern wie Robert Wilson, George Tabori und Heiner Müller zusammen. Auch Schaback ist ein Partner von Spuhler.

 

 

Telemann-Preis für Simon Standage

 

Der britische Geiger und Pädagoge Simon Standage hat den Georg-Philipp-Telemann-Preis der Stadt Magdeburg erhalten. Mit der Auszeichnung würdigen die Telemann-Festtage das umfangreiche Wirken des Interpreten und Hochschullehrers für die Verbreitung der Werke des barocken Komponisten.

 

 

Salonen kommt nach Dortmund

 

Ein Finne in Dortmund. Hübsche Vorstellung. Die nun Realität wird. Denn der finnische Dirigent und Komponist  Esa-Pekka Salonen wird Exklusivkünstler am Konzerthaus Dortmund. Ab der Saison 2010/11 trägt  er den Titel eines «Residenzkünstlers». Zu Beginn seines Wirkens gestaltet Salonen ein «Zeitinsel»-Festival, in dessen Mittelpunkt am 17. September die halbszenische Aufführung von Wagners Liebes(tod)-Oper «Tristan und Isolde» in der Regie von Peter Sellars steht.

 

 

Praetoris Musikpreis für Thomas Quasthoff

 

Der Bassbariton Thomas Quasthoff sammelt weiter fleißig Preise und dürfte damit nach Daniel Barenboim und Anne-Sofie Mutter für die Bronzemedaille unter den ewigen Preisträgern prädestiniert sein, obwohl Pierre Boulez ihm auf den Spuren ist. Quasthoff hat nun vorgelegt und den mit 10 000 Euro dotierten Praetorius Musikpreis Niedersachsen erhalten. Er sei, so die Begründung der Jury, eine der bemerkenswertesten Sängerpersönlichkeiten der Zeit und breche spielerisch die Grenzen zwischen ernster und unterhaltender Musik. Ebenfalls ausgezeichnet (und ebenfalls mit 10 000 Euro behängt) wurde der spanische Musiker Jordi Savall. Er erhielt den Internationalen Friedensmusikpreis Niedersachsen für seine Beschäftigung mit Musikkulturen im Schnittpunkt christlicher, jüdischer und islamischer Traditionen. Der Musikinnovationspreis (8000 Euro) ging an den Instrumentalisten Gunter Hampel, der Kompositionspreis (8000 Euro) an Charlotte Seither.

 

 

Klassische Musik auf dem Vormarsch

 

And the winner is – classical music! Wie der Bundesverband Musikindustrie mitteilt, konnte klassische Musik sowohl beim Umsatz wie auch beim Absatz anno 2009 zweistellige Zuwachsraten verbuchen. Dank zahlreicher Jubiläumsveröffentlichungen (Händel, Haydn, Mendelssohn Bartholdy) stieg die Zahl der verfügbaren Klassik-Produkte von rund 54 000 auf etwa 62 000 an.

 

 

Fonds Experimentelles Musiktheater sucht Ideen

Für die Initiative «Fonds Experimentelles Musiktheater» des NRW KULTURsekretariats und der Kunststiftung NRW werden wieder Projektideen gesucht. Die Projekte entstehen in Zusammenarbeit mit Theater- und Opernhäusern Nordrhein-Westfalens. Ziel des Fonds ist es, zeitgenössische Musiktheater-Produktionen zu initiieren, zu erproben und zu fördern. Die nächste Uraufführung ist für den Dezember 2011 an den Städtischen Bühnen Münster geplant. Dafür werden rund 80 000 Euro aus Mitteln des Kultursekretariats und der Kunststiftung bereitgestellt. Bewerbungen können bis zum 15. Mai an das NRW KULTURsekretariat gerichtet werden. Informationen gibt es unter www.nrw-kultur.de 

 

Dmitri Jurowski neuer Chefdirigent der flämischen Oper

 

Der junge russisch-deutsche Dirigent Dmitri Jurowski wird ab dem 1. Januar 2011 neuer Chefdirigent der Flämischen Oper in Antwerpen und Gent. Sein Vertrag hat eine Laufzeit von dreieinhalb Jahren. Bereits im März dirigiert Jurowski, der aus der international bekannten Dirigentenfamilie stammt,  die  Premiere von «Eugen Onegin». Regie führt Tatjana Gürbaca.

 

 

Carmen kommt nach Schenkenberg

Mit gleich neun Open-Air-Aufführungen von Bizets Oper «Carmen» lockt die schweizerische Oper Schenkenberg Besucher im August 2010 in ihr Freilichttheater nach Schinznach-Dorf. Für die Vorstellungen verwandelt sich dieses in eine echte Stierkampfarena, in der die Zuschauer hautnah miterleben, wie es der schönen Carmen und ihrem Don José ergeht. Angst muss man aber nicht haben. Die Stiere sind zahm. Nur Carmen soll, wie wir gehört haben, sehr, sehr temperamentvoll sein. Premiere ist am 11. August. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.regionbrugg.ch

 

 

Großer Besucherandrang beim Kurt Weill Fest in Dessau

 

Die Veranstalter können zufrieden sein. Mit einer Auslastung von 88 Prozent war das 18. Kurt Weill Fest in Dessau ein Erfolg. Rund 9200 Besucher kamen zu den 36 Veranstaltungen.

 

 

Jonas Kaufmann beim Dortmunder Opernball, Jens-Daniel Herzog übernimmt die Oper

 

Am 8. Mai, also am Tag der Befreiung, feiert Dortmund seinen Opernball. Doch bevor es aufs Parkett geht, kommt erstmal die Kunst zu ihrem Recht. Christine Mielitz, Noch-Intendantin der Oper Dortmund, hat ein hübsches Programm zusammengestellt. Und mit Jonas Kaufmann einen hochkarätigen Gast eingeladen, der für den entsprechenden Wirbel wohl sorgen wird. Wer es miterleben will, sollte sich unter der Web-Adresse www.theaterundkonzertfreunde.de kundig machen. Nachfolger von Christine Mielitz wird übrigens der Regisseur Jens-Daniel Herzog. Er tritt sein Amt im August 2011 an, zunächst für fünf Jahre.

 

 

Köln wird Opernstadt

 

Noch bunter treiben sie es im fast benachbarten Köln. Weil die Kölner Oper zu Beginn der kommenden Spielzeit aus ihrem baufälligen Domizil ausziehen muss, zieht sie notgedrungen als Vagabund durch die Rheinmetropole. Spielorte sind unter anderem ein Filmstudio, eine alte Maschinenhalle und die verlassene Zentrale eines Versicherungskonzerns. Vielleicht sollte ein Komponist rasch eine zeitgemäße «Kafka»-Oper für diesen Zweck schreiben.

 

 

Schwetzingen und Bayreuth für Weltkulturerbe nominiert

Die kurfürstliche Sommerresidenz in Schwetzingen ist wie das markgräfliche Opernhaus in Bayreuth (wir berichteten) von der Bundesrepublik Deutschland für die Aufnahme in die UNESCO-Weltkulturerbeliste nominiert worden. Das entschied die Kultusministerkonferenz in einer entsprechenden Sitzung. Die offizielle Nominierung ist Voraussetzung für das Evaluationsverfahren, das ein Antrag durchlaufen muss, um dem jährlich einmal tagenden Welterbekomitee zur Entscheidung vorgelegt werden zu können.

 

Mutig-Preis an Kurt Masur

 

Der Dirigent Kurt Masur ist mit dem Aschaffenburger Mutig-Preis ausgezeichnet worden. Masur erhielt die Ehrung für seinen couragierten Einsatz während der Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989.

 

 

James Conlon erhält Lifetime Achievement Award

 

Der Dirigent James Conlon hat den Lifetime Achievement Award des Italienischen Kulturinstituts in Los Angeles erhalten. Ausgezeichnet wurde der Musikdirektor der Los Angeles Opera für seinen lebenslangen Einsatz für die klassische Musik und seine herausragenden dirigentischen Leistungen.

 

 


Januar 2010

Dietmar Schwarz wird Intendant der Deutschen Oper Berlin

Wie heißt es so schön? Die Kuh ist vom Eis. Und das ist sie in der Tat. Das Bild besitzt gerade im Fall der Deutschen Oper Berlin beträchtlichen Symbolcharakter. Wer auch immer in den letzten Jahren dieses Haus betrat, um Intendant zu werden, bewegte sich auf glattem Grund. Was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet war, dass der Patriarch Götz Friedrich post mortem einen Musentempel zurückgelassen hatte, in dem man überall ausrutschen oder einbrechen konnte – finanziell wie künstlerisch. Udo Zimmermann, sein Nachfolger, besaß veritable ästhetische Visionen, aber kein griffiges administratives Konzept – und zudem mit Christian Thielemann einen unbequemen, inkompatiblen Generalmusikdirektor. Zimmermanns Nachfolgerin, die aparte Kirsten Harms, durfte zwar ihr Team aus Kiel mitbringen, hatte aber erstens kaum Zeit, um ihre Ideen in die Wirklichkeit zu übersetzen, und zweitens wenig Fortune bei der knallharten Berliner Lokalpresse. Nun, nachdem sie ihren Rückzug zum Ende der Spielzeit 2010/11 angekündigt und der richtige (gefühlt siebenundsiebzigste) Kandidat endlich sein Jawort gegeben hat, herrscht in Musik-Berlin trotz eisiger Januartemperaturen wieder einmal Aufbruchstimmung. Mit dem Operndirektor des Theaters Basel, Dietmar Schwarz, kommt ein gestandener Opernmacher an die Spree. Ab der Spielzeit 2012/13 bekleidet Schwarz den Posten des Intendanten an der Deutschen Oper Berlin. Die Lücke zwischen seinem Amtsantritt und dem Rückzug von Kirsten Harms überbrückt das Haus an der Bismarckstraße mit einem kommissarisch agierenden Leitungsdreigestirn, bestehend aus Generalmusikdirektor Donald Runnicles, dem Kaufmännischen Geschäftsführer Axel Baisch und Operndirektor Christoph Seuferle.

Staatsoper Berlin mit Rekordauslastung

Die Berliner Opern verzeichnen für das abgelaufene Jahr 2009 einen leichten Zuschauerzuwachs. Vor allem die Staatsoper Unter den Linden hat noch einmal zugelegt. 244 861 Besucher bei insgesamt 288 Veranstaltungen sorgten für eine Rekordauslastung von 87,4 Prozent; das ist eine Steigerung um 0,3 Prozent. Die beiden anderen Häuser liegen deutlich dahinter, haben aber ebenfalls ein leichtes Plus erzielt. Die Auslastung der Deutschen Oper Berlin betrug 2009 bei einer Zuschauerzahl von 229 000  68,8 Prozent, die der Komischen Oper Berlin bei einer Zuschauerzahl von gut 183 000 knapp 64 Prozent.

 «La Traviata» ist die schönste Oper aller Zeiten

Man hätte es sich denken können. «La Traviata», GiuseppeVerdis schmachtende Oper über die Schwindsucht ist die schönste aller Opern. Das zumindest ist das Ergebnis einer TV-Umfrage, die im Sommer gestartet wurde, unter Zuhilfenahme einer Statistik des Deutschen Bühnenvereins, aus der hervorging, welche 30 Opern die beliebtesten seien, will sagen: die meistaufgeführten. Daraus wählten die Zuschauer zunächst zehn Bühnenwerke aus, die dann im Kultursender 3sat, dem ZDF-Theaterkanal sowie dem Abosender Classica ausgestrahlt wurden (jener Sender, der zur Firma Unitel zählt, die wiederum viele Rechte hält, unter anderem an der «La Bohème»-Produktion mit Anna Netrebko und Rolando Villazon). Am Ende siegte jenes Werk, welches auf der Bühne lediglich den sechsten Platz belegt, aber im Fernsehen anscheinend die größte Wirkung zu entfalten mochte. Und dreimal dürfen Sie jetzt raten, wer die Hauptdarsteller der siegreichen Inszenierung sind: richtig, Netrebko und Villázon, das inzwischen verblühte Traumduo.

 Weltpremiere der Urfassung von Prokofjews «Krieg und Frieden» an der Glasgower Oper

Anlässlich des sich 2010 zum einhundertsten Male jährenden Todestages von Leo Tolstoi wartet die Royal Scottish Academy of Music and Drama mit einer Weltpremiere auf: An der Glasgower Oper wird am 22. Januar erstmals die «entsowjetisierte» Urfassung von Prokofjews Oper «Krieg und Frieden« aus dem Jahr 1942 zu sehen sein. Die dreistündige Fassung wurde anhand von Originalmanuskripten von der Prokofjew-Expertin Rita McAllister realisiert. Sie enthält Duette und komödiantische Elemente, die auf Druck der stalinistischen Kunstwächter entfernt wurden.

 Otmar Suitner ist tot

Die Kombination war reizvoll, wenngleich nicht einmalig. Ein österreichischer Künstler mit Hauptwirkungsort Berlin/Ost. Doch nicht nur in der DDR war der Dirigent Otmar Suitner ein begehrter Mann. Auch in Bayreuth, wo er zwischen 1964 und 1967 den «Ring», «Tannhäuser» und den «Fliegenden Holländer» dirigierte, war der 1922 in Innsbruck geborene Musiker ein gern gesehener Gast. Sein Handwerk hatte er noch bei Clemens Krauss erlernt und so gut, dass er mit nur 38 Jahren bereits Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle wurde, bevor er dann nach Berlin wechselte. Das war 1964 und der Beginn einer lange währenden Künstler-Partnerschaft. Bis 1991 war Suitner Generalmusikdirektor der Staatskapelle Berlin, somit direkter Vorgänger von Daniel Barenboim. Berühmt wurde seine Zusammenarbeit mit Ruth Berghaus und deren Ehemann, dem Komponisten Paul Dessau. Drei Bühnenwerke dieses Komponisten geleitete Suitner musikalisch auf die Bühne: «Puntila» (nach Brecht), «Einstein» sowie «Leonce und Lena» (nach Büchner). Mit der Berliner Staatskapelle reiste er um die Welt, daneben trat er als Gastdirigent unter anderem an der Wiener Staatsoper und in San Francisco auf. Bis 1990 wirkte er zudem als Professor in Wien. Am 8. Januar ist Otmar Suitner im Alter von 87 Jahren verstorben.

 Diskreter Arbeitskampf an der Scala

Laut lokalen Presseberichten haben etliche Musiker des Scala-Orchesters die letzte «Carmen»-Vorstellung genutzt, um ihrem Protest visuellen Ausdruck zu verleihen. Die Musiker trugen während der Aufführung Straßenkleidung. Damit wollten sie ein Zeichen gegen eine angebliche Verletzung arbeitsrechtlicher Bestimmungen bei Auslandseinsätzen setzen. So beklagten sich die Musiker, dass eine Probe in Paris deutlich überzogen worden sei. Das traditionell gut gekleidete Mailänder Opernpublikum war über diese Maßnahme wenig amüsiert und deckte die Musiker mit «Schande»-Rufen ein.

New York Philharmonic mit Rekorddefizit, Streik in Cleveland

Sorgenfalten bei New Yorks Philharmonikern: Nach den neuesten Zahlen beläuft sich das Defizit des Orchesters für die Saison 2008/09 bei einem Budget von 64,5 Millionen US-Dollar auf 4,6 Millionen Dollar. Damit nicht genug der tristen Kunde: Für die laufende Spielzeit rechnen die Verantwortlichen bei einem Budget von 68,9 Millionen Dollar mit einem weiteren Minus von vier Millionen Dollar. Nach Aussagen des Orchestersprechers Eric Latzky ist der Fehlbetrag auf Rückgänge bei den Sponsorengeldern zurückzuführen. Von den vorgesehenen 25 Millionen Dollar hätten lediglich 22,25 Millionen eingeworben werden können. Das Orchester hat auf die missliche Situation bereits reagiert: Die Saläre sind eingefroren, die Anzahl der Freiluftkonzerte wurde reduziert, der Einsatz von Ersatzspielern restriktiver gehandhabt. Gleichwohl steht das große Gejammer noch aus: Ende der Spielzeit 2010/11 laufen die Verträge der Musiker aus. Ein Arbeitskampf  ist dann nicht ausgeschlosssen. Zumal schon jetzt die Kollegen aus Ohio vormachen, wie es gehen kann: Weil Musiker des Cleveland Orchestra in den Streik gegangen sind, können Gastauftritte in Indiana und Florida mit Chefdirigent Franz Welser-Möst nicht absolviert werden. Als Grund für die Aktion nannten Sprecher die zunehmend schlechte Situation der Orchestermusiker: Sie seien nun nicht weiter bereit, Konzessionen zu machen und weitere Lohnkürzungen und Stellenstreichungen hinzunehmen.

Plácido Domingo steht in den USA in der Kritik

Einen Arbeitskampf der besonderen Art führt gegenwärtig Plácido Domingo. Ihm werfen amerikanische Zeitungen nämlich vor, dass er zuviel arbeite. Sowohl die «New York Times« als auch die «Washington Post» äußerten Bedenken am Hyperaktivismus des jüngst auch baritonal engagierten Tenors, der neben zahlreichen Auftritten als Sänger noch versuche, zwei Opernhäuser zu managen: die Los Angeles Opera und die Washington National Opera. Die «New York Times« zitierte dazu Kenner der Brancher, die erklärten, es sei schwierig, von Domingo klare Entscheidungen zu erhalten; zudem hätten seine künstlerischen Ambitionen den Boden der ökonomischen Realitäten verlassen. Domingo hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Vermutlich aus Zeitgründen.

Türkischer Industrieller sponsert die Salzburger Festspiele

Der türkische Industrielle Ahmet Kocabiyik, in seinem Heimatland großzügiger Förderer klassischer Musik und Gründer eines privat finanzierten Orchesters, hat den Salzburger Festspielen von 2011 bis 2013 finanzielle Hilfe zugesagt. Schon vorher kann man Kocabiyiks Orchester an der Salzach hören: Zum Auftakt der diesjährigen Festspiele gastiert das Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra mit Werken von Fazil Say und Mozart.

Roger Norrington wird «Principal Conductor» des Zürcher Kammerorchesters

Das Zürcher Kammerorchester (ZKO) ändert seine künstlerische Führungsstruktur. Ab der Saison 2011/12  wird Roger Norrington, derzeit noch Musikchef des Stuttgarter Radio-Symphonieorchesters, «Principal Conductor» des Ensembles. Der bisherige Chefdirigent Muhai Tang, der zunehmend durch internationale Verpflichtungen gebunden ist, bekleidet dann die Position des Ersten Gastdirigenten. Norringtons Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren; inklusive Wiederholungen soll er das ZKO 15- bis 25-mal pro Saison dirigieren.

Essens Intendant Stefan Soltesz kritisiert die kommunale Politik

Dirigieren, das sollte eigentlich auch Stefan Soltesz. Doch so wütend ist der Intendant und Generalmusikdirektor des Aalto-Musiktheaters Essen, dass er sich genötigt sah, einen Offenen Brief  zu schreiben, der gleichlautend an den Oberbürgermeister der Stadt Essen, Reinhard Paß, den Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Düsseldorf, Jürgen Büssow, sowie an den Kämmerer der Stadt Essen, Lars Martin Klieve, gerichtet war. Darin wirft Soltesz der Politik schwere Versäumnisse vor, was die Erhaltung von (Musik)Theatern betrifft; vor allem aber kritisiert er die Haltung der Politiker, der Kunst generell Verschwendungssucht zu attestieren. Die Kultur, deren Staatsausgaben lächerliche 0,8 Prozent des Gesamtetats betrage, werde zum Sündenbock gemacht. Das, so Soltesz, wolle und werde er nicht hinnehmen: «Die ständige Thematisierung der Kultur im Zusammenhang mit der Finanznot der Städte empfinde ich als unrichtig, beinahe demagogisch», schreibt Soltesz am Ende des Briefes.

 Neuer Konzertsaal für Kent Nagano in Montréal

Kent Nagano und sein Orchestre Symphonique de Montréal eröffnen die Saison 2011/12 in einem neuen Konzertsaal, der eigens für das Orchester errichtet wird. Möglich wurde die Realisierung des Projekts durch ein Partnerschaftsabkommen zwischen der Regierung von Québec und dem kanadischen Baukonzern Groupe Immobilier Ovation. Der Saal wurde nach Plänen des unlängst gestorbenen Akustikers Russell Johnson zusammen mit den Architekturfirmen Diamond & Schmitt Architects und Aedificia erbaut und bietet Platz für 1900 Besucher. Schön ist der Saal obendrein: 70 Prozent der verwendeten Bauteile sind aus Holz.

 Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionswettbewerb neu ausgeschrieben

Gemeinsam mit der Steiermärkischen Landesregierung veranstaltet die Universität Graz den  5. Internationalen Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionspreis. Bis zum 15. März können Tonsetzer, die das 35. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, ihre Libretti respektive ihre Gesamtkonzepte einreichen. Als erster Preis winken 7200 Euro sowie eine Uraufführung des Werkes in Graz. Weitere Informationen über den Wettbewerb gibt es unter der Intenetadresse www.kug.ac.at

 Daniel Huppert gewinnt den Deutschen Operettenpreis für Junge Dirigenten

Der Student der Hochschule für Musik «Franz Liszt» in Weimar, Daniel Huppert, hat den Deutschen Operettenpreis für Junge Dirigenten in Leipzig gewonnen. Er setzte sich vor der in Madrid lebenden Koreanerin Eun Sun Kim, dem in Wien studierenden Lam Tran Dinh sowie Seokwon Hong von der Hochschule «Hanns Eisler» in Berlin durch. Huppert wurde 2009 in die 1. Förderstufe des «Dirigentenforums» des Deutschen Musikrates aufgenommen.

Opéra Royal de Wallonie präsentiert Live-Übertragungen von Opernaufführungen

An der Opéra Royal de Wallonie ist man in der digitalen Neuzeit angekommen. In Zusammenarbeit mit Belgacom und Finale Communication & Events führt das Opernhaus erstmals Live-Übertragungen von Opernaufführungen im Format High Definition durch. Den Auftakt macht am 2. Februar eine Vorstellung von Bellinis Shakespeare-Oper «I Capuleti i Montecchi».

Opéra de Lyon präsentiert Uraufführung von Kaija Saariahos dritter Oper

An der Opéra de Lyon ist am 1. März die Uraufführung der dritten Oper von Kaija Saariaho zu erleben : «Émilie». Das Werk, von Francis Girard in Szene gesetzt und von Kazushi Ono, dem Lyoner Chefdirigenten, musikalisch geleitet, handelt von Madame du Châtelet, einer der wichtigsten Frauen der Aufklärung.

Puccini-Villa von Hochwasser bedroht

Der Ort atmet Aura. Nun aber droht die langjährige Heimstätte des italienischen Komponisten Giacomo Puccini in Torre del Lago das Opfer der Natur zu werden. Nach winterlichem Dauerregen musste die Liegenschaft gegen eindringendes Wasser mit Sandsäcken geschützt werden. In dem Haus am See unterhält Simonetta Puccini, die Enkelin des Komponisten, ein Museum, das zu den beliebtesten Pilgerorten für Opernfans aus aller Welt zählt.

 

Jubilare

Wolfgang Schöne zum 70.

Seine Heimat, könnte man sagen, ist das Schwäbische. Seit 1973 war Wolfgang Schöne Mitglied im Solistenensemble der Stuttgarter Staatsoper, die ihm 2007 die Ehrenmitgliedschaft verlieh. Sein Repertoire umfasst rund 70 Partien; von Barak in «Die Frau ohne Schatten» über Hans Sachs in den «Meistersingern» und Dr. Schön in «Lulu» reicht es bis hin zu Al Radschi in Henzes «L’Upupa», den er erst kürzlich in Dresden verkörperte, und den Titelrollen in «Der fliegende Holländer» und Szymanowskis «Król Roger». Auch im Konzertbereich feiert Schöne seit Jahrzehnten Erfolge; hier vor allem in den Passionen Bachs und den Oratorien von Haydn und Mendelssohn. Am 9. Februar feiert der große Bariton seinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich.

Christoph Eschenbach zum 70.

Sein Debüt als Dirigent gab er 1972, mit Bruckners Dritter; da war er bereits ein gefeierter Pianist. Doch der Taktstock reizte den in Breslau geborenen Christoph Eschenbach zu sehr, als dass er auf diesen Teil seines enormen Talents zugunsten einer glänzenden Solistenkarriere hätte verzichten wollen. Also wandte er sich verstärkt dem Dirigieren zu, wobei das symphonische Repertoire ihn stets weit mehr anzog als der Operngraben. Bereits 1982 wurde Eschenbach Chefdirigent des Tonhalle Orchesters Zürich; es folgten Chefstationen in Houston und beim Ravinia Festival und in Hamburg beim NDR sowie in Paris und Philadelphia. Sein Repertoire reicht vom Barock bis zur zeitge-nössischen Musik, wobei der Schwerpunkt in der späten Romantik und frühen klassischen Moderne liegt. Am 20. Februar wird Christoph Eschenbach 70. Wir gratulieren herzlich.

Jesús López Cobos zum 70.

Ein Philosoph, der dirigieren kann? Wer es nicht glaubt, hat den 1940 geborenen Jesús López Cobos nicht erlebt, an den sich vor allem die Berliner Opernfreunde aus seiner Zeit als Generalmusikdirektor der Deutschen Oper von 1981 bis 1990 noch erinnern werden. Nach einem Philosophiestudium mit anschließender Dissertation ging López Cobos unter anderem zu Hans Swarowsky nach Wien, wo er sich den Feinschliff holte. Neben seiner Berliner Operntätigkeit war er von 1986 bis 2000 Chefdirigent des Cincinnati Symphony Orchestra und ein Jahrzehnt lang Chefdirigent des Lausanner Kammerorchesters. Nach langer Wanderung ist der Spanier 2003 in seiner Heimat eingetroffen. Seit diesem Jahr ist er Musikdirektor am Teatro Real in Madrid. Am 25. Februar feiert Jesús López Cobos seinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich.

Helga Thiede zum 70.

Sie hat die großen Alten unter den Regisseuren noch erlebt. Sowohl bei Ruth Berghaus wirkte Helga Thiede in diversen Inszenierungen mit als auch bei Joachim Hertz und Harry Kupfer. Zu ihren wichtigsten Partien zählen die Leonore in «Fidelio», die Leonora in Verdis «La forza del destino» sowie fast alle weiteren dramatischen Verdi-Partien, ferner Wagner-Rollen wie Elisabeth, Ortrud und die Strauss’schen Frauen: Salome, Chrysothemis, Arabella, Marschallin. Nach ihrem Studium kam Helga Thiede zunächst ans Studio der Lindenoper, bevor sie feste Engagements in Schwerin, Dessau und schließlich Dresden erhielt. Am 6. Februar feiert die Sopranistin ihren 70. Geburtstag, zu dem wir herzlich gratulieren.

Rainer Süß zum 80.

Sein Wirken ist unmittelbar mit der Staatsoper Unter den Linden verbunden. Seitdem er 1962 einen Kollegen vertrat und den Ochs im «Rosenkavalier» sang, war Rainer Süß aus dem Haus in Berlins Mitte nicht mehr wegzudenken. Hier verkörperte der gebürtige Chemnitzer alle wichtigen Basspartien und das über die Maßen lange. Erst 1991 nahm er seinen offiziellen Bühnenabschied, um für den Berliner Bezirk Hellersdorf ins Abgeordnetenhaus einzuziehen, wirkte aber noch bis 1998 als freier Sänger. Nach dem Besuch der Leipziger Thomasschule studierte Süß unter anderem bei Hans Lissmann und war danach zunächst Mitglied des Leipziger Rundfunkchors. Sein Bühnendebüt gab er in Bernburg als Njegus in der «Lustigen Witwe».  Ein Jahr später wurde er an das Landestheater Halle (Saale) verpflichtet. 1962 wurde Süß zum Kammersänger ernannt. Am 2. Februar feiert der Bass seinen 80. Geburtstag. Dazu herzlichen Glückwunsch!

 

Todesfälle

 Abschied von Alexandru Ionitza

Der rumänische Tenor Alexandru Ionitza ist am 2. Januar im Alter von 61 Jahren gestorben. Der Sänger, der erste Bühnenerfahrungen in seiner Heimat sammelte und dann an den Städtischen Bühnen Münster sowie am Münchner Gärtnerplatztheater angestellt war, war seit 1984 Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein, wo er als Henry Morosus in Strauss’ Oper «Die schweigsame Frau» seinen Einstand gab. Weitere wichtige  Rollen des Tenors waren die Titelpartie in «Hoffmanns Erzählungen» und Des Grieux in Massenets «Manon».

Zum Tod von Volker Horn

Der Tenor Volker Horn ist im Alter von 66 Jahren am 20. November 2009 einem Gehirntumor erlegen. Am 13. März 1943 in Klagenfurt geboren, verbrachte er seine Kindheit in Bayreuth, wo er 1954 – damals Mitglied der Regensburger Domspatzen – die Partie des Hirtenknaben in Wieland Wagners «Tannhäuser»-Inszenierung übernahm. An der Wiener Musikhochschule studierte er Gesang und Violine und kam nach Zwischenstationen 1976 an die Deutsche Oper Berlin, der er über mehr als drei Jahrzehnte angehörte. Allerdings wusste man hier seine Fähigkeiten nicht richtig einzuschätzen und setzte ihn überwiegend in Comprimario-Rollen ein. Seine Fachpartien sang er vor allem an großen Bühnen des Auslands: Steuermann am Teatro Bellini in Catania, Loge an der Opéra de Lyon, Lohengrin an der Prager Nationaloper, Parsifal am Teatro La Fenice in Venedig. Große Erfolge hatte er auch als Florestan und vor allem als Max, den er in zahlreichen Produktionen der Oper im In- und Ausland verkörperte. Einigen Nachruhm sichert ihm seine Mitwirkung in Opern von Siegfried Wagner. In nicht weniger als sechs Produktionen von Peter P. Pachl («Der Bärenhäuter», «Banadietrich», «Sternengebot», «Die heilige Linde», «Der Heidenkönig», «Der Kobold») hat er zentrale Rollen gesungen. Alle diese Produktionen liegen bei Marco Polo als CD vor, Letztgenannte auch als DVD. Horn war ein Zwischenfachtenor mit beträchtlichen heldischen Ressourcen, der auch bei Wagner dem Legato-Gesang verpflichtet blieb und immer durch makellose Textverständlichkeit hervorstach. (E. P.)

 Gustavo Becerra-Schmidt ist tot

Der chilenische Komponist Gustavo Becerra-Schmidt ist im Alter von 84 Jahren am 3. Januar in Oldenburg gestorben. Becerra-Schmidt, der 1971 als Kultur- und Presseattaché der chilenischen Botschaft nach Deutschland kam und zwei Jahre später, während des Pinochet-Putschs, um politisches Ayl bat, lebte seit 1974 in der niedersächsischen Stadt und lehrte an der dortigen Hochschule Komposition, Analyse und Musiktheorie. Seine bekannteste Komposition ist das 1985 uraufgeführte «Carl-von-Ossietzky-Oratorium».

Massimo Bogianckino gestorben

Im Alter von 87 Jahren ist Mitte Dezember in Paris der ehemalige Direktor der Opéra de Paris und spätere Bürgermeister von Florenz, Massimo Bogianckino verstorben. Der gebürtige Römer studierte am Konservatorium seiner Heimatstadt und unterrichtete in den fünfziger Jahren in Pittsburgh und Pesaro Klavier, bevor er 1960 die Leitung der Accademia Filarmonica Romana übernahm. Danach ging er als Direktor an die Oper in Rom und an das Teatro Comunale nach Florenz. Seine größte Tat vollbrachte Bogianckino 1983. In diesem Jahr verantwortete er die Uraufführung von Olivier Messiaens Oper «Saint François d’Assise» im Pariser Palais Garnier, die mit Seiji Ozawa als Dirigent Musikgeschichte schrieb.

Dirigent Vjekoslav Sutej gestorben

Im Alter von 58 Jahren ist am 2. Dezember 2009 nach langer, schwerer Krankheit der Dirigent Vjekoslav Sutej gestorben. Sutej war von 1979 bis 1989 Künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Kroatischen Nationaltheaters in Split sowie von 1986 bis 1990 Künstlerischer Leiter des Hollybush-Festivals in New Jersey. Dort hatte die internationale Karriere des in Rijeka geborenen Musikers begonnen. Zwischen 1990 und 1993 war er Musikdirektor des Teatro La Fenice in Venedig, von 1992 an fünf Jahre lang in gleicher Position an der Grand Opera Houston tätig; von 2002 bis 2005 leitete Sutej das Dubrovnik-Musikfestival, bis zu seinem Tod stand er an der Spitze des Zagreb Philharmonic Orchestra. Gastdirigate führten ihn unter anderem beim Verdi-Festival in Pesaro, nach San Francisco, München, Berlin, Frankfurt, Wien, Budapest, Rom und Moskau. 

Rainer Zepperitz gestorben

Im Alter von 79 Jahren ist am 23. Dezember 2009 in Berlin der ehemalige Solobassist der Berliner Philharmoniker und Orchestervorstand  Rainer Zepperitz gestorben. Der in Java geborene Musiker studierte am Düsseldorfer Konservatorium und kam 1951 zu den Philharmonikern, wo er bis zum Jahre 1995 spielte und zwei Mal – von 1966 bis 1978 sowie von 1981 bis 1984 – als Orchestervorstand tätig war. Von 1958 an unterrichtete er parallel an der Hochschule für Musik in Westberlin, heute UdK.

Isaac Schwartz ist tot

Der russische Film- und Theaterkomponist Isaac Schwartz ist Ende Dezember 2009 im Alter von 86 Jahren gestorben. Er komponierte die Musik zu mehr als 100 Filmen, darunter «Die weiße Sonne der Wüste» von Vladimir Motyl (der in der ehemaligen Sowjetunion Kultstatus genießt), und 35 Theaterproduktionen. Den Weg ins Filmgeschäft ebnete ihm weiland kein Geringerer als Dmitri Schostakowitsch. 

Wettbewerbe

Ungar gewinnt «Sacred Music»-Wettbewerb

Der ungarische Bass Levente Pàll hat den ersten Preis beim mit insgesamt 10 000 Euro dotierten Internationalen Musikwettbewerb «Sacred Music» in Rom gewonnen. Der zweite Platz ging an die junge französische Sopranistin Melissa Laura Petit, auf Rang drei landete der italienische Countertenor Flavio Ferri Benedetti. Spezialpreise gingen an den israelischen Sänger David Feldmaan sowie Maximilian Lika aus Deutschland. «Sacred Music» ist weltweit der einzige Wettbewerb, der sich ausschließlich geistlichen Werken widmet. 

Korea dominiert Maritim Musikpreise

Der südkoreanische Bariton Dong Hwan Lee hat den mit insgesamt 20 000 Euro dotierten 10. Maritim Musikpreis gewonnen. Der Student der Hamburger Musikhochschule erhielt 2000 Euro. An dem Wettbewerb am Timmendorfer Strand nahmen junge Nachwuchsänger aus 14 Nationen teil, die an den Hochschulen von Hamburg, Rostock und Lübeck studieren. Den zweiten Platz (1500 Euro) erreichte Dongs Landsfrau, die Sopranistin Yun-Jeong Lee, Rang drei belegten gemeinsam Jungdom Kim aus Südkorea und Szymon Chojnacki aus Polen.

 Die beste Musicalsängerin kommt aus Berlin

Die 23-jährige Berlinerin Julia Gámez Martin hat den ersten Preis beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin in der Kategorie Musical gewonnen. Die junge Sängerin siegte im Finale vor dem zweitplatzierten Florian Soyka (26) aus München. In der Sparte Chanson teilten sich Gisa Flake und Sebastian Strehler den Sieg. Den ersten Preis im Juniorwettbewerb und gleichzeitig den Preis des Deutschen Bühnenvereins für die beste Darstellung einer Musical-Szene erhielt die 20-jährige Nachwuchssängerin Johanna Spantzel aus Berlin. 

Meldungen

Gould und Westbroek sind «Tristan und Isolde» in Bayreuth 2015

Das Titelpaar für die Bayreuther Neuinszenierung von «Tristan und Isolde» 2015 ist gefunden. Katharina Wagner, die für die Inszenierung verantwortlich sein wird, gab jetzt bekannt, dass Stephen Gould und Eva-Maria Westbroek die Hauptpartien übernehmen sollen. Dirigent ist Christian Thielemann.

Villazón kündigt Comeback an

Rolando Villazón feiert sein Comeback. Laut österreichischen Medienberichten kehrt der mexikanische Tenor, der sich wegen einer Erkrankung an den Stimmbändern einer Operation unterziehen und pausieren musste, am 22. März anlässlich einer Aufführung von Donizettis «Liebes-trank» an der Wiener Staatsoper auf die Bühne zurück. Anschließend soll und will Villazón an der Berliner Lindenoper (in «Eugen Onegin») sowie bei Konzerten in Paris und Baden-Baden singen. Für die Salzburger Festspiele ist ein Liederabend mit der französischen Pianistin Hélène Grimaud geplant.

 Holger Schultze geht nach Heidelberg

Holger Schultze, Intendant des Osnabrücker Theaters, wird im Herbst 2011 in gleicher Position das Theater in Heidelberg leiten. Der 47-jährige Kulturmanager, der seit 2005 in Osnabrück erfolgreich arbeitet (unter anderem mit einem 2007 von den deutschen Theaterverlagen prämierten Spielplan, der junge, noch unerprobte Autoren protegiert), folgt auf Peter Spuhler, der seinerseits als General-intendant an das Badische Staatstheater nach Karlsruhe wechselt.

Theaterehe Rostock-Parchim perfekt

Die Theaterehe zwischen Rostock und Parchim ist endgültig unter Dach und Fach. Im November hatte das Mecklenburgische Landestheater in Parchim einem Zusammengehen mit dem Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin eine Absage erteilt. Der Parchimer Intendant Thomas Ott-Albrecht sieht in dem Volkstheater Rostock ein passenderes, großstädtischeres und damit attraktiveres Publikum für seine Bühne, das zumal dem in Parchim angesiedelten Kindertheater stärker zugeneigt sei, wie Ott-Albrecht erklärte. Die Vereinbarung zwischen beiden Häusern sieht nun vor, dass die Parchimer Bühne vollständig über ihre 1,15 Millionen Euro an Landeszuschüssen verfügen kann. Im Fall von Einsparungen ist jedes Haus auf sich selbst und seine (möglichen) eigenen Ressourcen angewiesen. Unterdessen hat der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Peter Leonard, heftige Kritik an den finanziellen Folgen der vom Kabinett in Schwerin beschlossenen Neugliederung der Theaterlandschaften geübt. Den Planungen zufolge drohen Rostock in diesem Jahr bei den Landeszuschüssen erhebliche Einbußen. Falls die Zuschauerzahlen, an denen sich die Subventionen künftig orientieren werden, sich nicht erhöhen (wovon wohl auszugehen ist), muss sich das Haus auf ein Minus von knapp einer Million Euro einstellen.

 Louis-Spohr-Preis für Olga Neuwirth

Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth ist mit dem Louis-Spohr-Musikpreis der Stadt Braunschweig 2010 ausgezeichnet worden. Die mit 10 000 Euro dotierte Ehrung wird alle drei Jahre vergeben. Neuwirths Arbeiten, befand die zuständige Jury, seien durchzogen von einem Grundton skeptischer Spannung. Die Komponistin sei eine scharfe und kritische Beobachterin ihrer von Massen-medien geprägten Umwelt und suche die Auseinandersetzung sowohl mit der Musikgeschichte als auch mit der Medien- und Popkultur.

 Detmold: Landestheater vorerst gesichert

Zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Landestheater Detmold ist erstmalig eine Zielvereinbarung abgeschlossen worden, die dem Haus Planungssicherheit zumindest bis Ende 2011 gibt. Das Landestheater Detmold stimmt darin seine künstlerischen und wirtschaftlichen Konzepte mit der Staatskanzlei ab. Diese schreibt im Gegenzug die institutionelle Förderung in Höhe von 8,2 Millionen Euro für den Vereinbarungszeitraum fest. Der Intendant des Theaters, Kay Metzger, sieht darin ein positives Signal seitens der Politik für die kommenden Träger des Landestheaters und einen großen Vertrauensbeweis für die künstlerische Arbeit seines Hauses, das zuletzt mit einem kompletten «Ring» punkten konnte.

Schlingensief arbeitet wieder am Operndorf

Christoph Schlingensief geht es offiziellen Verlautbarungen zufolge wieder wesentlich besser. Wie der 49-jährige  Film- und Opernregisseur in einem vom Goethe-Institut veröffentlichten Brief mitteilte, haben die Medikamente angeschlagen und die Metastasen im verbliebenen rechten Lungenflügel vorerst verschwinden lassen. Damit stehen auch Schlingensiefs neuestem Projekt keine unüberwindlichen Hürden mehr im Wege: einem Operndorf in Afrika. In Burkina Faso hat Schlingensief unterdessen einen Ort gefunden, an dem er noch in diesem Jahr das Projekt entwickeln will. Bereits im Januar soll auf einem Areal von sechs Hektar Größe mit dem Bau begonnen werden. Zunächst soll eine Schule für 500 Kinder und Jugendliche entstehen, die ihren Schwerpunkt auf Film- und Musikklassen legen wird.

LA Opera in Nöten?

Laut einem Bericht der «Los Angeles Times» steht der Los Angeles Opera das Wasser bis zum Hals. Um zumindest bis zum kommenden Sommer liquide zu bleiben, hat das Los Angeles County einen Sonderkredit von 14 Millionen Dollar bewilligt; ansonsten hätte das Opernhaus schon ab Mitte Dezember seine Rechnungen nicht mehr begleichen können.

Heike Hoffmann übernimmt Salzburg Biennale

Die Kulturmanagerin Heike Hoffmann wird als Nachfolgerin von Hans Landesmann Intendantin der Salzburg Biennale. Laut einem Bericht des ORF will Frau Hoffmann, die in Berlin die Musikbiennale leitete, an der Salzach weniger Uraufführungen forcieren, als vor allem neue Aufführungsformen ausprobieren und Tanz, Literatur, Theater und elektronische Medien integrieren. Die nächste Salzburg Biennale findet im März 2011 statt.

Met: «Tosca» in zwei Inszenierungen?

Laut einem Bericht der «New York Times» erwägt die Metropolitan Opera New York, die umstrittene «Tosca»-Inszenierung von Luc Bondy parallel zur populären Version Franco Zeffirellis derselben Oper zu zeigen. Eine definitive Entscheidung stehe allerdings noch aus, sagte Met-Chef Peter Gelb.

Semperoper sucht Dokumente

Die Dresdner Semperoper sucht Informationen zur Aufführungsgeschichte der Oper «Notre Dame» von Franz Schmidt. Es geht dabei um die Frage, ob die 1914 in Wien uraufgeführte Oper im Mai des Jahres 1916 in einer Dresdner Inszenierung zu sehen war, oder ob die avisierte Premiere am 18. April dieses Jahres eine Dresdner Erstaufführung ist. In der Fachliteratur gibt es Hinweise darauf, dass «Notre Dame» am 2. Mai 1916 an der Semperoper gegeben wurde; beweisen ließ sich diese These jedoch bislang nicht.

Oper Zürich: Ausgeglichener Haushalt

Die Oper Zürich hat für die Spielzeit 2008/09 eine ausgeglichene Rechnung vorgelegt. Bei einem Gesamtvolumen von 131 Millionen Schweizer Franken weist das Opernhaus ein Plus von rund 54 000 Franken auf; dies ist nicht zuletzt auf höhere Zuschüsse der öffentlichen Hand zurückzuführen. Die Beiträge der Sponsoren und Gönner waren hingegen in der Saison 2008/09 rückläufig. Sie beliefen sich auf rund 9,7 Millionen Franken; das sind knapp 200 000 Franken weniger als in der Vorsaison. Die Besucherzahlen erhöhten sich in der Sparte Oper/Operette um ein Prozent, so dass die Auslastung 78,6 Prozent betrug.

 Wien: Meyer stellt Pläne vor

Mehr Mozart, Janácek und Dominique Meyer, designierter Direktor der Wiener Staatsoper, setzt zu seinem Dienstantritt in der Spielzeit 2010/11 mit der Präsentation der da Ponte-Opern einen Mozart-Schwerpunkt. Laut einem Bericht der österreichischen Zeitung «News» plant Meyer insgesamt sechs Opern- und drei Ballettpremieren. Den Auftakt bildet die Übernahme von Jean-Louis Martinotys «Figaro»-Inszenierung aus Paris. Einen weiteren Schwerpunkt sollen die Opern von Janácek bilden. In diesem Zusammenhang hat Meyer mehr Geld für die Wiener Staatsoper gefordert. Das Haus sei im Vergleich zur Opéra de Paris unterfinanziert. In einem Interview mit dem «Standard» erklärte Meyer, die Staatsoper erhalte als Basisfinanzierung mit 51 Millionen Euro lediglich zwei Millionen Euro mehr als das Burgtheater; die Pariser Oper dagegen werde mit 110 Millionen Euro alimentiert. Die hohe Auslastung von gegenwärtig 97 Prozent will der Nachfolger von Ioan Holender mit hochklassigen Mozart- und Strauss-Produktionen halten. Zudem plant er – anscheinend nach dem Vorbild der Berliner Lindenoper – per annum fünf bis sechs Aufführungen einer Barockoper, die mit Hilfe eines Gastorchesters realisiert werden sollen und zwar dann, wenn die Wiener Philharmoniker auf Tournee sind.

Orchester: Tarifeinigung

Der Deutsche Bühnenverein und die Deutsche Orchestervereinigung haben einen neuen Tarifvertrag für Musiker in Kulturorchestern (TVK) unterzeichnet. Damit haben gut fünfjährige Verhandlungen, die zum Teil von Streiks begleitet waren, ihr Ende gefunden. Zum einen knüpft der TVK an viele bislang schon geltende Vorschriften an. Andererseits sind zahlreiche Neuerungen übernommen worden; so wurde insbesondere die Gestaltung der Arbeitszeit flexibilisiert, die Regelung der Medienrechte der notwendigen Nutzung moderner Informationstechnologien angepasst und die Kooperationsmöglichkeiten zwischen einzelnen Orchestern verstärkt. Zugleich wird durch den Tarifvertrag sichergestellt, dass sich die Vergütungen der Musiker der Lohnentwicklung des öffentlichen Dienstes anpassen.

 Thielemann hat in Dresden unterschrieben

Christian Thielemann hat am 18. Dezember 2009 seinen Vertrag als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden ab 2012 unterschrieben. Der Vertrag beginnt am 1. April 2012 und läuft über sieben Jahre bis zum 31. Juli 2019. Er beinhaltet pro Spielzeit mindestens 45 Dirigate im Konzert- und Opernbereich, davon zwölf Symphoniekonzerte (vier Programme) in Dresden, drei Sonderkonzerte und zwölf Opernaufführungen. Zudem sieht der Vertrag mindestens 18 Tourneekonzerte mit der Staatskapelle Dresden pro Saison vor.

Gelsenkirchener Theater wiedereröffnet

Nach einer Umbauzeit von acht Monaten ist das Gelsenkirchener Theater mit einer Operngala wiederöffnet worden. Umgestaltet wurden in der Sanierungsphase die Foyers; zudem erhielt das Theater eine neue Glasfassade, sämtliche Asbestanteile wurden beseitigt. Wichtigster Punkt aber ist die Verbesserung der Akustik: Die Saaldecke wurde um (sage und schreibe) sechseinhalb Meter angehoben und mit steuerbaren Elementen versehen. Alles in allem kostete die aufwändige Sanierung 6,5 Millionen Euro.

Hommage an Hans Werner Henze

Die Kulturhauptstadt Ruhr hat sich im Rahmen des Festivals «Ruhr 2010» für eine umfassende Hommage an den Komponisten Hans Werner Henze zu einem Netzwerk für Neue Musik zusammengeschlossen. Über 40 Partner präsentieren bis zum Dezember Henzes Œuvre und sein gesellschaftliches Handeln von den frühen Anfängen bis zur Gegenwart. Im Zentrum der Werkschau steht ein Auftragswerk der Kulturhauptstadt «Ruhr.2010» und der Semperoper Dresden: «Gisela oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks». Die Uraufführung dieser Oper ist eine Eigenproduktion der Ruhrtriennale; Regie führt Pierre Audi.

Bund erhöht Kulturetat

Der Kulturetat des Bundes erhöht sich in diesem Jahr um 17 Millionen Euro auf insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung von eineinhalb Prozent. Der Bund, erklärte dazu Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), gehe so «mit gutem Beispiel für Länder und Kommunen» voran. Von der Erhöhung profitieren besonders die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die 3,75 Millionen Euro mehr erhält als im Vorjahr, die Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH, deren Etat um 2,1 Millionen Euro aufgestockt wird, sowie die Nationalbibliothek (plus 2 Millionen Euro). Für den Schwerpunkt kulturelle Bildung gibt der Bund künftig eine Dreiviertelmillion Euro zusätzlich aus. Die Bayreuther Festspiele erhalten 600 000 Euro, die Projekte der «Initiative Musik» 500 000 Euro mehr.

 Freunde von Bayreuther haben neuen Vorsitzenden

Georg von Waldenfels, ehemaliger bayerischer Finanzminister, ist neuer Vorsitzender der «Gesellschaft der Freunde von Bayreuth». Zum Jahreswechsel löste er Peter Gloystein ab, der erst im Frühjahr 2009 die Nachfolge von Karl-Gerhard Schmidt angetreten hatte. Die Gesellschaft der Freunde ist wie der Bund, der Freistaat Bayern und die Stadt Bayreuth seit dem Rückzug des langjährigen Festspielleiters Wolfgang Wagner zu einem Viertel an der Festspiele GmbH beteiligt.

Göttinger Händel-Festspielchef wechselt nach Hannover

Der Intendant der Händel-Festspiele Göttingen, Benedikt Poensgen, wird ab Sommer dieses Jahres Leiter des Kulturbüros der Stadt Hannover. Poensgen leitet das renommierte Festival seit zwölf Jahren. Zu seinem neuen Aufgabenbereich in der niedersächsischen Landeshauptstadt zählen die städtische Kunst-, Theater-, Musik- und Literaturförderung, das Kommunale Kino, das Künstlerhaus Kubus sowie die Betreuung der Städtepartnerschaften Hannovers. Poensgen steht an der Spitze eines Teams aus 31 Mitarbeitern.

Komponist Husmann ausgezeichnet

Der Hamburger Komponist und Dirigent Mathias Husmann hat im finnischen Hämeenlinna die Jean-Sibelius-Geburtshaus-Medaille erhalten. Er wurde für seine 2009 uraufgeführte Oper «Zugvögel» ausgezeichnet, in deren Verlauf die Entstehungsgeschichte der achten Symphonie von Sibelius beschrieben wird. Weiterer Preisträger ist Simon Rattle. Der britische Dirigent wurde für seine Einspielungen der Sibelius-Symphonien geehrt.

Niklas Willén ist neuer Chef des WDR-Orchesters


DEZEMBER 2009

Salzburger Festpiele feiern 2010 den «Mythos»

Zu den Ursprüngen zurück – das wollen die Salzburger Festspiele im kommenden Jahr. «Mythos» ist der Titel des Festivals, die ausgewählten Werke entsprechen dem: Strauss’ «Elektra», Wolfgang Rihms neue Oper «Dionysos» (mit Ingo Metzmacher am Pult), die an der Salzach seine Uraufführung erlebt, und Glucks «Orpheus und Euridice» führen in die ewig interessante alte Welt ein; selbst Bergs «Lulu» gilt den Festivalmachern als mythische Figur (der Moderne). Nikolaus Harnoncourt wird diesen Abend freilich nicht dirigieren, statt seiner leitet Marc Albrecht die von Jürgen Flimm inszenierte Aufführung mit Patricia Petibon in der Titelrolle. Das noch einmal von Markus Hinterhäuser konzipierte Konzertprogramm ist dem «Kontinent Wolfgang Rihm» gewidmet. In neun Konzerten erklingen nicht nur Rihms Werke, sondern auch Kompositionen, zu denen Rihm eine besondere Affinität besitzt, unter anderem von Darius Milhaud.

 

Britin vermacht der New Yorker Met ein Vermögen

Eine wohlhabende Britin vermachte der Metropolitan Opera in New York per Testament die erstaunliche Summe von 7,5 Millionen US-Dollar. Mona Webster, die zuletzt im Jahr 2000 eine Aufführung an der Met gesehen hatte, starb im Alter von 96 Jahren. Auch Langspielplatten von Met-Produktionen gehen jetzt nach New York. Warum keine CDs? Ganz einfach: Frau Webster verfügte über ein Grammophon. Das genügte ihr zeitlebens.

 

Finanzloch bei den Wiener Bundestheatern

Die Bundestheater-Holding, unter deren Dach in Wien die Staatsoper, das Burgtheater und die Volksoper zusammengefasst sind, leiden nämlich unter argen finanziellen Nöten. Das Geld, das bis zum Jahre 2011 hätte reichen sollen, wird bereits Ende dieses Jahres verbraucht sein. Laut lokalen Presseberichten seien die Budgets, die einen vorzeitigen Verbrauch vorsehen, vom Bund als Eigentümer der Holding abgesegnet. Somit müssen ab Januar 2011 neue Mittel zur Verfügung gestellt werden. Für die laufende Spielzeit beläuft sich das Budget der Theater auf rund 146 Millionen Euro. Davon entfallen 51 Millionen auf die Wiener Staatsoper, 48 Millionen auf das Burgtheater und 39 Millionen auf die Volksoper.

 

Deutschsprachige Opernhäuser brauchen mehr Theater- und Musikpädagogen

Dass Geld allein nicht alles ist, das wissen wir. Und nehmen deshalb auch die folgende Kunde sehr ernst: Die deutschsprachige Opernkonferenz hält die Einstellung und Beschäftigung von mehr Theater- und Musikpädagogen für dringend erforderlich. Anders seien, so das Ergebnis des dreitägigen Symposiums Anfang November in Frankfurt am Main, die in Deutschland zunehmenden bildungspolitischen Erwartungen, die an die Theater und Orchester herangetragen werden, nicht zu erfüllen. Schon heute böten die Opernhäuser wie alle anderen Theater und Orchester einen wichtigen Beitrag zur kulturellen und ästhetischen Bildung – sowohl durch die tägliche Opernarbeit als auch durch besondere pädagogische Angebote. Diese reichen von Workshops für Schüler über spezielle Informationsangebote – etwa im Internet – bis hin zu besonderen Produktionen für Kinder und Jugendliche.

 

Wasserschäden in der Straßburger Oper

Im schönen Straßburg hat man gegenwärtig ganz andere Sorgen. Ein Bruch in der Kanalisation hat das Untergeschoss der Opéra de Strasbourg rund 40 Zentimeter unter Wasser gesetzt. Rund eintausend Quadratmeter Boden des Gebäudes wurden nass; betroffen sind technische Einrichtungen, die Informatik und die Werkstätten. Zum Glück kam die Feuerwehr schnell und pumpte das Wasser weg. Auch konnten die laufenden Produktionen dennoch realisiert werden.

 

Opernbeschäftigte demonstrieren in Berlin für neuen Tarifvertrag

In Berlin haben, um ihrer Forderung nach einem für sie akzeptablen Tarifvertrag Nachdruck zu verleihen, die künstlerisch Beschäftigten der Berliner Opernstiftung sowie des Konzerthausorchesters einen Brief an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, geschrieben, in dem sie diesen zur unmittelbaren Aufnahme von Gesprächen über die für sie geltende tarifliche Situation aufforderten, und auch gleich auf der Straße demonstriert. Gemeinsam zogen die Sänger und Musiker vor das Rote Rathaus und gaben dort den Gefangenenchor aus «Nabucco». Ungeachtet der Tatsache, dass hier seitens der Interpreten eine historische inkorrekte Parallele gezogen wurde, wurde der stimmstarke Gesang erhört. Ob die Forderung nach mehr Lohn ebenfalls erhört werden wird, steht allerdings dahin.

 

Georges Delnon verlängert bis 2014 in Schwetzingen

Georges Delnon hat seinen Vertrag als Musiktheater-Chef der Schwetzinger Festspiele bis zum Jahr 2014 verlängert. Delnon ist seit 2008 im Amt und leitet seit 2006 zudem das Theater Basel, das für die Spielzeit 2008/09 in der Kritikerumfrage von «Opernwelt» zum «Opernhaus des Jahres» gewählt wurde. Für das kommende Jahr sind in Schwetzingen zwei Premieren programmiert: die anno 1780 entstandene Tragédie lyrique «Andromaque» von André-Ernest-Modeste Grétry sowie «La Père» von Michael Jarre auf einen Text von Heiner Müller.

 

Chor von Durham Cathedral nimmt erstmals Mädchen auf

Die Emanzipation schreitet unaufhaltsam voran. Erstmals seit dem fernen Jahr 1640 hat sich der Chor der Durham Cathedral dazu entschlossen, auch Mädchen in seine Reihen aufzunehmen. An der Seite der zwanzig Knaben singen künftigt junge Nachwuchstalente im Alter von neun bis elf Jahren im Chor mit. Reverend Michael Sadgrove, Dean of Durham, zeigte sich mit der Entwicklung sehr zufrieden. Er schätze sich glücklich, sagte der Dean, Teil eines historischen Momentes zu sein.

 

Pierre Boulez erhält Kyoto Preis

Pierre Boulez erhielt – wie der Evolutionsbiologe Peter Raymond Grant und der Elektronikforscher Isamu Akasaki – den mit umgerechnet 370 000 Euro dotierten Kyoto-Preis, eine der höchsten Auszeichnungen in den Bereichen Kultur und Wissenschaft weltweit.

 

Rolando Villazón ist wieder fit

Rolando Villazón hat sich erholt, seine Stimme funktioniert wieder. Das zumindest sagt der Liebling aller Schwiegermütter und Tenorfreaks selbst. Im Rahmen einer als Home-Video getarnten Pressekonferenz (www.rolandovillazon.com) verkündete Villazón in englischer Sprache, zwei Dinge seien passiert: «Das erste Ding: Meine Haare sind gewachsen. Das zweite Ding: Meine Stimme ist zurück!»

 

Dirigenten für neues Dresdner Konzerthaus

Dirigenten aus aller Welt haben für den Bau eines neues Konzerthauses in Dresden plädiert: «Dresden ist seit Jahrhunderten eine Kultur- und Musikstadt von internationalem Rang», heißt es in einer von der Sächsischen Staatskapelle verbreiteten Erklärung. Sie ist unter anderem von Kurt Sanderling, Daniel Barenboim, Pierre Boulez, James Levine, Nikolaus Harnoncourt und Zubin Mehta unterzeichnet. Grund für die Petition besteht allemal. Zwar hat die sächsische Landeshauptstadt zwei ausgezeichnete Orchester (Sächsische Staatskapelle, Dresdner Philharmonie), aber keinen angemessenen Saal. Favorisiert wird, da die Stadt nicht genügend Finanzmittel hat, der Umbau des 40 Jahre alten DDR-Kulturpalastes zu einem klingenden Musentempel.

 

UdK-Präsident Martin Rennert bleibt im Amt

Der neue UdK-Präsident ist der alte. Mit großer Mehrheit wurde Martin Rennert im Amt bestätigt. Rennert ist seit 1985 Professor an der Universität der Künste Berlin und seit 2005 deren Präsident.

 

Simon Standage erhält Telemann-Preis 2010

Der britische Dirigent und Geiger Simon Standage erhält den mit 2500 Euro dotierten Georg-Philipp-Telemann-Preis der Stadt Magdeburg. Gewürdigt wird damit nach den Worten des Magdeburger Kulturbeigeordneten Rüdiger Koch das «umfangreiche Wirken des Interpreten und Hochschullehrers für die Verbreitung der Werke Telemanns». Standage lehrt unter anderem an der Londoner Royal Academy of Music und war Juror bei unterschiedlichen Wettbewerben, so auch beim Telemann-Wettbewerb.

 

Catherine Rückwardt verlässt Mainz

Die Dirigentin Catherine Rückwardt, Generalmusikdirektorin des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz, wird dieses Amt im Jahr 2011 aufgeben. Nach zehn Jahren am Staatstheater Mainz wolle sie sich «neuen Herausforderungen» stellen, hieß es in einer Mitteilung aus dem rheinland-pfälzischen Kultusministerium.

 

Niklas Willén leitet ab 2010 das WDR-Rundfunkorchester

Sorgen haben die einen, Planungssicherheit die anderen. Der schwedische Dirigent Niklas Willén übernimmt im September 2010 für drei Jahre die Position des Chefdirigenten beim WDR Rundfunkorchester in Köln. Willén, der seit der Spielzeit GMD am Volkstheater Rostock ist, tritt die Nachfolge von Michail Jurowski an, dessen Vertrag 2008 ausgelaufen war.

 

Juilliard School erwirbt Beethoven-Manuskript

Die New Yorker Juilliard School hat ihrer Sammlung historischer Musikmanuskripte zwei wertvolle Objekte hinzugefügt: ein Autograph von Beethovens «Kreutzersonate» und einen Auszug aus dem Oratorium «Elias» von Felix Mendelssohn Bartholdy mit Korrekturen des Komponisten. Die beiden Dokumente sind laut einem Bericht der New York Times Geschenke des Mäzens Bruce Kovner, der dem Institut bereits eine große Sammlung an historischen Dokumenten überlassen hat.

 

Sprechtheater in Luzern soll Salle Modulable weichen

Der Luzerner Stadtrat will das Theater der Stadt in die geplante Salle Modulable integrieren und aufs Musiktheater konzentrieren. Laut einer Medienmitteilung ist der Stadtrat der Meinung, dass keine zusätzlichen Subventionen seitens der Stadt und des Kantons Luzern an die Salle Modulable gehen können. Basis seien die 20,2 Millionen Schweizer Franken, die gegenwärtig dem Luzerner Theater zukommen. Aufgrund der angespannten Finanzsituation sei es angeraten, in der Salle Modulable einen aufs Musiktheater fokussierten Saisonbetrieb zu führen; das bisherige Theatergebäude solle dann aufgegeben werden.

 

Menuhin-Festival gründet eigenes Orchester

Das in Gstaad ansässige Menuhin-Festival wird ab dem Jahr 2010 ein eigenes Symphonieorchester unterhalten. Als Principal Conductor amtet Maxim Vengerov, als zweiter Dirigent Kristian Järvi. Die Basis des Ensembles bildet das derzeit 45-köpfige Kammerorchester Basel, das zum Zwecke der Erweiterung zu einem symphonischen Ensemble um 35 Musiker aufgestockt wird, die aus Klangkörpern wie dem Tonhalle-Orchester Zürich oder dem Gewandhausorchester Leipzig kommen sollen. Auch einen Namen hat die Neugründung schon: «Gstaad Festival Orchestra» soll sie heißen – und zur eigenen Finanzierung Europa-Tourneen absolvieren.

 

Mehr Oper für Blinde und Sehbehinderte

Am 5. Dezember organisiert das Hessische Staatstheater Wiesbaden eine barrierefreie Vorstellung von Verdis «Il trovatore» für Blinde und Sehbehinderte. Die visuellen Zeichen der Aufführung sind für die Besucher per Live-Audiodeskription zugänglich. Die Erläuterungen zur Oper werden von dem Berliner Autorenteam des Vereins «Hörfilm e. V.» erstellt und eingesprochen. Bundesweit zählt das Hessische Landestheater damit zu den ersten Institutionen, die solche Veranstaltungen anbieten.

 

Gesangwettbewerb in Spoleto

Mit insgesamt 43 000 Euro ist die European Community Competition «A. Belli» in Spoleto dotiert. Anmeldeschluss für die 64. Auflage des internationalen Gesangwettbewerbs ist der 17. Februar 2010. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.tls-belli.it

 

Stefan Blunier wird Erster Gastdirigent beim Orchestre National de Belgique

Der Bonner Generalmusikdirektor Stefan Blunier wird mit Beginn der Saison 2010/11 «Premier Chef Invité» des Orchestre National de Belgique. Blunier soll mit dem Orchester vor allem das französische und russische Repertoire sowie zeitgenössische Werke einstudieren. Sein Vertrag ist auf drei Jahre abgeschlossen.

 

Stradivari-Ausstellung in Köln abgesagt

Eine Ausstellung mit Instrumenten Antonio Stradivaris im Kölner Wallraf-Richartz-Museum unter dem Titel «Stradivari – Mythos und Musik» muss aus wirtschaftlichen Gründen abgesagt werden.

 

Klanginstallation von Erwin Stache in Weimar beschädigt

Eine anlässlich der 22. Tage der Neuen Musik in Weimar auf dem Goetheplatz aufgestellte Klanginstallation von Erwin Stache wurde mutwillig beschädigt. Unbekannte Täter rissen vier Klangstäbe aus ihrer geschweißten Halterung.

 

Honululu Symphony Orchestra bankrott

Die Honululu Symphony ist bankrott. Sämtliche Konzerte des Orchesters wurden gestrichen. Das 109 Jahre alte Ensemble steht vor einem Schuldenberg von einer Million US-Dollar und verfügt über keine flüssigen Mittel mehr, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

 

Jugendprojekte in Hannover und Hitzacker erhalten Förderpreis Musikvermittlung

Das für 2010 geplante Jugendprojekt «Rheingold – Der Film» von der Staatsoper Hannover, dem MusikZentrum Hannover und der TVN GROUP Film & TV Productions wird mit dem erstmalig ausgeschriebenen Förderpreis Musikvermittlung ausgezeichnet. Ausgelobt ist die Ehrung von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Initiative «Musikland Niedersachsen». Ebenfalls ausgezeichnet wurden die Sommerlichen Festtage Hitzacker für ihr Projekt «Labor Orchester», das im Rahmen der Saison 2010 realisiert wird.

 

Anne-Sophie Mutter erhält den Preis der Kulturstiftung Dortmund

Anne-Sophie Mutter, die Geigen-Nestorin der Nation, wird für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Im März 2010 wird sie den mit 25 000 Euro dotierten «Preis der Kulturstiftung Dortmund» entgegennehmen.

 

Nach fünfjährigem Vorlauf ist es nun so weit: Das Ruhrgebiet wird sich ab Januar des kommenden Jahres als Kulturhauptstadt Europas präsentieren. Das Programm der «Ruhr 2010» umfasst rund 300 Projekte und 2500 Veranstaltungen. Unter anderem ist eine Hommage an den aus Westfalen stammenden Komponisten Hans Werner Henze geplant. Henze arbeitet derzeit an einer neuen Kinderoper (Arbeitstitel: «Gisela oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks»), die im September 2010 unter der Leitung von Steven Sloane und in der Regie von Pierre Audi uraufgeführt werden soll. Auch sonst wird die Auseinandersetzung mit Henzes Bühnenwerken eine große Rolle spielen: Mühlheim macht «Pollicino», Dortmund «Der junge Lord», Oberhausen «El Cimarrón», Essen die «Elegie für junge Liebende», die Deutsche Oper bereitet «Phaedra» vor, und der WDR reaktiviert die Funkopern «Ein Landarzt» und «Das Ende der Welt». Konzerte, Kinderprogramme und ein Henze-Symposium (Essen) runden den Schwerpunkt ab. Weitere Informationen unter www.ruhr2010.de

Der Kaufmännische Geschäftsführer der Niedersächsischen Staatstheater Hannover GmbH, Jürgen Braasch, hat seinen Vertrag um fünf Jahre bis 2016 verlängert. Braasch bekleidet das Amt seit 2006.

Im Alter von 82 Jahren ist in Stockholm die schwedische Sopranistin Elisabeth Söderström nach längerer Krankheit gestorben. Die Sängerin, 1927 geboren, studierte an der Royal Academy of Music sowie an der Opera School in ihrer Heimatstadt Stockholm und debütierte 1947 in Mozarts «Bastien und Bastienne» am dem in der Nähe der schwedischen Hauptstadt gelegenen Drottningholm Court Theatre. In den Folgejahren war Elisabeth Söderström Stammgast beim Opernfestival in Glyndebourne und machte sich vor allem als Strauss-Interpretin einen Namen. In den Jahren 1969/70 wirkte sie an der Aufnahme von Debussys einziger Oper «Pelléas et Mélisande» unter der Stabführung von Pierre Boulez mit.

Vierzehn Jahre war sie an der Met. Von 1936 bis 1950. Dort verkörperte Anna Kaskas sämtliche Altrollen, die auf der Bühne erschienen: die Maddalena in «Rigoletto», das Kindermädchen im «Boris Godunow» und viele weitere Partien, auch im zeitgenössischen Bereich. 1907 als Kind litauischer Eltern in Connecticut geboren, studierte die Sängerin in Hartford, Litauen und Italien, bevor sie eine der Met-Auditions siegreich beendete, die ihr den Weg zur Oper ermöglichten. Nach ihrem Abschied von der Met 1950 sang sie vor allem Recitals. Am 4. Januar wäre Anna Kaskas 100 geworden.

Ein Messerschleifer, der singen kann? Wer es nicht glaubt, kannte den 1909 geborenen Sohn Solingens, Friedrich Eugen Engels nicht, und vor allem seine Stimme nicht. Ausgestattet mit einem Stipendium, ging Engels 1930 an die Kölner Musikhochschule und wurde gleich danach, man schrieb das Jahr 1933, als erster lyrischer Tenor an den Reichssender Köln engagiert. Fortan machte er Karriere, als «Sänger vom Bergischen Land». In über 900 Rundfunksendungen wirkte Engels mit. Während des Zweiten Weltkriegs tourte er über die Kriegsfelder – als
Unterhaltungskünstler für die Soldaten. Mitte der 1960er Jahre beendete er seine Karriere. Am 4. Januar wäre Engels, der 1994 verstarb, 100 geworden.

Das Royal Opera House of London hat einen ungewöhnlichen Kompositionsauftrag erteilt: Junge Talente zwischen elf und 14 Jahren sind aufgefordert, eine Fanfare zu komponieren, die als Ersatz für das nüchterne Pausenzeichen dienen soll, das wie eine Schulglocke klingt. Die neue Komposition soll eine Dauer von einer halben Minute haben; die Instrumentation ist frei zu wählen.

Christoph Schlingensief hat die Festspielleitung der Bayreuther Festspiele scharf kritisiert. In einem Interview mit der «Rheinischen Post», das er im Rahmen einer Lesereise gewährte, sagte der Regisseur und Filmemacher, er empfinde «die ganzen Vermarktungsmätzchen in Bayreuth und die Geschichten rund um die Familie als mickrig». So hält Schlingensief beispielsweise die Übertragungen aus dem Festspielhaus auf eine Großleinwand open air für falsch. «Das Magengefühl, das man in Bayreuth, in diesem Klangkörper von Opernhaus empfinden kann, ist einmalig, das kann man nicht übertragen.»

Die gemeinsame Internetseite der Berliner Bühnen (www.berlin-buehnen.de) hat ihr fünfjähriges Bestehen gefeiert. Nach Informationen der beteiligten Institutionen informieren sich jeden Monat etwa 45 000 kulturinteressierte Zuschauer, darunter auch Fachjournalisten, auf dem Portal über die Aktivitäten der einzelnen Häuser.

Mehr als 50 Design-Entwürfe für das neue Theater in Ljubljana sind seit Ende November auf der Internetseite www. theatre-architecture.eu/student-competition zu besichtigen. Beteiligt an dem Architekturwettbewerb waren Studenten aus Tschechien, Ungarn, Polen, der Slowakei und Slowenien. Besucher der Internetseite können noch bis zum 10. Januar ihr Votum über den ihrer Ansicht nach gelungensten Entwurf abgeben.

Am 30. Januar laden die Deutsche Oper am Rhein und die Deutsche AIDS-Stiftung zur festlichen AIDS-Operngala ins Opernhaus Düsseldorf. Die Gala steht unter der Schirmherrschaft des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Dirk Elbers.

Die Schweizer Privatbank Julius Bär wird neuer Sponsor des Verbier Festivals. Für zunächst vier Jahre ist die finanzielle Unterstützung unter Dach und Fach. Presenting Sponsor des Festivals, das in diesem Jahr vom 16. Juli bis 1. August stattfindet, bleibt die Firma Rolex.

Peter Schwenkow, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Entertainment AG (DEAG), ist zum Professor für Veranstaltungswesen und multimediale Vermarktung am Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater Hamburg ernannt worden.

Zehn Wochen dauert das «Ring Festival LA», das am 15. April an der Oper von Los Angeles mehr als einhundert kulturelle und erzieherisch wirkende Institutionen zusammenbringt und inspiriert wurde durch die erste «Ring»-Produktion am Hause. Nach offiziellen Angaben soll das Unternehmen das wichtigste Kunst-Festival seit dem Olympic Arts Festival 1984 sein. Neben Opernaufführungen und Konzerten gibt es beim «Ring Festival LA» rund um das Motto Seminare, Konferenzen, Workshops und Filme, darunter die USA-Premiere eines Dokumentarfilms über die Familie Wagner von Tony Palmer.

Die Internationale Bachakademie und ihr musikwissenschaftlicher Leiter Norbert Bolín haben sich, wie es so schön heißt, in gegenseitigem Einvernehmen getrennt. Zugrunde liegt eine strukturelle Veränderung innerhalb der Bachakademie. Künftig wird der Bereich Musikwissenschaft mit dem Bereich Dramaturgie verschmolzen. Neuer Leiter ist Michael Gassmann, der bereits seit dem Oktober 2008  als Dramaturg für das Musikfest Stuttgart arbeitet.

Simon Rattle hat seinen Vertrag mit dem Plattenlabel EMI Classics um vier Jahre verlängert. Zu den Aufnahmeplänen des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker zählen eine integrale Einspielung von Tschaikowskys Ballettmusik «Der Nussknacker», eine Auftragsarbeit für den Jazzer Wynton Marsalis sowie eine CD mit Arnold Schönbergs «Begleitmusik zu einer Lichtspielszene».

Stephen Layton wird neuer Künstlerischer Leiter und – neben Michael Collins – Principal Conductor der City of London Sinfonia. Der 42-Jährige, gegenwärtig Leiter der Musikabteilung am renommierten Trinity College von Cambridge, übernimmt den Posten beim Orchester offiziell im September dieses Jahres. Sein Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren, ebenso der Vertrag von Collins. Die City of London Sinfonia war 1971 vom inzwischen verstorbenen Richard Hickox gegründet worden und hat ihren Schwerpunkt auf der britischen und zeitgenössischen Musik. Mit der Einspielung von Brittens «Death of Venice» gewann das Orchester 2006 einen Grammy.

Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz baut ihr Education-Programm «Listen to our future» aus – mit dem interaktiven Musikmuseum «KlangReich». Das Programm stellt innerhalb der deutschen Orchesterlandschaft ein absolutes Novum dar. Im Museum werden klasssische Musik und ihre Instrumente durch multimediale Darstellung und Experimente in allen Facetten aktiv erfahrbar. So können etwa in einer Percussion-Ecke Schlaginstrumente ausprobiert und in Experimenten physikalische Grundlagen des Schalls erkundet werden. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit für die Benutzer, sich mit Musikgeschichte und Musiktheorie zu beschäftigen. Geöffnet ist das «KlangReich» für Gruppen aller Altersklassen nach Voranmeldung. Um eine optimale Nutzung des Angebots zu gewährleisten, werden die Besucher von fachkundigem Personal durch die Räumlichkeiten geführt.

Am Ries-Haus in Bad Godesberg ist eine Gedenktafel zu Ehren des Komponisten Ferdinand Ries angebracht worden. Diese war anlässlich des 225. Geburtstags Ries’ von der soeben gegründeten Ferdinand-Ries-Gesellschaft gestiftet worden.

Werke von 21 Komponisten, 10 Uraufführungen, volle Häuser – das ist die Bilanz des Festivals für Neue Musik in Sachsen-Anhalt IMPULSE. Bei der zweiten Auflage des Festivals stand das Jugendprojekt IMPULS-BACKSTAGE im Mittelpunkt, das unter dem Titel «Odysseus» eine Musiktheater-Adaption der Homerischen Odyssee realisierte.

Die in Sachsen-Anhalt beheimatete Hans und Eugenia Jütting-Stiftung hat erneut Stipendien für Nachwuchskünstler in den Bereichen Streich-/Klavierquartett, Gesang, Cembalo, Oboe und Jazz-Ensemble vergeben. Unter den Geförderten befindet sich auch die Mezzosopranistin Anna Bineta Diouf, die an der Musikhochschule in Detmold studiert.

Cameron Poole, der frühere Finanzchef des London Philharmonic Orchestra, soll das Ensemble mit Unterschlagungen in Höhe von umgerechnet 620 000 Euro geschädigt haben. Laut einem Bericht des «London Evening Standard» habe Poole, der ein Jahressalär von rund 100 000 Euro bezog, damit seinen aufwändigen Lebensstil (inklusive einer teuren Immobilie im Süden Londons) finanziert. Der 35-jährige Manager hatte das Orchester im August verlassen. Nun hat ihn sein früherer Arbeitgeber verklagt, um zumindest einen Teil des Geldes zurückzuerhalten. Entdeckt wurde der finanzielle Missstand im Zuge einer internen Buchprüfung.

Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, hat den Beschluss der Kultusministerkonferenz, die Schulfächer Musik, Kunst und Sport zuzusammenzulegen, scharf kritisiert. Der Beschluss dürfe nicht umgesetzt werden, so Höppner, «weil dadurch die Kinder und Jugendlichen noch weniger qualifizierten Musikunterricht erhalten würden, als das bisher schon der Fall ist». Die wünschenswerte Zusammenarbeit der künstlerischen Fächer in der allgemeinbildenden Schule könne unter dem Blickwinkel der musisch-ästhetischen Erziehung nur gelingen, wenn die Eigenständigkeit und inhaltliche Profilierung des Faches Musik gewährleistet sei.

Der deutsche Musikrechte-Vermittler GEMA hat höhere Abgaben der Konzertveranstalter zugunsten von Komponisten, Textern und Musikverlagen durchgesetzt. Die Schiedsstelle beim Deutschen Patent- und Markenamt billigte die Tariferhöhung. Danach müssen künftig bei Konzerten mit mehr als 15 000 Besuchern – also einer Zahl, die auf den Opernbühnen hierzulande nie je erreicht wird – nach Abzug sämtlicher Nachlässe rund 6,12 Prozent statt bisher 3,58 Prozent der Bruttoeinnahmen an die Inhaber der Musik-Urheberrechte abgeführt werden. Auch zu-
sätzliche Einnahmen durch Sponsoring und Werbung stellen nach dem Urteil der Schiedsstelle künftig einen geldwerten Vorteil dar und sind deswegen ebenfalls in die Berechnung der Vergütungshöhe mit einzurechnen. Gegen den Schiedsspruch können nach Angaben der GEMA, die in Deutschland die Urheberrechte von mehr als 60 000 Komponisten, Textautoren und Musikverlegern vertritt, beide Seiten binnen eines Monats Widerspruch einlegen. 

 


OKTOBER 2009

 

Roberto Alagna und Angela Gheorghiu gehen getrennte Wege

Es ist ein Drama. Ach was, Drama. Es ist ein Alptraum. Das Traumpaar der Opernbühne ist nicht länger ein Paar. Das jedenfalls hat Roberto Alagna, in einem Interview mit «Figaro» gesagt. Er und Angela hätten sich getrennt, so Alagna. Allerdings sei Angela noch nicht bereit, in eine Scheidung einzuwilligen. Und weil er schon einmal beim Ausplaudern von persönlichen Dingen war, erzählt Alagna auch, dass er zwar in der Schweiz lebe, aber in Frankreich seine Steuern entrichte. Für einen Galaabend erhielte er eine Gage von 60000 Euro, und wenn er mehr Geld benötige, dann trete er eben in Abu Dhabi oder in Japan auf, wo es rund 100000 Euro für einen Abend gebe. Spärlich nimmt sich dagegen das Honorar für einen Abend in der Oper aus. Dort betrage die Gage «nur» 13000 Euro, sagte Alagna. Von diesem Geld sehe er allerdings nicht viel, weil die Hälfte für Steuern abgehe und an Agenten. Der Rest seien Spesen.

 

Christian Thielemann geht nach Dresden

Wie viel Gage Christian Thielemann für einen Abend erhält, wissen wir leider nicht. Was wir aber wissen, ist, dass er der bayerischen Kapitale 2011 den Rücken kehrt, sich also von den Münchner Philharmonikern trennt, und dass er eine neue künstlerische Ehe eingehen wird. Mit Beginn der Saison 2012/13 wird Thielemann Chefdirigent der Staatskapelle Dresden. Dort löst er Fabio Luisi ab, der 2012 als Generalmusikdirektor der Oper in Zürich wird.

 

Fabio Luisi auf Tournee durch die Schweiz

Und damit die Schweizer Musikliebhaber den Neuen gleich mal richtig gut kennenlernen, unternimmt Luisi eine ausgedehnte Tournee durch das gleichermaßen schöne wie bergige Land. Im Rahmen der Migros-Kulturproduzent-Classics (was für ein Name) gastiert er mit den Wiener Symphonikern Ende Oktober in Bern, Genf, Luzern und Zürich.

 

Zürcher Oper erleichtert Studenten den Zugang

Studenten aus der Schweiz und dem benachbarten Ausland können sich ab sofort auf der Website der Oper Zürich einloggen und online für mehrere Vorstellungen Karten zu Spezialpreisen erwerben. Bisher konnten Studenten ausschließlich an der Billettkasse und neunzig Minuten vor der jeweiligen Vorstellung kostengünstige Tickets erwerben. Weitere Information gibt es, wen wundert es, im Netz. Unter www.opernhaus.ch.

 

Genesung von James Levine verzögert sich

Länger als geplant warten müssen hingegen die Fans des amerikanischen Dirigenten James «Jimmy» Levine. Der hatte sich einer Rückenoperation unterziehen müssen und kann deshalb weder in der New Yorker Met noch an der Spitze des Boston Symphony Orchestras stehen. Eigentlich sollte er am 22. Oktober wieder dirigieren, um den Zyklus der Beethoven-Symphonien zu interpretieren. Nun wird wahrscheinlich eine weitere Woche ins Land gehen, bevor sich Levine mit Beethoven in Boston auseinandersetzt.

 

Jun Märkl verlässt Lyon

Jun Märkl will seinen 2011 auslaufenden Vertrag als Musikalischer Leiter des Orchestre National de Lyon nicht verlängern. Grund ist ein Dissens mit dem neuen Generaldirektor Laurent Langlois, der ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Konzertprog