August 2010 Abschied Der deutsche Filmemacher, Performer und Regisseur Christoph Schlingensief ist tot. Er erlag am 21. August seiner Krebserkrankung. Bereits Anfang Juli hatte Schlingensief eine Produktion für die diesjährige Ruhrtriennale kurzfristig absagen müssen, weil sich sein Zustand rapide verschlechtert hatte. Nachdem die behandelnden Ärzte neue Metastasen diagnostiziert hatten, sah sich «der Autor und Regisseur nicht in der Lage, im geplanten Zeitrahmen sein Werk zur Aufführung zu bringen», teilten die Veranstalter mit. An der Berliner Staatsoper sollte Schlingensief die Oper «Metanoia» von Jens Joneleit inszenieren, die Anfang Oktober im Schiller Theater, der Ausweichspielstätte des Hauses, unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim uraufgeführt werden soll. Wer das Projekt nun szenisch betreuen wird, ist derzeit noch offen. Schlingensief war einer der bedeutendsten und zugleich umstrittensten Theater-, Film- und Performancekünstler Deutschlands. Seine Arbeiten bezeugten mit den Mitteln dadaistischer Subversion und Provokation und unter Nutzung der Medien stets eine Suche nach Authentizität, Wahrhaftigkeit und spirituellem Sinn in einer zunehmend aus der Balance geratenen Welt. Von den frühesten Filmen bis zu seinen späten Theaterprojekten wie «Mea Culpa» an der Wiener Hofburg oder seinen Operninszenierungen in Bayreuth («Parsifal»), Manaus («Der fliegende Holländer») und an der Deutschen Oper Berlin (Walter Braunfels’ «Jeanne d’Arc») propagierte Schlingensief dabei auch immer jenen offenen, erweiterten Kunstbegriff, den Joseph Beuys einst forderte. Kunst war für den Apothekersohn aus Oberhausen vor allem politischer Kommentar zum Verhältnis von Kunst und Leben. Am 21. Oktober wäre Christoph Schlingensief 50 Jahre alt geworden. Ein ausführlicher Nachruf folgt in unserem Jahrbuch «Oper 2010». Leonid Brumberg, ein bedeutender Vertreter und Wahrer der Moskauer Klavierschule, ist nach Angaben seiner Familie im Alter von 85 Jahren in Wien verstorben. Brumberg wurde in Rostow am Don geboren und studierte am Moskauer Konservatorium Klavier bei Heinrich Neuhaus, Instrumentation bei Dmitri Schostakowitsch und Komposition bei Nikolaj Mjaskowski. Als Assistent von Neuhaus, dem Pädagogen und Ziehvater von Swjatoslaw Richter und Emil Gilels, unterrichtete Brumberg an der Gnessin-Akademie in Moskau, der er später als ordentlicher Professor angehörte. Im Laufe der Zeit wuchs sein Repertoire auf über 30 Klavierkonzerte und 100 Soloprogramme an, darunter die 32 Klaviersonaten von Beethoven und das Gesamtwerk Chopins. Seit seiner Emigration nach Wien im Jahre 1981 gab Leonid Brumberg Konzerte in ganz Europa sowie im Nahen und Fernen Osten. Seit 1982 war Brumberg, von dem zahlreiche Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen vorliegen, Professor am Konservatorium der Stadt Wien. Er gehörte auch zu den Stammkünstlern des Rheingau Musik Festivals. Hier führte er unter anderem in den Jahren von 1991 bis 1996 das gesamte Klavierwerk Chopins auf. Jubilare Daniel Barenboim feiert sein 60-jähriges Bühnenjubiläum. Gerade sieben Jahre alt war Daniel Barenboim, als er am 19. August 1950 in Buenos Aires sein erstes Konzert als Pianist gab. Grund genug, in seiner Heimatstadt auch das jüngste Jubiläum zu begehen. Noch bis zum 31. August gastiert Barenboim in dem unlängst wiedereröffneten Teatro Colón, wo er insgesamt zehn Konzerte dirigieren wird. Mit dem West-Eastern Divan Orchestra wurden und werden in sieben der zehn Konzerte neben Werken von Pierre Boulez, Arnold Schönberg und Robert Schumann auch alle neun Sinfonien Ludwig van Beethovens aufgeführt. Mit dem Orchester und dem Chor der Mailänder Scala stehen Verdis «Aida» sowie dessen «Messa da Requiem» auf dem Programm. Der Regisseur und Intendant Hansgünther Heyme feierte am 22. August 2010 seinen 75. Geburtstag. Heyme gilt als einer der profiliertesten Theatermacher der Nachkriegszeit. Zusammen mit Peter Stein begründete er in den sechziger Jahren das moderne Regietheater in Deutschland und war mit seinen Produktionen wiederholt beim Berliner Theatertreffen eingeladen. Nach Stationen in Köln, Stuttgart, Essen und Bremen leitete Heyme von 1990 bis 2003 die Ruhrfestspiele Recklinghausen, seit 2004 ist er Intendant des Theaters im Pfalzbau der Stadt Ludwigshafen am Rhein. In einer Gemeinschaftsproduktion mit der Oper Halle und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der musikalischen Leitung von Karl-Heinz Steffens wird er in Ludwigshafen und Halle von 2010 bis 2013 Richard Wagners «Der Ring des Nibelungen» neu inszenieren. Wettbewerbe Der diesjährige Hersfelder Opernpreis geht an Marlene Lichtenberg aus München. Die Mezzosopranistin habe ihrer Rolle der Fenena in der Verdi-Oper «Nabucco» mit ungewöhnlichem Stimmvolumen sowie schlackenloser Intonation und Bühnenpräsenz Gewicht verliehen, lobte Thomas Wurzel von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen bei der Preisverleihung in der Bad Hersfelder Stiftsruine. Den Orpheuspreis für Nachwuchssänger erhielt der Tenor Daniel Wagner, der die Jury musikalisch und darstellerisch in Mozarts «Zauberflöte» als Tamino überzeugte. Der Ensemble-Preis wurde an das Orchester «Virtuosi Brunensis» aus Tschechien verliehen. Träger der Hersfelder Opernfestspiele ist der «Arbeitskreis für Musik», eine Vereinigung von Bürgern aus Bad Hersfeld. Die künstlerische Leitung hat Dirigent Siegfried Heinrich. Für das Jahr 2011 kündigte Klaus Malettke, Professor an der Philipps-Universität Marburg und Sprecher des Kuratoriums «Oper in der Stiftsruine», drei Opern-Produktionen an: Smetanas «Verkaufte Braut», Rossinis «Il barbiere di Siviglia» und Monteverdis «L’incoronazione di Poppea». Es ist vollbracht, die Gewinner des 3. Concours Ernst Haefliger sind gefunden. Der erste Preis geht an den Südkoreaner Eung Kwang Lee. Die aus Genf stammende 22-jährige Mezzo-Sopranistin Eve-Maud Hubeaux gewann ein Stipendium in Höhe von 8000 Schweizer Franken sowie eine Rolle am Stadttheater Bern. Weitere Informationen gibt es unter www.concours-haefliger.com Die Taschenoper Lübeck ist für ihre Verdienste um das aktuelle Musikleben mit dem Rheingau Musikpreis ausgezeichnet worden. Der durch das Festival initiierte und mit 10 000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr zum 17. Mal vergeben. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Bariton Christian Gerhaher, der Komponist, Dirigent und Oboist Heinz Holliger sowie Helmuth Rilling und die Internationale Bach-Akademie Stuttgart. Vom 14. bis 18. September findet in Stuttgart der Internationale Wettbewerb für Liedkunst statt, einer der ältesten Lied-Wettbewerbe im deutschsprachigen Raum. Unter den knapp 60 angemeldeten Liedduos aus 33 Nationen hat die Jury 28 ausgewählt; diese streiten um einen der vier ausgelobten Preise im Gesamtwert von 40 000 Euro. Den Siegern winken ein Preisgeld von 20 000 Euro sowie Auftrittsmöglichkeiten bei verschiedenen renommierten Veranstaltern, unter anderem an der Staatsoper Stuttgart und bei der Internationalen Bach-Akademie Stuttgart. Informationen unter www.ihwa.de und www.lied-wettbewerb.de Wie berichtet, hat der Internationale Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti in seiner fünften Auflage wieder einen neuen Bewerberrekord erreicht: Zum Anmeldeschluss im April 2010 hatten sich 576 junge Dirigentinnen und Dirigenten aus 75 Ländern weltweit beworben – noch einmal fast 40 mehr als 2008, wo mit 540 Bewerbern schon die Rekordzahlen der Vorjahre überschritten worden waren. Nun wurden 21 Teilnehmer bekannt gegeben, die in der Woche vom 6. bis 12. September in Frankfurt am Main um die ersten drei Plätze konkurrieren werden. Die 21 jungen Dirigentinnen und Dirigenten stammen aus 15 Ländern, wobei die USA mit vier Teilnehmern am stärksten vertreten sind. Aber auch aus Aserbaidschan, Singapur, Rumänien, Japan, Usbekistan und Süd-Korea sowie einigen europäischen Ländern werden Kandidaten erwartet. Aus Deutschland kommen zwei Kandidaten: Christoph Altstaedt (30) und Johannes Zurl (30) aus Berlin. Von den 85 Frauen, die sich angemeldet hatten, haben es drei in die Vorrunden geschafft: Mihaela Cesa-Goje (31) aus Rumänien, Yuko Tanaka (31) aus Japan und Elisabeth Fuchs (34) aus Österreich. Die Frauenquote liegt in diesem Jahr damit bei gut 15 Prozent. Der jüngste der 21 Vorrundenkandidaten ist 21 Jahre alt und stammt aus Großbritannien, ältester Teilnehmer ist ein 35-jähriger US-Amerikaner. Im Schnitt sind die Kandidaten 30 Jahre alt. Der gesamte Wettbewerb wird innerhalb einer Woche in Frankfurt ausgetragen, wo den Kandidaten dank einer seit dem dritten Wettbewerb vereinbarten Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk gleich zwei internationale Spitzenorchester zur Verfügung stehen: das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Die öffentliche Endausscheidung mit den drei besten Teilnehmern und dem Opern- und Museumsorchester findet am 12. September nach zwei Orchesterproben und einer Generalprobe in der Alten Oper Frankfurt statt. Dazu müssen sich die Kandidaten auf einen Ausschnitt aus Richard Strauss’«Till Eulenspiegels lustige Streiche» sowie Ouvertüren von Beethoven, Berlioz und Smetana vorbereiten, von denen ihnen jeweils eine per Los zugeteilt wird. Das Finalkonzert schließt nach der Beratung der Jury und der Siegerehrung mit Gioacchino Rossinis Ouvertüre zu «Semiramide», die vom ersten Preisträger dirigiert wird. Das Bundesjazzorchester, ein Projekt des Deutschen Musikrates, fördert neue innovative Musik, die dem Jazz als kreativer Improvisationsmusik gerecht wird. Dies beweisen nicht nur die BuJazzO-Programme der vergangenen Jahre, sondern auch der in diesem Jahr erstmals ausgelobte «BuJazzO-Kompositionspreis». Aktuelle und ehemalige Mitglieder des Bundesjazzorchesters bis zu einem Alter von 30 Jahren waren aufgefordert, ihre Kompositionen einzureichen. Die besten drei Kompositionen werden am 11. September in der Musikakademie Rheinsberg prämiert. Hierzu stellt die «Pro Musica Viva – Maria Strecker-Daelen Stiftung» Preisgelder in Höhe von insgesamt 4000 Euro zur Verfügung. Eine Auswahl der Kompositionen wird auf einer CD dokumentiert und in dieser Saison als Konzertprogramm präsentiert. Meldungen Die Sanierung der Berliner Lindenoper nimmt Gestalt an. Nach dem Entwurf des Architekten HG Merz soll die Saaldecke um vier Meter angehoben werden, wodurch sich das Raumvolumen um 30 Prozent vergrößert. Durch die Änderungen sollen Klangverhältnisse wie in der Wiener Staatsoper und sogar wie im Bayreuther Festspielhaus herrschen. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf 239 Millionen Euro – nach gegenwärtigem Stand. Am 3. Oktober 2013 soll die Lindenoper wieder eröffnet werden. «Aida» ist mit insgesamt 348 212 Besuchern innnerhalb von zwei Jahren die mit Abstand bestbesuchte Oper auf der Seebühne in der Geschichte der Bregenzer Festspiele. Auf die aktuelle Saison entfallen dabei knapp 147 000 Besucher, dies entspricht einer Auslastung von 86 Prozent. Mit insgesamt 197 000 Menschen ist das auch die höchste Gesamtbesucherzahl in einem zweiten Opernjahr bei einer Gesamtauslastung von 87 Prozent. In einem von sehr kühlem und nassem Wetter geprägten Sommer hatte Verdis Werk dennoch Wetterglück: Nur zwei von 26 Vorstellungen mussten im trockenen Festspielhaus stattfinden. Der österreichische Schauspieler Otto Schenk, der als Regisseur auch die aktuelle «Don Pasquale»-Inszenierung der New Yorker Met mit Anna Netrebko verantwortet, hat sich bei einem Unfall ernsthaft verletzt. Laut österreichischen Presseberichten stürzte Schenk während einer Probefahrt mit einem Elektrofahrrad vor seiner Villa am Irrsee; dabei erlitt der 80-Jährige einen Oberschenkelhalsbruch. Der Schauspieler wurde in einem Salzburger Spital operiert. Sein «Don Pasquale» wird am 6. Okober in New York wieder aufgenommen. Schenk hofft, bis dann wieder genesen zu sein. Auf dem Bayreuther Grünen Hügel geht man neue mediale Wege: Die sogenannte Siemens Festspielnacht im August war, wie die Veranstalter mitteilen, ein voller Erfolg. Zehntausende Besucher strömten über den Tag hinweg auf den Volksfestplatz in Bayreuth, um bei bestem Wetter die Kinderoper «Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg» und die Echtzeit-Übertragung der «Walküre» aus dem Festspielhaus zu sehen. Zugleich war diese Produktion im Internet zu verfolgen. Zahlreiche Nutzer aus u. a. den USA, Kanada, Japan, Australien, Mexiko, Brasilien oder Israel waren live dabei. Wer die Übertragung verpasst hat, kann unter www.siemens.com/festspielnacht bis zum 5. September 2010 die Inszenierung von Tankred Dorst als Webstream-on-demand ansehen. Das kostet 14,90 Euro. Die klassische Musik in der Krise? Weit gefehlt. Anders ist der Besucherrekord bei Young Euro Classic wohl kaum zu erklären: Im elften Jahr strömten an 17 Festivaltagen gut 26 000 Besucher ins Konzerthaus Berlin. Allein das eintägige Klavier-Festival mit fünf jungen Pianisten hatte mehr als 3400 Besucher. Zu den musikalischen Höhepunkten des Jugendorchesterfestivals zählten Auftritte des Schleswig-Holstein Festivalorchesters, das Iván Fischer zusammen mit vier jungen Dirigenten leitete, sowie das Gastspiel des European Union Youth Orchestras und der Baltic Youth Philharmonic unter Kristjan Järvi. Das Eröffnungskonzert mit dem neu gegründeten Young Euro Classic Festivalorchester Südosteuropa war so gefragt, dass die Generalprobe für das Publikum geöffnet wurde. Das Orchester absolvierte anschließend die Tournee «Spiegelklänge 2010» in die Länder Ex-Jugoslawiens. Der mit 5000 Euro dotierte Europäische Komponistenpreis ging an den 27-jährigen georgischen Komponisten Archil Giorgobiani für seine neue Komposition «Azari». Die Publikumsjury unter Leitung des Dirigenten Lam Tran Dinh wählte das in Berlin erstmals gespielte Werk aus insgesamt 17 Uraufführungen und deutschen Erstaufführungen aus, die während des Festivals von den Jugendorchestern vorgestellt wurden.Young Euro Classic wird seit seinem Start im Jahr 2000 zum größten Teil von Unternehmen, Stiftungen und privaten Spendern finanziert. Der Hauptstadtkulturfonds unterstützte das Festival in diesem Jahr mit 100 000 Euro. Der belgische Pianist, Dirigent und Musikforscher Jos van Immerseel erhält den Musikfest Preis Bremen 2010. Mit dem Preis zeichnet das Festival seit 1998 jährlich bedeutende Solisten, Ensembles, Orchester und Dirigenten aus, die durch ihr herausragendes künstlerisches Wirken in der internationalen Musikwelt eigenständige Akzente gesetzt und die programmatische Ausrichtung des Festivals maßgeblich bereichert haben. Die Auszeichnung ist mit 25 000 Euro dotiert und wird von der Commerzbank-Stiftung ausgestattet. Preisträger der vergangenen Jahre waren unter anderem Sir John Eliot Gardiner, Jessye Norman, Nikolaus Harnoncourt, Marc Minkowski, Anne Sofie von Otter und Fazil Say. Wie die britische Zeitung «The Herald» schreibt, plant die Scottish Opera, ihr Orchester aus finanziellen Gründen auf ein Teilzeit-Ensemble zusammenzustreichen und die Lohnsumme damit praktisch zu halbieren. Das 54-köpfige Orchester der schottischen Oper soll bloß noch 26 Wochen im Jahr aufgeboten werden. Höchst besorgt darüber ist unter anderem Francesco Corti, der künstlerische Leiter des Ensembles. Operndirektor Alex Reedijk ist allerdings überzeugt, dass ein Vollzeitorchester für die Institution finanziell nicht mehr tragbar ist. Die Opernleitung geht davon aus, dass dank des Abbaus mehr Produktionen pro Saison realisiert werden können. Reedijk begründet den Schnitt unter anderem damit, dass das Orchester unterbeschäftigt sei. Proben und Aufführungen belegten lediglich 40 Prozent der Arbeitszeit der Musiker. Die Musiker selbst bestreiten dies. Sie gehen davon aus, dass sie mit allen Nebenverpflichtungen wie Volks- und Kinderkonzerten und Musikvermittlungs-Projekten etwas gleich ausgelastet sind wie andere britische Orchester. Die Umsätze mit Musikdownloads sind in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um bislang 40 Prozent auf nun knapp 41,6 Millionen Euro gestiegen. Der Bundesverband der deutschen Musikindustrie (BVMI) meldete zudem, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres insgesamt rund 4,7 Millionen Alben und 29,7 Millionen einzelne Songs verkauft wurden. Der Download-Verkauf von Alben hat sich damit innerhalb von fünf Jahren verachtfacht, der Absatz einzelner Songs nahezu vervierfacht.
Die Live-Übertragung der Saisoneröffnung der Berliner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle am 27. August wurde zusätzlich zu den 33 Kinos und den drei Public Viewings (in Zusammenarbeit mit der Hauptstadtkampagne «be Berlin») in Deutschland nun auch von 31 Kinos in elf europäischen Ländern übernommen. Über Satellit empfingen die Kinos das Bild-Ton-Signal der Digital Concert Hall in HD Qualität und Surround Sound, so dass eine optimale Wiedergabe garantiert ist. Eine Art Nationalmannschaft australischer Orchestermusiker soll das Musikleben auf dem fünften Kontinent beleben. Das Projekt von Alexander Briger, eines Neffen des Dirigenten Charles Mackerras, sieht einen 90-köpfigen Klangkörper vor, der den Namen «Australian World Orchestra» tragen soll. Unter den Mitwirkenden sollen sich laut einem Bericht der Zeitung «The Australian» die Streicher Ben und Tobias Lea von den Wiener Philharmonikern, der Bassist Matthew McDonald (Berliner Philharmoniker), die Geigerin Anne Harvey-Nagl von der Wiener Volksoper sowie der Posaunist Michael Mulcahy (Chicago Symphony Orchestra) befinden. Erste Konzerte soll es im August kommenden Jahres geben – im Opernhaus und der Stadthalle von Sydney. Als Dirigentin waltet mit Simone Young eine renommierte Australierin ihres Amtes. Der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar will nach dem Umzug der Frankfurter Hochschule für Musik und Gestaltende Kunst auf dem frei werdenden Uni-Gelände einen Kultur-Campus realisieren. Auf dem Gelände sollen zahlreiche wichtige kulturelle Einrichtungen angesiedelt werden, unter anderem die Deutsche Ensemble Akademie (Ensemble Modern und Junge Deutsche Philharmonie), die Dokumentationseinrichtung «Motion Bank», eine Probebühne, das Musik-, Theater- und Tanzlabor «Frankfurt LAB» sowie ein mit modernster Technik ausgerüsteter Kammermusiksaal. Laut Petra Roth, der Oberbürgermeisterin der Stadt, soll die starke Konzentration von Kultureinrichtungen sowohl dem Image der Stadt als auch einer Intensivierung des internationalen Austauschs bei Kunstprojekten dienen. Aber auch städtebaulich seien die Vorstellungen des Finanzministers ein großer Wurf, zumal auf dem Areal auch urbaner Wohnungsbau vorgesehen sei. Konkrete Pläne zur Umsetzung des Projekts sollen bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres vorliegen. Für ein Projekt der Chorforschung erhält die Universität Würzburg eine wertvolle Sammlung als Leihgabe. Originale Schriftstücke bedeutender Komponisten sind ebenso darunter wie Materialien zur Geschichte des Chorwesens in Deutschland. Die Sammlung, die der Universität Würzburg bis Ende 2012 überlassen wird, zählt rund 3000 handschriftliche und gedruckte Quellen. Darunter befinden sich Notenmanuskripte und Briefe von Robert Schumann, Franz Liszt und Johannes Brahms, aber auch eine von Franz Schubert selbst aufgeschriebene und signierte Liedkomposition. Die Dokumente stammen unter anderem aus der Feuchtwangener Stiftung «Dokumentations- und Forschungszentrum des Deutschen Chorwesens»; ein Teil der Sammlung kommt vom Deutschen Sängermuseum, das von 1925 bis 1945 im Nürnberger Katharinenbau zu Hause war. Von den damals vorhandenen rund 30 000 Quellen sind heute nur noch zehn Prozent erhalten. Der Musikpädagogik-Professor Friedhelm Brusniak wird auf dieser Basis die Geschichte des vereinsmäßig organisierten deutschsprachigen Laienchorwesens aufarbeiten, und zwar von dessen Anfängen um 1800 bis in die Gegenwart. Für das erste Teilprojekt stellt ihm der Deutsche Chorverband Fördermittel von 20 000 Euro zur Verfügung. Der Tenor Andrea Bocelli wird im Februar 2011 mit einem Solo-Recital sein Debüt an der Met geben. Bocelli singt Arien von Händel sowie Lieder von Beethoven, Wagner, Liszt, Strauss, Fauré und Tosti. Begleitet wird er dabei von dem Pianisten Vincenzo Scalera. Drei Jahrzehnte ist es her, dass ein Konzert der BBC Proms in London wegen Arbeitskonflikten abgesagt werden musste. Nun könnte es wieder einmal soweit sein, nachdem Pläne der BBC, die Rentenpolitik zu ändern, auf Widerstand stoßen. Die Mitarbeiter von BBC protestieren zur Zeit gegen mögliche Kürzungen ihrer Altersbezüge und erwägen, ab dem 9. September Streiks zu organisieren. Davon wären laut «Guardian» die letzten Konzerte der BBC Proms betroffen. Letztmals ist ein BBC-Proms-Konzert 1980 ausgefallen. Damals gab es Proteste gegen die Auflösung von fünf Orchestern und den damit verbundenen Abbau von 172 Arbeitsplätzen. Das Stadtgeschichtliche Museum und die Musik-Hochschule Leipzig haben bei Sotheby’s je ein Konvolut bislang unveröffentlichter Mendelssohn-Dokumente ersteigert. Sie werfen ein spezielles Licht auf das soziale Wirken des Komponisten. Das Stadtgeschichtliche Museum erwarb insgesamt 17 Seiten autographe Aufzeichnungen des Komponisten von 1838/39, die sich auf seinen zentralen Leipziger Wirkungsbereich als Kapellmeister des Gewandhausorchesters beziehen. Es handelt sich dabei um drei Entwürfe von Schreiben an die damaligen Stadtoberen, in denen er auf die Umstände der Leipziger Orchestermusiker eingeht und deren finanzielle Situation schildert. Die Entwürfe sind insofern von hoher Bedeutung, als die Endfassung des Schreibens zwar den Rat der Stadt erreichte, aber mittlerweile als verschollen gilt. Die Dokumente untermauern und bekräftigen den Ruf Mendelssohns als Orchesterleiter, der sich sozial engagierte und der finanziellen Nöte und Belange seiner Orchestermusiker annahm. Das Lob kam aus berufenem Munde. Für ihn, so Beethoven, sei Luigi Cherubini einer der bedeutendsten dramatischen Komponisten seiner Zeit. Die Musikgeschichte brauchte einige Zeit, bis sie sich, nach Jahren der Geringschätzung, dieser Sentenz wieder besann. Und vor allem einem Werk verdankt sich die Rehabilitierung des vor 250 Jahren geborenen italienischen Komponisten: der Oper «Medée» aus dem Jahr 1797. Heute findet man das Stück wieder auf den Spielplänen, während Opern wie «Lodoïska» (1791), «Les deux Journées ou Le Porteur d’eau» (1800) oder auch «Faniska» (1806) nach wie vor kaum zu finden sind. Cherubini – das ist für viele Musikfreunde der Komponist des «Requiems» in c-moll sowie zahlreicher Kammermusikwerke. Anlässlich seines 250. Geburtstages am 14. September gibt es indes einen Lichtblick in Sachen Musiktheater. Das Stadttheater Klagenfurt, das zufällig ebenfalls ein Jubiläum feiert (das 100-jährige Bestehen) präsentiert die (recht späte) Uraufführung seiner Komischen Oper in drei Akten «Kokourgi»: in französischer Originalsprache und mit deutschen Übertiteln. Arthur Fagen wird ab September Musikdirektor der Atlanta Opera. Er wird ab der Spielzeit 2011/12 zwei Premieren pro Saison dirigieren. Fagen ist dem Haus schon länger eng verbunden. Er hat in Atlanta unter anderem bereits die Produktionen von «La traviata», «Turandot», «Der fliegende Holländer» und der «Zauberflöte» dirigiert. Von 2002 bis 2007 war Fagen Generalsmusikdirektor der Oper in Dortmund. | |
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AUGUST 2010 Abschied
Der deutsche Filmemacher, Performer und Regisseur Christoph Schlingensief ist tot. Er erlag am 21. August seiner Krebserkrankung. Bereits Anfang Juli hatte Schlingensief eine Produktion für die diesjährige Ruhrtriennale kurzfristig absagen müssen, weil sich sein Zustand rapide verschlechtert hatte. Nachdem die behandelnden Ärzte neue Metastasen diagnostiziert hatten, sah sich «der Autor und Regisseur nicht in der Lage, im geplanten Zeitrahmen sein Werk zur Aufführung zu bringen», teilten die Veranstalter mit. An der Berliner Staatsoper sollte Schlingensief die Oper «Metanoia» von Jens Joneleit inszenieren, die Anfang Oktober im Schiller Theater, der Ausweichspielstätte des Hauses, unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim uraufgeführt werden soll. Wer das Projekt nun szenisch betreuen wird, ist derzeit noch offen. Schlingensief war einer der bedeutendsten und zugleich umstrittensten Theater-, Film- und Performancekünstler Deutschlands. Seine Arbeiten bezeugten mit den Mitteln dadaistischer Subversion und Provokation und unter Nutzung der Medien stets eine Suche nach Authentizität, Wahrhaftigkeit und spirituellem Sinn in einer zunehmend aus der Balance geratenen Welt. Von den frühesten Filmen bis zu seinen späten Theaterprojekten wie «Mea Culpa» an der Wiener Hofburg oder seinen Operninszenierungen in Bayreuth («Parsifal»), Manaus («Der fliegende Holländer») und an der Deutschen Oper Berlin (Walter Braunfels’ «Jeanne d’Arc») propagierte Schlingensief dabei auch immer jenen offenen, erweiterten Kunstbegriff, den Joseph Beuys einst forderte. Kunst war für den Apothekersohn aus Oberhausen vor allem politischer Kommentar zum Verhältnis von Kunst und Leben. Am 21. Oktober wäre Christoph Schlingensief 50 Jahre alt geworden. Ein ausführlicher Nachruf folgt in unserem Jahrbuch «Oper 2010».
Leonid Brumberg, ein bedeutender Vertreter und Wahrer der Moskauer Klavierschule, ist nach Angaben seiner Familie im Alter von 85 Jahren in Wien verstorben. Brumberg wurde in Rostow am Don geboren und studierte am Moskauer Konservatorium Klavier bei Heinrich Neuhaus, Instrumentation bei Dmitri Schostakowitsch und Komposition bei Nikolaj Mjaskowski. Als Assistent von Neuhaus, dem Pädagogen und Ziehvater von Swjatoslaw Richter und Emil Gilels, unterrichtete Brumberg an der Gnessin-Akademie in Moskau, der er später als ordentlicher Professor angehörte. Im Laufe der Zeit wuchs sein Repertoire auf über 30 Klavierkonzerte und 100 Soloprogramme an, darunter die 32 Klaviersonaten von Beethoven und das Gesamtwerk Chopins. Seit seiner Emigration nach Wien im Jahre 1981 gab Leonid Brumberg Konzerte in ganz Europa sowie im Nahen und Fernen Osten. Seit 1982 war Brumberg, von dem zahlreiche Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen vorliegen, Professor am Konservatorium der Stadt Wien. Er gehörte auch zu den Stammkünstlern des Rheingau Musik Festivals. Hier führte er unter anderem in den Jahren von 1991 bis 1996 das gesamte Klavierwerk Chopins auf. Der renommierte britische Tenor Anthony Rolfe Johnson ist am 20. Juli, drei Tage vor seinem 70. Geburtstag, an den Folgen einer Alzheimer-Erkrankung gestorben. Zum professionellen Gesang fand Johnson erst in seinen dreißiger Jahren. Bald wurde er zum bevorzugten Interpreten John Eliot Gardiners und anderer Dirigenten. Auch auf Tonträger ist der Tenor prominent vertreten. Für die Archiv Produktion etwa wirkte er in einer der besten «Idomeneo»-Einspielungen überhaupt mit. Später realisierte er unter Bernard Haitink für EMI eine exemplarische Produktion von Benjamin Brittens «Peter Grimes» (siehe Nachruf in OW 9-10/2010). Der australische Dirigent Charles Mackerras, der sich unter anderem als Kenner der tschechischen Musik einen Namen gemacht hat, ist am 14. Juli im Alter von 84 Jahren in London gestorben. Der 1924 in den USA geborene Mackerras studierte in Sydney Oboe und in der Folge bei Václav Talich in Prag Dirigieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg amtierte er unter anderem als Generalmusikdirektor des Londoner Sadler’s Wells Theatre, der heutigen English National Opera. In den sechziger Jahren war Mackerras überdies häufig Gast der Berliner Staatsoper, der Hamburgischen Staatsoper und in Covent Garden. Sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera gab er 1972. Neben Rafael Kubelik gilt Mackerras als einer der bedeutendsten Vertreter der «tschechischen» Dirigentenschule und als einer der wichtigsten Musikphilologen auf dem Gebiet der tschechischen Oper. Mackerras hatte maßgeblichen Anteil an der Durchsetzung des Opernwerks von Leos Janácek. Er war Ehrenbürger Prags und regelmäßig Gast der Tschechischen Philharmonie.
Daniel Barenboim feiert sein 60-jähriges Bühnenjubiläum. Gerade sieben Jahre alt war Daniel Barenboim, als er am 19. August 1950 in Buenos Aires sein erstes Konzert als Pianist gab. Grund genug, in seiner Heimatstadt auch das jüngste Jubiläum zu begehen. Noch bis zum 31. August gastiert Barenboim in dem unlängst wiedereröffneten Teatro Colón, wo er insgesamt zehn Konzerte dirigieren wird. Mit dem West-Eastern Divan Orchestra wurden und werden in sieben der zehn Konzerte neben Werken von Pierre Boulez, Arnold Schönberg und Robert Schumann auch alle neun Sinfonien Ludwig van Beethovens aufgeführt. Mit dem Orchester und dem Chor der Mailänder Scala stehen Verdis «Aida» sowie dessen «Messa da Requiem» auf dem Programm. Der Regisseur und Intendant Hansgünther Heyme feierte am 22. August 2010 seinen 75. Geburtstag. Heyme gilt als einer der profiliertesten Theatermacher der Nachkriegszeit. Zusammen mit Peter Stein begründete er in den sechziger Jahren das moderne Regietheater in Deutschland und war mit seinen Produktionen wiederholt beim Berliner Theatertreffen eingeladen. Nach Stationen in Köln, Stuttgart, Essen und Bremen leitete Heyme von 1990 bis 2003 die Ruhrfestspiele Recklinghausen, seit 2004 ist er Intendant des Theaters im Pfalzbau der Stadt Ludwigshafen am Rhein. In einer Gemeinschaftsproduktion mit der Oper Halle und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der musikalischen Leitung von Karl-Heinz Steffens wird er in Ludwigshafen und Halle von 2010 bis 2013 Richard Wagners «Der Ring des Nibelungen» neu inszenieren.
Sein Sängerdebüt gab er als Tenor in Beethovens Neunter. Doch danach wandte sich Franz Fehringer, der in Karlsruhe studiert hatte, vor allem den Partien in Händels und Mozarts Opern zu. Vor dem Zweiten Weltkrieg trat er vor allem in Wiesbaden und im Radio auf, nach dem Krieg führten ihn Engagements unter anderem nach Hamburg, Frankfurt und Paris. Neben der Oper wandte sich der Sänger in vielen Rollen der Operette zu. Nach der aktiven Karriere gab er sein Wissen als Lehrer an den Musikhochschulen von Mainz und Heidelberg weiter. 1988 starb Franz Fehringer. Am 7. September dieses Jahres wäre er einhundert Jahre alt geworden. Die praktische Musik war nicht seine erste und ausschließliche Wahl. Zunächst studierte Heinrich Sutermeister in Basel und Paris Musikgeschichte und Philologie, bevor er ab 1932 Schüler von Carl Orff, Hans Pfitzner (Komposition), Walter Courvoisier (Harmonielehre und Kontrapunkt) und Hugo Röhr (Dirigieren) an der Akademie für Tonkunst in München wurde. Nach einer kurzen Zeit als Korrepetitor am Berner Theater zog sich Sutermeister als freischaffender Komponist nach Vaux-sur-Morges zurück. Sein vielfältiges Œuvre umfasst neben Opern – darunter die Literaturvertonungen «Romeo und Julia» (auf Shakespeare), «Raskolnikoff» (nach Dostojewskis Roman «Schuld und Sühne») und «Madame Bovary» (auf Flaubert) – und Ballettmusiken zahlreiche Orchesterwerke sowie Vokal- und Kammermusik. Von 1963 bis 1975 leitete Sutermeister eine Kompositionsklasse an der Musikhochschule Hannover, seit 1977 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Am 12. August gedenkt die Musikwelt des 100. Geburtstags dieses in Vergessenheit geratenen Komponisten, der am 16. März 1995 starb.
Die Sanierung der Berliner Lindenoper nimmt Gestalt an. Nach dem Entwurf des Architekten HG Merz soll die Saaldecke um vier Meter angehoben werden, wodurch sich das Raumvolumen um 30 Prozent vergrößert. Durch die Änderungen sollen Klangverhältnisse wie in der Wiener Staatsoper und sogar wie im Bayreuther Festspielhaus herrschen. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf 239 Millionen Euro – nach gegenwärtigem Stand. Am 3. Oktober 2013 soll die Lindenoper wieder eröffnet werden. Insgesamt 15 Produktionen will Opera Australia in der Spielzeit 2011 stemmen, darunter die australische Erstaufführung von Carlisle Floyd’s Opus «Of Mice and Men». Dies gaben Adrian Collette und Lyndon Terracini, die beiden Chefs der Company in Sydney bekannt. Weiterhin stehen Richard Mills’ «The Love of the Nightingale» und die Opern «Macbeth», «Partenope», «The Merry Widow» sowie «La Bohème» auf dem Programm. Auch in die nähere Zukunft blickt man bereits: Für 2013 hat Opera Australia erstmals einen kompletten «Ring» angekündigt. Schauplatz der zyklischen Aufführungen wird das State Theatre in Melbourne sein. Kooperationspartner ist die Houston Grand Opera, unterstützt wird das Vorhaben von der Regierung des Bundesstaates Victoria und von privaten Sponsoren. Neil Armfield führt Regie, Richard Mills dirigiert. «Aida» ist mit insgesamt 348 212 Besuchern innnerhalb von zwei Jahren die mit Abstand bestbesuchte Oper auf der Seebühne in der Geschichte der Bregenzer Festspiele. Auf die aktuelle Saison entfallen dabei knapp 147 000 Besucher, dies entspricht einer Auslastung von 86 Prozent. Mit insgesamt 197 000 Menschen ist das auch die höchste Gesamtbesucherzahl in einem zweiten Opernjahr bei einer Gesamtauslastung von 87 Prozent. In einem von sehr kühlem und nassem Wetter geprägten Sommer hatte Verdis Werk dennoch Wetterglück: Nur zwei von 26 Vorstellungen mussten im trockenen Festspielhaus stattfinden. Der österreichische Schauspieler Otto Schenk, der als Regisseur auch die aktuelle «Don Pasquale»-Inszenierung der New Yorker Met mit Anna Netrebko verantwortet, hat sich bei einem Unfall ernsthaft verletzt. Laut österreichischen Presseberichten stürzte Schenk während einer Probefahrt mit einem Elektrofahrrad vor seiner Villa am Irrsee; dabei erlitt der 80-Jährige einen Oberschenkelhalsbruch. Der Schauspieler wurde in einem Salzburger Spital operiert. Sein «Don Pasquale» wird am 6. Okober in New York wieder aufgenommen. Schenk hofft, bis dann wieder genesen zu sein. Auf dem Bayreuther Grünen Hügel geht man neue mediale Wege: Die sogenannte Siemens Festspielnacht im August war, wie die Veranstalter mitteilen, ein voller Erfolg. Zehntausende Besucher strömten über den Tag hinweg auf den Volksfestplatz in Bayreuth, um bei bestem Wetter die Kinderoper «Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg» und die Echtzeit-Übertragung der «Walküre» aus dem Festspielhaus zu sehen. Zugleich war diese Produktion im Internet zu verfolgen. Zahlreiche Nutzer aus u. a. den USA, Kanada, Japan, Australien, Mexiko, Brasilien oder Israel waren live dabei. Wer die Übertragung verpasst hat, kann unter www.siemens.com/festspielnacht bis zum 5. September 2010 die Inszenierung von Tankred Dorst als Webstream-on-demand ansehen. Das kostet 14,90 Euro. Die klassische Musik in der Krise? Weit gefehlt. Anders ist der Besucherrekord bei Young Euro Classic wohl kaum zu erklären: Im elften Jahr strömten an 17 Festivaltagen gut 26 000 Besucher ins Konzerthaus Berlin. Allein das eintägige Klavier-Festival mit fünf jungen Pianisten hatte mehr als 3400 Besucher. Zu den musikalischen Höhepunkten des Jugendorchesterfestivals zählten Auftritte des Schleswig-Holstein Festivalorchesters, das Iván Fischer zusammen mit vier jungen Dirigenten leitete, sowie das Gastspiel des European Union Youth Orchestras und der Baltic Youth Philharmonic unter Kristjan Järvi. Das Eröffnungskonzert mit dem neu gegründeten Young Euro Classic Festivalorchester Südosteuropa war so gefragt, dass die Generalprobe für das Publikum geöffnet wurde. Das Orchester absolvierte anschließend die Tournee «Spiegelklänge 2010» in die Länder Ex-Jugoslawiens. Der mit 5000 Euro dotierte Europäische Komponistenpreis ging an den 27-jährigen georgischen Komponisten Archil Giorgobiani für seine neue Komposition «Azari». Die Publikumsjury unter Leitung des Dirigenten Lam Tran Dinh wählte das in Berlin erstmals gespielte Werk aus insgesamt 17 Uraufführungen und deutschen Erstaufführungen aus, die während des Festivals von den Jugendorchestern vorgestellt wurden.Young Euro Classic wird seit seinem Start im Jahr 2000 zum größten Teil von Unternehmen, Stiftungen und privaten Spendern finanziert. Der Hauptstadtkulturfonds unterstützte das Festival in diesem Jahr mit 100 000 Euro. Der belgische Pianist, Dirigent und Musikforscher Jos van Immerseel erhält den Musikfest Preis Bremen 2010. Mit dem Preis zeichnet das Festival seit 1998 jährlich bedeutende Solisten, Ensembles, Orchester und Dirigenten aus, die durch ihr herausragendes künstlerisches Wirken in der internationalen Musikwelt eigenständige Akzente gesetzt und die programmatische Ausrichtung des Festivals maßgeblich bereichert haben. Die Auszeichnung ist mit 25 000 Euro dotiert und wird von der Commerzbank-Stiftung ausgestattet. Preisträger der vergangenen Jahre waren unter anderem Sir John Eliot Gardiner, Jessye Norman, Nikolaus Harnoncourt, Marc Minkowski, Anne Sofie von Otter und Fazil Say. Wie die britische Zeitung «The Herald» schreibt, plant die Scottish Opera, ihr Orchester aus finanziellen Gründen auf ein Teilzeit-Ensemble zusammenzustreichen und die Lohnsumme damit praktisch zu halbieren. Das 54-köpfige Orchester der schottischen Oper soll bloß noch 26 Wochen im Jahr aufgeboten werden. Höchst besorgt darüber ist unter anderem Francesco Corti, der künstlerische Leiter des Ensembles. Operndirektor Alex Reedijk ist allerdings überzeugt, dass ein Vollzeitorchester für die Institution finanziell nicht mehr tragbar ist. Die Opernleitung geht davon aus, dass dank des Abbaus mehr Produktionen pro Saison realisiert werden können. Reedijk begründet den Schnitt unter anderem damit, dass das Orchester unterbeschäftigt sei. Proben und Aufführungen belegten lediglich 40 Prozent der Arbeitszeit der Musiker. Die Musiker selbst bestreiten dies. Sie gehen davon aus, dass sie mit allen Nebenverpflichtungen wie Volks- und Kinderkonzerten und Musikvermittlungs-Projekten etwas gleich ausgelastet sind wie andere britische Orchester. Die Umsätze mit Musikdownloads sind in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um bislang 40 Prozent auf nun knapp 41,6 Millionen Euro gestiegen. Der Bundesverband der deutschen Musikindustrie (BVMI) meldete zudem, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres insgesamt rund 4,7 Millionen Alben und 29,7 Millionen einzelne Songs verkauft wurden. Der Download-Verkauf von Alben hat sich damit innerhalb von fünf Jahren verachtfacht, der Absatz einzelner Songs nahezu vervierfacht.
Die Live-Übertragung der Saisoneröffnung der Berliner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle am 27. August wurde zusätzlich zu den 33 Kinos und den drei Public Viewings (in Zusammenarbeit mit der Hauptstadtkampagne «be Berlin») in Deutschland nun auch von 31 Kinos in elf europäischen Ländern übernommen. Über Satellit empfingen die Kinos das Bild-Ton-Signal der Digital Concert Hall in HD Qualität und Surround Sound, so dass eine optimale Wiedergabe garantiert ist. Eine Art Nationalmannschaft australischer Orchestermusiker soll das Musikleben auf dem fünften Kontinent beleben. Das Projekt von Alexander Briger, eines Neffen des Dirigenten Charles Mackerras, sieht einen 90-köpfigen Klangkörper vor, der den Namen «Australian World Orchestra» tragen soll. Unter den Mitwirkenden sollen sich laut einem Bericht der Zeitung «The Australian» die Streicher Ben und Tobias Lea von den Wiener Philharmonikern, der Bassist Matthew McDonald (Berliner Philharmoniker), die Geigerin Anne Harvey-Nagl von der Wiener Volksoper sowie der Posaunist Michael Mulcahy (Chicago Symphony Orchestra) befinden. Erste Konzerte soll es im August kommenden Jahres geben – im Opernhaus und der Stadthalle von Sydney. Als Dirigentin waltet mit Simone Young eine renommierte Australierin ihres Amtes. Der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar will nach dem Umzug der Frankfurter Hochschule für Musik und Gestaltende Kunst auf dem frei werdenden Uni-Gelände einen Kultur-Campus realisieren. Auf dem Gelände sollen zahlreiche wichtige kulturelle Einrichtungen angesiedelt werden, unter anderem die Deutsche Ensemble Akademie (Ensemble Modern und Junge Deutsche Philharmonie), die Dokumentationseinrichtung «Motion Bank», eine Probebühne, das Musik-, Theater- und Tanzlabor «Frankfurt LAB» sowie ein mit modernster Technik ausgerüsteter Kammermusiksaal. Laut Petra Roth, der Oberbürgermeisterin der Stadt, soll die starke Konzentration von Kultureinrichtungen sowohl dem Image der Stadt als auch einer Intensivierung des internationalen Austauschs bei Kunstprojekten dienen. Aber auch städtebaulich seien die Vorstellungen des Finanzministers ein großer Wurf, zumal auf dem Areal auch urbaner Wohnungsbau vorgesehen sei. Konkrete Pläne zur Umsetzung des Projekts sollen bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres vorliegen. Für ein Projekt der Chorforschung erhält die Universität Würzburg eine wertvolle Sammlung als Leihgabe. Originale Schriftstücke bedeutender Komponisten sind ebenso darunter wie Materialien zur Geschichte des Chorwesens in Deutschland. Die Sammlung, die der Universität Würzburg bis Ende 2012 überlassen wird, zählt rund 3000 handschriftliche und gedruckte Quellen. Darunter befinden sich Notenmanuskripte und Briefe von Robert Schumann, Franz Liszt und Johannes Brahms, aber auch eine von Franz Schubert selbst aufgeschriebene und signierte Liedkomposition. Die Dokumente stammen unter anderem aus der Feuchtwangener Stiftung «Dokumentations- und Forschungszentrum des Deutschen Chorwesens»; ein Teil der Sammlung kommt vom Deutschen Sängermuseum, das von 1925 bis 1945 im Nürnberger Katharinenbau zu Hause war. Von den damals vorhandenen rund 30 000 Quellen sind heute nur noch zehn Prozent erhalten. Der Musikpädagogik-Professor Friedhelm Brusniak wird auf dieser Basis die Geschichte des vereinsmäßig organisierten deutschsprachigen Laienchorwesens aufarbeiten, und zwar von dessen Anfängen um 1800 bis in die Gegenwart. Für das erste Teilprojekt stellt ihm der Deutsche Chorverband Fördermittel von 20 000 Euro zur Verfügung. Der Tenor Andrea Bocelli wird im Februar 2011 mit einem Solo-Recital sein Debüt an der Met geben. Bocelli singt Arien von Händel sowie Lieder von Beethoven, Wagner, Liszt, Strauss, Fauré und Tosti. Begleitet wird er dabei von dem Pianisten Vincenzo Scalera. Drei Jahrzehnte ist es her, dass ein Konzert der BBC Proms in London wegen Arbeitskonflikten abgesagt werden musste. Nun könnte es wieder einmal soweit sein, nachdem Pläne der BBC, die Rentenpolitik zu ändern, auf Widerstand stoßen. Die Mitarbeiter von BBC protestieren zur Zeit gegen mögliche Kürzungen ihrer Altersbezüge und erwägen, ab dem 9. September Streiks zu organisieren. Davon wären laut «Guardian» die letzten Konzerte der BBC Proms betroffen. Letztmals ist ein BBC-Proms-Konzert 1980 ausgefallen. Damals gab es Proteste gegen die Auflösung von fünf Orchestern und den damit verbundenen Abbau von 172 Arbeitsplätzen. Das Stadtgeschichtliche Museum und die Musik-Hochschule Leipzig haben bei Sotheby’s je ein Konvolut bislang unveröffentlichter Mendelssohn-Dokumente ersteigert. Sie werfen ein spezielles Licht auf das soziale Wirken des Komponisten. Das Stadtgeschichtliche Museum erwarb insgesamt 17 Seiten autographe Aufzeichnungen des Komponisten von 1838/39, die sich auf seinen zentralen Leipziger Wirkungsbereich als Kapellmeister des Gewandhausorchesters beziehen. Es handelt sich dabei um drei Entwürfe von Schreiben an die damaligen Stadtoberen, in denen er auf die Umstände der Leipziger Orchestermusiker eingeht und deren finanzielle Situation schildert. Die Entwürfe sind insofern von hoher Bedeutung, als die Endfassung des Schreibens zwar den Rat der Stadt erreichte, aber mittlerweile als verschollen gilt. Die Dokumente untermauern und bekräftigen den Ruf Mendelssohns als Orchesterleiter, der sich sozial engagierte und der finanziellen Nöte und Belange seiner Orchestermusiker annahm. Das Lob kam aus berufenem Munde. Für ihn, so Beethoven, sei Luigi Cherubini einer der bedeutendsten dramatischen Komponisten seiner Zeit. Die Musikgeschichte brauchte einige Zeit, bis sie sich, nach Jahren der Geringschätzung, dieser Sentenz wieder besann. Und vor allem einem Werk verdankt sich die Rehabilitierung des vor 250 Jahren geborenen italienischen Komponisten: der Oper «Medée» aus dem Jahr 1797. Heute findet man das Stück wieder auf den Spielplänen, während Opern wie «Lodoïska» (1791), «Les deux Journées ou Le Porteur d’eau» (1800) oder auch «Faniska» (1806) nach wie vor kaum zu finden sind. Cherubini – das ist für viele Musikfreunde der Komponist des «Requiems» in c-moll sowie zahlreicher Kammermusikwerke. Anlässlich seines 250. Geburtstages am 14. September gibt es indes einen Lichtblick in Sachen Musiktheater. Das Stadttheater Klagenfurt, das zufällig ebenfalls ein Jubiläum feiert (das 100-jährige Bestehen) präsentiert die (recht späte) Uraufführung seiner Komischen Oper in drei Akten «Kokourgi»: in französischer Originalsprache und mit deutschen Übertiteln. Arthur Fagen wird ab September Musikdirektor der Atlanta Opera. Er wird ab der Spielzeit 2011/12 zwei Premieren pro Saison dirigieren. Fagen ist dem Haus schon länger eng verbunden. Er hat in Atlanta unter anderem bereits die Produktionen von «La traviata», «Turandot», «Der fliegende Holländer» und der «Zauberflöte» dirigiert. Von 2002 bis 2007 war Fagen Generalsmusikdirektor der Oper in Dortmund. Seiji Ozawa hat seine sämtlichen Engagements bei den Berliner Philharmonikern in der kommenden Saison abgesagt. Der an Krebs erkrankte Dirigent benötigte nach einer schweren Operation noch eine längere Zeit der Rehabilitation, teilte das Orchester mit. Für ihn springen Simon Rattle, Stanislaw Skrowaczewski und Gustavo Dudamel ein. Der Betrieb der Pariser Opéra Comique ist zum wiederholten Male von Streiks in Mitleidenschaft gezogen worden. Betroffen war unter anderem eine Aufführung von Debussys einziger Oper «Pelléas et Mélisande» unter der musikalischen Leitung von John Eliot Gardiner, die bei der Premiere erst eine halbe Stunde später als angekündigt beginnen konnte. Die Angestellten streikten, um mehr Ressourcen zur Umsetzung der künstlerischen Ziele des Direktors Jérôme Deschamps zu erkämpfen, wie französische Medien berichteten. Die Opéra Comique hat seit 2005 den Status eines nationalen Theaters und wird seit 2007 von Deschamps geleitet. Die spanische Mezzosopranistin Nancy Fabiola Herrera hat den Plácido Domingo Award 2010 gewonnen, der von der Los Angeles Opera vergeben wird. Überreicht wird ihr die Ehrung im Rahmen eines Galadinners nach einer Aufführung von «Il postino» des mexikanischen Komponisten Daniel Catán, und zwar vom Namensträger des Preises höchstselbst. Ingo Metzmacher hat seinen Abschied aus Berlin gefeiert. Zum Saisonende endet sein Vertrag als Chefdirigent des Deutschen Symphonieorchesters Berlin. Im Rahmen der Salzburger Festspiele treten Dirigent und Orchester gemeinsam in Erscheinung: bei der Uraufführung von Wolfgang Rihms Oper «Dionysos» am 27. Juli. Sein letztes Konzert als Chefdirigent des DSO gibt Metzmacher dann mit einem Gastspiel bei den «BBC Proms» in London. Der Intendant des Theaters Trier, Gerhard Weber, hat seinen Vertrag bis 2015 verlängert. Weber, der ein Faible für das zeitgenössische Musiktheater hat, leitet das Theater Trier seit der Spielzeit 2003/04. In der kommenden Saison wird es in Trier unter anderem eine Inszenierung der Oper «The Voyage» von Philip Glass geben. Lasst Zahlen sprechen: In der Saison 2010/11 erarbeiten die 80 staatlich geförderten Theater und Musikhäuser mit eigenem Ensemble sowie weitere 20 freie Opernkompagnien mindestens 583 Premieren oder Neuproduktionen. Zu den Neuproduktionen gehören so unterschiedliche Projekte wie Ligetis «Nouvelles Aventures» an der Zeitgenössischen Oper Berlin, Ullmanns «Der Kaiser von Atlantis» am Oldenburgischen Staatstheater oder Franz Wittenbrinks «Sekretärinnen» in Dortmund. Die Staatsoper Hamburg bringt die im März 2010 am Sydney Opera House uraufgeführte Oper «Bliss» von Brett Dean nach Peter Careys Kultroman aus den achtziger Jahren nach Deutschland. Das Mittelsächsische Theater Chemnitz erweckt überdies «Das Feuerwerk», die deutsche Version des «Schwarzen Hechts» des Zürcher Komponisten Paul Burkhard, zu neuem Leben. Der Musikdirektor des Landestheaters Salzburg, Leo Hussain, hat seinen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2011/12 verlängert. Hussain, der diese Funktion seit 2009 innehat, wird pro Spielzeit drei Opernproduktion federführend betreuen, teilte das Landestheater mit. Die Glimmerglass Opera präsentiert in der Sommersaison 2011, dann unter dem neuen Namen «The Glimmerglass Festival», neue Produktionen von Bizets «Carmen», des Musicals «Annie Get Your Gun» (von Irving Berlin) sowie Cherubinis «Medea» sowie – als Doppelpack – die Weltpremiere des von der Glimmerglass Opera in Auftrag gegebenen Stücks «A Blizzard in Marblehead Neck» (die Musik schrieb Jeanine Tesori, das Libretto Tony Kushner) und die sogenannte «professional premiere» des Einakters «Later the Same Evening» (John Musto und Mark Campbell). Das teilte die neue Künstlerische Leiterin der Opernkompagnie, Francesca Zambella, mit. Das Festival wird vom 2. Juli bis zum 23. August 2011 stattfinden. Marcus Creed, Chefdirigent des SWR Vokalensembles Stuttgart, hat seinen Vertrag um drei weitere Jahre bis Ende 2014 verlängert. Creed steht seit 2003 an der Spitze des international renommierten Klangkörpers, der zuletzt Ende 2009 als «Ensemble des Jahres» mit dem Echo Klassik Preis ausgezeichnet worden war. Yannick Nézet-Séguin wird ab der Spielzeit 2012/13 Music Director des Philadelphia Orchestra. Der kanadische Dirigent, der bereits die Chefposition beim Rotterdam Philharmonic Orchestra innehat, erhält einen Siebenjahres-Vertrag. Er tritt die Nachfolge von Charles Dutoit an, der zum Conductor Laureate ernannt wurde. Plácido Domingo ist zum Präsidenten von Europa Nostra ernannt worden, der Dachorganisation der europäischen Denkmalschützer. Der Tenor, Dirigent und Chef der Los Angeles und Washington National Opera folgt in diesem Amt auf die Infanta Pilar de Borbón, die Schwester des spanischen Königs Juan Carlos I. Europa Nostra umfasst rund 200 regionale und nationale Organisationen, 170 assoziierte Verbände und 1500 Einzelmitglieder. Die Organisation setzt sich für hohe Qualitätsnormen beim Erhalt des Kulturerbes in Architektur, Stadtplanung und Landschaftsgestaltung ein. Unterdessen gab die Washington National Opera einen weiteren Ausflug des Tenors ins Baritonfach bekannt. Mit «Simon Boccanegra» hatte Domingo bereits eine Baritonpartie gesungen. Nun folgt im August und September in China und Italien mit «Rigoletto» ein weiterer Versuch. Am 2. August wird Domingo – sekundiert von Teilnehmern des Washington National Opera’s Domingo-Cafritz Young Artist Program – in Peking in «Rigoletto» zu hören sein. Eugene Kohn wird dabei das Chinese National Opera House Symphony Orchestra dirigieren. Die Oper wird im Reignwood Theater des gleichnamigen Business Centers realisiert. Künstlerischer Leiter des Theaters ist – Plácido Domingo. Im September wird Domingo laut Angaben der «Baltimore Sun» die Rolle im italienischen Mantua gestalten, dem Originalschauplatz der Oper. Die Aufführung soll vom italienischen Fernsehen live übertragen werden. Anlässlich des 625-jährigen Jubiläums der Universität Heidelberg wird der legendäre, zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Zürich entstandene Codex Manesse nach längerer Zeit erstmals wieder öffentlich zu sehen sein. Die Universitätsbibliothek Heidelberg zeigt die prachtvoll gestaltete Sammlung mittelhochdeutscher Lied- und Spruchdichtung, die aus konservatorischen Gründen nur äußerst selten die klimatisierten Tresore der Bibliothek verlassen darf, von Oktober an in einer Ausstellung mit dem Titel «Der Codex Mannesse und die Entdeckung der Liebe». Nähere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse manesse2010@uni-hd.de Der italienische Dirigent Gianandrea Noseda hat angekündigt, dass er seinen Posten als Chefdirigent des BBC Philharmonic Orchestra zum Ende der kommenden Saison aufgeben wird. In seiner letzten Spielzeit will sich Noseda, der zudem musikalischer Leiter des Turiner Teatro Regio ist, auf Werke von Beethoven, Rachmaninow, Liszt und Strauss konzentrieren. Den Abschluss bildet eine konzertante Aufführung von Verdis «Otello». Internationales Aufsehen erregte Noseda mit dem BBC Philharmonic Orchestra in den vergangenen Jahren unter anderem mit einer Pioniertat: dem Angebot eines freien Downloads sämtlicher Beethoven-Symphonien. Die Eutiner Festspiele haben noch keinen neuen Geschäftsführer. Laut einem Bericht der «Lübecker Nachrichten» hat sich der erst im Januar für dieses Amt bestimmte Kulturmanager Stephan Jöris zurückgezogen und den Vertrag nicht unterzeichnet. Als Grund nannte Jöris, der zuvor bei den Bayreuther Festspielen am Grünen Hügel tätig war, dass ihm die für seine Arbeit erforderlichen Rahmenbedingungen nicht gewährt worden seien. Das sanierungsbedürftige Opernhaus von Sydney wird einem gründlichen Facelifting unterzogen. Unter anderem werden die Bühnenaufzüge erneuert und unterirdische Zugänge für Lkw-Anlieferungen erstellt. Die Finanzierung der Arbeiten ist von Kristina Keneally, der Premierministerin des australischen Bundesstaates New South Wales, zugesichert worden. Für die Sanierung sind drei Jahre avisiert. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf 800 Millionen australische Dollar. Nicht ganz so teuer ist eine Aktion der Performerin Laurie Anderson. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Popsänger Lou Reed, hat sie im Opernhaus von Sydney ein Konzert realisiert, dessen Frequenzen nur von Hunden wahrgenommen werden konnte. Anlässlich ihres 90-jährigen Bestehens und des 85-jährigen Jubiläums des Litauischen Staatsballetts präsentiert die Litauische Nationaloper in der kommenden Saison unter anderem eine Ballettwoche, Ballett-Aufführungen wie «La Sylphide» und «La Bayadère» sowie Konzerte. Im Bereich Oper gibt es im Dezember eine Inszenierung von Verdis «La forza del destino». Als weitere Premieren sind Verdis «Otello», Bizets «Carmen» und Mozarts «Le nozze di Figaro» angekündigt. Glaubt man einem Bericht der Los Angeles Times, hat die Produktion der Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» von Richard Wagner in der Regie von Achim Freyer an der Los Angeles Opera ein Finanzloch von 5,96 Millionen US-Dollar in den Etat des Hauses gerissen. Allein vier Millionen Dollar Defizit seien durch haarsträubende Fehler beim Ticketverkauf entstanden, heißt es in dem entsprechenden Artikel. Das Stadttheater Konstanz hat einen Kooperationsvertrag mit dem Nanzikambe Arts Theatre in Blantyre (Malawi) geschlossen. Die Vereinbarung sieht ein dreijähriges Programm vor, dessen Herzstück eine Inszenierung im Jahr 2012 mit einem gemeinsamen Ensemble bildet. Ein gemischtes Autoren- und Regieteam will zu diesem Anlass ein Stück entwickeln. Schon im Jahr 2011 werden mehrere Inszenierung ausgetauscht. Die Kulturstiftung des Bundes fördert das Projekt mit einer Summe von 150 000 Euro. Die Bach-Handschriften der bedeutendsten Archive zum Werk des Thomaskantors sind dank eines neuen Web-Portals seit Kurzem in höchster Bildqualität mit umfangreichen Informationen im Internet zugänglich. Nach mehr als zwei Jahren intensiver Arbeit ist es nun möglich, auf die Bestände unter anderem der Staatsbibliothek zu Berlin, der Jagiellonischen Bibliothek Krakau, des Bach-Archivs Leipzig sowie der Sächsischen Landesbibliothek zuzugreifen. Die meisten Werkautographen und Originalstimmen zu Bachs Werken befinden sich in diesen Städten. Im Moment sind etwa 40 Prozent des Gesamtbestandes von über 20 000 Seiten der 697 Handschriften eingearbeitet. Bis 2011 sollen diese vollständig verfügbar sein. Weitere Informationen gibt es im Netz unter der Adresse www.bach-digital.de Das Berliner Festival Young Euro Classic hat ein Festivalorchester Südosteuropa ins Leben gerufen, das Jugendliche aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien und aus Deutschland zusammenbringt. Gesucht werden nach wie vor Orchesterpaten. Das eigens für das Festival zusammengestellte Orchester, das seinen ersten Auftritt im August im Berliner Konzerthaus haben wird, setzt sich aus etwa 50 Musikstudenten zusammen; die Leitung hat der Cellist und Dirigent Heinrich Schiff übernommen. Nach dem Berliner Konzert geht das Orchester auf Tournee, zunächst nach Kassel und dann in Richtung Balkan. Auf dem Programm stehen Auftritte beim Cetinje Cultural Summer in Montenegro, an der Musikhochschule in Sarajevo sowie beim Split Summer Festival in Kroatien. Um das 45 Tonnen schwere Szenenbild, das Regisseur Robert Lepage für seine Inszenierung von Wagners «Ring» benötigt, auf die Bühne zu hieven, hat die New Yorker Met den Bühnenboden verstärken müssen. Dazu wurden drei rund dreißig Meter lange Stahlträger eingezogen. Die Maßnahme ist der seit Jahren aufwändigste und kostspieligste Eingriff in die Infrastruktur des Hauses. Laut einem Bericht der «New York Times» kosten allein diese Arbeiten 125 000 US-Dollar. Die Gesamtkosten für Lepages Inszenierung werden sich, so vermutet die Zeitung, auf mindestens 16 Millionen Dollar belaufen. Katharina Wagner, die neue Leiterin der Bayreuther Festspiele, geht mit dem Gruftie-Image der Wagner-Spielstätte ins Gericht. Der Grüne Hügel soll für junge Besucher attraktiver werden. Katharina Wagner erwägt laut deutschen Presseberichten unter anderem Club-Events mit Wagner-Remixes. Eine Entweihung der besonderen Bayreuther Atmosphäre sieht sie darin nicht. Die diesjährigen Bayreuther Festspiele starteten am 25. Juli mit einer Neuinszenierung des «Lohengrin» von Hans Neuenfels. Das Westschweizer Verbier Festival beschreitet neue digitale Wege: Eine iPhone App macht es möglich, Konzerte auf dem Mobiltelefon live und unentgeltlich mitzuverfolgen. Seit vier Jahren können Konzerte des Verbier Festivals bereits in einem Live-Stream auf der Medici-TV-Webseite kostenlos aufgerufen werden. Die Konzerte von 2009 sind mehr als eine Million Mal aufgerufen worden. Die Konzerte können iPhone-Benutzer bis zum 30. September 2010 auch als Aufzeichnung nutzen. Auch die Aufzeichnungen sind kostenlos. Das Angebot umfasste 28 Konzerte zwischen dem 16. Juli und dem 1. August. Dazu zählen unter anderem Konzerte mit Renaud Capuçon, Yuja Wang, Martha Argerich und Mischa Maisky sowie Vorstellungen der Oper «Salome». Mehr Informationen gibt es im Netz unter www.medici.tv. Der Schweizer Sender DRS2 geht neue Wege in der Konzertübertragung. In der Reihe «Weltklasse auf DRS 2» hat der Sender kürzlich Monteverdis Oper «Il ritorno d'Ulisse in patria» ausgestrahlt. Auf der DRS2-Webseite gab es dazu in Echtzeit das Libretto. Die Aufnahme vom Barockfestival in Beau | |
28. Juni 2010 Ioan Holender wird Berater der Met | |
Juni 2010 Teatro Colón wiedereröffnet | |
Mai 2010 Großes Finale an der Lindenoper Die Tage sind gezählt. Am 6. Juni gibt es in der Berliner Staatsoper Unter den Linden die unwiderruflich letzte Vorstellung vor der für Sanierungsarbeiten erforderlichen Schließung des Hauses. Daniel Barenboim und sein Orchester, die Staatskapelle Berlin, verabschieden sich mit einem Live-Konzert auf dem Bebelplatz. Am gleichen Ort ist tags zuvor ein letztes Mal Tschaikowskys «Eugen Onegin» zu erleben, als Live-Übertragung aus dem Opernhaus, mit Barenboim am Pult und Artur Rucinski in der Titelrolle. Nach der Vorstellung lädt die Lindenoper zur Abschiedsparty im Kulissen-Magazin. Deutsche Bank setzt Partnerschaft mit den Berliner Philharmonikern fort Auch an anderer Stelle geht die Party weiter, allerdings in streng künstlerischem Sinn: Die Deutsche Bank, seit 2002 exklusiver Förderer der Berliner Philharmoniker, setzt die Partnerschaft mit dem Orchester um fünf Jahre bis 2015 fort. Damit sind Projekte wie das Education-Programm und die Digital Concert Hall bis auf Weiteres in ihrer Existenz gesichert. Damit einher geht die Botschaft, dass die Berliner Philharmoniker gemeinsam mit Sony einen Online-Service einrichten. Im Klartext heißt dies: Menschen, die im Besitz eines Internet-TV-Geräts und/oder eines Blu-ray Players der Marke Sony sind, können ab sofort von der Wohnzimmercouch die Konzerte der Berliner Philharmoniker, die im Rahmen der Digital Concert Hall übertragen werden, genießen. Der Name des neuen Online-Services ist BRAVIA Internet Video. Griechische Nationaloper kurz vor Konkurs Von solchen Fortschritten nur träumen kann man derzeit in Athen. Nicht nur der griechische Staat ist pleite, nun geht es womöglich auch der Nationaloper «Ethnike Luriké Skênê» an den Kragen. Laut Medienberichten ist das Opernhaus mit 14 Millionen Euro verschuldet. Erst vor vier Jahren waren von Premierminister Costas Karamanlis Pläne für einen Neubau mit Bibliothek und Park präsentiert worden. Das von der Stiftung Stavros Niarchos mitgetragene 500-Millionen-Euro-Projekt, das bis zum Jahr 2015 realisiert werden sollte, belastet das ohnehin klamme Kulturbudget der Stadt nun so massiv, dass ein Aus für die Oper droht. Erst im vergangenen September hatte die Nationaloper eine Nothilfe von zwei Millionen Euro erhalten. Deutsche Kulturorchester können besser vermarktet werden Geld regiert die Welt, so ist es nun einmal, auch in der Sphäre der Kunst. Und diesbezüglich bestehen für die deutschen Kulturorchester vor allem im Bereich der Organisation und der Vermarktung noch ungenutzte Möglichkeiten. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, in seinem Buch «Orchestermanagement». Die Mehrzahl der deutschen Kulturorchester seien Opernorchester, so Mertens. Würde man diese besser und selbstständiger organisieren, könnten erhebliche Potenziale erschlossen werden. Mario Venzago wird Chefdirigent in Bern Der Schweizer Dirigent Mario Venzago folgt beim Berner Symphonie Orchester mit einem unbefristeten Vertrag ab der Spielzeit 2010/11 als Chefdirigent auf Andrey Boreyko. In seiner ersten Saison wird er aber planungsbedingt, wie es heißt, lediglich drei Konzerte dirigieren; danach ist eine Zusammenarbeit mit dem Orchester in Bern auf elf Wochen pro Saison avisiert. Venzagos Vertrag kann beidseitig auf ein Jahr gekündigt werden. Hintergrund für diese Absprache sind die offenen Fusionspläne von Stadttheater und Orchester. Im Zusammenhang damit steht die Meldung, dass Marc Adam, der Intendant des Berner Stadttheaters, an Einfluss einbüßt. Über die Geschicke des Hauses entscheidet er künftig nicht mehr allein, sondern als Teil einer dreiköpfigen Geschäftsleitung. Diese besteht aus Adam sowie dem Technischen Direktor Gino Fornasa und dem Kaufmännischen Direktor Anton Stocker. Nicht mehr in Bern wird der Chorleiter Alexander Martin arbeiten. Er verlässt das Stadttheater Ende Juli und wechselt als Direktor des Chœur an die Opéra National de Bordeaux. Savonlinna Opera Festival kreiert Publikumsoper Das Savonlinna Opera Festival will 2012 eine Oper uraufführen, die in einem Kollektivprozess im Internet entstehen soll. An Libretto, Musik und sogar der Wahl der Kostüme kann mitwirken, wer will. Für das Projekt mit dem Titel «Opera by You» stehen Solisten, ein Chor, ein Symphonieorchester und ein Produktionsteam zur Verfügung. Wie das Ganze im Einzelnen funktionieren soll, ist zur Stunde noch unklar. Vermutlich über Chats und Blogs. Konzerte des London-Philharmonic Orchestra im Internet Apropos Netz: Bis zum Saisonende können nun auch Konzerte des London Philharmonic Orchestra nachgehört werden. Die Konzerte werden unentgeltlich und ohne Registrierungsrituale angeboten. Auch das Programmheft kann kostenlos heruntergeladen werden. Weitere Informationen gibt es unter www.lpo.org.uk Frédéric Chaslin wird Chef in Santa Fe Gelernt hat er einst bei Daniel Barenboim, als dessen Assistent bei der Berliner Staatskapelle. Nun übernimmt Frédéric Chaslin mit Wirkung vom Oktober 2010 das Amt des Chefdirigenten der Santa Fe Opera, zunächst für drei Jahre. Er tritt damit die Nachfolge von Edo de Waart an, der diese Position im vergangenen Herbst niedergelegt hatte. Bau des Zürcher Parkhaus Opéra verzögert sich So etwas nennt man Kulturbewahrung: Weil Archäologen bei Sondierungen auf der Baustelle für das Parkhaus Opéra auf über 5000 Jahre alte Kulturschichten von internationaler Bedeutung stießen und diese sichern wollen, verzögert sich der Bau des Parkhauses um ein Jahr. Gefunden wurden Spuren aus mehreren Siedlungsphasen mit Pfahlbaudörfern der Stein- und Bronzezeit. Stephan Braunfels wird 1. Vorsitzender des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin Nach zehnjähriger Tätigkeit hat Harald Wiedmann sein Amt als 1. Vorsitzender des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin an Stephan Braunfels übergeben. Braunfels ist der Enkel des Komponisten Walter Braunfels, dessen Oper «Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna» 2008 an der Deutschen Oper Berlin ihre szenische Erstaufführung erlebt hatte. Die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 präsentiert «!Sing – Day of Song» Erleben, das können auch die Besucher der Kulturhauptstadt Europas etwas, und zwar vom 3. bis 6. Juni. An diesen Tagen werden über 760 Chöre, über 25 000 Sängerinnen und Sänger, dazu Partnerchöre aus 14 Ländern nebst Bühnen- und Badewannenprofis gemeinsam ihre Stimme erheben, beim Projekt «!Sing – Day of Song» im Rahmen des Festivals Ruhr.2010. Zentrale Sangeskundgebung ist am 5. Juni die gesamte Metropole Ruhr, wo in mehr als 600 Konzerten gleichzeitig gesungen wird. Gleichsam als Fanfare dient, direkt nach dem Läuten der Kirchturmglocken um zehn nach zwölf, das Steiger-Lied «Glück Auf» sowie Herbert Grönemeyers Song «Komm zur Ruhr». Royal Opera House geht auf die Straße Ebenso ansprechend gibt sich das Londoner Royal Opera House im Juni. Im Rahmen des BP Summer Big Screens-Projektes wird es auf 24 Leinwänden an 20 verschiedenen Orten der Stadt Übertragungen von Opernaufführungen aus dem Haus an Covent Garden geben. Erster Höhepunkt und zugleich Auftakt zu dieser hollywoodesken Kunstvermittlung ist die Präsentation von Bizets «Carmen» auf 3D-Format. Gefilmt wird im Juni, die Ausstrahlung soll im Herbst erfolgen. Weitere Informationen hierzu gibt es unter www.roh.urg.uk Peter Baumgardt wird Intendant der Europäischen Wochen Passau Der Kulturmanager Peter Baumgardt wird ab 2012 Intendant der Europäischen Wochen Passau. Er will die Festspiele unter das Generalmotto «Donaukultur» stellen. Für Vielfalt ist demnach gesorgt. RIAS Kammerchor gewinnt Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik Können lohnt sich. Für ihre Aufnahme mit Werken von Ernst Krenek wurden der RIAS Kammerchor und ihr Chefdirigent Hans-Christoph Rademann mit dem Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie Chorwerke gewürdigt. Die CD umfasst Werke Kreneks aus seiner gesamten Schaffenszeit, darunter zentral die «Sechs Motetten nach Worten von Franz Kafka». Weitere Preise gingen an den Dirigenten Sir Charles Mackerras (für seine Dvorák-Interpretationen) und den Schlagzeuger Paul Motian (für die CD «Lost in Dream»). Simone Young ist Ehrenmitglied des Richard-Wagner-Verbandes Hamburg So langsam, aber sicher kann Simone Young als Hamburgerin gelten. Jüngstes Indiz für die feste Bindung an die Hansestadt ist die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Hamburger Richard-Wagner-Verbandes für die Generalmusikdirektorin der Hamburgischen Staatsoper. Damit werde, so der Verband, das außerordentliche Engagement Simone Youngs für die Musik Richard Wagners geehrt. Karl Wesseler gestorben Wenige Tage nach Vollendung seines 81. Lebensjahres ist in Köln der Regisseur, Schauspieler, Autor, Komponist und Musiker Karl Wesseler gestorben. Nach ersten Engagements in Rheydt und Kaiserslautern arbeitete Wesseler vorwiegend an den Städtischen Bühnen Köln; Gastspiele führten ihn an die Theater von Bremen, Wuppertal, Hannover, Wiesbaden, Nürnberg, Düsseldorf, Duisburg und Hamburg. Daneben war er unter anderem als Kabarettist und Rundfunksprecher erfolgreich. Von 1978 bis 1983 war Wesseler Intendant am Rheinischen Landestheater Neuss, danach wirkte er sechs Jahre lang als Generalintendant der Städtischen Bühnen Münster. Pianist Alfons Kontarsky gestorben Ebenfalls gestorben ist im Alter von 77 Jahren am 5. Mai der Pianist und Pädagoge Alfons Kontarsky. Besonders auf dem Gebiet der Neuen Musik verlieh er dem Konzertbetrieb wichtige Impulse. Berühmt wurde der Künstler an der Seite seines Bruder Alois Kontarsky, mit dem er über Jahrzehnte eines der besten Klavierduos weltweit bildete. Bühnenbildner Stefanos Lazaridis ist tot Wer einmal in Bregenz war, der kennt seine opulenten Bühnenbilder. Nun ist Stefanos Lazaridis im Alter von 65 Jahren gestorben. Der in Äthiopien als Sohn griechischer Eltern geborene Künstler erlag am 10. Mai einem Krebsleiden. Lazaridis’ Bühnenbild im Bodensee für Richard Wagners Oper «Der fliegende Holländer» in der Spielzeit 1989/90 markierte den Beginn einer neuen Bildsprache für die Aufführungen auf der Seebühne. Seither arbeitete Lazaridis eng mit dem heutigen Intendanten der Bregenzer Festspiele, David Pountney, sowie mit dem britischen Regisseur Keith Warner zusammen. Ioan Holender blickt zum Abschied zurück Sag leise Servus? Nun, das ist nicht jedermanns Sache. Ioan Holender, der scheidende Intendant der Wiener Staatsoper, macht aus seinem Abgang ein Ereignis: Unter dem Titel «Musikalische Rückschau der Direktion Holender 1991-2010» gibt es am 26. Juni eine Benefizveranstaltung in der Wiener Staatsoper, bei der Ausschnitte aus rund 40 der knapp 100 Produktionen zu sehen sind, die während Holenders Amtszeit im Haus am Ring Premiere feierten. Der Erlös des Abends kommt den Concordai Sozialprojekten in Moldawien zugute. Erna-Schlüter-Gesellschaft ehrt zwei Sänger des Oldenburger Staatstheaters Die Sopranistin Mareke Freudenberg und der Bass Derrick Ballard sind mit dem Erna-Schlüter-Preis der gleichnamigen Gesellschaft ausgezeichnet worden. Beide Sänger sind Ensemblemitglieder des Oldenburger Staatstheaters. Die Erna-Schlüter-Gesellschaft wurde 2005 gegründet und verleiht alle zwei bis drei Jahre Förderpreise an junge Sängerinnen und Sänger, die sich durch herausragende Leistungen in der Region einen Namen gemacht haben. Bamberger Symphoniker mit bester Aufnahme von Mahlers Neunter Jonathan Nott und seine Bamberger Symphoniker/Bayrische Staatsphilharmonie haben das lange hinter sich. Das Orchester und sein Chefdirigent haben ihre Klasse wiederholt unterstrichen. Nun steht es auch schwarz auf weiß fest, wie gut die Partner sind. In seiner Mai-Ausgabe kommt das französische Magazin «Classica» zu dem Ergebnis, dass die Einspielung der Bamberger von Mahlers neunter Symphonie unter acht ausgewählten Aufnahmen die zweitbeste sei. Platz eins ging an eine Aufnahme mit Giuseppe Sinopoli und dem Philharmonia Orchestra. Doch ebenso prominent sind die Orchester und Dirigenten, die Nott und die Bamberger hinter sich ließen: etwa die Wiener Philharmoniker unter Claudio Abbado, gleich zwei Mal die Berliner Philharmoniker (Herbert von Karajan, Leonard Bernstein) und das Chicago Orchestra unter Pierre Boulez. Oper Köln nach Shanghai eingeladen Freude auch in Köln. Nicht nur ist, wie berichtet, zunächst gesichert, dass Schauspiel und Musiktheater auch künftig am Offenbachplatz gezeigt werden können. Nun wurde die Oper Köln als deutscher Kulturbotschafter auch zur Weltausstellung EXPO 2010 nach Shanghai eingeladen. Und was bringen sie mit vom Rhein? Natürlich den «Ring des Nibelungen». Die Tetralogie von Richard Wagner wird im Shanghai Grand Theatre in zwei Zyklen in der Regie von Robert Carsen und unter musikalischer Leitung von Markus Stenz aufgeführt. Ausstellung «Das große Welttheater» bei den Salzburger Festspielen Vom 17. Juli bis 26. Oktober findet bei den Salzburger Festspielen die Ausstellung «Das Große Welttheater. 90 Jahre Salzburger Festspiele» statt. Ort der Werkschau ist die Kunsthalle des Salzburg Museums. An diesem zentralen Ort wird die Geschichte der Salzburger Festspiele anhand von Originalobjekten und Architektur multimedial inszeniert. Des Weiteren dient eine sogenannte begehbare Enzyklopädie als Ausstellungsfläche; ihre Buchstaben sind als Informationsstationen in der Stadt an der Salzach verteilt. An bestimmten Orten, so etwa dem Monatsschlössl Hellbrunn, dem MdM Rupertinum, dem Dommuseum oder auch in Mozarts Geburtshaus und im Foyer des Großen Festspielhauses werden weitere themenspezifische Ausstellungen gezeigt. Sieger des Wettbewerbs «chiffren – musik neu entdecken» stehen fest Am Ende siegten ein Trio und ein Solist: Caroline Beckmann (10 Jahre), Julius Schilling (11) und Alexander Leuschner (11) gewannen den ersten Preis beim diesjährigen Wettbewerb «chiffren». Sie überzeugten die Jury mit dem «Jet-Set-Trio in 3 Minuten» für Klavier, Violine und Violoncello von Helmut Schmidinger. Der zwanzigjährige Hauke Siewertsen wurde für seine Darbietung des Stückes «Mini-Music to Siegfried Palm» von Hans Ulrich Engelmann ausgezeichnet. Die Musiker waren wie ihre Kontrahenten von einer Jury des Wettbewerbs «Jugend musiziert» für das Finale des Nachwuchskontests nominiert worden. Carl St. Clair verlässt Komische Oper Berlin Haben es die Spatzen von den Dächern gepfiffen? Nun, ein leises Zwitschern war vernehmbar. Dass es aber so schlecht um die Partnerschaft zwischen Carl St. Clair und Andreas Homoki, dem Intendanten der Komischen Oper, stehen würde, war nicht zu erwarten. Nun aber ist es amtlich: Der amerikanische Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin verlässt das Haus noch vor Ablauf seines Vertrags zum Ende der laufenden Saison. Als Hintergrund nannten St. Clair und Homoki, wie es den Usancen des Betriebens entspricht, «künstlerische Differenzen». Zum Nachfolger St. Clairs (aber nur als Chefdirigent) bestimmte Homoki Patrick Lange, der seit zwei Spielzeiten Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin ist und seither ein beachtliche internationale Karriere verfolgt. Giulietta Simionato gestorben Verglichen mit der Karriere von Giulietta Simionato nimmt sich der Aufstieg dieses jungen Dirigenten vergleichsweise bescheiden aus. Obwohl die italienische Mezzosopranistin bereits 1966 ihre Opernkarriere beendete, ist sie noch heute in aller Munde, wenn es darum geht, die Liste der glanzvollen Sängerinnen des 20. Jahrhunderts durchzudeklinieren. 1935 debütierte Giulietta Simionato in Florenz, schon ein Jahr später stand sie auf der Bühne der Mailänder Scala, als eines der Blumenmädchen im «Parsifal». Und schon in dieser Partie wurde deutlich, wie mächtig ihre Stimme war. So reüssierte sie bald darauf mit dramatischen Mezzopartien à la Amneris, Eboli oder Acuzena. Aber auch die für Rossini unabdingbare Leichtigkeit und die für das französischer Repertoire hilfreiche lyrische Tönung besaß die Simionato. Kein Wunder, dass die Großen der Dirigentenzunft sie baten, mit ihnen zusammenzuarbeiten: Arturo Toscanini ebenso wie Bruno Walter, Victor de Sabata ebenso wie Herbert von Karajan. Am 6. Mai ist Giulietta Simionato gestorben, kurz vor ihrem 100. Geburtstag (siehe auch OW 05/2010). Bach-Medaille für Philippe Herreweghe Der Dirigent und weltweit gefeierte Bach-Interpret Philippe Herreweghe erhält dieses Jahr die Bach-Medaille der Stadt Leipzig. Ausgezeichnet wird der Leiter des Collegium Vocale Gent im Rahmen des Bach-Festes Leipzig in Anerkennung der besonderen Verdienste um die Pflege des Werkes von Johann Sebastian Bach. Kooperation zwischen Staatstheater Braunschweig und Münchener Biennale Nach 1994 kommt es nun zum zweiten Mal zu einer künstlerischen Kooperation zwischen dem Staatstheater Braunschweig und der Münchener Biennale. Die junge Komponistin Eunyoung Kim und die Librettistin und Regisseurin Yona Kim schreiben ein gemeinsames Auftragswerk für die beiden beteiligten Kunstinstitutionen. Erarbeitet wird das Opus in Braunschweig, seine Uraufführung erlebt es am 12. Mai 2012 beim Festival für modernes Musiktheater in München. Der Titel des Werks lautet «Mama Dolorosa»; es spielt in einem belebten Stadtteil von Seoul und erzählt die Geschichte des verzweifelten Kinderwunsches einer Frau. Berliner Chöre erfolgreich beim 8. Deutschen Chorwettbewerb Vier Berliner Chöre haben beim 8. Deutschen Chorwettbewerb des Deutschen Musikrates Preise gewonnen. Sowohl der JazzPop-Chor «Fabulous Fridays» als auch der Männerchor des Staats- und Domchores errangen in ihren Kategorien zweite Preise. Zwei dritte Preise gingen an den Kammerchor «Ensemberlino Vocale» und an den gemischten Chor «Cantus Domus». Kiri Te Kanawa wird ausgezeichnet und protestiert gegen britische Visabestimmungen Die neuseeländische Sopranistin Kiri Te Kanawa ist für ihr Lebenswerk in London mit dem diesjährigen Classical Brit Award geehrt worden. Die Künstlerin, die ihre Opernkarriere beendet hat und nur noch als Konzertsängerin auftritt, nutzte die Gelegenheit, um die britische Visa-Politik zu kritisieren. Aufgrund der hohen bürokratischen Hürden sei es australischen und neuseeländischen Musikern kaum möglich, in Großbritannien aufzutreten, monierte Frau Te Kanawa. MusikTriennale zählt 50 000 Besucher Besuchertechnisch war die MusikTriennale in Köln ein voller Erfolg. Insgesamt kamen rund 50000 Besucher zu den Veranstaltungen des Festivals. Den Löwenanteil sichert sich mit 21000 Zuhörer die Kölner Philharmonie; darunter waren 13000 Eltern und Kinder, die den Kindertag des Hauses besuchten. Ein weiterer Publikumsmagnet war die Uraufführung von Karlheinz Stockhausens Zyklus «Klang» mit 1000 Gästen. Ärger in Los Angeles wegen Achim Freyers «Ring»-Konzept Man hätte es wissen können: Wo Achim Freyer inszeniert, gibt es Protest seitens der Sänger. So nun in Los Angeles: Der britische Tenor John Treleaven, Darsteller des Siegfried, und die amerikanische Sopranistin Linda Watson, Darstellerin der Brünnhilde, haben sich öffentlich über Freyers «Ring»-Inszenierung beklagt. Diese sei künstlerisch misslungen und physisch gefährlich. Laut einem Bericht der «Los Angeles Times» monieren die Sänger, sie würden gezwungen, überdimensionierte Kostüme und Masken zu tragen, die sie am Singen hinderten und sie unzumutbaren physischen Belastungen aussetzten. Zudem verhinderten die «Kostüm-Clownerien» jegliche glaubhafte Entwicklung der Figuren. Die Oper verteidigte Freyers Konzept: Die psychologische Dimension werde in «andere Formen des Ausdrucks» verlagert. Tschechische Philharmonie verklagt Kulturminister Empörung auch in Prag. Das Tschechische Philharmonische Orchester hat den Kulturminister des Landes, Vaclav Riedlbauch, verklagt und ist während eines Konzertes in Streik getreten. Die Proteste richteten sich einmal gegen die finanzielle Misswirtschaft und die damit bedrohte Existenz des Orchesters, aber auch gegen die Entlassung des Orchesterdirektors Vladimir Darjanin durch den Minister, der sinnigerweise diesen Posten zuvor selbst bekleidet hatte. Eine Untersuchung hatte ergeben, dass während Riedlbauchs Amtszeit beim Orchester umgerechnet rund drei Millionen Euro ausgegeben anstatt, wie vorgesehen, als Rücklagen verwendet wurden. Salzburgs Politik unterstützt Osterfestspiel-GmbH Der Salzburger Gemeinderat gibt grünes Licht für die Neukonstruktion der Osterfestspiele. Mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP wurde der Beitritt der Stadt als Gesellschafterin zur Osterfestspiele GmbH beschlossen. Des Weiteren wurde vereinbart, die Untersuchungen im Zusammenhang mit Finanzdelikten zum Nachteil der Festspiele auszuweiten, bis die Causa abschließend geklärt ist. Im Verdacht stehen nun auch der kaufmännische Direktor der Salzburger Festspiele, Gerbert Schwaighofer, und eine hochrangige Mitarbeiterin der Salzburger Festspiele sowie ein geschäftsführender Gesellschafter einer Multimedia-Firma. Neues Leitungsteam bei den Göttinger Händel-Festspielen Die soeben feierlich eröffneten internationalen Händel-Festspiele starten mit einem neuen Leitungsteam in die Festspielsaison 2010/11. Geschäftsführender Intendant des Festivals und damit Nachfolger von Benedikt Poensgen wird ab Juli der Orchestermanager Hermann Baumann. Ab Juli 2011 übernimmt dann der britische Dirigent und Cembalist Laurence Cummings die künstlerische Leitung des Festivals. Er folgt auf Nicholas McGegan. Weitere Informationen sowie das Programnm der Händel-Festspiele in Göttingen gibt es unter www.haendel-festspiele.de. Keith Warner wird Künstlerischer Direktor der Royal Danish Opera Einen Amtswechsel gibt es auch in Kopenhagen. Ab August 2011 übernimmt Keith Warner die Künstlerische Leitung der Königlich Dänischen Oper. Ab Juni dieses Jahres wird der britische Regisseur bereits beratend auf die Geschicke des Opernhauses einwirken. Gema bricht Verhandlungen mit YouTube ab Ob das eine gute Nachricht ist? Wohl eher nicht: Die Verhandlungen zwischen dem populären Internet-Videoportal YouTube und der deutschen Verwertungsgesellschaft für Musikurheberrechte Gema treten auf der Stelle. Vor gut einem Jahr hatte die Google-Tochter YouTube begonnen, Musikvideos zu sperren, weil die Verlängerung des ausgelaufenen Tantiemenvertrages nicht gelang und die Gema mit Bußgeldern drohte. Wenig später wurden die Gespräche wieder aufgenommen, aber – im Gegensatz zu Großbritannien, wo es eine Einigung zwischen YouTube und der zuständigen Rechteverwertungsgesellschaft PRS gab – bis heute ergebnislos. Nun hat die in München ansässige Gema die Verhandlungen ausgesetzt, weil man, so ein Sprecher, kein für beide Seiten akzeptables Ergebnis habe erzielen können. James Conlon ausgezeichnet Nicht ganz so weit oben, aber doch leicht erhöht darf von nun an James Conlon in die (musikalische) Welt blicken. Im Rahmen des Mai-Festivals in Cincinnati wurde der amerikanische Dirigent und Musikchef der Los Angeles Opera in die «American Classical Music Hall of Fame» eingeführt und in Anerkennung seiner Verdienst um die klassische amerikanische Musik mit der entsprechenden Medaille geschmückt. Wir gratulieren herzlich. | |
Young Singers Project bei den Salzburger Festspielen So funktioniert gute Nachwuchsförderung: Als Resultat des letztjährigen «Young Singers Project» bei den Salzburger Festspielen werden bereits zu Pfingsten zwei Absolventen in einer Aufführung von Mozarts «Betulia liberata» unter der Leitung von Riccardo Muti zu hören sein: die junge russische Mezzosopranistin Alisa Kolosova und der argentinische Bass Nahuel di Pierro. Im Sommer wird das Young Singers Project wieder Teil der Festspiele sein. Mit Marjana Lipsovsek konnte eine prominente Künstlerin gewonnen werden, die das Projekt verantwortlich betreut. Regisseur Peter Brenner wird 80 Studiert hat er in Wien, an der Akademie für Musik und ebenso an der Universität. Mit der Folge, dass er gleich zwei Examen ablegte; eines in Musik, eines in Jura. Bald darauf entschied sich Peter Brenner aber für die klingende Kunst. Bei den Salzburger Festspielen wurde er 1964 Assistent von Günther Rennert, ab 1965 war er vier Jahre lang Abendspielleiter an der Deutschen Oper am Rhein. In gleicher Position wirkte er an den Theatern von Freiburg und Bremen, bevor er Intendant in Darmstadt und Mainz wurde und auch als Dozent an verschiedenen Musikhochschulen sein Wissen weiterleitete. Seine Berufung war die Regie; was wiederum wenig verwundert, wenn man weiß, dass er der zweite Sohn von Walter Felsenstein war. Gast-Inszenierungen führten ihn an die Bayerische Staatsoper, nach Hamburg, San Francisco und Köln, ans Opernhaus Zürich und nach Hannover. Zur Eröffnung der Salzburger Osterfestspiele inszenierte Brenner 1988 Mozarts «La clemenza di Tito», zwei Jahre später an gleicher Stelle Beethovens «Fidelio». Seine musikalischen Partner waren unter anderem Riccardo Muti, Wolfgang Sawallisch, Christian Thielemann, Sir Colin Davis, Horst Stein und Peter Schneider. Am 8. Mai feiert Peter Brenner seinen 80. Geburtstag. Dazu herzlichen Glückwunsch. Diana Damrau sagt Auftritte ab Wie die Oper in Washington mitteilte, hat die Sopranistin Diana Damrau sämtliche Auftritte als Ophelia abgesagt. Der Grund ist ein durch und durch schöner, man bezeichnet ihn gern mit dem Begriff «in anderen Umständen». Und Sorgen machen muss man sich um diese fabulöse Stimme ebenfalls nicht. Schon Anna Netrebko hat soeben erst bei ihrem Auftritt als Micaëla in der Wiener «Carmen» bewiesen, dass nach einer Babypause die Stimme noch wärmer klingen kann als zuvor. Hintergründe für Zinmans Abschied von Aspen Gar nicht schön sind, glaubt man den Medienberichten, die Umstände des abrupten Abgangs des Dirigenten David Zinman als Leiter des Aspen Music Festivals. Laut einem Bericht der gut informierten «Aspen Times» divergierten die Vorstellungen Zinmans und des Geschäftsführers Alan Fletcher derart drastisch, dass der Dirigent keinen anderen Ausweg sah, als zu demissionieren. Er wolle, so Zinman wörtlich, nicht «in einer Atmosphäre von Anspannung, Unsicherheit und mangelndem Respekt» weiterarbeiten. Franz Bauer-Theussl gestorben Im Alter von 81 Jahren ist am 30. April der österreichische Dirigent Franz Bauer-Theussl gestorben. Das Ehrenmitglied der Volksoper Wien war Mitbegründer der Seefestspiele Mörbisch und wirkte in den sechziger Jahren als Generalmusikdirektor an der Oper in Amsterdam. Sein Debüt hatte Bauer-Theussl 1957 an der Wiener Volksoper mit Lehárs «Das Land des Lächelns» gegeben. In den Folgejahren dirigierte er zahlreiche weitere Operetten, aber auch Werke wie «Tiefland», «Hoffmanns Erzählungen» oder «Die verkaufte Braut». Nach seiner Amsterdamer Zeit leitete der Dirigent ab 1969 das Wiener Johann-Strauß-Orchester. Éva Illés gestorben Ebenfalls mit 81 Jahren ist am 28. April die ungarische Sopranistin Éva Illés gestorben. Sie wurde in Budapest geboren und erhielt ihr erstes Engagement am Nationaltheater Pécs in Südwest-Ungarn. Dort sang sie bereits Partien wie Gilda und Violetta sowie die Titelrollen in Puccinis «Madama Butterfly» und «Lady Macbeth von Mzensk». Ende der sechziger Jahre verließ Éva Illés ihre Heimat und sang unter anderem die «Holländer»-Senta, die «Lohengrin»-Elsa und die «Tannhäuser»-Elisabeth, ebenso Ortrud und Puccinis Turandot. Nach Engagements in Regensburg und Freiburg war sie von 1971 bis 1975 Mitglied des Opernhauses von Zürich sowie von 1974 bis 1981 im Ensemble der Staatsoper Hannover. Gastspiele führten die Künstlerin an die Opernhäuser von London, Barcelona und an die Wiener Staatsoper. Als ihre Paraderollen bezeichnete sie selbst Tosca, die Strauss’sche Ariadne und die «Fidelio»-Leonore. Nach Beendigung ihrer aktiven Laufbahn wirkte Éva Illés als Lehrerin an der Universität Mozarteum Salzburg. Der Musikwissenschaftler Manfred Angerer ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Nach seinem Studium in Wien (Klavier, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie) promovierte er 1979 mit einer Studie über Skrjabins Spätwerk. Danach wirkte Angerer als Redakteur der Österreichischen Musikzeitschrift und als Lektor; 1981 wurde er Assistent von Walter Pass am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Wien. 1990 habilitierte er sich mit einer Arbeit über Joseph Haydn und wirkte dann als Professor an diesem Institut. Anton Knüsel gestorben Im Alter von 86 Jahren ist der Schweizer Chorleiter Anton Knüsel gestorben. Er studierte an der Kirchenmusikschule und am Konservatorium von Luzern und war danach von 1952 bis 1991 Studienleiter, Chordirektor und Kapellmeister am Stadttheater Bern. Zudem wirkte er als Leiter des Oratorienchors der Stadt Bern und als Lehrer am dortigen Konservatorium. Arthur Winograd ist tot Arthur Winograd, eines der Gründungsmitglieder des legendären Juilliard String Quartet, ist am 26. April, dem Tag seines 90. Geburtstags, gestorben. Winograd studierte am New England Conservatory und am Curtis Institute und war der erste Cellist des 1946 formierten Streichquartetts. Zehn Jahre später verließ er die Juilliards, um eine Karriere als Dirigent zu verfolgen. Zwischen 1960 und 1964 war er Musikalischer Leiter der Birmingham Symphony in Alabama, von 1965 zwanzig Jahre lang in gleicher Position beim Hartford Symphony Orchestra tätig. Nach seinem Rückzug aus dem Konzertleben unterrichtete Winograd an der Hart School der Universität von Hartford das Fach Kammermusik. Royal Opera House London stellt Saisonpläne vor Das Royal Opera House London plant für die kommende Spielzeit acht Weltpremieren sowie zwei England-Premieren. Darunter finden sich eine neue Oper von Mark-Anthony Turnage mit dem Titel «Anna Nicole» sowie ein neues Werk des britischen Komponisten Alexander Goehr mit dem Titel «Promised End» auf Shakespeares «King Lear». Vom schottischen Komponisten James MacMillan steht die Oper «Parthenogenesis» auf dem Programm, Premiere ist im Mai 2011. Weitere Werke im Spielplan 2010/11 sind unter anderem Agostino Steffanis «Niobe» (eine Übernahme aus Schwetzingen mit Thomas Hengelbrock und dem Balthasar-Neumann-Ensemble), Francesco Cileas «Adriana Lecouvreur» mit Angela Gheorghiu in der Titelrolle, Wagners «Tannhäuser» sowie Massenets «Cendrillon» (die Titelpartie singt hier Joyce DiDonato). English National Opera mit vielfältigem Programm Ebenso ansprechend gibt sich das Programm des zweiten großen Londoner Opernhauses. Gleich zur Eröffnung präsentiert die English National Opera in einer Koproduktion mit der New Yorker Met Gounods Meisterwerk «Faust», Des MacAnuff führt Regie, Edward Gardner hat die musikalische Leitung. Weitere Premieren sind Händels «Radamisto» (Inszenierung: David Alden, musikalische Leitung: Laurence Cummings), Mozarts «Don Giovanni» (Rufus Norris, Kirill Karabis), «Lucrezia Borgia» von Donizetti (Mike Finnis, Paul Daniel), Monteverdis «Ulisse» (Benedict Andrews, Jonathan Cohen), «La Damnation de Faust» von Berlioz (Terry Gillam, Edward Gardner), Brittens «A Midsummer Night’s Dream» (Christopher Alden, Leo Hussain), «Simon Boccanegra» von Verdi (Dmitri Tscherniakov, Edward Gardner) und die Uraufführung einer neuen Oper von Nico Muhly sowie die englische Erstaufführung von Alexander Raskatovs Musiktheater «A Dog’s Heart» (Simon McBurney, Garry Walker) Letzte Spielzeit von Kirsten Harms and der Deutschen Oper Berlin In ihrer letzten Spielzeit als Intendantin der Deutschen Oper Berlin setzt Kirsten Harms die Strauss-Reihe mit ihrer Inszenierung von dessen Oper «Die Liebe der Danae» fort. Am Pult steht Andrew Litton. Der Generalmusikdirektor des Hauses, Donald Runnicles, dirigiert die Premieren von «Les Troyens» (Inszenierung: David Pountney) und «Tristan und Isolde» in der Regie von Graham Vick. Weitere Neuproduktionen in der Berliner Bismarckstraße sind Francesco Cileas «Adriana Lecouvreur» (konzertant), ein neuer «Don Giovanni» (Roland Schwab, Roberto Abbado), als Koproduktion mit dem Grand Théâtre de Genève «Samson und Dalila» (Patrick Kinmonth, Alain Altinoglu) sowie Verdis «Macbeth» in der Inszenierung von Robert Carsen und unter musikalischer Leitung von Maurizio Benini. Wirtschaftlich ist die Deutsche Oper Berlin gegenwärtig gut aufgestellt: Bei einer Auslastung von 77,5 Prozent und rund 185 000 Besuchern werde das Haus voraussichtlich einen Rekord bei den Eigeneinnahmen erzielen, erklärte Kirsten Harms. Oper Leipzig setzt Gluck-Zyklus fort An der Oper Leipzig rückt (sich) Chefregisseur Peter Konwitschny mehr und mehr ins Rampenlicht. Die kommende Spielzeit bringt unter anderem die Fortsetzung seines Gluck-Zyklus – mit «Iphigenie in Aulis». Auch Mozarts «Così fan tutte« und die Strauss’sche «Elektra» übernimmt Konwitschny selbst. Weitere Neuproduktionen sind Wagners «Meistersinger von Nürnberg» (Axel Kober, Jochen Biganzoli), Humperdincks «Hänsel und Gretel» (Ulf Schirmer, Birgit Eckenweber), die erste szenische Aufführung des «Deutschen Miserere» von Brecht und Dessau, die Märchenoper «Die arabische Prinzessin» sowie Wagners «Walküre». Wagner und Nono in Hannover In seiner fünften Spielzeit als Intendant der Staatsoper Hannover präsentiert Michael Klügl sieben Opernpremieren. Zum Saisonauftakt inszeniert Benedikt von Peter Nonos Musiktheater «Intolleranza», das erstmals in Hannover zu sehen ist; die musikalische Leitung liegt in den Händen von Stefan Klingele. Barrie Kosky vollendet seinen «Ring» mit «Siegfried» und «Götterdämmerung»; sein Partner ist der demnächst scheidende GMD Wolfgang Bozic. Ingo Kerkhof inszeniert «Die Entführung aus dem Serail». Der neue Erste Kapellmeister Ivan Repusic gibt hier am Pult sein Debüt und wird auch die Premiere von Verdis «Falstaff» in der Regie von Oliver Tambosi leiten. Sein Vorgänger Lutz de Veer, der nach neun Jahren als Generalmusikdirektor ans Theater Plauen-Zwickau wechseln wird, dirigiert die Premiere von Prokofjews Oper «Die Liebe zu den drei Orangen». Regie führt hier Balász Kovalik. Die siebte Opernpremiere in Hannover ist eine konzertante: Die designierte Generalmusikdirektorin Karen Kamensek dirigiert Donizettis «La Fille du Régiment». Damit aber nicht genug: Mit Alexandra Holtschs Bearbeitung der «Beggar’s Opera» in der Inszenierung von Dagmar Schlingmann, bei der Jugendliche aus Hannover auf der Bühne stehen werden, wird Anfang November im Ballhof die Sparte «Junge Oper» gegründet. Die Leitung übernimmt Dramaturgin Dorothea Hartmann. Zwei weitere Premieren sind hier geplant: die Kinderoper «Die Schneekönigin» von Daan Maneke und, als Uraufführung, das Musiktheater «Freunde!» von Peter Androsch. Aufwind in Saarbrücken 26 Premieren präsentiert das Saarländische Staatstheater Saarbrücken in der Spielzeit 2010/11, davon sind sieben Neuproduktionen am Dreispartenhaus der Oper vorbehalten. Im Programm finden sich Puccinis «Turandot», Offenbachs «Schöne Helena», «Phaeton» von Jean-Baptiste Lully, der «Fidelio», Rossinis «La Cenerentola», die deutsche Erstaufführung von Michel van der Aas Pessoa-Musiktheater «Das Buch der Unruhe» sowie, als Uraufführung in der Reihe «echtzeit», «Der Cid» von Théodore Gouvy. Ausstellung im Händel-Haus Halle Bis zum 30. Dezember ist im Händel-Haus in Halle (Saale) die Ausstellung «Menschenbilder bei Johann Mattheson» zu sehen. In zwei Räumen erhalten die Besucher Informationen über eines der ältesten Lexika der Welt: die anno 1740 von Mattheson verfasste «Ehrenpforte», darin der Publizist Mattheson rund 150 wichtigen Persönlichkeiten seiner Zeit ein literarisches Denkmal setzt. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es im Internet unter der Adresse www.haendel-haus.de Dmitri Jurowski – neuer Musikchef in Antwerpen Neuer Chefdirigent der Flämischen Oper in Antwerpen und Gent wird Dmitri Jurowski. Er wird das Amt zum 1. Januar 2011 antreten und damit Ivan Törsz beerben, der das Haus bereits Ende 2008 verließ. Jurowski ist der jüngste Spross einer russischen Musikerfamilie: Michael Jurowski ist sein Vater, Vladimir Jurowski (Glyndebourne) sein Bruder. Gala für Ioan Holender Am 26. Juni 2010 feiert die Wiener Staatsoper ihren scheidenden Intendanten Ioan Holender mit einer Benefizveranstaltung zugunsten der Concordia Sozialprojekte in Moldawien. Dabei werden Ausschnitte aus rund 40 der insgesamt 97 Premierenproduktionen der Direktionszeit von Holender präsentiert. Unter den Künstlern wirken mit: Plácido Domingo, Siegfried Jerusalem, Thomas Quasthoff, Soile Isokoski, Thomas Hampson, Fabio Luisi, Diana Damrau, Thomas Moser, Leo Nucci, Angelika Kichschlager, Franz Welser-Möst, Michael Schade, Zubin Mehta, Angela Denoke, José Cura, Violeta Urmana, Antonio Pappano, Waltraud Meier, Johan Botha, Simone Young, Anna Netrebko, Ferruccio Furlanetto, Krassimira Stoyanova, der Solotänzer Vladimir Malakhov und viele andere. Nino Sandow als Professur an die «Hanns Eisler»-Hochschule berufen Nino Sandow ist zum Sommersemester 2010 als Professor für szenischen Unterricht im Bereich Musiktheater-Regie an die Hochschule für Musik Hanns Eisler berufen worden. Der gebürtige Berliner studierte selbst Operngesang und absolvierte ein Grundlagenstudium an der renommierten Schauspielschule «Ernst Busch» sowie das Fach «Regie» an der Hanns Eisler. Sandow inszenierte unter anderem am Berliner Ensemble und im Saalbau Neukölln, Gastspiele führten ihn in mehrere europäische Städte sowie in die USA. Deutsches Symphonie-Orchester Berlin sucht Entscheidung Bis zum Sommer will das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin einen Nachfolger für den aus dem Amt scheidenden Chefdirigenten Ingo Metzmacher präsentieren. Erster Kandidat ist der ossetische Dirigent Tugan Sokhiev, Chefdirigent des Orchestre National du Capitole de Toulouse. Christoph Schlingensief bespielt Deutschen Pavillon in Venedig Erst kürzlich hat er sein auf Luigi Nonos Musiktheater «Intolleranza 1960» fußendes Projekt «Via Intolleranza II» in Brüssel und Hamburg präsentiert. Nun ist Christoph Schlingensief eingeladen worden, den deutschen Pavillon bei der Biennale 2011 in Venedig zu bespielen. Der Regisseur und Filmemacher war dort bereits 2003 mit seiner «Church of Fear» in Erscheinung getreten. Oper und Schauspielhaus in Köln werden weiter genutzt Nach längeren Auseinandersetzungen und eingehender Prüfung haben sich die Bühnen der Stadt Köln dazu entschieden, sowohl die Oper als auch das Schauspielhaus in der kommenden Saison als Spielstätten zu nutzen. Jedoch werden die Werkstätten und Lager im Opernhaus wie geplant in der Sommerpause geräumt, sie beziehen in der Spielzeit 2010/11 ihren neuen Standort im Kölner Schanzenviertel. Der Rat der Stadt Köln hatte zuvor beschlossen, dass die Sanierungsarbeiten in beiden Musentempeln nicht vor dem Sommer 2011 beginnen werden. Sylvain Cambreling wird Musikchef an der Stuttgarter Staatsoper Sylvain Cambreling wird ab der Spielzeit 2012/13 die musikalische Leitung der Staatsoper Stuttgart übernehmen und tritt damit die Nachfolge von Manfred Honeck an. Damit wurde ein Wunsch des designierten Intendanten Jossi Wieler Wirklichkeit. Bereits in der Eröffnungsspielzeit Wielers 2011/12 werden der Intendant und sein Chefdramaturg mit Cambreling zusammenarbeiten und gemeinsam eine Neuproduktion stemmen. Francois Xavier Roth wird Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters Francois Xavier Roth wird neuer Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. Der 1971 in Frankreich geborene Musiker tritt zur Spielzeit 2011/12 die Nachfolge von Sylvain Cambreling an, der an die Stuttgarter Staatsoper wechselt. Mit seinen visionären Ideen werde Roth das Profil des Klangkörpers weiter schärfen, erklärte der Intendant des Südwestdeutschen Rundfunks, Peter Boudgoust. Rekordergebnis beim Heidelberger Frühling Mit einem Rekordergebnis endete der diesjährige Heidelberger Frühling. Mehr als 31 000 Zuschauer besuchten die 14. Saison des Internationalen Musikfestivals. Das sind 6000 mehr als im Vorjahr. Bonn erhält kein neues Festspielhaus Die ehemalige bundesdeutsche Haupstadt Bonn wird vorerst kein Beethoven-Festspielhaus erhalten. Deutsche Post, Telekom, Postbank sowie die Stadt selbst nahmen von entsprechenden Plänen vorerst Abstand. Der Neubau hätte rund 75 Millionen Euro gekostet. Für die jährlichen Betriebskosten von etwa fünf Millionen Euro hätte eine Stiftung aufkommen sollen. Verträge von Simon Halsey und Hans-Christoph Rademann verlängert Die Chefdirigenten der beiden Chöre in der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH (ROC), Simon Halsey und Hans-Christoph Rademann, haben ihre Verträge verlängert. Halseys Vertrag als Chef des Rundfunkchors wurde um fünf Jahre bis 2016 verlängert, Rademann tritt als Leiter des RIAS Kammerchors seine zweite Amtszeit 2011 für vier Jahre an. Stadttheater Trier mit vielfältigem Programm Am Stadttheater Trier wird es in der kommenden Spielzeit sechs Musiktheaterpremieren geben. Eröffnet wird die Saison mit Verdis «Macbeth», einer Koproduktion mit dem Opéra-Théâtre de Metz. Es folgen die Lehár-Operette «Der Graf von Luxemburg», «Lakmé» von Léo Delibes, das Musical «My Fair Lady» von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner, die deutsche Erstaufführung der Oper «The Voyage» von Philip Glass sowie, in der Reihe «Extratheater», die Oper «Trouble in Tahiti» von Leonard Bernstein. Alois Seidlmeier geht nach Mannheim Ab der kommenden Spielzeit wird Alois Seidlmeier, derzeit Generalmusikdirektor am Landestheater Coburg, Erster Kapellmeister und Stellvertreter von Generalmusikdirektor Dan Ettinger am Nationaltheater Mannheim. Seidlmeier studierte an der Hochschule für Musik in Würzburg Gesang und Dirigieren und wurde noch während des Studiums als Solorepetitor an das Stadttheater Würzburg berufen. In Coburg arbeitet er seit der Spielzeit 2001/2002. Bolschoi Theater erhält prunkvolle historische Fassade Das Moskauer Bolschoi Theater, das, wie berichtet, nach etlichen Verzögerungen nunmehr im Oktober 2011 wiedereröffnet werden soll, hat seine historische Prunkfassade wiedererhalten. Das Säulenportal sei so hergestellt, wie es der russisch-italienische Architekt Alberto Calvos anno 1856 entworfen habe, teilte ein Sprecher des Hauses mit. Das Bolschoi ist seit 2005 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, die Kosten werden auf rund 330 Millionen Euro geschätzt. Kurt Masur geehrt Der Dirigent Kurt Masur ist mit der Berliner Urania-Medaille geehrt worden. Der 82-Jährige erhielt die Auszeichnung für seine «besonderen Verdienste für Demokratie und Freiheit in Deutschland und für sein außerordentliches künstlerisches Lebenswerk», teilte die Urania mit. Deutsche Orchestervereinigung sieht Berliner Orchester und Chöre bedroht Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) befürchtet eine erhebliche Gefährdung der vier Klangkörper, die unter dem Dach der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH musizieren. Grund für die Sorge ist der Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages, der neben dem DeutschlandRadio, dem Land Berlin und dem rbb Gesellschafter der ROC ist, die bereits zugesagten Zuschusserhöhungen von zwei Millionen Euro vorerst zu sperren. Schon jetzt führe die unzureichende finanzielle Ausstattung der Klangkörper dazu, dass diese im bundesdeutschen Vergleich mit gleichrangigen Ensembles nicht mehr konkurrenzfähig seien, monierte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens. Die Sperre sei ein «ärgerlicher Betriebsunfall» und müsse im Eilverfahren aufgehoben werden, sagte Mertens. Dessen ungeachtet hat das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin seine Spielzeit 2010/11 präsentiert: Im Mittelpunkt steht der Auftakt zum Wagner-Zyklus, in dessen Rahmen bis 2013 die zehn bedeutenden Opern von Richard Wagner konzertant zur Aufführung gelangen. Isabel Mundry ausgezeichnet Die Komponistin Isabel Mundry erhält den Heidelberger Künstlerinnenpreis 2011. Die Auszeichnung zählt zu den wichtigsten Kulturpreisen des Landes und ist weltweit der einzige Preis, der nur an Komponistinnen vergeben wird. Oper Frankfurt stellt Jahresprogramm vor Insgesamt 13 Premieren präsentiert die Oper Frankfurt in der kommenden Spielzeit. Davon entfallen acht Neuinszenierungen auf das Opernhaus, drei Produktionen sind in der Spielstätte Bockenheimer Depot zu sehen, hinzu kommen zwei konzertante Opernaufführungen. Den Auftakt bildet die deutsche Erstaufführung von Aribert Reimanns «Medea» in der Regie von Marc Arturo Marelli und unter musikalischer Leitung von Erik Nielsen; es folgt die Neuinszenierung von Offenbachs «Hoffmanns Erzählungen» (Dale Duesing, Roland Böer). Generalmusikdirektor Sebastian Weigle und Vera Nemirova führen den soeben begonnenen Ring-Zyklus mit der «Walküre» fort, Barrie Kosky inszeniert den von Constantinos Carydis dirigierten Doppelabend «Dido and Aeneas»/«Herzog Blaubarts Burg». Andreas Kriegenburg führt Regie in Puccinis «Tosca»; die musikalische Leitung liegt hier in den Händen von Kirill Petrenko. Auch Christof Loy arbeitet wieder am Main. Er inszeniert «Die Fledermaus» (Musikalische Leitung: Sebastian Weigle). Fabio Luisi wird Principal Guest Conductor an der Met Fabio Luisi, kürzlich erst aus seinem Amt als Generalmusikdirektor der Staatsoper Dresden geschieden, wird ab der kommenden Spielzeit Principal Guest Conductor an der Metropolitan Opera von New York. Luisi, der sein Met-Debüt 2005 mit einem «Don Carlo» gab und seither öfter dort zu erleben war, soll dann «Ariadne auf Naxos» und «Rigoletto» dirigieren sowie mögliche Vakanzen, die durch die Rückenerkrankung von James Levine entstehen könnten, füllen. Nach Valery Gergiev ist der italienische Dirigent erst der zweite Principal Guest Conductor an der Met überhaupt. Deutsche Oper am Rhein mit ausgewogenem Programm Neun Opernproduktionen, darunter eine Oper für junges Publikum und eine Produktion des hauseigenen Opernstudios, gibt es in der Saison 2010/11 an der Deutschen Oper am Rhein. Den Auftakt macht – in Koproduktion mit der Vlaamse Opera Antwerpen – Puccinis «La Bohème» in der Inszenierung von Robert Carsen. Es folgen Francis Poulencs «Dialogues des Carmélites». Hier führt, wie auch im Fall der «Frau ohne Schatten», Guy Joosten Regie. Sabine Hartmannshenn bringt Henzes «Phaedra» auf die Bühne, Karoline Gruber setzt die Rameau-Reihe mit dessen Oper «Platée» fort. Immo Karaman inszeniert Brittens Musikdrama «Billy Budd», Nicolas Brieger zeichnet für Mozarts «Così fan tutte» verantwortlich. Für den Opernnachwuchs gibt es – auf den großen Bühnen der beiden Spielstätten Düsseldorf und Duisburg – die Premiere der Zauberoper «Der gestiefelte Kater» von Xavier Montsalvatge (Regie: Svenja Tiedt), das Opernstudio präsentiert Domenico Cimarosas Buffo-Oper «Il matrimonio segreto». Musikfest Stuttgart widmet sich dem Thema «Nacht» Vom 28. August bis zum 19. September widmet sich das Musikfest Stuttgart dem Thema «Nacht». Im Zentrum des Festivals stehen dabei die Aspekte «Träume und Märchen», «Schlafes Bruder» und «Liebe und Wahnsinn». Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.bachakademie.de Große Ausstellung bei den Salzburger Festspielen «Das Große Welttheater. 90 Jahre Salzburger Festspiele» ist der Titel einer Austellung in der Kunsthalle des Salzburg Museums, die vom 17. Juli bis zum 26. Oktober andauert und sich mit der Geschichte des renommierten Festivals befasst. Realisiert wird sie vom Museum in Kooperation mit den Salzburger Festspielen und der checkpointmedia AG. Anhand von Originalobjekten und Architektur wird eine multimediale Geschichtsschreibung versucht. Als Ausstellungsfläche eine sogenannte begehbare Enzyklopädie; ihre «Buchstaben» sind als Informationsstationen in der Stadt Salzburg verteilt. An bestimmten Orten, so etwa im Rupertinum, im Dommuseum, in Mozarts Geburtshaus oder im Foyer des Großen Festspielhauses, werden kleinere, themenspezifische Ausstellungen gezeigt. Berliner Tempodrom will Philharmonie Konkurrrenz machen Das Berliner Tempodrom soll künftig als Veranstaltungsort der Philharmonie im Tiergarten Konkurrenz machen. Das jedenfalls kündigte vollmundig der Großaktionär des neuen Besitzers, der Firma CTS Eventim AG, Klaus-Peter Schulenburg, in einer lokalen Zeitung mit. Mit seinen 3500 Plätzen sei das Tempodrom bei Konzerten, die diese Kapazität nutzen würden, besser geeignet als die Philharmonie, sagte er. Sein Engagement begründete er damit, dass Berlin neben Hamburg und München der interessanteste Live-Entertainment-Markt in Deutschland sei. Erstmals eine Oper von Richard Wagner auf Gut Immling Erstmals wird es beim traditionellen Opernfestival Gut Immling im Chiemgau eine Oper von Richard Wagner geben. Verena von Kerssenbrock inszeniert den «Fliegenden Holländer», am Pult der Münchner Symphoniker steht Cornelia von Kerssenbrock. Sie wird auch die neue Produktion von Bizets «Carmen» (Regie: Tassilo Tesche) musikalisch betreuen. Passend dazu gibt es bei dem Festival, das vom 20. Juni bis zum 15. August andauert, eine «Spanische Nacht». Weitere Informationen zum Opernfestival auf Gut Immling gibt es unter der Internet-Adresse www.gut-immling.de Rossinis Barbiere» auf Schloss Hallwyl Beim Opernsommer auf Schloss Hallwyl steht dieses Jahr eine Neuproduktion von Rossinis Oper «Il barbiere di Siviglia» auf dem Programm. Staatstheater Mainz stellt die Krise zur Debatte «Krise als Chance?» – diese Frage steht im Fokus der nächsten Saison am Staatstheater Mainz. Zum Auftakt der Spielzeit inszeniert Sandra Leupold Wagners «Tannhäuser», die musikalische Leitung liegt in den Händen der Generalmusikdirektorin Catherine Rückwardt. Gute Mischung am Staatstheater Braunschweig In seiner ersten Saison als Intendant des Staatstheaters Braunschweig präsentiert Joachim Klement im Bereich Musiktheater neben den Klassikern «Die Fledermaus», «Don Giovanni» und «Falstaff» zwei außergewöhnliche Projekte: die Uraufführung des Stückes «der einfluss des menschen auf den mond» von Klaus Lang (Musik) und Klaus Händl (Text) sowie Neuproduktionen der selten gespielten Opern «Isabeau» von Mascagni und «Amadigi di Gaula» von Händel. Theater Bielefeld steigert Besucherzahlen Das Theater Bielefeld steuert in der laufenden Saison auf ein Rekordergebnis zu. Bis Ende April besuchten über 160 000 Gäste Aufführungen, das entspricht einer Steigerung von knapp elf Prozent. Richard-Strauss-Quellen gesucht Das Richard-Strauss-Quellenverzeichnis im Richard-Strauss Institut Garmisch-Partenkirchen bittet um Mithilfe bei der Suche nach Quellen, die für das Verständnis der Werke des Komponisten nützlich sein können. Seit Oktober 2009 laufen am Institut die Arbeiten an dem Quellenverzeichnis, das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Ziel ist es, sämtliche weltweit erreichbaren Quellen zum Werk von Richard Strauss zu erschließen. Unter Strauss-Quellen werden insbesondere eigenhändiges Notenmaterial verstanden sowie Abschriften davon, Korrekturfahnen, Druck- bzw. Stichvorlagen, ferner Briefe und Postkarten von bzw. an Richard Strauss. Die so gewonnenen Daten sollen in einem musikwissenschaftlichen Internet-Fachportal als Datenbank veröffentlicht werden. Möglichkeit zur Kontaktaufnahme bietet die E-Mail-Adresse quellen-rsi@gapa.de. Italiens Opernhäuser droht der Kollaps Die Kulturvernichtungskampagne Silvio Berlusconis nimmt weiter Konturen an. Und so sind Italiens Opernhäuser erneut von einer schweren Krise betroffen. Grund ist der Eilbeschluss der Regierung, die Zuwendungen noch einmal zu senken. Laut italienischen Presseberichten gehen die Gewerkschaften von Lohneinbußen und einem engeren Spielraum für Verhandlungen aus. Betroffen ist insbesondere die Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom. Aber auch die Mailänder Scala zog bereits Konsequenzen: Die für den 13. Mai angekündigte Premiere der Wagner-Oper «Rheingold» wurde abgesagt. Und erst wenn das letzte Opernhaus geschlossen ist, werdet ihr merken, dass ohne Kultur der Mensch wieder zum Barbaren wird. Garsington Opera hat neues Domizil Die Garsington Opera hat ab 2011 offenbar ein neues Zuhause. Als künftiges Domizil hofft Rosalind Ingrams, Präsidentin der Garsington Opera, Wormsley Estate benennen zu können. Das Anwesen befindet sich im Besitz der Getty Familie. Zunächst einigte man sich auf eine Bespielung im Sommer 2011. Verhandlungen über eine weitere Nutzung sind im Gang. Konzerthaus Dortmund präsentiert die «Tristan»-Inszenierung von Peter Sellars Zum Auftakt der kommenden Saison, in der Esa-Pekka Salonen seine Zeit als Artist in Residence beginnt, präsentiert das Konzerthaus Dortmund eine Aufführung der «Tristan»-Inszenierung von Peter Sellars mit der Videoinstallation von Bill Viola. Bislang war diese Regiearbeit in Deutschland nicht zu sehen. Im Rahmen des «Zeitinsel»-Festivals wird unter der künstlerischen Federführung Iván Fischers mit dem Budapest Festival Orchestra zudem ein repräsentativer Ausschnitt aus dem Œuvre von Béla Bartók gezeigt. Im Mittelpunkt steht hierbei die konzertante Aufführung des Einakters «Herzog Blaubarts Burg». Fonds Darstellende Künste fördert 45 Projekte Das Kuratorium des »Fonds Darstellende Künste» fördert in diesem Jahr 45 Projekte freier Gruppen aus allen Sparten der darstellenden Künste mit einer Gesamtsumme von knapp 600 000 Euro. Zur Bewertung lagen dem mit Fachleuten besetzten Gremium insgesamt 284 Einzelprojektanträge und 34 Konzeptionsförderungen aus 79 Kommunen mit einem Antragsvolumen von 5,3 Millionen Euro vor. Wagner-Verband ehrt Simone Young Der Richard-Wagner-Verband Hamburg verleiht Simone Young die Ehrenmitgliedschaft. Seit 2005 ist die Australierin Intendantin und Generalmusikdirektorin der Staatsoper Hamburg und hat hier seither zahlreiche Werke Richard Wagners dirigiert, darunter «Parsifal» und «Tristan und Isolde». Seit 2008 schmiedet sie gemeinsam mit Claus Guth und Christian Schmidt einen neuen Hamburger «Ring des Nibelungen», den sie im Oktober 2010 mit der «Götterdämmerung» vollendet. Bundeswettbewerb Gesang 10 000 Euro beträgt der erste Preis des Regierenden Bürgermeisters von Berlin beim 39. Bundeswettbewerb Gesang Berlin. Der bedeutendste nationale Gesangswettbewerb Europas ist 2010 für Oper/Operette/Konzert ausgeschrieben. Insgesamt werden Preise in Höhe von rund 50 000 Euro vergeben. In der Jury sitzen unter anderem: Philip Bröking, Operndirektor der Komischen Oper Berlin, und Uwe Eric Laufenberg, Intendant der Oper Köln, Dirigent Lothar Zagrosek sowie ausgewählte Fachjournalisten und renommierte ehemalige Preisträger. Den Vorsitz hat Gerd Uecker, Intendant der Dresdner Semperoper. Teilnehmen können zwischen 1980 und 1993 geborene Talente mit deutscher Staatsangehörigkeit oder einem in Deutschland erworbenen deutschen Schulabschluss. Die Anmeldefrist läuft vom 1. Juni bis 1. September. Im Oktober finden bundesweite Vorauswahlen statt. Die öffentlichen Finalrunden schließen sich im November in Berlin an. Das Finalkonzert des Hauptwettbewerbs am 6. Dezember in der Komischen Oper Berlin wird von Roger Willemsen moderiert und von Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet. Medienpartner sind Deutschlandradio Kultur und die «Opernwelt». Das Preisträgerkonzert des Juniorwettbewerbs findet am 13. November im Foyer der Deutschen Oper Berlin statt. Anmeldung, Termine und weitere Informationen: www.bundeswettbewerbgesang.de Competizione dell’Opera feiert Jubiläum Der internationale Sängerwettstreit «Competizione dell’Opera» feiert 2010 sein zehnjähriges Jubiläum. Nach mehreren Vorsingen in Europa, Russland, Lateinamerika, den USA und Asien treffen sich die Vorrundensieger am 26. und 27. August zum Semifinale in den Landesbühnen in Dresden-Radebeul und am 29. August im Theater Bremen. Die zehn besten Sänger stehen dann im Finale. Dieses findet am 5. September in der Semperoper in Dresden statt. Karten für diese Gala gibt es direkt bei der Semperoper. Gesangswettbewerb «Debut» lockt junge Künstler Bis spätestens 30. Juni müssen sich alle Sängerinnen und Sänger, die am Europäischen Gesangswettbewerb «Debut» teilnehmen wollen, bewerben. Der Wettbewerb, der vom 26. September bis 2. Oktober in Weikersheim und Bad Mergentheim ausgetragen wird, ist mit 25 000 Euro dotiert und zugänglich für Nachwuchsängerinnen bis 32 und Nachwuchssänger bis 34 Jahren. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.debut.de Gesangswettbewerb «Das Lied» in Berlin Vom 23. bis zum 27. Februar 2011 findet der von Thomas Quasthoff initiierte Internationale Gesangswettbewerb «Das Lied» in Berlin statt. Neben hohen Geldpreisen, die als Stipendien vergeben werden, erhalten die Gewinner Auftrittsmöglichkeiten in bedeutenden Konzerthäusern. Auf dem Programm stehen 2011 Lieder von Johannes Brahms und Hugo Wolf. Die Ausschreibung läuft seit dem 1. Mai und bis zum 31. Oktober 2010. Ausführliche Informationen gibt es auf der Homepage www.das-lied.com Susanna Phillips gewinnt Beverly Sills Artist Award Die amerikanische Sopranistin Susanna Phillips hat den mit 50 000 Dollar dotierten diesjährigen Beverly Sills Artist Award gewonnen, der von der Metropolitan Opera in New York ausgerichtet wird. Die 28-jährige Sängerin überzeugte die Jury mit ihrer Interpretation der Musetta aus Puccinis «La Bohème» und der Pamina aus Mozarts «Zauberflöte». Rebekah Camm siegt bei der «Lotte Lenya Competition» Die Sopranistin Rebekah Camm aus Chicago hat den mit 15 000 Dollar dotierten ersten Preis bei der Lotte Lenya Competition gewonnen. Sie debütierte bereits 2005 als Micaëla in Bizets «Carmen» an der Houston Grand Opera und wird im Oktober die «Figaro»-Susanna in Los Angeles singen. Den zweiten Preis teilten sich unter den 15 Finalisten die New Yorker Mezzosopranistin Margaret Gawrysiak und der Berliner Bariton David Arnsberger. Beide erhielten jeweils 9000 Dollar. Sonne, Singen und Siegen beim Wettbewerb «Stella Maris» Unter der Leitung von Michael Schade steht der diesjährige Gesangswettbewerb «Stella Maris». Während einer Kreuzfahrt, die am 6. November in Istanbul startet und zehn Tage später in Akaba endet, entscheidet eine Jury über den begabtesten Nachwuchssänger. Die Reisegäste auf dem Schiff stimmen darüber ab, wer den Publikumspreis in Höhe von 15 000 Euro erhält. Weitere Informationen gibt es unter www.stella-maris.competition Sonya Yoncheva und Stefan Pop gewinnen erste Preise bei «Placido Domingo´s Operalia 2010» Die bulgarische Sopranistin Sonya Yoncheva und der rumänische Tenor Stefan Pop haben die ersten Preise beim Internationalen Gesangswettbewerb «Placido Domingo’s Operalia 2010» gewonnen und jeweils 30 000 US-Dollar Siegprämie eingestrichen. Das Finale fand in der Mailänder Scala statt. Zweite Preise und damit je 20 000 Dollar gingen an die italienische Sopranistin Rosa Feola (sie gewann auch den mit 10 000 Dollar dotierten Zarzuela Preis für Frauen «Pepita Plácido Domingo») ihren Landsmann, den Tenor Giordano Luca sowie den ukrainischen Bass Ievgen Orlov. Auf Rang drei kamen die russische Sopranistin Dinara Alieca und der südkoreanische Bass Chae Jun Lim; beide erhielten noch 10 000 Dollar. Den Zarzuela Preis für Männer «Don Plácido Domingo» und damit 10 000 Dollar gewann der amerikanische Tenor Nathaniel Peake, den «Operalia Birgit Nilsson Preis» (15 000 Dollar) sein Landsmann Ryan McKinny. | |
April 2010 Werner Schroeter ist tot Der deutsche Film-, Opern- und Theaterregisseur Werner Schroeter erlag am 12. April einem schweren Krebsleiden. Schroeter, der noch vor Wochen an der Berliner Volksbühne das Stück «Quai West« von Bernard-Marie Koltès inszeniert hatte, starb kurz nach seinem 65. Geburtstag in Kassel. Bekannt geworden war er 1969 mit dem Opernfilm «Eika Katappa». Seine entscheidende Förderung erhielt er durch Peter Zadek zu Beginn der 1970er Jahre. Nach einer großen Karriere als Filmemacher, in deren Rahmen er unter anderem mit dem Streifen «Palermo oder Wolfsburg» 1980 den Goldenen Bären der Berlinale gewann, erwarb sich Schroeter auch als Opernregisseur einen internationalen Namen. Gedenkfeier für Wolfgang Wagner Freunde und Weggefährten haben am 11. April Abschied von Wolfgang Wagner genommen. Der langjährige Leiter der Bayreuther Festspiele war, wie berichtet, am 21. März im Alter von 90 Jahren gestorben. Bei einer Gedenkfeier im Festspielhaus würdigten Künstler und Politiker das Lebenswerk des Richard-Wagner-Enkels. Zu den Gästen gehörten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Auf dem Platz vor dem Festspielhaus verfolgten mehrere hundert Bürger der Stadt die Trauerfeier über Lautsprecher. Zum Festakt, bei dem neben Seehofer auch der Dirigent Christian Thielemann eine kurze Ansprache hielt, waren aus Platzgründen nur rund 1000 geladene Gäste zugelassen. Verschattet wurde die Gedenkfeier von der Absage von Wolfgang Wagners Sohn Gottfried und der Familie seines 1966 verstorbenen Bruders Wieland Wagner. Dessen Tochter Nike, Leiterin des Kunstfestes Weimar, zählte jahrelang zu den heftigsten Kritikern des Festspielchefs. Sie selbst, ihre Geschwister Iris, Wolf Siegfried und Daphne sowie Gottfried Wagner hatten sich darüber beklagt, ihnen seien keine angemessenen Plätze für die Trauerfeier angeboten worden (Nachruf in «Opernwelt» 05/2010). WDR Sinfonieorchester erhält BBC Music Magazine Award Nicht alles, was mit der Familie Wagner zu tun hat, riecht nacht Kabale und Hieben. So wurde die Aufnahme des WDR Sinfonie-Orchesters und seines scheidenden Chefdirigenten Semyon Bychkov der romantischen Oper «Lohengrin» bei den BBC Music Magazine Awards in London zur «Disc of the Year» gekürt. Mariss Jansons muss «Carmen»-Premiere in Wien absagen Die Großen der Zunft scheinen von einem Bann beladen. Nachdem bereits Seiji Ozawa wegen Krankheit sämtliche Termine in den kommenden Wochen stornieren musste, hat es nun auch Mariss Jansons erwischt. Der Chefdirigent des Symphonieorchesters und Chores des Bayerischen Rundfunks hat bis Juni alle Auftritte abgesagt. Damit entfällt auch sein Debüt an der Wiener Staatsoper als Dirigent der «Carmen»-Produktion am 3. Mai. Für ihn soll nun sein Schüler und Landsmann Andris Nelsons am Pult stehen. Fraglich ist überdies die Mitwirkung von Anna Netrebko. Die russische Diva hat sich eine fiebrige Kehlkopfentzündung zugezogen und ist bereits von ihren Verpflichtungen an der Wiener Staatsoper im April als Elvira in Vincenzo Bellinis «I puritani» zurückgetreten. Für diese Partie springt die italienische Sopranistin Desiree Rancatore ein. Sylvain Cambreling geht nach Stuttgart Bester Gesundheit erfreut sich hingegen Sylvain Cambreling. Und einen lukrativen Posten hat er nun auch noch. Ab der Spielzeit 2012/13 wird der Dirigent die musikalische Leitung der Staatsoper Stuttgart übernehmen. Damit wurde ein Wunsch des designierten Intendanten Jossi Wieler Wirklichkeit. Bereits in der Eröffnungsspielzeit Wielers 2011/12 werden der Intendant und sein Chefdramaturg mit Cambreling zusammenarbeiten und gemeinsam eine Neuproduktion stemmen. Festspielhaus Baden-Baden plant alleine Stemmen, das will auch das Festspielhaus Baden-Baden, und zwar künftig in Eigenregie alle Musiktheaterproduktionen in der schmucken Kurstadt. Mit der Entscheidung, Opern nur noch in künstlerischer Alleinverantwortung zu konzipieren, erreicht das vor zwölf Jahren gegründete und privat betriebene Opernhaus eine neue Stufe seiner Entwicklung. Neben zwei Neuinszenierungen – Mozarts «Cosi fan tutte» (Regie: Philipp Himmelmann) und Strauss’ «Salome» (Nikolaus Lehnhoff) – soll es in der nächsten Spielzeit vier konzertante Premieren geben: gleich zu Beginn der Spielzeit Verdis «Otello» mit Ben Heppner und Anja Harteros in den Hauptrollen, danach eine Händel’sche «Ariodante» mit Joyce DiDonato sowie die Mozart-Opern «Idomeneo» und «Don Giovanni», Letzterer mit einer erlesenen Solistenschar: Diana Damrau, Elina Garanca, Rolando Villazón, Ildebrando d’Arcangelo und Thomas Quasthoff singen die Hauptrollen. Singende Manager für den LeaderChor Berlin 2010 gesucht Nicht gar so prominent, aber doch auch besonders, das soll die Besetzung für den LeaderChor 2010 in Berlin sein. Vier Tage lang können Manager und Führungskräfte aus Wirtschaft und Gesellschaft ihr Büro mit dem Probensaal tauschen und gemeinsam mit Mitgliedern des Rundfunkchores Berlin und unter Leitung von dessen Chefdirigent Simon Halsey – der soeben seinen Vertrag bis zum Jahr 2016 verlängert hat – ein Konzertprogramm einstudieren. Für den Workshop vom 28. bis zum 31. Oktober gibt es noch freie Plätze. Wer den Teilnehmerbetrag von 795 Euro zu berappen sich imstande sieht, kann sich noch bis zum 15. Mai anmelden. Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.rundfunkchor-berlin.de/leaderchor. Howard Arman wird Musikdirektor am Luzerner Theater Howard Arman, seit Mai 1998 Künstlerischer Leiter des MDR Rundfunkchors, übernimmt ab der Spielzeit 2012/13 zusätzlich zu diesem Amt für drei Jahre die Funktion des Musikdirektors am Luzerner Theater. Dabei teilt er sich die musikalische Leitung des Luzerner Sinfonieorchesters mit Chefdirigent James Gaffigan, der wiederum bereits mehrfach Konzerte des MDR Chores leitete. Nach der Berufung Armans zum Generalmusikdirektor der Theater & Philharmonie Thüringen ab der Spielzeit 2010/11 ist die Verpflichtung in Luzern sein zweites Engagement als Musikdirektor eines Opernhauses. Kent Nagano erhält den Furtwängler-Preis Mehrer Ämter innezuhaben, gehört ja längst zum guten Ton. Der Musikchef der Bayerischen Staatsoper, Kent Nagano, der zudem Music Director des Orchestre symphonique de Montréal ist, weiß das natürlich auch. Nun erhält Nagano beim Beethoven-Fest in Bonn den Wilhelm-Furtwängler-Preis für besonders herausragende Leistungen auf dem Gebiet der – richtig: Musik. Die Auszeichnung wird seit zwei Jahren vergeben. BMW Kompositionspreis vergeben Schon etwas länger, nämlich seit der Spielzeit 1997/98, gibt es den BMW Kompositionspreis, der im Rahmen von musica viva verliehen wird. Heuer erhält ihn der italienische Komponist Valerio Sannicandro für sein Opus «Forces Motrices» für Orchester und Live-Elektronik. Den zweiten Preis errang der japanische Tonsetzer Toru Naktani für seine Komposition mit dem nachgerade prosaischen Titel «For 54 Players», Rang drei belegte der deutsche Komponist Caspar De Gelmini mit dem Stück «Nightline» für Orchester. Sächsischer Mozartpreis an Niksa Bareza Bleiben wir bei den Ehrungen: Niksa Bareza, langjähriger Generalmusikdirektor der Robert-Schumann-Philharmonie und der Oper Chemnitz erhält im Rahmen des sächsischen Mozartfestes den nämlichen Preis, und zwar für seine Verdienste um die Pflege des Mozart’schen Werkes und sein künstlerisch prägendes Wirken für die sächsische Musiklandschaft. Schlossfestspiele in Schwerin präsentieren Verdis «La forza del destino» Vom 25. Juni bis zum 1. August dauern die Schlossfestspiele Schwerin des Mecklenburgischen Staatstheaters. Im Mittelpunkt steht die Produktion der Verdi-Oper «La forza del destino». Premiere der Inszenierung von Peter Lotschak unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Matthias Foremny ist am 25. Juni auf dem Alten Garten. Vittorio Grigolo unterschreibt Exklusivvertrag bei Sony Classical In trockenen Tüchern ist auch der Exklusivvertrag von Vittorio Grigolo bei Sony Classical. Der junge italienische Tenor setzte seine Unterschrift unter einen Vertrag, der eine unbefristete Laufzeit hat. Als erste Aufnahme wird Grigolo im Herbst 2010 eine CD mit Arien von Puccini, Donizetti und Verdi veröffentlichen. China finanziert in Algier ein Opernhaus Nicht mehr warten müssen die Verantwortlichen des in Algier geplanten Opernhauses. Wie jetzt bekannt wurde, haben offizielle Vertreter Chinas in der algerischen Hauptstadt eine Vereinbarung unterzeichnet, derzufolge das Reich der Mitte ein 43 Millionen Dollar teures Opernhaus für Algier finanziert. Mit dieser noblen Geste will China seine Beziehungen zu dem reich mit natürlichen Öl- und Gasvorkommen gesegneten nordafrikanischen Land stärken. Marcus Bosch wird GMD in Nürnberg Glückwunsch an Marcus Bosch. Ab der Spielzeit 2011/12 wird der Dirigent Generalmusikdirektor an der Staatsoper Nürnberg. Der Vertrag hat eine Laufzeit von sechs Jahren. Bosch, der gegenwärtig das gleiche Amt in Aachen bekleidet, tritt die Nachfolge von Christof Prick an. Damit aber nicht genug der neuen Positionen: Mit Beginn dieser Saison hat der Dirigent zudem die Opernfestspiele Heidenheim übernommen. Maazel geht nach München Lorin Maazel wird ab der Spielzeit 2012/13 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker und damit Nachfolger des nach Dresden wechselnden Christian Thielemann. Maazel wurde für eine dreijährige Interimszeit gewonnen, damit das Orchester und die Stadt München in aller Ruhe einen neuen Chefdirigenten suchen können. Slatkin wirft an der Met hin Leonard Slatkin, Künstlerischer Leiter des Detroit Symphony Orchestra und langjähriger Chef des National Symphony Orchestra in Washington D. C., ist nach seinem «Traviata»-Debüt als Dirigent an der New Yorker Met abgelöst worden. Slatkin waren von Publikum und Kritik eklatante Defizite in der Koordination von Orchester und Bühne vorgeworfen worden. Der gebürtige Kalifornier, der unter anderem auch in der Wiener Staatsoper und bei den Berliner Philharmonikern gastierte, hatte Verdis Opernhit zuvor noch nie geleitet. Er selbst führte nach dem Eklat «persönliche Gründe» für die plötzliche Dienstentpflichtung an – was eher auf atmosphärische Störungen zwischen Dirigent und Solisten und/oder dem Ensemble deutet. Schließlich ist ein «Traviata»-Dirigat keine unlösbare Aufgabe, zumal für einen erfahrenen Orchestererzieher. Anna Prohaska ausgezeichnet Anna Prohaska hat den mit 15 000 Euro dotierten Schneider-Schott-Musikpreis Mainz 2010 erhalten. Die Sopranistin, Ensemblemitglied der Berliner Lindenoper, wurde für ihre musikalisch und intellektuell gleichermaßen herausragenden Interpretationen sowie für ihre künstlerische Reife ausgezeichnet. Debüts in Bayreuth Bei den diesjährigen Richard WagnerFestspielen Bayreuth wird wieder eine Reihe von Sängern ihr Debüt auf dem Grünen Hügel geben. So ist der südafrikanische Tenor Johan Botha als Siegmund vorgesehen. Jonas Kaufmann wird nach seinem Münchner Rollendebüt als Lohengrin auf der Bühne stehen, Annette Dasch stellt sich als Elsa dem Bayreuther Publikum. Der Brite James Rutherford erweitert als Hans Sachs den Kreis der Neulinge. Berkeley vertont McEwan Der Roman «Abbitte» des britischen Schriftstellers Ian McEwan wird von dem mit ihm befreundeten Komponisten Michael Berkeley vertont. Nachdem es bereits eine Verfilmung des Stoffes gibt, hat nun ein deutsches Opernhaus den Auftrag dazu erteilt. Das neue Opus soll 2013 in Koproduktion mit einer englischen und einer amerikanischen Bühne aufgeführt werden, meldete die britische Tageszeitung The Times. Das Libretto verfasst der Dichter Craig Raine. Covent Garden huldigt Sex-Ikone Der britische Komponist Mark-Anthony Turnage schreibt eine Oper über das amerikanische Fotomodell Anna Nicole Smith, das 2007 im Alter von 39 Jahren an einer Überdosis Medikamente gestorben war. Das Werk mit dem Titel «Anna Nicole», dessen Text der Autor Richard Thomas verfasst, soll im Februar 2011 an der Londoner Covent Garden Opera uraufgeführt werden. Richard Jones führt Regie, Antonio Pappano, Musikdirektor des Royal Opera House, dirigiert. Die Titelrolle verkörpert die niederländische Sopranistin Eva-Maria Westbroek, die in der kommenden Saison neben dem südafrikanischen Tenor Johan Botha auch in einer Neuinszenierung von Wagners «Tannhäuser» durch den Regisseur Tim Albery und unter der musikalischen Leitung von Semyon Bychkov auf die Londoner Bühne tritt. Zu den anderen Erstaufführungen gehört Alexander Goehrs in Zusammenarbeit mit Frank Kermode entstandene Oper «Promised End», der Shakespeares «King Lear» zugrundeliegt. Laurence Olivier Award für Loy Der Regisseur Christof Loy hat für seine Inszenierung von Wagners Oper «Tristan und Isolde» an der Covent Garden Opera in London den Laurence Olivier Award erhalten. Die Arbeit, die ihre Premiere 2009 feierte, wurde als «best new opera production» des vergangenen Jahres ausgezeichnet. Ebenfalls mit dem Laurence Olivier Award prämiert wurde die Sopranistin Nina Stemme für ihre Interpretation der Isolde (in der Kategorie «outstanding achievement in opera»). Deutsche Musikindustrie schrumpft weiter Die deutsche Musikindustrie musste 2009 ein Umsatzminus von 2,1 Prozent hinnehmen. Der Umsatz fiel von 1,842 Milliarden Euro 2008 auf 1,803 Milliarden Euro, teilte der Bundesverband Musikindustrie mit. Wenn man die erstmals berücksichtigten Erlöse aus Merchandising, Lizenzhandel und Künstlermanagement nicht berücksichtigt, gingen die Musikverkäufe sogar um 3,3 Prozent zurück. Einen Lichtblick bot das Geschäft mit Musik-Downloads: Hier stieg der Umsatz kräftig an – um 34,6 Prozent auf 118,3 Millionen Euro. Klavier-Festival Ruhr speckt ab Das Klavier-Festival Ruhr muss 2011 mit einem geringeren Etat auskommen. Man komme zwar im Vergleich zu anderen kommunalen Kultureinrichtungen mit einer «moderaten Verringerung» davon, denke aber über die Überführung des Festivals in eine Stiftung nach, um dieses dauerhaft zu sichern, gab sein Träger, der Initiativkreis Ruhr, bekannt. 2010 liegt die Summe der Grundfinanzierung bei 1,3 Millionen Euro. Elbphilharmonie noch teurer Das größte Bauprojekt der Hansestadt Hamburg sorgt weiterhin für Furore. Die Arbeiten an dem von den Stararchitekten Herzog & Meuron entworfenen Prestigeprojekt Elbphilharmonie sind ein Jahr hinter dem Soll, die Kosten ins Astronomische gestiegen – von zuletzt 114 Millionen Euro (Stand: Ende 2008) auf jetzt 323 Millionen Euro. Nun gibt es schon wieder Auseinandersetzungen um Geld und Fristen. Inzwischen muss sich sogar die Justiz mit der Elbphilharmonie befassen: Der Hamburger Senat hat eine Klage gegen den Baukonzern Hochtief eingereicht. Das Essener Unternehmen sollte bis zum 6. April einen Terminplan über den weiteren Bauverlauf vorlegen. Die Frist verstrich ohne Ergebnisse, woraufhin der Senat vor Gericht zog. Ziel der Klage sei ein vertraglich fixierter Zeitplan für den Baufortschritt in der Hafencity. Hochtief behauptet, man habe die Verzögerungen rechtzeitig per Fax angekündigt. Kosten und Zeitplan weichen erheblich von den ursprünglichen Planungen ab. Nun werden unter Umständen zusätzlich stattliche Gerichtskosten auf die Stadt Hamburg zukommen. Die verspätete Fertigstellung des Konzerthauses ist nun für 2013 angekündigt. Frantz verliert Nach längeren Auseinandersetzungen um die Zukunft der «Philharmonie der Nationen» haben sich die Gegner des bislang amtierenden Intendanten Justus Frantz durchgesetzt. Frantz, dem eine undurchsichtige Geschäftspraxis vorgeworfen wurde, muss das Amt niederlegen. Neuer Geschäftsführer und Intendant des privat geführten Orchesters ist Christoph Caesar. Villazón inszeniert Rolando Villazón wird im Januar 2011 sein Debüt als Opernregisseur geben. An der Opéra de Lyon inszeniert er Jules Massenets Goethe-Oper «Werther». Die musikalische Leitung übernimmt Johannes Willigen. Unterdessen hat er sein Comeback als Tenor gegeben. An der Wiener Staatsoper trat Villazón in Donizettis «L’elisir d’amore» auf die Bühne. Im Mai singt er am Opernhaus Zürich den Alfredo in Verdis «La traviata». Barenboim gewinnt Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim erhält den Herbert-von-Karajan Musikpreis. In der Begründung der zuständigen Jury hieß es, Barenboim habe die klassische Musikwelt in den vergangenen 60 Jahren nicht nur entscheidend geprägt, sondern auch versöhnend weiterentwickelt. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis wird am 4. November in Baden-Baden verliehen.
Riesenspende für die Met Die New Yorker Metropolitan Opera hat die größte private Spende in ihrer über 125-jährigen Geschichte erhalten. Wie die New York Times berichtete, hat die 63-jährige Opernliebhaberin und Verlegerwitwe Ann Ziff dem Opernhaus 30 Millionen Dollar zukommen lassen. Für das Haus ein Segen, rechnet es doch allein in dieser Saison mit einem Defizit von rund vier Millionen Dollar. Die jährlichen Betriebskosten der Met liegen bei 300 Millionen Dollar; jede neue Opernproduktion kostet im Schnitt zwei bis vier Millionen Dollar. Ein weiterer üppiger Zuschuss in Höhe von 1,1 Millionen Dollar kommt der Met aus dem Topf der Lauritz Melchior Stiftung zu. Wuppertal: Proteste gegen Theatertod Am Welttheatertag haben in Wuppertal mehrere Tausend Menschen gegen die Gefährdung von Bühnen in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern protestiert. Theaterschaffende von 60 Theaterstandorten aus ganz Deutschland und rund 5000 Bürger bildeten zwischen dem von der Schließung bedrohten Wuppertaler Schauspielhaus und der Oper eine drei Kilometer lange Menschenkette. Einem Vertreter der Stadt wurden Listen mit 36 000 Protestunterschriften überreicht. Neben dem Schauspiel Wuppertal sind die Theater in Oberhausen, Hagen, Moers, Essen, Schleswig, Dessau und Neubrandenburg/Neustrelitz sowie die Symphoniker in Brandenburg akut gefährdet. Kein Staatstheater in NRW In Nordrhein-Westfalen wird es bis auf Weiteres kein Staatstheater und keine Staatsphilharmonie geben. Die Landesregierung verwarf in diese Richtung zielende Vorschläge der Expertenkommision «Kunst NRW». Stattdessen erhalten die für diesen Status vorgesehenen Theater in Essen und Köln drei Jahre lang zusätzliche Finanzspritzen in Höhe von jährlich je 300 000 Euro. Man habe gegenwärtig andere Sorgen als Staatstheater zu errichten, sagte der Kulturstaatssekretär des Landes, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff. Osnabrück kürt neuen Intendanten Ralf Waldschmidt, seit 2007 Operndirektor am Theater Augsburg, wird mit Beginn der Spielzeit 2011/12 Intendant des Osnabrücker Theaters. Der 49-Jährige wurde von der Findungskommision einstimmig ins Amt berufen. Er wird damit zum ersten Mal ein Theater leiten – als Nachfolger von Holger Schultze, der, wie berichtet, 2011 ans Theater Heidelberg wechselt. Waldschmidt hatte vor seinem Engagement in Augsburg als Dramaturg in Mannheim, Düsseldorf (Schauspielhaus), Darmstadt und an der Berliner Staatsoper sowie als Stellvertreter des Generalintendanten am Bremer Theater gearbeitet. Bolschoi: Wiedereröffnung 2011 Das Moskauer Bolschoi Theater soll nach etlichen Verzögerungen nunmehr im Oktober 2011 wiedereröffnet werden. Das Haus ist seit 2005 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Charleston Symphony gibt auf Das Charleston Symphony Orchestra hat wegen finanzieller Schwierigkeiten den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. Auslöser für das Aus war nach Berichten einer lokalen Zeitung ein signifikanter Rückgang der privaten finanziellen Zuwendungen. Das Management des Orchesters will nun die Zahl der Mitarbeiter reduzieren und einen Rettungsplan ausarbeiten, damit der endgültige Konkurs vermieden werden kann. Der Klangkörper verfügt über ein jährliches Budget von 2,3 Millionen Dollar. Chefdirigent ist seit 1984 der deutsche Dirigent David Stahl, der in gleicher Position am Münchner Gärtnerplatztheater amtiert. Mozartfest 2013 in Reutlingen Das von der Deutschen Mozartgesellschaft ausgerichtete Mozartfest 2013 findet in Reutlingen statt. Laut einer Mitteilung der Württembergischen Philharmonie Reutlingen votierte das Präsidium der Gesellschaft einstimmig für Reutlingen als Austragungsort. Voraussetzung für den Zuschlag ist die Existenz eines geeigneten Konzertsaals. Ein solcher wird mit der neuen Stadthalle in Reutlingen zur Verfügung stehen. Kein Operetten-Neubau in Dresden? Die Staatsoperette Dresden ist nach Ansicht ihres Intendanten Wolfgang Schaller in ihrer Existenz bedroht. Grund für seine Sorge ist die Absicht der Stadt Dresden, am Ferdinandplatz ein kommerzielles Musical-Theaterhaus zu errichten; dies irritiere all jene, die «dem Politikerwort vom Willen zu einem Neubau der Staatsoperette im Zentrum Glauben geschenkt haben». Schaller befürchtet, dass das Musicalhaus die Realisierung des geplanten Operetten-Neubaus gefährden könnte. Während der Diskussion um notwendige Sparmaßnahmen der Stadt könnte ein Unterhaltungstempel schnell als Alternativlösung zum Operettenneubau fehlgedeutet werden, so der Intendant. Geyer verlängert an der Wien Roland Geyer, Intendant des Theaters an der Wien, hat seinen Vertrag um fünf Jahre bis 2016 verlängert. Geyer, der auch als Intendant für die Nachfolge von Kirsten Harms als Intendant der Deutschen Oper Berlin gehandelt worden war, hat die Auslastung seines Hauses kontinuierlich gesteigert; zuletzt betrug sie 93,4 Prozent. Das Theater an der Wien realisiert neben eigenen Neuinszenierungen auch etliche Koproduktionen. Schumannfest in Düsseldorf Anlässlich des 200. Geburtstages von Robert Schumann ehrt die Stadt Düsseldorf von Ende Mai bis Mitte Juni den Komponisten mit Konzerten und Projekten in der Tonhalle sowie im Robert-Schumann-Saal. Genauere Informationen über das Schumannfest Düsseldorf 2010 gibt es im Intenet unter www.schumannfest-duesseldorf.de Musik-Sonderzug nach Eisenach Das Netzwerk Neue Musik gestaltet in der Zeit vom 25. August bis zum 12. September das bundesweite Musikereignis «sounding D.». Über zwei Wochen fährt ein klingender Sonderzug in einer großen Spiralbewegung durch ganz Deutschland und bewegt sich auf dessen Mitte zu. In jeder der angesteuerten Städte finden eigene Veranstaltungen mit Neuer Musik statt, die den Besuchern über das pure Klangerlebnis hinaus auch Einblicke in die Musiklandschaft Deutschland bieten sollen. «Sounding D.» endet in Eisenach mit einem dreitägigen Abschlussfest. Bundesförderung für Händel Die Stiftung Händel-Haus in Halle (Saale) erhält für die Ausrichtung der Händel-Festspiele 2010 eine Bundesförderung in Höhe von 100 000 Euro. Das beschloss der Haushaltsausschuss des deutschen Bundestages. In der Händelstadt werden dieses Jahr rund 40 000 Besucher erwartet. Informationen über das Festivalprogramm gibt es im Internet unter der Adresse www.haendelhaus.de Raimund Bauer ausgezeichnet Raimund Bauer hat für das Bühnenbild zu der Produktion «Król Roger» bei den Bregenzer Festspielen den diesjährigen OPUS Bühnenbildpreis erhalten. Mit dem Preis, der jedes Jahr vergeben wird, werden künstlerische Arbeiten ausgezeichnet, die besondere Kreativität und Intelligenz in der Verwendung von Bühnentechnik gezeigt haben. Oper für Migranten Die Staatsoper Hannover startet mit dem von der Deutsche Bank Stiftung initiierten Projekt «opernStART» an ihrem Haus einen Workshop, der jungen Zuwanderern neue kulturelle Erfahrungsräume eröffnen, den Zugang zu europäischer Kultur ermöglichen und die Integration fördern soll. Die Workshops finden im Rahmen des Bildungsprogramms von START statt, dem größten deutschen Stipendienprogramm für engagierte Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Nähere Informationen dazu gibt es im Internet unter den Adressen www.start-stiftung.de, www.deutsche-bank-stiftung und www. staatstheater-hannover.de Halffter in Grafenegg Der spanische Komponist Cristóbal Halffter, der am 24. März seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, ist Composer in Residence beim diesjährigen Grafenegg Musik-Festival. Am 5. September wird er in dieser Funktion dortselbst die Uraufführung seines neuen Werks «Ritual» leiten. Goldener Löwe für Rihm Der Komponist Wolfgang Rihm hat den Goldenen Löwen der Biennale Venedig für sein Lebenswerk erhalten. In der Abteilung Tanz wurde der Choreograf William Forsythe ausgezeichnet. Meisterklasse für Chordirigenten Simon Halsey und der Rundfunkchor Berlin laden zur ersten Internationalen Meisterklasse Berlin für Chordirigieren ein. Hochqualifizierte junge Chordirigenten sind gebeten, mit dem Rundfunkchor zusammenzuarbeiten. Angeleitet werden sie vom Chefdirigenten des Ensembles, Simon Halsey, und dem amerikanischen Chordirigenten Joe Miller. Bewerbungsschluss für die aktive Teilnahme ist der 14. Mai. Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.rundfunkchor-berlin.de Bühnenbilder und Camera Obscura Die Gesellschaft für Musiktheater zeigt in ihren Wiener Räumen (Türkenstraße 19, 1090 Wien) bis Anfang Juli Camera Obscura-Bilder von Arbeiten des Bühnenbildners Gottfried Pilz. Fotografiert hat sie Karen Stuke (siehe auch www.iti-arte.at/ musiktheater). Berliner MaerzMusik zieht Bilanz Mehr als 12000 Musikinteressierte haben das Festival für aktuelle Musik Maerzmusik in Berlin besucht. Das Festival stand in diesem Jahr unter dem Motto «Utopie [verloren]» und präsentierte neben vielen instrumentalen Konzerten Werke des Musiktheaters, unter anderem von Salvatore Sciarrino und Beat Furrer (siehe «Opernwelt» 05/2010). Mehr Geld für Theater Basel Die Subventionen für das Theater Basel werden erhöht; das ist Ergebnis der bisherigen Verhandlungen zwischen den Regierungen der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Demnach wird Basel-Landschaft für eine vierjährige Periode während der Spielzeiten 2011/12 bis 2014/15 insgesamt 17 Millionen Schweizer Franken zusätzlich zu dem bisherigen (und weiter zu zahlenden) Betrag von jährlich vier Millionen Franken aus der Kulturvertragspauschale bereit stellen. Der Kanton Basel-Stadt kommt für die Kosten der Pensionskasse des Theaters Basel sowie teuerungsbedingte Mehrkosten auf. Lucerne Festival feiert den Eros Das diesjährige sommerliche Lucerne Festival widmet sich dem Thema «Eros». Im Fokus stehen zwischen dem 12. August und dem 18. September Musiktheater-Produktionen von Beethovens «Fidelio», Wagners «Tristan und Isolde» und Debussys «Pelléas et Mélisande». Weitere Informationen gibt es unter www.lucerne festival.ch. Integration durch Musik? Die bundesweite Initiative «Integration durch Musik» fördert zum dritten Mal vorbildliche Projektideen, die das Miteinander von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher kultureller Herkunft stärken sollen. Bis zum 30. Juni sind Kindergärten, Schulen, Vereine und Institutionen oder auch individuelle Initiativen und Akteure mit gemeinsamer Zielsetzung eingeladen, musische Integrationsprojekte zu entwickeln. Weitere Informationen bietet die Website www.kultur- und-musikstiftung.de Neuer Kapellmeister in Mainz Der Dirigent Andreas Hotz wird ab der kommenden Spielzeit Erster Kapellmeister am Staatstheater Mainz. Bereits in dieser Saison dirigiert er in Mainz die Produktion von Smetanas «Verkaufter Braut». Sängerförderung in Salzburg Die renommierte Mezzosopranistin Marjana Lipovsek übernimmt das Young Singers Project bei den diesjährigen Salzburger Festspielen. Das Projekt, in dessen Rahmen die Sängerin Meisterkurse anbietet, schließt mit einem Konzert ab. Ziel des Projekts ist es, während des Festivals interessante und viel versprechende Nachwuchstalente zu fördern und auf eine spätere Karriere vorzubereiten. Dortmund honoriert Anne-Sophie Mutter Die Geigerin Anne-Sophie Mutter ist gleich zweimal innerhalb kürzester Zeit geehrt worden. Einmal erhält sie den mit 25 000 Euro dotierten «Preis der Kulturstiftung Dortmund» für ihr Lebenswerk. Des Weiteren wurde sie mit dem Brahms-Preis 2011 der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein geehrt. Die Auszeichnung ist mit 10 000 Euro dotiert. Diesjähriger Preisträger ist die Forschungsstelle der Johannes-Brahms-Gesamtausgabe des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Kiel. Neue Kammersänger in Berlin Auf Vorschlag von Intendantin Kirsten Harms sind drei Mitglieder der Deutschen Oper Berlin vom Berliner Senat mit dem Titel Kammersänger ausgezeichnet worden. Geehrt wurden der Tenor Clemens Bieber, der Bariton Lenus Carlson und der Bassist Reinhard Hagen für ihre langjährigen Verdienste um das Berliner Musikleben. 20 Jahre Musical an der UdK Der Studiengang Musical/Show der Universität der Künste in Berlin begeht in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass veranstalten die UdK und das Deutsche Musicalarchiv am 28. und 29. Mai ein Symposium zum Thema «Remigration im unterhaltenden Musiktheater der 50er Jahre». Zu den Referenten gehören Norbert Abels, Stefan Frey, Nils Grosch, Wolfgang Jansen, Peter Lund und Dörte Schmidt. Dortmund: Mielitz geht, Herzog kommt Jens-Daniel Herzog wird 2011 Intendant der Oper Dortmund. Er ist Nachfolger von Christine Mielitz, die das Haus Ende 2010 verlässt. Herzog, Jahrgang 1964, war von 2000 bis 2006 Schauspieldirektor in Mannheim und hat Oper vor allem in Zürich inszeniert, darunter «Tannhäuser», «Pique Dame», «Königskinder» und jüngst «Der ferne Klang». Levine fällt für Monate aus James Levine muss abermals wegen eines Rückenleidens ins Krankenhaus. Der Dirigent werde sich einer weiteren Operation unterziehen, teilte die Metropolitan Opera in New York mit. Levines Konzerte in New York und Boston wurden für den Rest der Saison abgesagt. Besonders die Met, der Levine seit 40 Jahren eng verbunden ist, musste während der letzten Jahre immer wieder Absagen des heute 66-Jährigen verkraften. Erst im Spätsommer 2009 war Levine auf Grund eines Bandscheibenvorfalls operiert worden. Vor dem Hintergrund seiner akuten gesundheitlichen Probleme wird er auch die nächsten beiden mit ihm am Pult avisierten Opernproduktionen an der Met nicht leiten können – Puccinis «Tosca» und Bergs «Lulu». Man rechne mit einem längeren Klinikaufenthalt, hieß es. Mit einem «Tosca»-Dirigat hatte Levine 1971 sein Debüt an der Metropolitan Opera gegeben.
Instrumente für Afghanistan Ende März wurden mit Hilfe der Society of Music Merchants (SOMM) und mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes sowie der Bundeswehr rund 500 Musik- instrumente nach Afghanistan gebracht. Bei der Ausbildung von Musikern in Kabul will unter anderen das Goethe-Institut helfen. SOMM fördert das Projekt ANIM (Afghanistan National Institute of Music) und betreibt in Kabul den Aufbau der ersten Musikschule des Landes. Schlingensief in Herrenhausen Das erste Projekt aus dem von Christoph Schlingensief initiierten Operndorf in Burkina Faso, «Via Intolleranza II», wird im Mai (23.-26.) in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel seine deutsche Erstaufführung erleben. Das Stück basiert auf Luigi Nonos azione teatrale «Intolleranza 1960», die 1961 bei der Biennale in Venedig uraufgeführt wurde. Das neue Werk fragt nach dem Verhältnis Deutschlands und Europas zu Afrika. An dem Projekt sind deutsche und afrikanische Darsteller und Musiker beteiligt. Weitere Aufführungsstationen sind für die Münchner Opernfestspiele geplant. In Burkina Faso war im Februar dieses Jahres der Grundstein für Schlingensiefs «Festspielhaus für Afrika» gelegt worden. Neben einem Theater soll auch eine Schule für bis zu 500 Kinder entstehen. Streichkonzert am Gärtnerplatz Das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz soll 2010 mit 500 000 Euro weniger auskommen als geplant. Das gab Intendant Ulrich Peters bekannt. Das bayerische Finanzministerium habe die Kürzung ohne Vorwarnung verfügt. «Wir sollen gefälligst schauen, wo das Geld eingespart werden kann», sagte Peters, dessen Vertrag 2012 ausläuft. Komponierstunde für Kinder Die in Berlin lebende russische Komponistin Tatjana Komarova plant ein Kompositionsatelier für Kinder. Unter dem Titel «Notenfänger» will sie dort mit Kindern und Jugendlichen den Fragen nachgehen, was «komponieren» bedeutet, wie mit Klängen Bilder gestaltet, wie mit Noten Geschichten erzählt werden können oder wie eine Melodie, eine Harmoniefolge und ein ganzes Orchesterwerk entstehen. Ziel ist es, die Kreativität der Kinder zu fördern und sie für Neue Musik zu begeistern. Darüber hinaus sollen in den unter dem Namen «Salon 11» firmierenden Räumen am Ludwigkirchplatz Ausstellungen, Konzerte und Begegnungen zwischen Musikern, Komponisten und Künstlern stattfinden. Weitere Informationen unter www.worteuebermusik.de Glimmerglass Opera: Leitung komplett Die neue Leitung der Glimmerglass Opera ist komplett. Nachdem die im Bundesstaat New York ansässige Festival-Oper unlängst mit Francesca Zambello eine Nachfolgerin für den scheidenden Künstlerischen Leiter Michael MacLeod gefunden hatte, steht nun auch eine neue Geschäftsführerin zur Verfügung: Linda Jackson. Jackson blickt auf 25 Jahre Erfahrung im Bereich des Kulturmanagements zurück. Auf dem Programm der Glimmerglass Opera stehen 2010 Puccinis «Tosca», Coplands «The Tender Land», Mozarts «Figaro» und Händels «Tolomeo». Das Festival läuft vom 9. Juli bis 24. August im Alice Busch Opera Theater in Cooperstown, New York. Weitere Informationen unter www.glimmerglass.org Puccini-Festival in Torre del Lago Vor hundert Jahren wurde «La fanciulla del West» (an der Met in New York) uraufgeführt. Aus diesem Anlass bringt das Puccini-Festival in Torre del Lago eine Neuproduktion des Stückes heraus. Regie führt Kirsten Harms, Intendantin der Deutschen Oper Berlin. Das Bühnenbild stammt von dem bildenden Künstler Franco Adami. Die Aufführungen unter der musikalischen Leitung von Alberto Veronesi finden am 16. und 23. Juli sowie am 7. August statt. Außerdem stehen «Tosca», «Butterfly» und «Turandot» auf dem Programm des 56. Puccini Festivals: www.puccinifestival.it La Monnaie 2010/11 Die neue Spielzeit der Brüsseler La Monnaie Oper wird um das Thema «Toleranz/ Intoleranz» kreisen. Unter diesem Motto präsentiert Intendant Peter de Caluwe zum Saisonauftakt die belgische Erstaufführung der jüngsten Oper von Philippe Boesmans: «Yvonne, Princesse de Bourgogne». Zu sehen ist die Pariser Produktion aus dem Jahr 2009 (am Pult steht Patrick Devin, die Regie stammt von Luc Bondy, die Bühne von Richard Peduzzi). Sodann ist René Jacobs mit einer konzertanten Aufführung von Mozarts «Così fan tutte» vertreten, als erste Neuproduktion des Hauses steht Janáceks «Katja Kabanová» auf dem Programm (Leon Hussain, Andrea Breth). Andreas Homoki darf in der Euro-Kapitale seine für die Komische Oper in Berlin 2008 entstandene «Bohème»-Produktion recyclen (es dirigieren Carlo Rizzi und José Miguel Esandi), schließlich wird Hartmut Haenchen Wagners «Parsifal» entschlacken (Regie: Romeo Castelluci). Karl-Ernst und Ursel Herrmann hat Caluwe gebeten, ihre 25 Jahre alte Inszenierung von Mozarts «La finta giardiniera» aufzuarbeiten (als Dirigent assisitiert Jérémie Rohrer). Konzerte, Liederabende (mit Marie-Nicole Lemieux, Sally Matthews, Christine Schäfer, Mark Padmore, Stéphane Degout), Ballettabende (Anne Teresa De Keersmaeker) und ein von Caluwe in Auftrag gegebenes «Brussels Requiem» des britischen Komponisten Howard Moody runden das Programm ab. Weitere Informationen unter www.lamonnaie.be (eine kommentierende Übersicht über die Vorhaben der Wiener und Berliner Staatsoper, der Dresdner Semperoper sowie des Teatro Real in Madrid lesen Sie in «Opernwelt» 5/2010). Klavierbauer kann weitermachen – vorerst Der Braunschweiger Klavierbauer Schimmel hat den drohenden Konkurs vorerst abwenden können. Nachdem das Unternehmen im Sommer 2009 Insolvenz anmelden musste, akzeptierten die Gläubiger nun den ihnen vorgelegten Sanierungsplan. Damit ist auch die Gefahr einer Übernahme durch auswärtige Investoren zunächst gebannt. Der Financial Times Deutschland zufolge sollen durch eine neue Tarifstruktur mehr als 500 000 Euro pro Jahr eingespart werden. Die Arbeitsplätze seien für die nächsten Jahre garantiert. Medaille für Masur Kurt Masur erhält die Urania-Medaille 2010. Der Dirigent wird in Anerkennung seiner besonderen Verdienste für Demokratie und Freiheit in Deutschland und für sein außerordentliches künstlerisches Lebenswerk ausgezeichnet, teilte die Berliner Urania mit. Regie-Wettbewerb in Turin Das Turiner Teatro Regio veranstaltet erstmals in seiner Geschichte einen Wettbewerb für Regie, Bühnenbild, Kostüme und Licht. Teilnehmer aus aller Welt sind aufgefordert, sich Gedanken zu einer Neuinszenierung von Verdis Klassiker «Rigoletto» zu machen. Der beste Einfall wird mit 200 000 Euro honoriert, die für die dann erfolgende Produktion bereitstehen. Einsendeschluss für die Bewerbungen ist der 5. Juni, weitere Informationen bietet die Website www.teatro regio.torino.it Junge Regisseur/inn/e/n, bewerbt Euch! Bereits zum sechsten Mal wird in diesem Jahr der mit 30 000 Euro dotierte Europäische «Opernregie-Preis» ausgeschrieben. Nachwuchsregisseure oder Regieteams bis 35 Jahre sind aufgerufen, ihre Ideen zur Konzeption der Oper «I Capuleti e i Montecchi» von Vincenzo Bellini in einem Inszenierungskonzept einzureichen. Auf die Sieger wartet eine Aufführung im Teatro Sociale im italienischen Como 2012. Das Konzept muss schriftlich und mit Skizzen, ggf. mit einem Bühnenbildmodell, bis zum 1. Oktober eingehen. Nähere Informationen gibt es unter www. camerata-nuova.com Montserrat Caballé bittet zum Wettsingen Vom 5. bis zum 11. September findet in diesem Jahr der 48. Internationale Gesangwettbewerb «Montserrat Caballé» in Zaragoza statt. Anmeldeschluss ist der 30. Juni. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.concurso caballe.org. Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau Vom 14. Juni bis zum 2. Juli findet in Moskau der 14. Internationale Tschaikowsky Wettbewerb statt. Er ist in diesem Jahr in den Kategorien Gesang, Klavier, Violine und Violoncello ausgeschrieben. Weitere Informationen gibt es unter www.tschaikowsky-competition.com Heather Harper zum 80. Geboren wurde sie in Belfast. Zunächst machte sie sich einen Namen als Pianistin. Doch spätestens nach dem Unterricht bei Helen Isepp und Frederic Husler stand für Heather Harper fest, dass sie Sängerin werden wollte. Ihr Debüt gab sie gleich als Verdis Lady Macbeth, das war 1954. Zwanzig Jahre lang war die Sopranistin dann Mitglied der English Opera Group, bevor sie große Partien ihres Fachs an der Covent Garden Opera, in Glyndebourne und später in Bayreuth übernahm; darunter die Elsa in «Lohengrin». Auch an der Met ist sie aufgetreten, ihr dortiges Debüt gab sie 1977 als Gräfin in «Le nozze di Figaro». Später vermittelte sie ihr Wissen als Professorin am Royal College of Music in London. 1994 betrat Heather Harper noch einmal bei den Proms die Bühne, an der Seite von Simon Rattle und dem City of Birmingham Symphony Orchestra. Am 8. Mai feiert sie ihren 80. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Nan Merriman wird 90 Ihr richtiger Vorname war Katherine-Ann. Weil das aber zu umständlich klang, änderte die amerikanische Mezzosopranistin Nan Merriman das Gegebene kurzerhand. Und machte unter diesem Namen eine ebenso beachtliche wie (relativ) kurze Karriere. Diese begann mit kleinen Nummern aus Purcells «Dido and Aeneas» und führte über «La Gioconda» an der Oper in Cincinnati direkt in die väterlichen Arme Arturo Toscaninis, der sie im Radio gehört und sogleich für sie geschwärmt hatte. Nan Merriman nahm mit ihm Glucks «Orfeo» auf, «Falstaff», «Rigoletto» und (die Emilia in) «Otello». Nach dem Zweiten Weltkrieg sang Nan Merriman verstärkt in Europa. Unter anderem war sie als Dorabella in Aix und in Glyndebourne zu erleben. Schon 1965 beendete sie ihre Karriere. Die Familie hatte für sie Vorrang. Vergessen ist die Künstlerin dennoch nicht. Am 28. April feiert Nan Merriman ihren 90. Geburtstag. Dazu gratulieren wir herzlich. Karl Anton Rickenbacher zum 70. Das Vergessene hat ihn stets gereizt. Seit Jahrzehnten setzt sich der schweizerische Dirigent Karl Anton Rickenbacher für Werke ein, die am Rande des Kanons oder sogar außerhalb davon liegen. Nach dem Studium am Städtischen Konservatorium Berlin und dem Besuch von Dirigierkursen bei Herbert von Karajan und Pierre Boulez begann Rickenbacher seine Opernkarriere – zunächst als Korrepetitor an der Oper Zürich, später als Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor an den Städtischen Bühnen Freiburg. Internationales Renommee erwarb er sich im symphonischen Bereich mit der Ernennung zum Chefdirigenten des BBC Scottish Symphony Orchestra. Höhepunkt seiner umfassenden Diskografie ist die Serie «Der unbekannte Richard Strauss», ein Projekt, das sich über 14 CDs erstreckt. Am 20. Mai feiert Rickenbacher seinen 70. Geburtstag, zu dem wir ihm herzlich gratulieren. Blanche Thebom gestorben Sie war die erste Amerikanerin, die zu Sowjetzeiten im Bolschoi Theater die Rolle der Carmen sang. Bekannt wurde Blanche Thebom aber vor allem als Wagner-Interpretin. An der New Yorker Met hatte sie zwischen 1944 und 1967 insgesamt 350 Auftritte, unter anderem als Brangäne und Fricka. Doch nicht mit Wagner verabschiedete sie sich von der Bühne, sondern mit der Rolle der Mutter Maria in Poulencs «Dialogues des Carmélites». In ihrer leider nur spärlichen Diskografie finden sich zwei Schätze: «Tristan und Isolde» unter Furtwängler und «Les Troyens» unter Kubelik aus dem Londoner Royal Opera House. Im Alter von 94 Jahren ist Blanche Thebom nun gestorben. Pater Roman Bannwart ist tot Der Einsiedler Benediktiner-Pater Roman Bannwart ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er war einer der bedeutenden Lehrer und Bewahrer der Gregorianik. Bannwart wurde 1919 in Gossau geboren. Schon während des Theologiestudiums begann seine musikalische Ausbildung bei Mitbrüdern im Kloster Einsiedeln. Nach der Priesterweihe wurde er 1947 Choralmagister, 1953 übernahm er die Leitung der Studentenmusik und in den folgenden Jahren Lehraufträge für Gregorianik in Luzern, Zürich und Bern. Ole Schmidt gestorben Im Alter von 82 Jahren ist der dänische Komponist und Dirigent Ole Schmidt gestorben. Er studierte an der Royal Danish Academy of Music Klavier und Komposition, später erlernte er bei Rafael Kubelik und Sergiu Celibidache die Kunst des Dirigierens. 1974 nahm er mit dem London Symphony Orchestra erstmals sämtliche Symphonien von Carl Nielsen auf. Später wurde sein Engagement für die Musik Nielsens mit dem gleichnamigen Preis belohnt. Seine erste größere Komposition war ein Klavierkonzert (aus dem Jahr 1954). Einen Nachruf auf Wolfgang Wagner, der am 22. März 2010 im Alter von 90 Jahren gestorben ist, finden Sie in «Opernwelt» 5/2010. | |
März 2010
Preis des Westfälischen Friedens für Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra
Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim und die Musiker des West-Eastern Divan Orchestra erhalten in diesem Jahr den mit 50 000 Euro dotierten Preis des Westfälischen Friedens.
Komponistenwettbewerb am Royal Opera House Junge Komponisten haben nun die Gelegenheit, eines ihrer Werke an prominenter Stätte zu hören. Im Auftrag des Londoner Royal Opera House und des studentischen Online-Dienstes numu (www.numu.org) sind alle Tonsetzer zwischen elf und 14 Jahren aufgefordert, eine Fanfare zu komponieren, die aber nicht länger als 30 Sekunden dauern soll. Eine Jury, in der unter anderem ROH-Musikchef Antonio Pappano sitzt, entscheidet über das gelungenste Stück, das dann vom Orchester des ROH aufgeführt wird.
Philip Langridge gestorben
Vor wenigen Monaten erst hat die Musikwelt seinen 70. Geburtstag gefeiert. Nun ist der britische Tenor Philip Langridge am 8. März gestorben. Er erlag einem Krebsleiden. Die Karriere des 1939 in Kent geborenen Künstlers führte diesen an zahlreiche große Opernhäuser. Er interpretierte sowohl Mozart- als auch Janácek- und Wagner-Partien. Einen großen Namen machte sich Langridge auch als Liedsänger (siehe Opernwelt 4/2010). Deutscher Musikrat stellt Forderungen
Der Deutsche Musikrat und die Konferenz der Landesmusikräte haben ein Papier erstellt, in dem sie unter dem Titel «Kinder brauchen Musik» eine verbesserte Nachwuchsförderung verlangen. Diese sieht in erster Linie den Erhalt und die Qualitätssicherung des Schulfachs Musik vor. In den vergangenen Jahren ist der Musikunterricht an deutschen Schulen immer weiter reduziert worden. An manchen Schulen gibt es nicht einmal mehr eine Stunde Musik pro Woche. Gegen den kontinuierlichen Abbau des Musikunterrichts speziell an Berliner Schulen haben nun federführend Simon Rattle, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, und Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Lindenoper, protestiert. In einem offenen Brief an Bildungssenator Jürgen Zöllner forderten sie einen Musikunterricht von mindestens 1,5 Stunden in der Woche. Die bisherigen Einschränkungen hätten, so heißt es in dem Offenen Brief, eine fatale Wirkung auf die Musikkultur der Stadt.
Neues Musikprojekt für die ganze Welt Anlässlich des Europäischen Jahres 2010 zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung hat die European Festivals Association (EFA) ihr neues Projekt «Open the Door» ins Leben gerufen. Festivals aus aller Welt sind aufgerufen, allen Interessierten den Zugang zu diesen Festivals zu erleichtern. Die Initiative wurde in Stockholm gemeinsam mit 13 nationalen Festivalverbänden vorgestellt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.Open-the-Door.eu
Kenji Sakai gewinnt Luzerner Kompositionswettbewerb Der japanische Komponist Kenji Sakai ist Gewinner des erstmals und gemeinsam von der Art Mentor Foundation Lucerne und dem Luzerner Sinfonieorchester ausgetragenen Kompositionswettbewerbs. Neben 10 000 Schweizer Franken Preisgeld ist mit der Auszeichnung die Aufführung des prämierten Werkes verbunden. Diese wird im Frühjahr 2011 vom Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung von Jonathan Nott realisiert.
Anja Harteros erhält Kölner Opernpreis Die Sopranistin Anja Harteros ist mit dem erstmals vergebenen Kölner Opernpreis ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung, die vom Verein der Freunde und Förderer Kölner Kultur e. V. vergeben wird, ist mit 10 000 Euro dotiert und ehrt herausragende künstlerische Persönlichkeiten aus dem Bereich des Musiktheaters.
Ainars Rubikis gewinnt Bamberger Dirigentenwettbewerb Der 1978 geborene lettische Dirigent Ainars Rubikis hat den Internationalen Gustav-Mahler Dirigentenwettbewerb in Bamberg gewonnen. Rubikis, der ein Preisgeld von 20 000 Euro erhielt, setzte sich im Finale gegen Aziz Shokhakimov aus Usbekistan (2. Preis, 10 000 Euro) und den Bulgaren Yordan Kamdzhalov (3. Preis, 5000 Euro) durch.
Gesangswettbewerb Julián Gayarre in Pamplona Gewöhnlich steht die Stadt im Rampenlicht, wenn die Stiere durch die Gassen laufen. Vom 10. bis 18. September wird das etwas anders sein. In dieser Zeit findet in Pamplona der Gesangswettbewerb «Julian Gayarre» statt, der für junge Sängerinnen und Sänger im Alter von 18 bis 30 Jahren zugänglich ist. Den Juryvorsitz hat in diesem Jahr Teresa Berganza, der Anmeldeschluss ist der 5. Mai. Weitere Informationen unter www.cfnavarra.es/gayarre
Fünf Nachwuchssänger für die National Council Auditions an der Met nominiert
Die Jury hat entschieden: Die Gewinner der National Council Auditions an der New Yorker Met, bei der Marco Armiliato das Met Orchestra dirigierte, sind in diesem Jahr die Sopranistin Leah Crocetto aus Oxford, Connecticut, die Sopranistin Lori Guilbea aus Golden Meadow, Louisiana, der Bariton Elliot Madore aus Toronto, der Tenor Nathaniel Peak aus Humble, Texas, und die Sopranistin Rachel Willis-Soerensen aus Tri-Cities, Washington. Sie alle erhalten eine Prämie in Höhe von 15 000 US-Dollar.
Michael Helmbold neuer Geschäftsführer der Ruhrtriennale
Michael Helmbold, seit Januar 2009 bereits Künstlerischer Betriebsdirektor der Ruhrtriennale, ist dort auf Wunsch des Intendanten Willy Decker zum Geschäftsführer ernannt worden. Unterstützt wird er durch den Prokuristen und Verwaltungsdirektor Uwe Peters. Helmbold war zuvor unter anderem an der Berliner Volksbühne und bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen tätig.
Heiko C. Reissig Intendant des Festivals der heiteren Muse
Heiko C. Reissig, langjähriger Intendant der Elblandfestspiele Wittenberge, ist zum neuen Intendanten und Künstlerischen Leiter des internationalen «Festivals der heiteren Muse» ernannt worden. Er tritt sein Amt mit sofortiger Wirkung an. Das Festival ist eine EU-Kulturkooperation von Deutschland, Österreich, der Slowakei, Ungarn und Rumänien und hat sich zum Ziel die Unterstützung der Kunstgattung Operette sowie die Förderung ihres künstlerischen Nachwuchses gesetzt.
Intendant Ulrich Peters soll Münchner Gärtnerplatz 2012 verlassen
Kulturpolitik in München wäre der Stoff für einen Roman. Nach der Causa Thielemann hat sich dies ein weiteres Mal bestätigt. Ohne den Betroffenen über die Gründe für die Entscheidung aufzuklären, hat der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst Wolfgang Heubisch dem Intendanten des Münchner Gärtnerplatztheaters, Ulrich Peters, mitgeteilt, dass sein 2012 auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Die Amtszeit von Peters endet somit am 31. August 2012. Das Ministerium stellte Gespräche in Aussicht.
28. Sommerfestspiele Xanten im August Gute Aussichten für Xanten. Die in der Region beliebten Xantener Sommerfestspiele finden dies Jahr zum 28. Mal statt, und zwar vom 13. bis 19. August. Eröffnet wird das Festival mit einer Aufführung von Puccinis «Turandot» sowie dem traditionellen Feuerwerk. Weitere Höhepunkte sind eine «Gala-Nacht der Oper», die Elvis-Presley-Hommage «ELVIS – The Show», das Musical «Die Schöne und das Biest» und eine Aufführung von Orffs «Carmen». Wer nach Xanten reisen möchte, kann sich auf der Website der Festspiele (www.sommerfestspiele.de) informieren.
Neue Leitung am Badischen Staatstheater
Schauspiel und Oper am Badischen Staatstheater Karlsruhe bekommen ab 2011 eine neue Leitung. Jan Linders wird Schauspieldirektor, Joscha Schaback Operndirektor. Linders ist derzeit in Heidelberg tätig, wo auch der ab der Spielzeit 2011/12 berufene Intendant Peter Spuhler amtet, und arbeitete vor Jahren unter anderem mit Theatermachern wie Robert Wilson, George Tabori und Heiner Müller zusammen. Auch Schaback ist ein Partner von Spuhler.
Telemann-Preis für Simon Standage
Der britische Geiger und Pädagoge Simon Standage hat den Georg-Philipp-Telemann-Preis der Stadt Magdeburg erhalten. Mit der Auszeichnung würdigen die Telemann-Festtage das umfangreiche Wirken des Interpreten und Hochschullehrers für die Verbreitung der Werke des barocken Komponisten.
Salonen kommt nach Dortmund
Ein Finne in Dortmund. Hübsche Vorstellung. Die nun Realität wird. Denn der finnische Dirigent und Komponist Esa-Pekka Salonen wird Exklusivkünstler am Konzerthaus Dortmund. Ab der Saison 2010/11 trägt er den Titel eines «Residenzkünstlers». Zu Beginn seines Wirkens gestaltet Salonen ein «Zeitinsel»-Festival, in dessen Mittelpunkt am 17. September die halbszenische Aufführung von Wagners Liebes(tod)-Oper «Tristan und Isolde» in der Regie von Peter Sellars steht.
Praetoris Musikpreis für Thomas Quasthoff
Der Bassbariton Thomas Quasthoff sammelt weiter fleißig Preise und dürfte damit nach Daniel Barenboim und Anne-Sofie Mutter für die Bronzemedaille unter den ewigen Preisträgern prädestiniert sein, obwohl Pierre Boulez ihm auf den Spuren ist. Quasthoff hat nun vorgelegt und den mit 10 000 Euro dotierten Praetorius Musikpreis Niedersachsen erhalten. Er sei, so die Begründung der Jury, eine der bemerkenswertesten Sängerpersönlichkeiten der Zeit und breche spielerisch die Grenzen zwischen ernster und unterhaltender Musik. Ebenfalls ausgezeichnet (und ebenfalls mit 10 000 Euro behängt) wurde der spanische Musiker Jordi Savall. Er erhielt den Internationalen Friedensmusikpreis Niedersachsen für seine Beschäftigung mit Musikkulturen im Schnittpunkt christlicher, jüdischer und islamischer Traditionen. Der Musikinnovationspreis (8000 Euro) ging an den Instrumentalisten Gunter Hampel, der Kompositionspreis (8000 Euro) an Charlotte Seither.
Klassische Musik auf dem Vormarsch
And the winner is – classical music! Wie der Bundesverband Musikindustrie mitteilt, konnte klassische Musik sowohl beim Umsatz wie auch beim Absatz anno 2009 zweistellige Zuwachsraten verbuchen. Dank zahlreicher Jubiläumsveröffentlichungen (Händel, Haydn, Mendelssohn Bartholdy) stieg die Zahl der verfügbaren Klassik-Produkte von rund 54 000 auf etwa 62 000 an.
Fonds Experimentelles Musiktheater sucht Ideen Für die Initiative «Fonds Experimentelles Musiktheater» des NRW KULTURsekretariats und der Kunststiftung NRW werden wieder Projektideen gesucht. Die Projekte entstehen in Zusammenarbeit mit Theater- und Opernhäusern Nordrhein-Westfalens. Ziel des Fonds ist es, zeitgenössische Musiktheater-Produktionen zu initiieren, zu erproben und zu fördern. Die nächste Uraufführung ist für den Dezember 2011 an den Städtischen Bühnen Münster geplant. Dafür werden rund 80 000 Euro aus Mitteln des Kultursekretariats und der Kunststiftung bereitgestellt. Bewerbungen können bis zum 15. Mai an das NRW KULTURsekretariat gerichtet werden. Informationen gibt es unter www.nrw-kultur.de
Dmitri Jurowski neuer Chefdirigent der flämischen Oper
Der junge russisch-deutsche Dirigent Dmitri Jurowski wird ab dem 1. Januar 2011 neuer Chefdirigent der Flämischen Oper in Antwerpen und Gent. Sein Vertrag hat eine Laufzeit von dreieinhalb Jahren. Bereits im März dirigiert Jurowski, der aus der international bekannten Dirigentenfamilie stammt, die Premiere von «Eugen Onegin». Regie führt Tatjana Gürbaca.
Carmen kommt nach Schenkenberg Mit gleich neun Open-Air-Aufführungen von Bizets Oper «Carmen» lockt die schweizerische Oper Schenkenberg Besucher im August 2010 in ihr Freilichttheater nach Schinznach-Dorf. Für die Vorstellungen verwandelt sich dieses in eine echte Stierkampfarena, in der die Zuschauer hautnah miterleben, wie es der schönen Carmen und ihrem Don José ergeht. Angst muss man aber nicht haben. Die Stiere sind zahm. Nur Carmen soll, wie wir gehört haben, sehr, sehr temperamentvoll sein. Premiere ist am 11. August. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.regionbrugg.ch
Großer Besucherandrang beim Kurt Weill Fest in Dessau
Die Veranstalter können zufrieden sein. Mit einer Auslastung von 88 Prozent war das 18. Kurt Weill Fest in Dessau ein Erfolg. Rund 9200 Besucher kamen zu den 36 Veranstaltungen.
Jonas Kaufmann beim Dortmunder Opernball, Jens-Daniel Herzog übernimmt die Oper
Am 8. Mai, also am Tag der Befreiung, feiert Dortmund seinen Opernball. Doch bevor es aufs Parkett geht, kommt erstmal die Kunst zu ihrem Recht. Christine Mielitz, Noch-Intendantin der Oper Dortmund, hat ein hübsches Programm zusammengestellt. Und mit Jonas Kaufmann einen hochkarätigen Gast eingeladen, der für den entsprechenden Wirbel wohl sorgen wird. Wer es miterleben will, sollte sich unter der Web-Adresse www.theaterundkonzertfreunde.de kundig machen. Nachfolger von Christine Mielitz wird übrigens der Regisseur Jens-Daniel Herzog. Er tritt sein Amt im August 2011 an, zunächst für fünf Jahre.
Köln wird Opernstadt
Noch bunter treiben sie es im fast benachbarten Köln. Weil die Kölner Oper zu Beginn der kommenden Spielzeit aus ihrem baufälligen Domizil ausziehen muss, zieht sie notgedrungen als Vagabund durch die Rheinmetropole. Spielorte sind unter anderem ein Filmstudio, eine alte Maschinenhalle und die verlassene Zentrale eines Versicherungskonzerns. Vielleicht sollte ein Komponist rasch eine zeitgemäße «Kafka»-Oper für diesen Zweck schreiben.
Schwetzingen und Bayreuth für Weltkulturerbe nominiert Die kurfürstliche Sommerresidenz in Schwetzingen ist wie das markgräfliche Opernhaus in Bayreuth (wir berichteten) von der Bundesrepublik Deutschland für die Aufnahme in die UNESCO-Weltkulturerbeliste nominiert worden. Das entschied die Kultusministerkonferenz in einer entsprechenden Sitzung. Die offizielle Nominierung ist Voraussetzung für das Evaluationsverfahren, das ein Antrag durchlaufen muss, um dem jährlich einmal tagenden Welterbekomitee zur Entscheidung vorgelegt werden zu können.
Mutig-Preis an Kurt Masur
Der Dirigent Kurt Masur ist mit dem Aschaffenburger Mutig-Preis ausgezeichnet worden. Masur erhielt die Ehrung für seinen couragierten Einsatz während der Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989.
James Conlon erhält Lifetime Achievement Award
Der Dirigent James Conlon hat den Lifetime Achievement Award des Italienischen Kulturinstituts in Los Angeles erhalten. Ausgezeichnet wurde der Musikdirektor der Los Angeles Opera für seinen lebenslangen Einsatz für die klassische Musik und seine herausragenden dirigentischen Leistungen.
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Januar 2010 Dietmar Schwarz wird Intendant der Deutschen Oper Berlin Wie heißt es so schön? Die Kuh ist vom Eis. Und das ist sie in der Tat. Das Bild besitzt gerade im Fall der Deutschen Oper Berlin beträchtlichen Symbolcharakter. Wer auch immer in den letzten Jahren dieses Haus betrat, um Intendant zu werden, bewegte sich auf glattem Grund. Was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet war, dass der Patriarch Götz Friedrich post mortem einen Musentempel zurückgelassen hatte, in dem man überall ausrutschen oder einbrechen konnte – finanziell wie künstlerisch. Udo Zimmermann, sein Nachfolger, besaß veritable ästhetische Visionen, aber kein griffiges administratives Konzept – und zudem mit Christian Thielemann einen unbequemen, inkompatiblen Generalmusikdirektor. Zimmermanns Nachfolgerin, die aparte Kirsten Harms, durfte zwar ihr Team aus Kiel mitbringen, hatte aber erstens kaum Zeit, um ihre Ideen in die Wirklichkeit zu übersetzen, und zweitens wenig Fortune bei der knallharten Berliner Lokalpresse. Nun, nachdem sie ihren Rückzug zum Ende der Spielzeit 2010/11 angekündigt und der richtige (gefühlt siebenundsiebzigste) Kandidat endlich sein Jawort gegeben hat, herrscht in Musik-Berlin trotz eisiger Januartemperaturen wieder einmal Aufbruchstimmung. Mit dem Operndirektor des Theaters Basel, Dietmar Schwarz, kommt ein gestandener Opernmacher an die Spree. Ab der Spielzeit 2012/13 bekleidet Schwarz den Posten des Intendanten an der Deutschen Oper Berlin. Die Lücke zwischen seinem Amtsantritt und dem Rückzug von Kirsten Harms überbrückt das Haus an der Bismarckstraße mit einem kommissarisch agierenden Leitungsdreigestirn, bestehend aus Generalmusikdirektor Donald Runnicles, dem Kaufmännischen Geschäftsführer Axel Baisch und Operndirektor Christoph Seuferle. Staatsoper Berlin mit Rekordauslastung Die Berliner Opern verzeichnen für das abgelaufene Jahr 2009 einen leichten Zuschauerzuwachs. Vor allem die Staatsoper Unter den Linden hat noch einmal zugelegt. 244 861 Besucher bei insgesamt 288 Veranstaltungen sorgten für eine Rekordauslastung von 87,4 Prozent; das ist eine Steigerung um 0,3 Prozent. Die beiden anderen Häuser liegen deutlich dahinter, haben aber ebenfalls ein leichtes Plus erzielt. Die Auslastung der Deutschen Oper Berlin betrug 2009 bei einer Zuschauerzahl von 229 000 68,8 Prozent, die der Komischen Oper Berlin bei einer Zuschauerzahl von gut 183 000 knapp 64 Prozent. Man hätte es sich denken können. «La Traviata», GiuseppeVerdis schmachtende Oper über die Schwindsucht ist die schönste aller Opern. Das zumindest ist das Ergebnis einer TV-Umfrage, die im Sommer gestartet wurde, unter Zuhilfenahme einer Statistik des Deutschen Bühnenvereins, aus der hervorging, welche 30 Opern die beliebtesten seien, will sagen: die meistaufgeführten. Daraus wählten die Zuschauer zunächst zehn Bühnenwerke aus, die dann im Kultursender 3sat, dem ZDF-Theaterkanal sowie dem Abosender Classica ausgestrahlt wurden (jener Sender, der zur Firma Unitel zählt, die wiederum viele Rechte hält, unter anderem an der «La Bohème»-Produktion mit Anna Netrebko und Rolando Villazon). Am Ende siegte jenes Werk, welches auf der Bühne lediglich den sechsten Platz belegt, aber im Fernsehen anscheinend die größte Wirkung zu entfalten mochte. Und dreimal dürfen Sie jetzt raten, wer die Hauptdarsteller der siegreichen Inszenierung sind: richtig, Netrebko und Villázon, das inzwischen verblühte Traumduo. Anlässlich des sich 2010 zum einhundertsten Male jährenden Todestages von Leo Tolstoi wartet die Royal Scottish Academy of Music and Drama mit einer Weltpremiere auf: An der Glasgower Oper wird am 22. Januar erstmals die «entsowjetisierte» Urfassung von Prokofjews Oper «Krieg und Frieden« aus dem Jahr 1942 zu sehen sein. Die dreistündige Fassung wurde anhand von Originalmanuskripten von der Prokofjew-Expertin Rita McAllister realisiert. Sie enthält Duette und komödiantische Elemente, die auf Druck der stalinistischen Kunstwächter entfernt wurden. Die Kombination war reizvoll, wenngleich nicht einmalig. Ein österreichischer Künstler mit Hauptwirkungsort Berlin/Ost. Doch nicht nur in der DDR war der Dirigent Otmar Suitner ein begehrter Mann. Auch in Bayreuth, wo er zwischen 1964 und 1967 den «Ring», «Tannhäuser» und den «Fliegenden Holländer» dirigierte, war der 1922 in Innsbruck geborene Musiker ein gern gesehener Gast. Sein Handwerk hatte er noch bei Clemens Krauss erlernt und so gut, dass er mit nur 38 Jahren bereits Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle wurde, bevor er dann nach Berlin wechselte. Das war 1964 und der Beginn einer lange währenden Künstler-Partnerschaft. Bis 1991 war Suitner Generalmusikdirektor der Staatskapelle Berlin, somit direkter Vorgänger von Daniel Barenboim. Berühmt wurde seine Zusammenarbeit mit Ruth Berghaus und deren Ehemann, dem Komponisten Paul Dessau. Drei Bühnenwerke dieses Komponisten geleitete Suitner musikalisch auf die Bühne: «Puntila» (nach Brecht), «Einstein» sowie «Leonce und Lena» (nach Büchner). Mit der Berliner Staatskapelle reiste er um die Welt, daneben trat er als Gastdirigent unter anderem an der Wiener Staatsoper und in San Francisco auf. Bis 1990 wirkte er zudem als Professor in Wien. Am 8. Januar ist Otmar Suitner im Alter von 87 Jahren verstorben. Laut lokalen Presseberichten haben etliche Musiker des Scala-Orchesters die letzte «Carmen»-Vorstellung genutzt, um ihrem Protest visuellen Ausdruck zu verleihen. Die Musiker trugen während der Aufführung Straßenkleidung. Damit wollten sie ein Zeichen gegen eine angebliche Verletzung arbeitsrechtlicher Bestimmungen bei Auslandseinsätzen setzen. So beklagten sich die Musiker, dass eine Probe in Paris deutlich überzogen worden sei. Das traditionell gut gekleidete Mailänder Opernpublikum war über diese Maßnahme wenig amüsiert und deckte die Musiker mit «Schande»-Rufen ein. New York Philharmonic mit Rekorddefizit, Streik in Cleveland Sorgenfalten bei New Yorks Philharmonikern: Nach den neuesten Zahlen beläuft sich das Defizit des Orchesters für die Saison 2008/09 bei einem Budget von 64,5 Millionen US-Dollar auf 4,6 Millionen Dollar. Damit nicht genug der tristen Kunde: Für die laufende Spielzeit rechnen die Verantwortlichen bei einem Budget von 68,9 Millionen Dollar mit einem weiteren Minus von vier Millionen Dollar. Nach Aussagen des Orchestersprechers Eric Latzky ist der Fehlbetrag auf Rückgänge bei den Sponsorengeldern zurückzuführen. Von den vorgesehenen 25 Millionen Dollar hätten lediglich 22,25 Millionen eingeworben werden können. Das Orchester hat auf die missliche Situation bereits reagiert: Die Saläre sind eingefroren, die Anzahl der Freiluftkonzerte wurde reduziert, der Einsatz von Ersatzspielern restriktiver gehandhabt. Gleichwohl steht das große Gejammer noch aus: Ende der Spielzeit 2010/11 laufen die Verträge der Musiker aus. Ein Arbeitskampf ist dann nicht ausgeschlosssen. Zumal schon jetzt die Kollegen aus Ohio vormachen, wie es gehen kann: Weil Musiker des Cleveland Orchestra in den Streik gegangen sind, können Gastauftritte in Indiana und Florida mit Chefdirigent Franz Welser-Möst nicht absolviert werden. Als Grund für die Aktion nannten Sprecher die zunehmend schlechte Situation der Orchestermusiker: Sie seien nun nicht weiter bereit, Konzessionen zu machen und weitere Lohnkürzungen und Stellenstreichungen hinzunehmen. Plácido Domingo steht in den USA in der Kritik Einen Arbeitskampf der besonderen Art führt gegenwärtig Plácido Domingo. Ihm werfen amerikanische Zeitungen nämlich vor, dass er zuviel arbeite. Sowohl die «New York Times« als auch die «Washington Post» äußerten Bedenken am Hyperaktivismus des jüngst auch baritonal engagierten Tenors, der neben zahlreichen Auftritten als Sänger noch versuche, zwei Opernhäuser zu managen: die Los Angeles Opera und die Washington National Opera. Die «New York Times« zitierte dazu Kenner der Brancher, die erklärten, es sei schwierig, von Domingo klare Entscheidungen zu erhalten; zudem hätten seine künstlerischen Ambitionen den Boden der ökonomischen Realitäten verlassen. Domingo hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Vermutlich aus Zeitgründen. Türkischer Industrieller sponsert die Salzburger Festspiele Der türkische Industrielle Ahmet Kocabiyik, in seinem Heimatland großzügiger Förderer klassischer Musik und Gründer eines privat finanzierten Orchesters, hat den Salzburger Festspielen von 2011 bis 2013 finanzielle Hilfe zugesagt. Schon vorher kann man Kocabiyiks Orchester an der Salzach hören: Zum Auftakt der diesjährigen Festspiele gastiert das Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra mit Werken von Fazil Say und Mozart. Roger Norrington wird «Principal Conductor» des Zürcher Kammerorchesters Das Zürcher Kammerorchester (ZKO) ändert seine künstlerische Führungsstruktur. Ab der Saison 2011/12 wird Roger Norrington, derzeit noch Musikchef des Stuttgarter Radio-Symphonieorchesters, «Principal Conductor» des Ensembles. Der bisherige Chefdirigent Muhai Tang, der zunehmend durch internationale Verpflichtungen gebunden ist, bekleidet dann die Position des Ersten Gastdirigenten. Norringtons Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren; inklusive Wiederholungen soll er das ZKO 15- bis 25-mal pro Saison dirigieren. Essens Intendant Stefan Soltesz kritisiert die kommunale Politik Dirigieren, das sollte eigentlich auch Stefan Soltesz. Doch so wütend ist der Intendant und Generalmusikdirektor des Aalto-Musiktheaters Essen, dass er sich genötigt sah, einen Offenen Brief zu schreiben, der gleichlautend an den Oberbürgermeister der Stadt Essen, Reinhard Paß, den Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Düsseldorf, Jürgen Büssow, sowie an den Kämmerer der Stadt Essen, Lars Martin Klieve, gerichtet war. Darin wirft Soltesz der Politik schwere Versäumnisse vor, was die Erhaltung von (Musik)Theatern betrifft; vor allem aber kritisiert er die Haltung der Politiker, der Kunst generell Verschwendungssucht zu attestieren. Die Kultur, deren Staatsausgaben lächerliche 0,8 Prozent des Gesamtetats betrage, werde zum Sündenbock gemacht. Das, so Soltesz, wolle und werde er nicht hinnehmen: «Die ständige Thematisierung der Kultur im Zusammenhang mit der Finanznot der Städte empfinde ich als unrichtig, beinahe demagogisch», schreibt Soltesz am Ende des Briefes. Kent Nagano und sein Orchestre Symphonique de Montréal eröffnen die Saison 2011/12 in einem neuen Konzertsaal, der eigens für das Orchester errichtet wird. Möglich wurde die Realisierung des Projekts durch ein Partnerschaftsabkommen zwischen der Regierung von Québec und dem kanadischen Baukonzern Groupe Immobilier Ovation. Der Saal wurde nach Plänen des unlängst gestorbenen Akustikers Russell Johnson zusammen mit den Architekturfirmen Diamond & Schmitt Architects und Aedificia erbaut und bietet Platz für 1900 Besucher. Schön ist der Saal obendrein: 70 Prozent der verwendeten Bauteile sind aus Holz. Gemeinsam mit der Steiermärkischen Landesregierung veranstaltet die Universität Graz den 5. Internationalen Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionspreis. Bis zum 15. März können Tonsetzer, die das 35. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, ihre Libretti respektive ihre Gesamtkonzepte einreichen. Als erster Preis winken 7200 Euro sowie eine Uraufführung des Werkes in Graz. Weitere Informationen über den Wettbewerb gibt es unter der Intenetadresse www.kug.ac.at Der Student der Hochschule für Musik «Franz Liszt» in Weimar, Daniel Huppert, hat den Deutschen Operettenpreis für Junge Dirigenten in Leipzig gewonnen. Er setzte sich vor der in Madrid lebenden Koreanerin Eun Sun Kim, dem in Wien studierenden Lam Tran Dinh sowie Seokwon Hong von der Hochschule «Hanns Eisler» in Berlin durch. Huppert wurde 2009 in die 1. Förderstufe des «Dirigentenforums» des Deutschen Musikrates aufgenommen. Opéra Royal de Wallonie präsentiert Live-Übertragungen von Opernaufführungen An der Opéra Royal de Wallonie ist man in der digitalen Neuzeit angekommen. In Zusammenarbeit mit Belgacom und Finale Communication & Events führt das Opernhaus erstmals Live-Übertragungen von Opernaufführungen im Format High Definition durch. Den Auftakt macht am 2. Februar eine Vorstellung von Bellinis Shakespeare-Oper «I Capuleti i Montecchi». Opéra de Lyon präsentiert Uraufführung von Kaija Saariahos dritter Oper An der Opéra de Lyon ist am 1. März die Uraufführung der dritten Oper von Kaija Saariaho zu erleben : «Émilie». Das Werk, von Francis Girard in Szene gesetzt und von Kazushi Ono, dem Lyoner Chefdirigenten, musikalisch geleitet, handelt von Madame du Châtelet, einer der wichtigsten Frauen der Aufklärung. Puccini-Villa von Hochwasser bedroht Der Ort atmet Aura. Nun aber droht die langjährige Heimstätte des italienischen Komponisten Giacomo Puccini in Torre del Lago das Opfer der Natur zu werden. Nach winterlichem Dauerregen musste die Liegenschaft gegen eindringendes Wasser mit Sandsäcken geschützt werden. In dem Haus am See unterhält Simonetta Puccini, die Enkelin des Komponisten, ein Museum, das zu den beliebtesten Pilgerorten für Opernfans aus aller Welt zählt.
Jubilare Wolfgang Schöne zum 70. Seine Heimat, könnte man sagen, ist das Schwäbische. Seit 1973 war Wolfgang Schöne Mitglied im Solistenensemble der Stuttgarter Staatsoper, die ihm 2007 die Ehrenmitgliedschaft verlieh. Sein Repertoire umfasst rund 70 Partien; von Barak in «Die Frau ohne Schatten» über Hans Sachs in den «Meistersingern» und Dr. Schön in «Lulu» reicht es bis hin zu Al Radschi in Henzes «L’Upupa», den er erst kürzlich in Dresden verkörperte, und den Titelrollen in «Der fliegende Holländer» und Szymanowskis «Król Roger». Auch im Konzertbereich feiert Schöne seit Jahrzehnten Erfolge; hier vor allem in den Passionen Bachs und den Oratorien von Haydn und Mendelssohn. Am 9. Februar feiert der große Bariton seinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich. Christoph Eschenbach zum 70. Sein Debüt als Dirigent gab er 1972, mit Bruckners Dritter; da war er bereits ein gefeierter Pianist. Doch der Taktstock reizte den in Breslau geborenen Christoph Eschenbach zu sehr, als dass er auf diesen Teil seines enormen Talents zugunsten einer glänzenden Solistenkarriere hätte verzichten wollen. Also wandte er sich verstärkt dem Dirigieren zu, wobei das symphonische Repertoire ihn stets weit mehr anzog als der Operngraben. Bereits 1982 wurde Eschenbach Chefdirigent des Tonhalle Orchesters Zürich; es folgten Chefstationen in Houston und beim Ravinia Festival und in Hamburg beim NDR sowie in Paris und Philadelphia. Sein Repertoire reicht vom Barock bis zur zeitge-nössischen Musik, wobei der Schwerpunkt in der späten Romantik und frühen klassischen Moderne liegt. Am 20. Februar wird Christoph Eschenbach 70. Wir gratulieren herzlich. Jesús López Cobos zum 70. Ein Philosoph, der dirigieren kann? Wer es nicht glaubt, hat den 1940 geborenen Jesús López Cobos nicht erlebt, an den sich vor allem die Berliner Opernfreunde aus seiner Zeit als Generalmusikdirektor der Deutschen Oper von 1981 bis 1990 noch erinnern werden. Nach einem Philosophiestudium mit anschließender Dissertation ging López Cobos unter anderem zu Hans Swarowsky nach Wien, wo er sich den Feinschliff holte. Neben seiner Berliner Operntätigkeit war er von 1986 bis 2000 Chefdirigent des Cincinnati Symphony Orchestra und ein Jahrzehnt lang Chefdirigent des Lausanner Kammerorchesters. Nach langer Wanderung ist der Spanier 2003 in seiner Heimat eingetroffen. Seit diesem Jahr ist er Musikdirektor am Teatro Real in Madrid. Am 25. Februar feiert Jesús López Cobos seinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich. Helga Thiede zum 70. Sie hat die großen Alten unter den Regisseuren noch erlebt. Sowohl bei Ruth Berghaus wirkte Helga Thiede in diversen Inszenierungen mit als auch bei Joachim Hertz und Harry Kupfer. Zu ihren wichtigsten Partien zählen die Leonore in «Fidelio», die Leonora in Verdis «La forza del destino» sowie fast alle weiteren dramatischen Verdi-Partien, ferner Wagner-Rollen wie Elisabeth, Ortrud und die Strauss’schen Frauen: Salome, Chrysothemis, Arabella, Marschallin. Nach ihrem Studium kam Helga Thiede zunächst ans Studio der Lindenoper, bevor sie feste Engagements in Schwerin, Dessau und schließlich Dresden erhielt. Am 6. Februar feiert die Sopranistin ihren 70. Geburtstag, zu dem wir herzlich gratulieren. Rainer Süß zum 80. Sein Wirken ist unmittelbar mit der Staatsoper Unter den Linden verbunden. Seitdem er 1962 einen Kollegen vertrat und den Ochs im «Rosenkavalier» sang, war Rainer Süß aus dem Haus in Berlins Mitte nicht mehr wegzudenken. Hier verkörperte der gebürtige Chemnitzer alle wichtigen Basspartien und das über die Maßen lange. Erst 1991 nahm er seinen offiziellen Bühnenabschied, um für den Berliner Bezirk Hellersdorf ins Abgeordnetenhaus einzuziehen, wirkte aber noch bis 1998 als freier Sänger. Nach dem Besuch der Leipziger Thomasschule studierte Süß unter anderem bei Hans Lissmann und war danach zunächst Mitglied des Leipziger Rundfunkchors. Sein Bühnendebüt gab er in Bernburg als Njegus in der «Lustigen Witwe». Ein Jahr später wurde er an das Landestheater Halle (Saale) verpflichtet. 1962 wurde Süß zum Kammersänger ernannt. Am 2. Februar feiert der Bass seinen 80. Geburtstag. Dazu herzlichen Glückwunsch! Todesfälle Der rumänische Tenor Alexandru Ionitza ist am 2. Januar im Alter von 61 Jahren gestorben. Der Sänger, der erste Bühnenerfahrungen in seiner Heimat sammelte und dann an den Städtischen Bühnen Münster sowie am Münchner Gärtnerplatztheater angestellt war, war seit 1984 Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein, wo er als Henry Morosus in Strauss’ Oper «Die schweigsame Frau» seinen Einstand gab. Weitere wichtige Rollen des Tenors waren die Titelpartie in «Hoffmanns Erzählungen» und Des Grieux in Massenets «Manon». Zum Tod von Volker Horn Der Tenor Volker Horn ist im Alter von 66 Jahren am 20. November 2009 einem Gehirntumor erlegen. Am 13. März 1943 in Klagenfurt geboren, verbrachte er seine Kindheit in Bayreuth, wo er 1954 – damals Mitglied der Regensburger Domspatzen – die Partie des Hirtenknaben in Wieland Wagners «Tannhäuser»-Inszenierung übernahm. An der Wiener Musikhochschule studierte er Gesang und Violine und kam nach Zwischenstationen 1976 an die Deutsche Oper Berlin, der er über mehr als drei Jahrzehnte angehörte. Allerdings wusste man hier seine Fähigkeiten nicht richtig einzuschätzen und setzte ihn überwiegend in Comprimario-Rollen ein. Seine Fachpartien sang er vor allem an großen Bühnen des Auslands: Steuermann am Teatro Bellini in Catania, Loge an der Opéra de Lyon, Lohengrin an der Prager Nationaloper, Parsifal am Teatro La Fenice in Venedig. Große Erfolge hatte er auch als Florestan und vor allem als Max, den er in zahlreichen Produktionen der Oper im In- und Ausland verkörperte. Einigen Nachruhm sichert ihm seine Mitwirkung in Opern von Siegfried Wagner. In nicht weniger als sechs Produktionen von Peter P. Pachl («Der Bärenhäuter», «Banadietrich», «Sternengebot», «Die heilige Linde», «Der Heidenkönig», «Der Kobold») hat er zentrale Rollen gesungen. Alle diese Produktionen liegen bei Marco Polo als CD vor, Letztgenannte auch als DVD. Horn war ein Zwischenfachtenor mit beträchtlichen heldischen Ressourcen, der auch bei Wagner dem Legato-Gesang verpflichtet blieb und immer durch makellose Textverständlichkeit hervorstach. (E. P.) Der chilenische Komponist Gustavo Becerra-Schmidt ist im Alter von 84 Jahren am 3. Januar in Oldenburg gestorben. Becerra-Schmidt, der 1971 als Kultur- und Presseattaché der chilenischen Botschaft nach Deutschland kam und zwei Jahre später, während des Pinochet-Putschs, um politisches Ayl bat, lebte seit 1974 in der niedersächsischen Stadt und lehrte an der dortigen Hochschule Komposition, Analyse und Musiktheorie. Seine bekannteste Komposition ist das 1985 uraufgeführte «Carl-von-Ossietzky-Oratorium». Massimo Bogianckino gestorben Im Alter von 87 Jahren ist Mitte Dezember in Paris der ehemalige Direktor der Opéra de Paris und spätere Bürgermeister von Florenz, Massimo Bogianckino verstorben. Der gebürtige Römer studierte am Konservatorium seiner Heimatstadt und unterrichtete in den fünfziger Jahren in Pittsburgh und Pesaro Klavier, bevor er 1960 die Leitung der Accademia Filarmonica Romana übernahm. Danach ging er als Direktor an die Oper in Rom und an das Teatro Comunale nach Florenz. Seine größte Tat vollbrachte Bogianckino 1983. In diesem Jahr verantwortete er die Uraufführung von Olivier Messiaens Oper «Saint François d’Assise» im Pariser Palais Garnier, die mit Seiji Ozawa als Dirigent Musikgeschichte schrieb. Dirigent Vjekoslav Sutej gestorben Im Alter von 58 Jahren ist am 2. Dezember 2009 nach langer, schwerer Krankheit der Dirigent Vjekoslav Sutej gestorben. Sutej war von 1979 bis 1989 Künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Kroatischen Nationaltheaters in Split sowie von 1986 bis 1990 Künstlerischer Leiter des Hollybush-Festivals in New Jersey. Dort hatte die internationale Karriere des in Rijeka geborenen Musikers begonnen. Zwischen 1990 und 1993 war er Musikdirektor des Teatro La Fenice in Venedig, von 1992 an fünf Jahre lang in gleicher Position an der Grand Opera Houston tätig; von 2002 bis 2005 leitete Sutej das Dubrovnik-Musikfestival, bis zu seinem Tod stand er an der Spitze des Zagreb Philharmonic Orchestra. Gastdirigate führten ihn unter anderem beim Verdi-Festival in Pesaro, nach San Francisco, München, Berlin, Frankfurt, Wien, Budapest, Rom und Moskau. Rainer Zepperitz gestorben Im Alter von 79 Jahren ist am 23. Dezember 2009 in Berlin der ehemalige Solobassist der Berliner Philharmoniker und Orchestervorstand Rainer Zepperitz gestorben. Der in Java geborene Musiker studierte am Düsseldorfer Konservatorium und kam 1951 zu den Philharmonikern, wo er bis zum Jahre 1995 spielte und zwei Mal – von 1966 bis 1978 sowie von 1981 bis 1984 – als Orchestervorstand tätig war. Von 1958 an unterrichtete er parallel an der Hochschule für Musik in Westberlin, heute UdK. Isaac Schwartz ist tot Der russische Film- und Theaterkomponist Isaac Schwartz ist Ende Dezember 2009 im Alter von 86 Jahren gestorben. Er komponierte die Musik zu mehr als 100 Filmen, darunter «Die weiße Sonne der Wüste» von Vladimir Motyl (der in der ehemaligen Sowjetunion Kultstatus genießt), und 35 Theaterproduktionen. Den Weg ins Filmgeschäft ebnete ihm weiland kein Geringerer als Dmitri Schostakowitsch. Wettbewerbe Ungar gewinnt «Sacred Music»-Wettbewerb Der ungarische Bass Levente Pàll hat den ersten Preis beim mit insgesamt 10 000 Euro dotierten Internationalen Musikwettbewerb «Sacred Music» in Rom gewonnen. Der zweite Platz ging an die junge französische Sopranistin Melissa Laura Petit, auf Rang drei landete der italienische Countertenor Flavio Ferri Benedetti. Spezialpreise gingen an den israelischen Sänger David Feldmaan sowie Maximilian Lika aus Deutschland. «Sacred Music» ist weltweit der einzige Wettbewerb, der sich ausschließlich geistlichen Werken widmet. Korea dominiert Maritim Musikpreise Der südkoreanische Bariton Dong Hwan Lee hat den mit insgesamt 20 000 Euro dotierten 10. Maritim Musikpreis gewonnen. Der Student der Hamburger Musikhochschule erhielt 2000 Euro. An dem Wettbewerb am Timmendorfer Strand nahmen junge Nachwuchsänger aus 14 Nationen teil, die an den Hochschulen von Hamburg, Rostock und Lübeck studieren. Den zweiten Platz (1500 Euro) erreichte Dongs Landsfrau, die Sopranistin Yun-Jeong Lee, Rang drei belegten gemeinsam Jungdom Kim aus Südkorea und Szymon Chojnacki aus Polen. Die 23-jährige Berlinerin Julia Gámez Martin hat den ersten Preis beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin in der Kategorie Musical gewonnen. Die junge Sängerin siegte im Finale vor dem zweitplatzierten Florian Soyka (26) aus München. In der Sparte Chanson teilten sich Gisa Flake und Sebastian Strehler den Sieg. Den ersten Preis im Juniorwettbewerb und gleichzeitig den Preis des Deutschen Bühnenvereins für die beste Darstellung einer Musical-Szene erhielt die 20-jährige Nachwuchssängerin Johanna Spantzel aus Berlin. Meldungen Gould und Westbroek sind «Tristan und Isolde» in Bayreuth 2015 Das Titelpaar für die Bayreuther Neuinszenierung von «Tristan und Isolde» 2015 ist gefunden. Katharina Wagner, die für die Inszenierung verantwortlich sein wird, gab jetzt bekannt, dass Stephen Gould und Eva-Maria Westbroek die Hauptpartien übernehmen sollen. Dirigent ist Christian Thielemann. Villazón kündigt Comeback an Rolando Villazón feiert sein Comeback. Laut österreichischen Medienberichten kehrt der mexikanische Tenor, der sich wegen einer Erkrankung an den Stimmbändern einer Operation unterziehen und pausieren musste, am 22. März anlässlich einer Aufführung von Donizettis «Liebes-trank» an der Wiener Staatsoper auf die Bühne zurück. Anschließend soll und will Villazón an der Berliner Lindenoper (in «Eugen Onegin») sowie bei Konzerten in Paris und Baden-Baden singen. Für die Salzburger Festspiele ist ein Liederabend mit der französischen Pianistin Hélène Grimaud geplant. Holger Schultze geht nach Heidelberg Holger Schultze, Intendant des Osnabrücker Theaters, wird im Herbst 2011 in gleicher Position das Theater in Heidelberg leiten. Der 47-jährige Kulturmanager, der seit 2005 in Osnabrück erfolgreich arbeitet (unter anderem mit einem 2007 von den deutschen Theaterverlagen prämierten Spielplan, der junge, noch unerprobte Autoren protegiert), folgt auf Peter Spuhler, der seinerseits als General-intendant an das Badische Staatstheater nach Karlsruhe wechselt. Theaterehe Rostock-Parchim perfekt Die Theaterehe zwischen Rostock und Parchim ist endgültig unter Dach und Fach. Im November hatte das Mecklenburgische Landestheater in Parchim einem Zusammengehen mit dem Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin eine Absage erteilt. Der Parchimer Intendant Thomas Ott-Albrecht sieht in dem Volkstheater Rostock ein passenderes, großstädtischeres und damit attraktiveres Publikum für seine Bühne, das zumal dem in Parchim angesiedelten Kindertheater stärker zugeneigt sei, wie Ott-Albrecht erklärte. Die Vereinbarung zwischen beiden Häusern sieht nun vor, dass die Parchimer Bühne vollständig über ihre 1,15 Millionen Euro an Landeszuschüssen verfügen kann. Im Fall von Einsparungen ist jedes Haus auf sich selbst und seine (möglichen) eigenen Ressourcen angewiesen. Unterdessen hat der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Peter Leonard, heftige Kritik an den finanziellen Folgen der vom Kabinett in Schwerin beschlossenen Neugliederung der Theaterlandschaften geübt. Den Planungen zufolge drohen Rostock in diesem Jahr bei den Landeszuschüssen erhebliche Einbußen. Falls die Zuschauerzahlen, an denen sich die Subventionen künftig orientieren werden, sich nicht erhöhen (wovon wohl auszugehen ist), muss sich das Haus auf ein Minus von knapp einer Million Euro einstellen. Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth ist mit dem Louis-Spohr-Musikpreis der Stadt Braunschweig 2010 ausgezeichnet worden. Die mit 10 000 Euro dotierte Ehrung wird alle drei Jahre vergeben. Neuwirths Arbeiten, befand die zuständige Jury, seien durchzogen von einem Grundton skeptischer Spannung. Die Komponistin sei eine scharfe und kritische Beobachterin ihrer von Massen-medien geprägten Umwelt und suche die Auseinandersetzung sowohl mit der Musikgeschichte als auch mit der Medien- und Popkultur. Zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Landestheater Detmold ist erstmalig eine Zielvereinbarung abgeschlossen worden, die dem Haus Planungssicherheit zumindest bis Ende 2011 gibt. Das Landestheater Detmold stimmt darin seine künstlerischen und wirtschaftlichen Konzepte mit der Staatskanzlei ab. Diese schreibt im Gegenzug die institutionelle Förderung in Höhe von 8,2 Millionen Euro für den Vereinbarungszeitraum fest. Der Intendant des Theaters, Kay Metzger, sieht darin ein positives Signal seitens der Politik für die kommenden Träger des Landestheaters und einen großen Vertrauensbeweis für die künstlerische Arbeit seines Hauses, das zuletzt mit einem kompletten «Ring» punkten konnte. Schlingensief arbeitet wieder am Operndorf Christoph Schlingensief geht es offiziellen Verlautbarungen zufolge wieder wesentlich besser. Wie der 49-jährige Film- und Opernregisseur in einem vom Goethe-Institut veröffentlichten Brief mitteilte, haben die Medikamente angeschlagen und die Metastasen im verbliebenen rechten Lungenflügel vorerst verschwinden lassen. Damit stehen auch Schlingensiefs neuestem Projekt keine unüberwindlichen Hürden mehr im Wege: einem Operndorf in Afrika. In Burkina Faso hat Schlingensief unterdessen einen Ort gefunden, an dem er noch in diesem Jahr das Projekt entwickeln will. Bereits im Januar soll auf einem Areal von sechs Hektar Größe mit dem Bau begonnen werden. Zunächst soll eine Schule für 500 Kinder und Jugendliche entstehen, die ihren Schwerpunkt auf Film- und Musikklassen legen wird. LA Opera in Nöten? Laut einem Bericht der «Los Angeles Times» steht der Los Angeles Opera das Wasser bis zum Hals. Um zumindest bis zum kommenden Sommer liquide zu bleiben, hat das Los Angeles County einen Sonderkredit von 14 Millionen Dollar bewilligt; ansonsten hätte das Opernhaus schon ab Mitte Dezember seine Rechnungen nicht mehr begleichen können. Heike Hoffmann übernimmt Salzburg Biennale Die Kulturmanagerin Heike Hoffmann wird als Nachfolgerin von Hans Landesmann Intendantin der Salzburg Biennale. Laut einem Bericht des ORF will Frau Hoffmann, die in Berlin die Musikbiennale leitete, an der Salzach weniger Uraufführungen forcieren, als vor allem neue Aufführungsformen ausprobieren und Tanz, Literatur, Theater und elektronische Medien integrieren. Die nächste Salzburg Biennale findet im März 2011 statt. Met: «Tosca» in zwei Inszenierungen? Laut einem Bericht der «New York Times» erwägt die Metropolitan Opera New York, die umstrittene «Tosca»-Inszenierung von Luc Bondy parallel zur populären Version Franco Zeffirellis derselben Oper zu zeigen. Eine definitive Entscheidung stehe allerdings noch aus, sagte Met-Chef Peter Gelb. Semperoper sucht Dokumente Die Dresdner Semperoper sucht Informationen zur Aufführungsgeschichte der Oper «Notre Dame» von Franz Schmidt. Es geht dabei um die Frage, ob die 1914 in Wien uraufgeführte Oper im Mai des Jahres 1916 in einer Dresdner Inszenierung zu sehen war, oder ob die avisierte Premiere am 18. April dieses Jahres eine Dresdner Erstaufführung ist. In der Fachliteratur gibt es Hinweise darauf, dass «Notre Dame» am 2. Mai 1916 an der Semperoper gegeben wurde; beweisen ließ sich diese These jedoch bislang nicht. Oper Zürich: Ausgeglichener Haushalt Die Oper Zürich hat für die Spielzeit 2008/09 eine ausgeglichene Rechnung vorgelegt. Bei einem Gesamtvolumen von 131 Millionen Schweizer Franken weist das Opernhaus ein Plus von rund 54 000 Franken auf; dies ist nicht zuletzt auf höhere Zuschüsse der öffentlichen Hand zurückzuführen. Die Beiträge der Sponsoren und Gönner waren hingegen in der Saison 2008/09 rückläufig. Sie beliefen sich auf rund 9,7 Millionen Franken; das sind knapp 200 000 Franken weniger als in der Vorsaison. Die Besucherzahlen erhöhten sich in der Sparte Oper/Operette um ein Prozent, so dass die Auslastung 78,6 Prozent betrug. Mehr Mozart, Janácek und Dominique Meyer, designierter Direktor der Wiener Staatsoper, setzt zu seinem Dienstantritt in der Spielzeit 2010/11 mit der Präsentation der da Ponte-Opern einen Mozart-Schwerpunkt. Laut einem Bericht der österreichischen Zeitung «News» plant Meyer insgesamt sechs Opern- und drei Ballettpremieren. Den Auftakt bildet die Übernahme von Jean-Louis Martinotys «Figaro»-Inszenierung aus Paris. Einen weiteren Schwerpunkt sollen die Opern von Janácek bilden. In diesem Zusammenhang hat Meyer mehr Geld für die Wiener Staatsoper gefordert. Das Haus sei im Vergleich zur Opéra de Paris unterfinanziert. In einem Interview mit dem «Standard» erklärte Meyer, die Staatsoper erhalte als Basisfinanzierung mit 51 Millionen Euro lediglich zwei Millionen Euro mehr als das Burgtheater; die Pariser Oper dagegen werde mit 110 Millionen Euro alimentiert. Die hohe Auslastung von gegenwärtig 97 Prozent will der Nachfolger von Ioan Holender mit hochklassigen Mozart- und Strauss-Produktionen halten. Zudem plant er – anscheinend nach dem Vorbild der Berliner Lindenoper – per annum fünf bis sechs Aufführungen einer Barockoper, die mit Hilfe eines Gastorchesters realisiert werden sollen und zwar dann, wenn die Wiener Philharmoniker auf Tournee sind. Orchester: Tarifeinigung Der Deutsche Bühnenverein und die Deutsche Orchestervereinigung haben einen neuen Tarifvertrag für Musiker in Kulturorchestern (TVK) unterzeichnet. Damit haben gut fünfjährige Verhandlungen, die zum Teil von Streiks begleitet waren, ihr Ende gefunden. Zum einen knüpft der TVK an viele bislang schon geltende Vorschriften an. Andererseits sind zahlreiche Neuerungen übernommen worden; so wurde insbesondere die Gestaltung der Arbeitszeit flexibilisiert, die Regelung der Medienrechte der notwendigen Nutzung moderner Informationstechnologien angepasst und die Kooperationsmöglichkeiten zwischen einzelnen Orchestern verstärkt. Zugleich wird durch den Tarifvertrag sichergestellt, dass sich die Vergütungen der Musiker der Lohnentwicklung des öffentlichen Dienstes anpassen. Christian Thielemann hat am 18. Dezember 2009 seinen Vertrag als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden ab 2012 unterschrieben. Der Vertrag beginnt am 1. April 2012 und läuft über sieben Jahre bis zum 31. Juli 2019. Er beinhaltet pro Spielzeit mindestens 45 Dirigate im Konzert- und Opernbereich, davon zwölf Symphoniekonzerte (vier Programme) in Dresden, drei Sonderkonzerte und zwölf Opernaufführungen. Zudem sieht der Vertrag mindestens 18 Tourneekonzerte mit der Staatskapelle Dresden pro Saison vor. Gelsenkirchener Theater wiedereröffnet Nach einer Umbauzeit von acht Monaten ist das Gelsenkirchener Theater mit einer Operngala wiederöffnet worden. Umgestaltet wurden in der Sanierungsphase die Foyers; zudem erhielt das Theater eine neue Glasfassade, sämtliche Asbestanteile wurden beseitigt. Wichtigster Punkt aber ist die Verbesserung der Akustik: Die Saaldecke wurde um (sage und schreibe) sechseinhalb Meter angehoben und mit steuerbaren Elementen versehen. Alles in allem kostete die aufwändige Sanierung 6,5 Millionen Euro. Hommage an Hans Werner Henze Die Kulturhauptstadt Ruhr hat sich im Rahmen des Festivals «Ruhr 2010» für eine umfassende Hommage an den Komponisten Hans Werner Henze zu einem Netzwerk für Neue Musik zusammengeschlossen. Über 40 Partner präsentieren bis zum Dezember Henzes Œuvre und sein gesellschaftliches Handeln von den frühen Anfängen bis zur Gegenwart. Im Zentrum der Werkschau steht ein Auftragswerk der Kulturhauptstadt «Ruhr.2010» und der Semperoper Dresden: «Gisela oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks». Die Uraufführung dieser Oper ist eine Eigenproduktion der Ruhrtriennale; Regie führt Pierre Audi. Bund erhöht Kulturetat Der Kulturetat des Bundes erhöht sich in diesem Jahr um 17 Millionen Euro auf insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung von eineinhalb Prozent. Der Bund, erklärte dazu Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), gehe so «mit gutem Beispiel für Länder und Kommunen» voran. Von der Erhöhung profitieren besonders die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die 3,75 Millionen Euro mehr erhält als im Vorjahr, die Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH, deren Etat um 2,1 Millionen Euro aufgestockt wird, sowie die Nationalbibliothek (plus 2 Millionen Euro). Für den Schwerpunkt kulturelle Bildung gibt der Bund künftig eine Dreiviertelmillion Euro zusätzlich aus. Die Bayreuther Festspiele erhalten 600 000 Euro, die Projekte der «Initiative Musik» 500 000 Euro mehr. Georg von Waldenfels, ehemaliger bayerischer Finanzminister, ist neuer Vorsitzender der «Gesellschaft der Freunde von Bayreuth». Zum Jahreswechsel löste er Peter Gloystein ab, der erst im Frühjahr 2009 die Nachfolge von Karl-Gerhard Schmidt angetreten hatte. Die Gesellschaft der Freunde ist wie der Bund, der Freistaat Bayern und die Stadt Bayreuth seit dem Rückzug des langjährigen Festspielleiters Wolfgang Wagner zu einem Viertel an der Festspiele GmbH beteiligt. Göttinger Händel-Festspielchef wechselt nach Hannover Der Intendant der Händel-Festspiele Göttingen, Benedikt Poensgen, wird ab Sommer dieses Jahres Leiter des Kulturbüros der Stadt Hannover. Poensgen leitet das renommierte Festival seit zwölf Jahren. Zu seinem neuen Aufgabenbereich in der niedersächsischen Landeshauptstadt zählen die städtische Kunst-, Theater-, Musik- und Literaturförderung, das Kommunale Kino, das Künstlerhaus Kubus sowie die Betreuung der Städtepartnerschaften Hannovers. Poensgen steht an der Spitze eines Teams aus 31 Mitarbeitern. Komponist Husmann ausgezeichnet Der Hamburger Komponist und Dirigent Mathias Husmann hat im finnischen Hämeenlinna die Jean-Sibelius-Geburtshaus-Medaille erhalten. Er wurde für seine 2009 uraufgeführte Oper «Zugvögel» ausgezeichnet, in deren Verlauf die Entstehungsgeschichte der achten Symphonie von Sibelius beschrieben wird. Weiterer Preisträger ist Simon Rattle. Der britische Dirigent wurde für seine Einspielungen der Sibelius-Symphonien geehrt. Niklas Willén ist neuer Chef des WDR-Orchesters | |
DEZEMBER 2009 Salzburger Festpiele feiern 2010 den «Mythos» Zu den Ursprüngen zurück – das wollen die Salzburger Festspiele im kommenden Jahr. «Mythos» ist der Titel des Festivals, die ausgewählten Werke entsprechen dem: Strauss’ «Elektra», Wolfgang Rihms neue Oper «Dionysos» (mit Ingo Metzmacher am Pult), die an der Salzach seine Uraufführung erlebt, und Glucks «Orpheus und Euridice» führen in die ewig interessante alte Welt ein; selbst Bergs «Lulu» gilt den Festivalmachern als mythische Figur (der Moderne). Nikolaus Harnoncourt wird diesen Abend freilich nicht dirigieren, statt seiner leitet Marc Albrecht die von Jürgen Flimm inszenierte Aufführung mit Patricia Petibon in der Titelrolle. Das noch einmal von Markus Hinterhäuser konzipierte Konzertprogramm ist dem «Kontinent Wolfgang Rihm» gewidmet. In neun Konzerten erklingen nicht nur Rihms Werke, sondern auch Kompositionen, zu denen Rihm eine besondere Affinität besitzt, unter anderem von Darius Milhaud.
Britin vermacht der New Yorker Met ein Vermögen Eine wohlhabende Britin vermachte der Metropolitan Opera in New York per Testament die erstaunliche Summe von 7,5 Millionen US-Dollar. Mona Webster, die zuletzt im Jahr 2000 eine Aufführung an der Met gesehen hatte, starb im Alter von 96 Jahren. Auch Langspielplatten von Met-Produktionen gehen jetzt nach New York. Warum keine CDs? Ganz einfach: Frau Webster verfügte über ein Grammophon. Das genügte ihr zeitlebens.
Finanzloch bei den Wiener Bundestheatern Die Bundestheater-Holding, unter deren Dach in Wien die Staatsoper, das Burgtheater und die Volksoper zusammengefasst sind, leiden nämlich unter argen finanziellen Nöten. Das Geld, das bis zum Jahre 2011 hätte reichen sollen, wird bereits Ende dieses Jahres verbraucht sein. Laut lokalen Presseberichten seien die Budgets, die einen vorzeitigen Verbrauch vorsehen, vom Bund als Eigentümer der Holding abgesegnet. Somit müssen ab Januar 2011 neue Mittel zur Verfügung gestellt werden. Für die laufende Spielzeit beläuft sich das Budget der Theater auf rund 146 Millionen Euro. Davon entfallen 51 Millionen auf die Wiener Staatsoper, 48 Millionen auf das Burgtheater und 39 Millionen auf die Volksoper.
Deutschsprachige Opernhäuser brauchen mehr Theater- und Musikpädagogen Dass Geld allein nicht alles ist, das wissen wir. Und nehmen deshalb auch die folgende Kunde sehr ernst: Die deutschsprachige Opernkonferenz hält die Einstellung und Beschäftigung von mehr Theater- und Musikpädagogen für dringend erforderlich. Anders seien, so das Ergebnis des dreitägigen Symposiums Anfang November in Frankfurt am Main, die in Deutschland zunehmenden bildungspolitischen Erwartungen, die an die Theater und Orchester herangetragen werden, nicht zu erfüllen. Schon heute böten die Opernhäuser wie alle anderen Theater und Orchester einen wichtigen Beitrag zur kulturellen und ästhetischen Bildung – sowohl durch die tägliche Opernarbeit als auch durch besondere pädagogische Angebote. Diese reichen von Workshops für Schüler über spezielle Informationsangebote – etwa im Internet – bis hin zu besonderen Produktionen für Kinder und Jugendliche.
Wasserschäden in der Straßburger Oper Im schönen Straßburg hat man gegenwärtig ganz andere Sorgen. Ein Bruch in der Kanalisation hat das Untergeschoss der Opéra de Strasbourg rund 40 Zentimeter unter Wasser gesetzt. Rund eintausend Quadratmeter Boden des Gebäudes wurden nass; betroffen sind technische Einrichtungen, die Informatik und die Werkstätten. Zum Glück kam die Feuerwehr schnell und pumpte das Wasser weg. Auch konnten die laufenden Produktionen dennoch realisiert werden.
Opernbeschäftigte demonstrieren in Berlin für neuen Tarifvertrag In Berlin haben, um ihrer Forderung nach einem für sie akzeptablen Tarifvertrag Nachdruck zu verleihen, die künstlerisch Beschäftigten der Berliner Opernstiftung sowie des Konzerthausorchesters einen Brief an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, geschrieben, in dem sie diesen zur unmittelbaren Aufnahme von Gesprächen über die für sie geltende tarifliche Situation aufforderten, und auch gleich auf der Straße demonstriert. Gemeinsam zogen die Sänger und Musiker vor das Rote Rathaus und gaben dort den Gefangenenchor aus «Nabucco». Ungeachtet der Tatsache, dass hier seitens der Interpreten eine historische inkorrekte Parallele gezogen wurde, wurde der stimmstarke Gesang erhört. Ob die Forderung nach mehr Lohn ebenfalls erhört werden wird, steht allerdings dahin.
Georges Delnon verlängert bis 2014 in Schwetzingen Georges Delnon hat seinen Vertrag als Musiktheater-Chef der Schwetzinger Festspiele bis zum Jahr 2014 verlängert. Delnon ist seit 2008 im Amt und leitet seit 2006 zudem das Theater Basel, das für die Spielzeit 2008/09 in der Kritikerumfrage von «Opernwelt» zum «Opernhaus des Jahres» gewählt wurde. Für das kommende Jahr sind in Schwetzingen zwei Premieren programmiert: die anno 1780 entstandene Tragédie lyrique «Andromaque» von André-Ernest-Modeste Grétry sowie «La Père» von Michael Jarre auf einen Text von Heiner Müller.
Chor von Durham Cathedral nimmt erstmals Mädchen auf Die Emanzipation schreitet unaufhaltsam voran. Erstmals seit dem fernen Jahr 1640 hat sich der Chor der Durham Cathedral dazu entschlossen, auch Mädchen in seine Reihen aufzunehmen. An der Seite der zwanzig Knaben singen künftigt junge Nachwuchstalente im Alter von neun bis elf Jahren im Chor mit. Reverend Michael Sadgrove, Dean of Durham, zeigte sich mit der Entwicklung sehr zufrieden. Er schätze sich glücklich, sagte der Dean, Teil eines historischen Momentes zu sein.
Pierre Boulez erhält Kyoto Preis Pierre Boulez erhielt – wie der Evolutionsbiologe Peter Raymond Grant und der Elektronikforscher Isamu Akasaki – den mit umgerechnet 370 000 Euro dotierten Kyoto-Preis, eine der höchsten Auszeichnungen in den Bereichen Kultur und Wissenschaft weltweit.
Rolando Villazón ist wieder fit Rolando Villazón hat sich erholt, seine Stimme funktioniert wieder. Das zumindest sagt der Liebling aller Schwiegermütter und Tenorfreaks selbst. Im Rahmen einer als Home-Video getarnten Pressekonferenz (www.rolandovillazon.com) verkündete Villazón in englischer Sprache, zwei Dinge seien passiert: «Das erste Ding: Meine Haare sind gewachsen. Das zweite Ding: Meine Stimme ist zurück!»
Dirigenten für neues Dresdner Konzerthaus Dirigenten aus aller Welt haben für den Bau eines neues Konzerthauses in Dresden plädiert: «Dresden ist seit Jahrhunderten eine Kultur- und Musikstadt von internationalem Rang», heißt es in einer von der Sächsischen Staatskapelle verbreiteten Erklärung. Sie ist unter anderem von Kurt Sanderling, Daniel Barenboim, Pierre Boulez, James Levine, Nikolaus Harnoncourt und Zubin Mehta unterzeichnet. Grund für die Petition besteht allemal. Zwar hat die sächsische Landeshauptstadt zwei ausgezeichnete Orchester (Sächsische Staatskapelle, Dresdner Philharmonie), aber keinen angemessenen Saal. Favorisiert wird, da die Stadt nicht genügend Finanzmittel hat, der Umbau des 40 Jahre alten DDR-Kulturpalastes zu einem klingenden Musentempel.
UdK-Präsident Martin Rennert bleibt im Amt Der neue UdK-Präsident ist der alte. Mit großer Mehrheit wurde Martin Rennert im Amt bestätigt. Rennert ist seit 1985 Professor an der Universität der Künste Berlin und seit 2005 deren Präsident.
Simon Standage erhält Telemann-Preis 2010 Der britische Dirigent und Geiger Simon Standage erhält den mit 2500 Euro dotierten Georg-Philipp-Telemann-Preis der Stadt Magdeburg. Gewürdigt wird damit nach den Worten des Magdeburger Kulturbeigeordneten Rüdiger Koch das «umfangreiche Wirken des Interpreten und Hochschullehrers für die Verbreitung der Werke Telemanns». Standage lehrt unter anderem an der Londoner Royal Academy of Music und war Juror bei unterschiedlichen Wettbewerben, so auch beim Telemann-Wettbewerb.
Catherine Rückwardt verlässt Mainz Die Dirigentin Catherine Rückwardt, Generalmusikdirektorin des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz, wird dieses Amt im Jahr 2011 aufgeben. Nach zehn Jahren am Staatstheater Mainz wolle sie sich «neuen Herausforderungen» stellen, hieß es in einer Mitteilung aus dem rheinland-pfälzischen Kultusministerium.
Niklas Willén leitet ab 2010 das WDR-Rundfunkorchester Sorgen haben die einen, Planungssicherheit die anderen. Der schwedische Dirigent Niklas Willén übernimmt im September 2010 für drei Jahre die Position des Chefdirigenten beim WDR Rundfunkorchester in Köln. Willén, der seit der Spielzeit GMD am Volkstheater Rostock ist, tritt die Nachfolge von Michail Jurowski an, dessen Vertrag 2008 ausgelaufen war.
Juilliard School erwirbt Beethoven-Manuskript Die New Yorker Juilliard School hat ihrer Sammlung historischer Musikmanuskripte zwei wertvolle Objekte hinzugefügt: ein Autograph von Beethovens «Kreutzersonate» und einen Auszug aus dem Oratorium «Elias» von Felix Mendelssohn Bartholdy mit Korrekturen des Komponisten. Die beiden Dokumente sind laut einem Bericht der New York Times Geschenke des Mäzens Bruce Kovner, der dem Institut bereits eine große Sammlung an historischen Dokumenten überlassen hat.
Sprechtheater in Luzern soll Salle Modulable weichen Der Luzerner Stadtrat will das Theater der Stadt in die geplante Salle Modulable integrieren und aufs Musiktheater konzentrieren. Laut einer Medienmitteilung ist der Stadtrat der Meinung, dass keine zusätzlichen Subventionen seitens der Stadt und des Kantons Luzern an die Salle Modulable gehen können. Basis seien die 20,2 Millionen Schweizer Franken, die gegenwärtig dem Luzerner Theater zukommen. Aufgrund der angespannten Finanzsituation sei es angeraten, in der Salle Modulable einen aufs Musiktheater fokussierten Saisonbetrieb zu führen; das bisherige Theatergebäude solle dann aufgegeben werden.
Menuhin-Festival gründet eigenes Orchester Das in Gstaad ansässige Menuhin-Festival wird ab dem Jahr 2010 ein eigenes Symphonieorchester unterhalten. Als Principal Conductor amtet Maxim Vengerov, als zweiter Dirigent Kristian Järvi. Die Basis des Ensembles bildet das derzeit 45-köpfige Kammerorchester Basel, das zum Zwecke der Erweiterung zu einem symphonischen Ensemble um 35 Musiker aufgestockt wird, die aus Klangkörpern wie dem Tonhalle-Orchester Zürich oder dem Gewandhausorchester Leipzig kommen sollen. Auch einen Namen hat die Neugründung schon: «Gstaad Festival Orchestra» soll sie heißen – und zur eigenen Finanzierung Europa-Tourneen absolvieren.
Mehr Oper für Blinde und Sehbehinderte Am 5. Dezember organisiert das Hessische Staatstheater Wiesbaden eine barrierefreie Vorstellung von Verdis «Il trovatore» für Blinde und Sehbehinderte. Die visuellen Zeichen der Aufführung sind für die Besucher per Live-Audiodeskription zugänglich. Die Erläuterungen zur Oper werden von dem Berliner Autorenteam des Vereins «Hörfilm e. V.» erstellt und eingesprochen. Bundesweit zählt das Hessische Landestheater damit zu den ersten Institutionen, die solche Veranstaltungen anbieten.
Gesangwettbewerb in Spoleto Mit insgesamt 43 000 Euro ist die European Community Competition «A. Belli» in Spoleto dotiert. Anmeldeschluss für die 64. Auflage des internationalen Gesangwettbewerbs ist der 17. Februar 2010. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.tls-belli.it
Stefan Blunier wird Erster Gastdirigent beim Orchestre National de Belgique Der Bonner Generalmusikdirektor Stefan Blunier wird mit Beginn der Saison 2010/11 «Premier Chef Invité» des Orchestre National de Belgique. Blunier soll mit dem Orchester vor allem das französische und russische Repertoire sowie zeitgenössische Werke einstudieren. Sein Vertrag ist auf drei Jahre abgeschlossen.
Stradivari-Ausstellung in Köln abgesagt Eine Ausstellung mit Instrumenten Antonio Stradivaris im Kölner Wallraf-Richartz-Museum unter dem Titel «Stradivari – Mythos und Musik» muss aus wirtschaftlichen Gründen abgesagt werden.
Klanginstallation von Erwin Stache in Weimar beschädigt Eine anlässlich der 22. Tage der Neuen Musik in Weimar auf dem Goetheplatz aufgestellte Klanginstallation von Erwin Stache wurde mutwillig beschädigt. Unbekannte Täter rissen vier Klangstäbe aus ihrer geschweißten Halterung.
Honululu Symphony Orchestra bankrott Die Honululu Symphony ist bankrott. Sämtliche Konzerte des Orchesters wurden gestrichen. Das 109 Jahre alte Ensemble steht vor einem Schuldenberg von einer Million US-Dollar und verfügt über keine flüssigen Mittel mehr, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Jugendprojekte in Hannover und Hitzacker erhalten Förderpreis Musikvermittlung Das für 2010 geplante Jugendprojekt «Rheingold – Der Film» von der Staatsoper Hannover, dem MusikZentrum Hannover und der TVN GROUP Film & TV Productions wird mit dem erstmalig ausgeschriebenen Förderpreis Musikvermittlung ausgezeichnet. Ausgelobt ist die Ehrung von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Initiative «Musikland Niedersachsen». Ebenfalls ausgezeichnet wurden die Sommerlichen Festtage Hitzacker für ihr Projekt «Labor Orchester», das im Rahmen der Saison 2010 realisiert wird.
Anne-Sophie Mutter erhält den Preis der Kulturstiftung Dortmund Anne-Sophie Mutter, die Geigen-Nestorin der Nation, wird für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Im März 2010 wird sie den mit 25 000 Euro dotierten «Preis der Kulturstiftung Dortmund» entgegennehmen.
Nach fünfjährigem Vorlauf ist es nun so weit: Das Ruhrgebiet wird sich ab Januar des kommenden Jahres als Kulturhauptstadt Europas präsentieren. Das Programm der «Ruhr 2010» umfasst rund 300 Projekte und 2500 Veranstaltungen. Unter anderem ist eine Hommage an den aus Westfalen stammenden Komponisten Hans Werner Henze geplant. Henze arbeitet derzeit an einer neuen Kinderoper (Arbeitstitel: «Gisela oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks»), die im September 2010 unter der Leitung von Steven Sloane und in der Regie von Pierre Audi uraufgeführt werden soll. Auch sonst wird die Auseinandersetzung mit Henzes Bühnenwerken eine große Rolle spielen: Mühlheim macht «Pollicino», Dortmund «Der junge Lord», Oberhausen «El Cimarrón», Essen die «Elegie für junge Liebende», die Deutsche Oper bereitet «Phaedra» vor, und der WDR reaktiviert die Funkopern «Ein Landarzt» und «Das Ende der Welt». Konzerte, Kinderprogramme und ein Henze-Symposium (Essen) runden den Schwerpunkt ab. Weitere Informationen unter www.ruhr2010.de Der Kaufmännische Geschäftsführer der Niedersächsischen Staatstheater Hannover GmbH, Jürgen Braasch, hat seinen Vertrag um fünf Jahre bis 2016 verlängert. Braasch bekleidet das Amt seit 2006. Im Alter von 82 Jahren ist in Stockholm die schwedische Sopranistin Elisabeth Söderström nach längerer Krankheit gestorben. Die Sängerin, 1927 geboren, studierte an der Royal Academy of Music sowie an der Opera School in ihrer Heimatstadt Stockholm und debütierte 1947 in Mozarts «Bastien und Bastienne» am dem in der Nähe der schwedischen Hauptstadt gelegenen Drottningholm Court Theatre. In den Folgejahren war Elisabeth Söderström Stammgast beim Opernfestival in Glyndebourne und machte sich vor allem als Strauss-Interpretin einen Namen. In den Jahren 1969/70 wirkte sie an der Aufnahme von Debussys einziger Oper «Pelléas et Mélisande» unter der Stabführung von Pierre Boulez mit. | |
OKTOBER 2009
Roberto Alagna und Angela Gheorghiu gehen getrennte Wege Es ist ein Drama. Ach was, Drama. Es ist ein Alptraum. Das Traumpaar der Opernbühne ist nicht länger ein Paar. Das jedenfalls hat Roberto Alagna, in einem Interview mit «Figaro» gesagt. Er und Angela hätten sich getrennt, so Alagna. Allerdings sei Angela noch nicht bereit, in eine Scheidung einzuwilligen. Und weil er schon einmal beim Ausplaudern von persönlichen Dingen war, erzählt Alagna auch, dass er zwar in der Schweiz lebe, aber in Frankreich seine Steuern entrichte. Für einen Galaabend erhielte er eine Gage von 60000 Euro, und wenn er mehr Geld benötige, dann trete er eben in Abu Dhabi oder in Japan auf, wo es rund 100000 Euro für einen Abend gebe. Spärlich nimmt sich dagegen das Honorar für einen Abend in der Oper aus. Dort betrage die Gage «nur» 13000 Euro, sagte Alagna. Von diesem Geld sehe er allerdings nicht viel, weil die Hälfte für Steuern abgehe und an Agenten. Der Rest seien Spesen. Christian Thielemann geht nach Dresden Wie viel Gage Christian Thielemann für einen Abend erhält, wissen wir leider nicht. Was wir aber wissen, ist, dass er der bayerischen Kapitale 2011 den Rücken kehrt, sich also von den Münchner Philharmonikern trennt, und dass er eine neue künstlerische Ehe eingehen wird. Mit Beginn der Saison 2012/13 wird Thielemann Chefdirigent der Staatskapelle Dresden. Dort löst er Fabio Luisi ab, der 2012 als Generalmusikdirektor der Oper in Zürich wird. Fabio Luisi auf Tournee durch die Schweiz Und damit die Schweizer Musikliebhaber den Neuen gleich mal richtig gut kennenlernen, unternimmt Luisi eine ausgedehnte Tournee durch das gleichermaßen schöne wie bergige Land. Im Rahmen der Migros-Kulturproduzent-Classics (was für ein Name) gastiert er mit den Wiener Symphonikern Ende Oktober in Bern, Genf, Luzern und Zürich. Zürcher Oper erleichtert Studenten den Zugang Studenten aus der Schweiz und dem benachbarten Ausland können sich ab sofort auf der Website der Oper Zürich einloggen und online für mehrere Vorstellungen Karten zu Spezialpreisen erwerben. Bisher konnten Studenten ausschließlich an der Billettkasse und neunzig Minuten vor der jeweiligen Vorstellung kostengünstige Tickets erwerben. Weitere Information gibt es, wen wundert es, im Netz. Unter www.opernhaus.ch. Genesung von James Levine verzögert sich Länger als geplant warten müssen hingegen die Fans des amerikanischen Dirigenten James «Jimmy» Levine. Der hatte sich einer Rückenoperation unterziehen müssen und kann deshalb weder in der New Yorker Met noch an der Spitze des Boston Symphony Orchestras stehen. Eigentlich sollte er am 22. Oktober wieder dirigieren, um den Zyklus der Beethoven-Symphonien zu interpretieren. Nun wird wahrscheinlich eine weitere Woche ins Land gehen, bevor sich Levine mit Beethoven in Boston auseinandersetzt. Jun Märkl verlässt Lyon Jun Märkl will seinen 2011 auslaufenden Vertrag als Musikalischer Leiter des Orchestre National de Lyon nicht verlängern. Grund ist ein Dissens mit dem neuen Generaldirektor Laurent Langlois, der ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Konzertprog |